HGM Wissensblog

„… die Festung zu halten oder mit ihr zu fallen.“

Die Burgbastei und ihre militärhistorische Bedeutung

1. Einleitung

Mit dem Sieg der Osmanen gegen die Ungarn in der Schlacht von Mohács (1526), dem Tod des ungarischen Königs Ludwig II. in dieser Schlacht und dem Antritt des böhmischen und ungarischen Erbes durch den Habsburger Ferdinand (I.) vollzog sich eine radikale Wende in den osmanischösterreichischen Beziehungen. Das Osmanische Reich war durch die Besetzung eines Großteils Ungarns zum direkten Gegner der Habsburger geworden. Dies führte in den folgenden Jahrhunderten zu zahlreichen osmanisch-habsburgischen Konflikten, so etwa dem Türkenkrieg von 1529 bis 1568 mit dem Höhepunkt der Ersten Belagerung Wiens durch die Osmanen im Jahre 15291, dem Langen Türkenkrieg von 1593 bis 16062 oder dem Feldzug der Osmanen im Jahre 1664, der mit dem Sieg des christlichen Koalitionsheeres unter Raimund Graf Montecuccoli bei Sankt Gotthard/Mogersdorf3 endete.

/
Das Osmanische Reich 1683 ©AtilimGunesBaydin, wikipedia

Zu erneuten Auseinandersetzungen mit den Osmanen kam es, als sich 1678 im habsburgischen Teil Ungarns ein Teil des ungarischen Adels mit Emmerich Thököly als Anführer gegen die Habsburger empörte. Leopold I. antwortete sofort mit einer Gegenoffensive, die sich in Oberungarn zu einem gnadenlosen Dauerkrieg zu entwickeln schien.

/
Anonym, Kaiser Leopold I., Öl auf Leinwand, um 1700 ©HGM
/
Jacobus Peeters, Sultan Mohammed IV., Druckgrafik ©HGM

 

Dieser verließ mit seinem Heer Anfang April 1683 Adrianopel (Edirne) in Richtung Belgrad, wo er dem Großwesir Kara Mustafa Pascha den Oberbefehl übertrug. Dieser hatte einerseits den Ruf, ein begabter Verwalter4 und unermüdlicher Arbeiter zu sein; andererseits galt er als Emporkömmling aus Anatolien, dessen unstillbare Gier nach Macht ihn dazu trieb, alles und jeden zu opfern, der seinem Ehrgeiz im Wege stand. Sofort nach seiner Ernennung zum Großwesir war er mit dem Planen diverser Ruhm verheißender Projekte beschäftigt gewesen, darunter vermutlich auch ein Feldzug nach Wien.

 

Er dürfte daher die treibende Kraft hinter dem Plan, Wien zu belagern, bzw. sogar dessen Initiator gewesen sein. Der kaiserliche Resident in Konstantinopel, Georg Christoph Baron Kunitz, hatte entsprechende Befürchtungen bereits Anfang der 80er Jahre des 17. Jahrhunderts der Geheimen Konferenz mitgeteilt. Doch Kaiser Leopold und der Wiener Hof, die eher mit einem Krieg gegen Frankreich gerechnet hatten, glaubten noch Anfang 1683 fest daran, dass sie mit den ungarischen Rebellen fertig werden und sich mit den Osmanen auf friedliche Weise verständigen könnten.

/
Großwesir Kara Mustafa, Druckgrafik ©HGM

Als problematisch erwies sich die Tatsache, dass die Armee nach dem Frieden von Nijmwegen 1678 stark reduziert worden war und die Aufrüstung trotz der päpstlichen Subsidien nur langsam voranging. Der Kaiser hatte daher 1682 nur 36.000 Mann unter Waffen, diese waren jedoch weit verstreut in den Erblanden, in Ungarn und am Rhein. Zusätzliche Truppen konnten nur die deutschen Fürsten stellen, was aber monatelange Verhandlungen und einen wochenlangen Marsch nach Ungarn bedeutet hätte. Verhandlungen mit den Polen zogen sich bereits seit dem Frühjahr 1682 hin; sie konnten erst mit einem Vertrag vom 31. März 1683 zwischen Leopold I. und Johann Sobieski abgeschlossen werden.5 Dabei spielten sicher auch die Nachrichten von den osmanischen Kriegsvorbereitungen eine wichtige Rolle.

Die Osmanen rückten allerdings schneller vor, als es der Hofkriegsrat erwartet hatte. Verstärkungen aus Asien und Hilfstruppen der Vasallenstaaten stießen an der Donau zur Hauptarmee. In Ungarn schloss sich die Kavallerie des Tatarenkhans an. Die regulären, gut ausgebildeten osmanischen Kerntruppen waren etwa 40.000 Mann stark, 15 bis 20.000 Mann davon für den Graben- und Sturmkampf ausgebildet. Mit den Hilfstruppen kamen die osmanischen Streitkräfte auf fast 100.000 Kombattanten, wobei aber der Tross, Diener, Sklaven und was sonst noch mit der Armee mitzog nicht mitgerechnet war. Thököly schloss sich den Osmanen mit seinem Korps bei Esseg (Osijek) an der Drau in Südwestungarn an.

/
Vormarsch der Osmanen 1683 (Türken vor Wien)

Kara Mustafa begann nun einen Angriffskrieg gegen das Habsburgerreich, der sich als schwere Fehleinschätzung erweisen sollte. Die Motive des Großwesirs waren – folgt man der Historiografie – Habgier, Machtsucht und der alte Traum von der Einnahme des „Goldenen Apfels“.6 Vor allem die Eroberung Wiens, der Residenz des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, welches in der Nachfolge Westroms stand, besaß symbolhafte Bedeutung für ihn.

Sobald der Hofkriegsrat sich über die Marschrichtung der osmanischen Truppen im Klaren war, entwarf er einen Plan für einen offensiven Feldzug nach Ungarn in der Hoffnung, den Krieg auf diese Weise auf ungarisches Gebiet zu beschränken. Doch die Zeit drängte, und letztendlich erwies sie sich als zu kurz, um alle zur Verfügung stehenden kaiserlichen Truppen zu mobilisieren.7

/
E. Hainzelmann nach C. Herbel, Herzog Karl von Lothringen, Druckgrafik ©HGM

Seit Mitte Mai waren kaiserliche Truppen unter der Führung Herzog Karls von Lothringen in Kämpfe gegen osmanische Truppen verwickelt gewesen. Bei dem den Kampfhandlungen auf ungarischem Gebiet vorausgehenden Kriegsrat hatte sich auch Karl für eine Offensive ausgesprochen, welche nicht nur die in Richtung Wien vorstoßenden türkischen Truppen überraschen, sondern auch die Kampfmoral der österreichischen Soldaten stärken sollte. Es kam jedoch in der Folge zu vielen Änderungen, die von ihm in dem durch Festungsbaumeister Johann Georg Rimpler8 und den Vorsitzenden des Hofkriegsrates, Hermann von Baden, erstellten Verteidigungsplan des Kaiserreiches vorgenommen wurden. Bei Kittsee, wo sich kaiserliche Truppen versammelt hatten, verfügte Karl über 32.000 Mann Infanterie und Kavallerie sowie über 72 Geschütze und 15 Mörser.9

Die Kaiserlichen stießen zunächst bis zu den Festungen Raab (Győr) und Komorn (Komárno, Komárom) vor und marschierten dann weiter nach Neuhäusel (Nové Zámky, Érsekújvár), wo Herzog Karl nach der Ankunft der schweren Geschütze ab dem 3. Juni mit der Belagerung der Festung begann. Das langsame Vorrücken der kaiserlichen Truppen beruhte allerdings weniger auf dem Zögern des Oberbefehlshabers, sondern vielmehr auf den Entscheidungen des Hofkriegsrates und der Geheimen Konferenz, die sich angesichts der rasch vorrückenden türkischen Truppen gegen offensive Kampfhandlungen ausgesprochen hatte. Unter diesem Druck sah sich Herzog Karl gezwungen, von der sich an sich erfolgreich entwickelnden Belagerung von Neuhäusel Abstand zu nehmen, erneut bei Komorn ein Lager aufzuschlagen und auf Aktivitäten von Seiten des Feindes zu warten. Nachdem er Raab erreicht und die Besatzung der Festung verstärkt hatte, begannen am 30. Juni erste Scharmützel mit der Vorhut der türkischen Streitkräfte am Fluss Raab. Um nicht von Wien abgeschnitten zu werden, setzte sich Herzog Karl, nachdem er zuvor fast die gesamte Artillerie und Infanterie zurück nach Wien beordert hatte, mit der Reiterei in Richtung Ungarisch-Altenburg (Magyaróvár) ab, um das Landesinnere vor den verheerenden Streifzügen der Tataren zu verteidigen. Beim Rückzug wurde Herzog Karl bei Petronell in ein blutiges Gefecht mit der Vorhut der türkischen Truppen verwickelt, das mit einer Niederlage endete. Insbesondere die Tataren setzten den kaiserlichen Truppen arg zu und verbreiteten unter den Soldaten, die den Kampf gegen einen solchen Gegner nicht gewohnt waren, Angst und Schrecken.

Wien glich zu jener Zeit einem Hexenkessel. In der Inneren Stadt hielten sich damals noch rund 60.000 Menschen auf. Dabei handelte es sich aber nicht nur um ortsansässige Wiener – denn von den rund 90.000 Einwohnern waren viele bereits Richtung Westen geflohen, darunter auch der Kaiser und seine Familie –, sondern auch um viele Flüchtlinge aus ländlichen Gebieten, die in der Stadt Schutz und Zuflucht gesucht hatten.10

/
J. Axmann nach P. Fendi, Ernst Rüdiger von Starhemberg, Druckgrafik ©HGM

Am 8. Juli traf Feldzeugmeister Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg, der von Kaiser Leopold I. bereits 1680 zum Kommandanten der kaiserlichen Residenzstadt Wien und in weiterer Folge zum Obersten der Stadtguardia bestellt worden war, in Wien ein und bildete eine Notregierung. Starhemberg war „ein einfacher, aufrechter und sehr tatkräftiger Soldat“, der es mit seiner geradlinigen Art verstand, das Beste aus seinen Männern herauszuholen. Die Zahl der ihm unterstellten Verteidiger Wiens betrug knapp über 16.000 Mann, und zwar 11.200 Soldaten (10.600 Mann Infanterie; 600 Kürassiere) sowie acht Kompanien (1.815 Mann) Bürgerwehr und Freiwillige.

Dazu kamen noch die wehrhaften Angehörigen der Zünfte (ca. 1.200), 700 Studenten, rund 1.000 Hofbedienstete und fast 300 Jäger aus den Domänen in der Umgebung Wiens. Insgesamt konnten die Stadtbehörden, die Universität, die Kaufleute und der Hof etwa 5.000 Mann aufbringen. Deren Aufgabe war es, den Wach- und Feuerlöschdienst zu versehen, an den Befestigungen zu arbeiten und das Militär zu unterstützen.11

Bei Christian Wilhelm Huhn, einem Juristen, hört sich diese Zahl ein wenig pessimistisch an:

„…16.600 theoret(isch)“, praktisch aber kaum „über 10.000 gesunder Mannschafft“.

Die obgenannte Zahl bezieht sich aber vermutlich nur auf die Stadtguardia mit einer nominellen Stärke von 16.000 Mann in 72 Kompanien.12

Die noch verbleibenden Tage nutzte die Stadt, um sich auf eine lange Belagerung einzustellen. Die Versorgung der Festung mit Verpflegung, Munition und Waffen war ausreichend. Bereits gegen Ende des Jahres 1682 hatten der Hofkriegsrat und der Magistrat begonnen, entsprechende Vorsorge zu treffen. Einerseits waren die Depotbestände des kaiserlichen und des bürgerlichen Zeughauses auf Kriegsstand gebracht worden, andererseits wurde den privaten Haushalten eine Bevorratung vorgeschrieben, die man auch stichprobenartig überprüfte.13 Nun wurden noch weitere Lebensmittel und militärischer Nachschub in die Stadt gebracht:

„Den 10. Julii noch viel Munition an Bley, Pulver, Stück=Kugeln, Proviant etc. die Donau herab … in die Festung zu rechter Zeit anlangten“.14

/
Osmanischer Plan zur Belagerung Wiens 1683 ©Wien Museum, aus: Winkelbauer, Ständefreiheit

Nach der Verstärkung der Besatzung von Wien setzte Herzog Karl auf das rechte Donauufer über und verbrannte danach die Brücken. Es war bereits allerhöchste Zeit, mit der Reiterei überzusetzen, denn ab dem 14. Juli war Wien von allen Seiten von türkischen und tatarischen Truppen umzingelt.15

/
Giovanni Jacomo Rossi, Aufmarsch der osmanischen Armee vor Wien 1683, Kupferstich, 1683 (?): Wagentruppen, Reiter, z.T. auf Dromedaren, Fußsoldaten und Kanoniere in verschiedenen Formationen rücken auf Wien (oben links klein im Bild) vor. In der Mitte des Hauptheeres befindet sich der Großwesir, umgeben von im Viereck angeordneten Janitscharen. ©Wien Museum, aus: http://tuerkenbeute.de

2. Festung Wien

Nach der gescheiterten ersten Belagerung Wiens durch die Türken 1529 und dem missglückten zweiten Vorstoß Richtung Wien nur drei Jahre später infolge der hartnäckigen Verteidigung der Festung Güns (Köszeg) standen zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges das Heer der böhmischen und mährischen Stände unter ihrem Anführer Matthias Thurn und jenes des Fürsten von Siebenbürgen Gabriel Bethlen vor Wien, mussten jedoch unverrichteter Dinge wieder abziehen, da ein Angriff polnischer Truppen in den Rücken des siebenbürgischen Heeres dieses zum Rückzug zwang, was auch den Rückmarsch der Böhmen zur Folge hatte.16

1646 bedrohten schwedische Truppen unter Lennart Torstensson Wien in der Hoffnung, dass sich ihnen Georg I. Rákóczi, der Fürst von Siebenbürgen, mit seinen Truppen anschließen würde. Dieser hatte jedoch bereits am 13. Dezember 1645 Frieden mit dem Kaiser geschlossen. Daraufhin zogen sich die Schweden nach der Eroberung der Wolfsschanze, eines Brückenkopfes am linken Donauufer an der Straße nach Wien, und der Niederlage gegen Erzherzog Leopold Wilhelm in der Brigittenau wieder in Richtung Brünn (Brno) zurück.17

Die letztgenannten Ereignisse, die ohne schwere Belagerungsartillerie stattgefunden hatten, führten deutlich vor Augen, dass die Stadt Wien einer Belagerung durch ein Heer mit einer entsprechenden Anzahl großer Belagerungsgeschütze nur schwer würde standhalten können. Zwar hatten italienische Festungsbauer nach der Ersten Türkenbelagerung 1529 im Auftrag König Ferdinands umfangreiche Entwürfe für eine Neubefestigung des noch mit einer mittelalterlichen Befestigungsanlage ausgestatteten Wien vorgelegt und begonnen, die Stadt nach „altitalienischer Manier“ mit dem modernsten Befestigungssystem auszustatten: Eine 4,5 km lange Anlage von zwölf aus dem Stadtgraben aufsteigenden, teils aus Steinen, teils aus Ziegeln gemauerten Basteien mit einer Höhe von sechs bis acht Metern und einer Breite von etwa 20 bis 30 Metern, die durch neue Wallanlagen, die Kurtinen, miteinander verbunden waren, sollte die Stadt in Form eines Festungskranzes schützen. An eine Einbeziehung der Vorstädte in den eigentlichen Verteidigungsbereich, wie es etwa bei Belgrad der Fall war, war nicht zu denken. Im Gegenteil: Sie wurden ganz bewusst durch einen unverbauten Gebietsstreifen, das sogenannte Glacis, vom Stadtzentrum getrennt. 1561 war man bereits mit den wesentlichen Bauarbeiten fertig, bis ins 17. Jahrhundert zogen sich dann aber noch ergänzende Baumaßnahmen, wie etwa der Ersatz der noch verbliebenen mittelalterlichen Mauern durch neuzeitliche Wallanlagen, hin. Mit der abnehmenden osmanischen Bedrohung versiegten jedoch die finanziellen Mittel, weshalb es schlussendlich nicht weniger als 130 Jahre dauerte, bis die ursprünglichen Entwürfe realisiert wurden. Dieser langsame und stückweise Ausbau führte dazu, dass sich Fehler einschlichen, die, wie bereits erwähnt, die kriegsmäßige Bewährung der Festung in Frage gestellt hätten, wenn man nicht noch, quasi in letzter Sekunde, Verbesserungen vorgenommen hätte. Einige Basteien waren für den Kriegseinsatz zu groß dimensioniert, andere wiederum zu klein; einige waren zu hoch, andere zu niedrig; einige waren zu breit, andere zu schmal. Nicht an allen Basteien waren Kavaliere oder Katzen – erhöhte Plattformen für Geschütze – errichtet worden. An manchen Stellen erwiesen sich die verbindenden Mauern als zu schwach, stellenweise waren sie sogar einsturzgefährdet. Manche Teile der Befestigungsanlagen wie etwa die Dominikanerbastei, waren nur mit Bruchsteinen und nicht mit Ziegeln abgemauert, was bei Artilleriebeschuss zu einer tödlichen Splitterentwicklung führen konnte. Durch das Wasser des Stadtgrabens drohte die Unter- bzw. Auswaschung der Mauern.18

/
Folbert van Alten Allen, Vogelschau der Stadt Wien und Umgebung von Nordwesten, vor 1683 „Abriß der Kayserl. Residenz Stadt Wienn, wie selbe vor der Belagerung vnd darauff erfolgten Abbruch eines Theils ihrer Vorstädt gestanden ... (1686) Reproduktion ©MA 20
/
Basteien (Gerhartl, Belagerung, Anhang)

Daraufhin erfuhr die Festung ab 1637 eine letzte entscheidende Ausbauphase, die 1672 abgeschlossen wurde. Der äußere gemauerte Grabenrand, die sogenannte Kontereskarpe – mit einer Tiefe von sechs Metern und im Zickzack verlaufend –, wurde durch die Anlegung eines Gedeckten Weges von größter Wichtigkeit für die Verteidigung des Grabens; ebenso elf Ravelins genannte, aus dem Stadtgraben aufragende, aus zwei in einem Winkel zusammenstoßenden Facen zusammengesetzte Vorwerke, die die Kurtinen schützten, obgleich sie oft nur aus mit Gras bewachsenem Erdwerk bestanden und auf der Rückseite meist nur durch Palisaden geschützt waren.19

/
Die Befestigungen im Abschnitt Löwelbastei – Burgbastei, Längsschnitt (Vesely)

Der Stadtgraben selbst war 20 Meter breit und zwischen sieben und acht Metern tief; er dürfte aber nur in Donaunähe ständig unter Wasser gestanden sein – von der Burgbastei bis zur Schottenbastei war er großteils versumpft oder gänzlich ausgetrocknet. In die Innere Stadt gelangte man nur über die den Graben überspannenden Holzbrücken durch insgesamt zehn Tore, die zumeist im mittleren Bereich der Kurtine angebracht waren.

Oberstleutnant Johann Georg von Hoffmann, der sich aktiv an der Verteidigung der Stadt beteiligte, äußerte in seinen Erinnerungen Kritik, wonach die über 200 Meter lange Stadtmauer zwischen den Basteien zu lang für einen wirksamen Kartätscheneinsatz gewesen sei. Dazu kam, dass die Ravelins etwas zu weit in den Graben vorgeschoben und etwas zu hoch gebaut waren, so dass der Artilleriebeschuss im Graben hinter dem Ravelin von den Basteien nur eingeschränkt möglich war. Die ersten Häuser der Vorstadt waren nur 200 Meter von der Stadtmauer entfernt, außerdem konnte das Glacis in den letzten Tagen vor der Belagerung nicht mehr eingeebnet werden.20

/
Daniel Suttinger, Grundrissplan der Stadt Wien 1683 (1684) (Reproduktion durch Albert Camesina als Lithographie 1876) ©wikimedia

3. Die Belagerung

Der Kommandant der kaiserlichen Residenzstadt Wien, Feldzeugmeister Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg, beauftragte die Ingenieure Georg Rimpler, der sich auch als Festungsbaumeister bereits einen Namen gemacht hatte, Daniel Suttinger, Ingenieurleutnant der Stadtguardia, und Johann von Hohen mit der Ausarbeitung von Plänen für die Modernisierung und Instandsetzung der Wiener Befestigungsanlagen; sie sollten insbesondere die Möglichkeit für eine effiziente Grabenverteidigung schaffen. Chefingenieur Rimpler schlug vor, das Glacis durch die Schleifung der unberechtigt erbauten Häuser zu verbreitern und den Graben von Schutt und Schlamm zu säubern und zu vertiefen. Zudem forderte er eine Verbesserung des Gedeckten Weges. Dies geschah dadurch, dass kurz vor dem Eintreffen der Belagerer zu dessen Schutz und als Abgrenzung zum Glacis ein Palisadenzaun errichtet wurde, der die äußerste Verteidigungsanlage bildete. Schon angesichts des herannahenden osmanischen Heeres ließ Starhemberg noch die Südwestfront der Stadtbefestigung durch Kaponnieren, halbeingegrabene bunkerartige Blockhäuser, zwischen den Ravelins bei den zurückspringenden Winkeln verstärken. Aus Pfosten, Brettern und Stroh gebaut und mit Balken und Erde gedeckt, sollten sie dazu beitragen, seitlichen Angriffen leichter Widerstand zu leisten und die Verteidiger zugleich vor Granaten, Steinprojektilen und Musketenkugeln
schützen. Sie konnten 35 bis 40 Mann aufnehmen. Im Graben selbst sollte ein gedeckter Durchgang von den Ravelins zur Kurtine führen. Dies ermöglichte es den Verteidigern, Kontakt zu halten und den Graben mit Flankenfeuer zu bestreichen. Als die Türken bereits begannen, ihr Lager zu errichten, waren die Verteidiger immer noch verzweifelt bemüht, die Arbeiten zur Verstärkung der Befestigungsanlagen abzuschließen.21 Auch setzten bereits die ersten Kampfhandlungen ein:

„… und haben die Herrn Niderläger [250 Mann stark, Handelsleute der ksl. Befreiten Niderlag] und deren Leuth auß der Kays. Burck/Burck Pastey und andern gefährlichen Orthen mit Schiessen gegen dem Erbfeind sich dapffer gehalten“.22

Dann bezogen die Kaiserlichen und deren Helfer die Stellungen auf den Stadtmauern,

„… auch die Kays. Hoff=Bediente und Hoff=Befreyte gewisse Compagnien … //disen waren anfänglich zu ihrem Posto das Revellin vor dem Stuben Thor zur rechten Hand, die Stellen auf der Neuen Burck, und auff der Burck und Löwel Pastey mit Schantzen und Graben mit grosser gefahr ihres Lebens assignirt“.23

Autor: Nikolaus Hocke, Jurist und Stadtschreiber von Wien

Am 13. Juli wurden, so Hocke weiter, die Vorstädte Wiens auf Befehl Starhembergs niedergebrannt:

„Herr Graff von Stahrenberg, also gleich die Ordre ertheilte, alle und jede Vorstädte, damit Sie dem Feinde keinen Unterschlieff und Auffenthalt geben möchten, mit Feuer anzustecken, und auff den Grund abzubrennen. Welches ein so grausamb und erschreckliches Spectacul abgegeben, als ob man ein anderes Trojy im Rauch und Flammen aufgehen sehen … den gantzen Mittag und die gantze Nacht hindurch gewähret … Damit aber durch das Flugfeuer die Stadt selbsten nicht in Gefahr des Brandes gerathen möchte, so wurden zu eben dieser Zeit alle Zimmerleute und Hand=Arbeiter aufgebothen, welche in wenig Stunden Zeit die Schindeldächer auff den Häusern … abbrechen musten und hierdurch ein solches Klappen und Getöß verursacheten, daß man sein eigen Wort zu vernehmen Mühe anwenden muste.“24

 

Möglicherweise löste aber doch ein Funkenflug von den Vorstädten her am 14. Juli eine Beinahekatastrophe aus oder war es ein unvorsichtiger Stallbursche? Im Meierhof des Schottenklosters brach jedenfalls ein Brand aus, der sich rasch ausbreitete. In unmittelbarer Nachbarschaft lag das bis oben hin mit Munition gefüllte Zeughaus. Panik brach aus, zumal die Osmanen mit ihren Geschützen das Feuer gegen die Feuersbrunst hin eröffneten, und nur dem beherzten Vorgehen von Guido von Starhemberg war es zu verdanken, dass die Stadt vor einer Katastrophe gerettet wurde.

/
Titelblatt der Beschreibung von Nikolaus Hocke (Nachdruck) ©HGMBibliothek

Er ließ die Tore des Zeughauses aufbrechen, Eimerketten errichten und die unmittelbar gefährdeten Pulverfässer mit Wasser überschütten und zwang die Männer mit vorgehaltenem Degen, die Fenster des Gebäudes zu vermauern. So gelang es, das Feuer unter Kontrolle zu bringen.25 Als Konsequenz aus der Feuersbrunst bei den Schotten gingen laut Berichten eines Augustinermönches noch am gleichen Tag

„unsere Patres zu dem Kommandanten Ernst Rüdiger von Starhemberg demütig bittend, er wolle das an unsere Bibliothek und unser Kloster anschließende hölzerne und so gefährlich auf der Bastei stehende Komödienhaus [es stand auf dem heutigen Äußeren Burgplatz, Anm. d. Verf.] abbrechen lassen, damit es nicht, durch eine einfallende Bombe angezündet, unbeschreiblichen Schaden verursachen möchte, welcher Bitte er alsbald eingewilligt hat“.26

Während das Niederbrennen der Vorstädte am 14. Juli noch im Gange war, erkundete Kara Mustafa selbst die Umgebung im Süden Wiens, denn der Großwesir bestimmte persönlich, wo Laufgräben angelegt und wo Geschütze aufgestellt werden sollten. Wie bald offenkundig wurde, war das Hauptangriffsziel der Türken die Südwestseite der Stadt: Die Entscheidung Kara Mustafas, die Angriffe seiner Streitmacht nicht, wie von den Ratgebern – unter denen sich auch französische Ingenieure befanden – vorgeschlagen, gegen den südlichen Teil der Stadtbefestigung, sondern auf den zwischen Burgtor und Schottentor gelegenen Abschnitt der Befestigung zu konzentrieren, mag von der Überlegung beeinflusst worden sein, dass in diesem Bereich weder Grundwasser noch Bäche die geplante Unterminierung der Befestigungsanlagen nennenswert behindern würden. Der Wienfluss machte hier eine Biegung weg von der Stadtmauer, und der Boden sah sehr trocken aus. Der Großwesir dürfte bei dieser so wichtigen militärischen Entscheidung der Empfehlung des Renegaten Ahmet Bey, eines abtrünnigen Kapuziners, gefolgt sein, der ein knappes Jahr zuvor im Gefolge einer Botschaft des Grafen Thököly in Wien gewesen war und dabei die Gelegenheit genützt hatte, die Befestigungsanlagen der Stadt genau zu studieren.

Diese Position würde es der Artillerie auch ermöglichen, ihre Geschütze auf ansteigendem Grund aufzustellen, was eine enge Zusammenarbeit mit den Ingenieuren ermöglichte, um eine Konzentration ihrer Macht zu erreichen.27 Der Angriffsplan Kara Mustafas sah vor, dass er selbst gemeinsam mit dem Aga der Janitscharen der Hohen Pforte, Bekri Mustafa Pascha, dem Janitschrenpräfekten Celebi Ismail Aga und dem Beglerbeg von Rumelien, Kücük Hasan Pascha28, mit seinen Pforten- und Provinztruppen sowie 20 Janitscharenkompanien (Ortas) das Zentrum gegenüber dem Burgravelin befehligen würde. Als Artillerie standen ihnen fünf Kolumbrine- und 20 Sahigeschütze zur Verfügung.

Am rechten Flügel, gegen die Burgbastei gerichtet, kommandierten der Beglerbeg von Diyarbekir, Wesir Kara Mehmed Pascha, der Beglerbeg von Aleppo, Deli Bekir Pascha, mit ihren Pforten- und Provinztruppen, unterstützt vom Beglerbeg von Anatolien, Ahmed Pascha, mit seinen Geschützen und vom Zagarcibasi – dem vierthöchsten Janitscharenoffizier – mit seiner Janitscharenabteilung sowie 20 weiteren Janitscharenkompanien. Auch dieser Abschnitt verfügte über fünf Kolumbrine- und 20 Sahigeschütze.

/
Allen, Vogelschau, Ausschnitt (Reproduktion) ©MA 20

Am linken Flügel kämpften der Beglerbeg von Jenö, der Wesir und ehemalige Defterdar Ahmed Pascha und der Beglerbeg von Sivas, Binamaz Halil Pascha, unterstützt von den Truppen der Provinz Karaman und den Samsuncubasi unter Süleyman Aga mit seiner Jantischarenabteilung und 20 weiteren Janitscharenkompanien.29

 


Die Burgbastei und der Burgravelin
Die Burgbastei, ein aus dem Hauptwall hervorspringendes, nach hinten offenes Festungswerk mit fünfeckigem Grundriss, erhielt um 1531 einen aufgesetzten fünfeckigen Kavalier, eine überhöhte Artilleriefestung, die als „der Spanier“ bezeichnet wurde und ein Etagenfeuer gegenüber dem Vorfeld ermöglichte, als Verstärkung. 1631 präsentierte er sich als Erdbollwerk, ehe er in einer weiteren Ausbaustufe 1659 ummauert wurde. Auch die daran anschließende Burgkurtine erhielt erst in eben diesem Jahr ein Ziegelmauerwerk. Zwischen der Burg- und der Löwelbastei lag der Burgravelin, der jedoch so ungünstig errichtet worden war, dass er von der Löwelbastei keine entsprechende Feuerdeckung erhalten konnte. Zudem gab es abgesehen von der Künette, einem Graben im Graben, keinen Schutz gegen Minen.30 Eine vorteilhafte Idee war allerdings die Verstärkung des Burgravelins mit zwei Verschanzungen hinter den Brustwehren. Jede sollte drei Banketts haben, so dass es möglich wäre, Soldaten vier Glieder tief aufzustellen und dadurch ununterbrochene Salven zu gewährleisten.31 Des Weiteren wurde auf Anweisung Rimplers eine „Communications-Galerie“ zwischen den niederen Flanken der Kurtine und den Flanken der Burg- und Löwelbastei sowie zwischen den gedeckten Verbindungen dieser Anlage und dem Ravelin bzw. der Kontereskarpe errichtet.32 Am 11. Juli wurden die Geschützstellungen u. a. auf der Burgbastei vorbereitet: „auff der Piber und Burg=Pastey sind die Bettungen zu den Canonen zu machen angefangen worden“.33


 

/
Die Befestigungen, Aufsicht (Mörz, Befestigung)

Am 15. Juli begann man erst, die schweren Geschütze auf die Wälle und Basteien zu bringen und Schießscharten auf den Brustwehren einzuschneiden; und es mangelte auch an

„Bettungen und Lavetten, worauff die Stücke hätten ruhen sollen … und an statt der Schantz=Körbe wollte man sich der mit Erde gefüllten Fässer bedienen, weil aber die von der Türcken Geschoß und Artillerie abspringenden grossen Späne und Splitter der Belägerten Constabel hefftig incomodirten, war diese Invention mehr schäd= als nützlich, und man also gemüßiget, in Bedeckung der Artillerie=Bedienten und Büchsenmeister auff den Cortinen und Pasteyen grosse mit Sand und Erden gefüllete Säcke anzustellen.“34

Die Türken verzichteten in diesem Fall, wie sie es auch sonst zu tun pflegten, auf die bei europäischen Heeren üblichen Circum- und Kontravallationslinien35 und begannen stattdessen mit dem Bau einer Generalbatterie, in der die Masse der Artillerie zusammengefasst war. Diese wurde meist in einer Entfernung von 450 bis 600 Metern von der zu bekämpfenden Kurtine angelegt. In Wien erstreckte sich diese Generalbatterie, die in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 1683 aufgebaut worden war, auf einer Geländeerhebung mit einer Länge von ca. 230 Metern vom „Kroatendörfl“ bis zum „Kalchschmiedigen Garten“, etwa hinter dem heutigen Museumsquartier und knapp 550 Meter von der Burgkurtine entfernt. In einer ersten Phase sollten damit die Brustwehren zerstört werden, was aber nicht gelang. In einer zweiten sollten durch systematisches Feuern Breschen in die Mauer geschossen und ein massiver Ausfall seitens der Verteidiger verhindert werden. Dafür musste die Generalbatterie an den Grabenrand gezogen werden, was aber in diesem Fall nicht möglich war, da die Osmanen den Verteidigern artilleristisch sowohl an Zahl als auch an Stärke unterlegen waren. Dieser Mangel gab auf Seiten der Osmanen Anlass zu heftiger Kritik, zumal in Ofen und den umliegenden Festungen ausreichend schweres Geschützmaterial vorhanden gewesen wäre – u. a. die großkalibrigen Balyemezgeschütze.36

An Artillerie, mit der diese Wehranlagen bestückt werden konnten, standen den Verteidigern 263 aus dem Kaiserlichen Zeughaus und 50 aus dem Bürgerlichen Zeughaus stammende Geschütze zur Verfügung – im Allgemeinen Kanonen mit einem Kaliber zwischen einem und 48 Pfund (50 bis 200 mm). Demgegenüber verfügte das osmanische Heer nur über 50 Balyemezgeschütze mit einem Kaliber von 25 bis 100 Pfund (für Kugeln mit einem Gewicht von 10 bis 40 Okka37), 15 bis 20 Kolumbrinegeschütze mit einem Kaliber von 7,5 bis 22,5 Pfund (für Kugeln mit einem Gewicht von 3 bis 9 Okka), 5 Bombenmörser und 120 Sahigeschütze mit einem Kaliber von 1,25 bis 5 Pfund (für Kugeln mit einem Gewicht von 0,5 bis 2 Okka).

Der Wert der artilleristischen Überlegenheit der Verteidiger lag vor allem darin, dass die Angreifer ihre Geschütze zunächst nicht am Absturz des Glacis zur Kontereskarpe in Stellung bringen konnten. Zudem gelang es den Verteidigern mehrmals, den Bau von osmanischen Batterien nachhaltig zu verzögern bzw. sogar zum Stillstand zu bringen. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Osmanen in den Ruinen der niedergebrannten Vorstädte reiche Deckung fanden und es ihnen bereits am 14. Juli gelang, an mehreren Stellen nur etwa 200 Schritt (150 bis 160 Meter) vor dem Gedeckten Weg mit dem Bau der Laufgräben zu beginnen – der zunächst entscheidenden taktischen Maßnahme im Angriff auf Wien.38

„… An alle diese [Truppen] erließ der Großwesir den Befehl, ihre Laufgräben anzulegen. Da die Schanze, die er selbst zu beziehen gedachte, noch nicht fertig war, begab er sich kurz vor Abend in seine Zeltburg. Die übrigen blieben in den für ihre Gräben vorgesehenen Abschnitten und begannen ihre Schanzen zu errichten und Laufgräben auszuheben. Und allenthalben eröffneten die Männer aus den Gräben den Feuerkampf mit den Giauren.“39

So lautet der Eintrag im Tagebuch des Zeremonienmeisters der Hohen Pforte (= Staatssekretärs des Protokolls).40

/
Jacobus Peeters nach Romeyn de Hooghe, Laufgräben, Geschützstellungen und Kriegsvorbereitungen der Osmanen vor Wien im Kampfabschnitt zwischen Burg- und Löwelbastei, Radierung ©HGM

Die Laufgräben wurden dabei in Schlangenlinien gegen die Burg- und Löwelbastei sowie das Burgravelin geführt, wobei in kurzen Abständen parallel zur Kurtine verlaufende Schützengräben angelegt wurden, welche die Laufgräben teilweise miteinander verbanden. Dadurch sollte eine Längsbestreichung mit Feuerwaffen vermieden werden. An sie setzten vertikal verlaufend die „Approchen“, horizontal verlaufend die „Parallelen“ an. Die Gräben waren ca. zwei Meter breit und 1,8 Meter hoch. Beim Bau der Laufgräben wurden Gefangene, welche nicht auf der Stelle von den Osmanen getötet worden waren, mit gnadenloser Härte eingesetzt.

„Die Türken hatten nachts vorher die Laufgräben vor den beiden Basteien eröffnet und drei Waffenplätze angelegt, welche zunächst nicht sehr geräumig waren. Je weiter aber die Janitscharen vorrückten und je tiefer ihre Gräben wurden, um so breiter machten sie diese Anlage. Wir hatten gehofft, daß der Brand der Vorstädte sie einige Tage aufhalten werde, und waren über ihre Fortschritte in der einen Nacht sehr erstaunt. Dies legte den Schluss nahe, dass der Großwesir Wien im Sturm nehmen wollte …“41

Nachdem ein Schreiben des Großwesirs mit der Aufforderung zur Kapitulation und Übergabe, zur Annahme des Islam und der Androhung von Gewalt42 unbeantwortet geblieben war, ließ Kara Mustafa die Arbeiten zügig vorantreiben.

Während die Laufgräben dazu dienten, ein gedecktes Annähern an die Stadtmauern zu ermöglichen, also wichtig für das offensive Vorgehen der Osmanen waren, wurden in den Schützengräben Infanteriestellungen errichtet, die, durch leichte Geschütze verstärkt, zur Deckung des Sappierens gegen Ausfälle vorgesehen waren. Die Arbeit ging sehr rasch vonstatten, und das, obwohl man versuchte, die Grabung von auf der Burgbastei in Stellung gebrachten Bombenmörsern zu verhindern. Da die Osmanen ihre Gräben jedoch mit Brettern, Balken, Sandsäcken und dergleichen bedeckten, blieb die Wirkung relativ gering. Für die höheren Befehlshaber wurden sogar eigene gedeckte Räume eingerichtet:43

Weil die Türken innegeworden waren, daß ihnen unsere Bomben und Granaten nicht wenig Schaden zufügten, bedeckten sie ihre Approchen, sobald sie solche nur ausgehoben hatten und die Erde aufgeworfen war, alsbald mit Brettern, mit über Kreuz gezogenen Balken und Sandsäcken dergestalt, daß weder unsere Handgranaten noch größere Bomben weiterhin etwas wider sie auszurichten vermochten. Und weil von den gezwungenen Christen eine unbeschreibliche Menge im Lager vorhanden war, so hatten diese mit unaussprechlicher Arbeit, sowohl für den Großwesir als auch für die vornehmsten Paschas in diesen unterirdischen Gängen weite und geräumige Gemächer verfertigen müssen …“44

Und auch der Jurist Huhn verfolgt die Arbeiten der Osmanen aufmerksam:

„So führten sie … ihre Lauffgräben so wohl daraus, als denen Leimgruben und St. Ulrich, mit solcher Behändigkeit und Eyfer fort, daß sie damit in wenig Tagen biß an die Contrescarpe vor der Kayserl. Burg gelangeten; dazu ihnen dann die gefangenen Christen unter grimmiger Antreibung der Befehlichshaber zu helffen gezwungen und in grosser Menge von den Belägerten niedergeschossen worden.“45

Starhemberg, der am 15. Juli ebenfalls die Vorgänge inspizieren und den Posten auf der Burgbastei visitieren wollte, wurde, da die

„Türcken auff diese und die Löbel=Pastey ohnauffhörlich aus ihrem groben Geschütz canonirten, einige Stücke und Steinen, womit die Pastey allenthalben umbgeben und eingefasset war, abgesprungen, am Haupte dergestalt verwundet, daß Er sich alsofort nach Hause bringen lassen und daselbst etliche Tage der Ärtzte und Medicorum Cur … unterwerffen müssen“.46

Der ehemalige Feldmarschall Zdenko Graf Kaplir, der Leiter der Zivilverwaltung und Präsident des Geheimen Deputiertenkollegiums, übernahm daraufhin kurzfristig das Kommando.

Das Grabensystem wurde rasch systematisch ausgebaut – zur großen Sorge der Verteidiger, die immer wieder durch Ausfälle, durch Geschütz- und Musketenfeuer und durch das Werfen von Handgranaten versuchten, diese Vorbereitungen für die Unterminierungsarbeiten zu vereiteln oder zumindest zu behindern. Vor allem die Wiener Artillerie bewährte sich dabei hervorragend, die gute Schussleistung führte zu zahlreichen Opfern unter den Osmanen.47

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli fand auch der erste Ausfall der Verteidiger statt: Friedrich Graf von Schärffenberg, der die Kontereskarpe befehligte, unternahm mit 100 Mann einen Ausfall gegen die Laufgräben in der (vergeblichen) Hoffnung, dass weitere Freiwillige sich ihnen anschließen würden. Sie bemächtigten sich trotz ihrer Minderzahl der Spitze des Laufgrabens, vertrieben die Türken und kehrten ohne Verluste zurück. In der Nacht des 16. Juli erfolgte der zweite erfolgreiche Ausfall unter Karl Ludwig Graf de Souches mit 200 Mann.48 Diese Unternehmungen sollten vor allem dazu dienen, das Selbstvertrauen der Garnison zu stärken.

/
Jacobus Peeters nach Romeyn de Hooghe, Ausfall der Belagerten, Radierung ©HGM

Schon am 18. Juli waren aber die Arbeiten so weit gediehen, dass die Belagerer bereits den Gedeckten Weg angreifen konnten. Die Osmanen waren daher voller Zuversicht, sich innerhalb kurzer Zeit Wiens bemächtigen zu können. Starhemberg musste daher reagieren. Er

„zog er vor der Kurtine zwischen der Burg- und der Löbelbastei einen Niederwall und legte eine dritte Verteidigungslinie rechts und links vom Löbel an, welche die Kasematten deckte und an den Niederwall anschloß. Da Starhemberg überzeugt war, daß der Ravelin vor der Burg das Angriffsziel der Türken war, ließ er hier einen großen, parallel mit beiden Graben laufenden Abschnitt anlegen. Dieser hatte einen Hindernisgraben und rückwärts einen breiten Auftritt, auf dem vier Reihen Musketiere stehen konnten. In dem Raum zwischen der Mauer und dem neuen Graben ließ er auch Querwälle ziehen.“49

Diese Arbeiten konnten von den Soldaten allein nicht mehr bewältigt werden, so dass man unter Androhung schwerer Strafen im Falle von Gehorsamsverweigerung auch Zivilisten zu den Schanzarbeiten heranzog.50

Immerhin wurden die Kontereskarpe und der Gedeckte Weg mit außerordentlichen Zähigkeit verteidigt und länger gehalten, als man zu hoffen gewagt hatte.51 Die Verluste an Mannschaften und Offizieren waren jedoch bedenklich hoch. Am 19. richteten die Osmanen ihre ganze Feuerkraft gegen die kaiserliche Burg und die Stadt, steckten dabei das Quartier des spanischen Botschafters bei der Löwelbastei in Brand und setzten den Verteidigern stark zu. Die Burg wurde dabei schwer beschädigt. In der Nacht befahl Feldzeugmeister Starhemberg einen neuerlichen Ausfall, der von Guido von Starhemberg geleitet wurde und an dem auch Oberstleutnant Hoffmann teilnahm:

Ausfall, der vollen Erfolg hatte … In dem Raum zwischen den Spitzen der Burg- und der Löbelbastei bildet die Kontreskarpe drei ausspringende Winkel, von denen der Feind nur mehr circa sechs Schritte entfernt war. Dort versuchten die Türken, uns mit Flintenschüssen und Handgranaten zu vertreiben. Hier erkannten aber die Ungläubigen den Entschluß, den wir gefaßt hatten: die Festung zu halten oder mit ihr zu fallen.“52

Bei dieser Unternehmung gelang es den etwa 100 Mann, einige der von den Osmanen errichteten Werke zu zerstören, zahlreiche Osmanen zu töten und einen Gefangenen zu machen. Andere wiederum berichten, dass die Laufgräben so tief ausgehoben und das Erdreich so hoch aufgeworfen waren, dass die Soldaten Mühe hatten, sich in dem Gewirr von Gräben zurechtzufinden, und die meisten der an dem Ausfall Beteiligten im Kampf mit den Janitscharen fielen:

„An die hundert Giauren unternahmen in der Nacht einen Ausfall gegen den Abschnitt des Kara Mehmed Pascha (auf dem rechten Flügel), wurden jedoch mit des Allmächtigen Hilfe zum größten Teil niedergemacht“53,

lautete etwa der Tagebucheintrag des Zeremonienmeisters. Nach diesem nächtlichen Ausfall beschränkte man sich übrigens zumeist darauf, dem Vordringen des Feindes durch Artilleriefeuer Einhalt zu gebieten.

Am folgenden Tag, dem 20. Juli, begann eine neue Phase der Belagerung – der Minenkrieg.

Dem kaiserlichen Residenten Baron Kunitz, der sich als Gefangener im osmanischen Lager aufhielt und den Feldzug bzw. die Belagerung ebendort miterleben musste, gelang es zweimal über seinen Diener Jakob Heider, geheime Nachrichten betreffend türkische Maßnahmen in die belagerte Stadt zu schmuggeln.54 In einer dieser Botschaften hieß es unter anderem:

/
Graben einer Mine und Anlegen einer Pulverkammer (Broucek – Hillbrand – Vesely, Historischer Atlas)

„Zur Nachricht diene, daß die Hagelmörser de facto stattlichen Effekt getan und dem Feind großen Schaden zugefügt haben; vornehmlich aber entsetzt er sich wegen der mannhaften Gegenwehr in den Kontreskarpen, da eine namhafte Anzahl von Janitscharen und Semenen erlegt worden ist. Dazu gedenkt der Feind zur Schonung der Truppen künftig den Unsrigen mehr mit Minieren in den Kontreskarpen zuzusetzen …“55

Unter einer Mine war ein unterirdischer Stollen zu verstehen, in dessen erweitertes Ende, dem Minenofen, Fässer mit Schießpulver gebracht wurden. Der Minenofen wurde abgemauert und mittels einer Lunte dann das Pulver entzündet, das nun nach oben wirkte und Verteidiger verschüttete oder tötete, Mauern und Gebäude zum Einsturz brachte und je nach Stärke bzw. Geschick der Mineure verheerende Schäden anrichten konnte.56

/
Sturmangriff durch Bresche (Broucek – Hillbrand – Vesely, Historischer Atlas)

Bei dieser Art der Kriegführung waren die Osmanen mit rund 5.000 Mineuren, den Lagumci, eindeutig im Vorteil. Sie hatten nicht nur mehr Material und Personal, sondern auch mehr Erfahrung im Minenkrieg, etwa bei der Belagerung Kandias auf Kreta oder durch die Kämpfe um Zurawno in Podolien. Auf Seiten der Kaiserlichen mangelte es trotz aller Bemühungen Starhembergs an geschulten Mineuren. Georg Rimpler war daher gezwungen, ein Mineur-Corps zu improvisieren. Er rekrutierte Tiroler Bergleute, Niederländer und Lothringer zu diesem schwierigen Dienst, und auch Frauen wurden anfangs eingesetzt. Mit den „Strapaziermenschern“ hatte Rimpler allerdings wenig Freude. Seiner Meinung nach hielten sie die Männer in den dunklen Stollen vom Arbeiten ab.57 Weiters mangelte es an technischem Gerät, wie etwa an vorgefertigten Stöllenhölzern.

Im Bereich der Burgbastei begannen nun die Lagumci mit dem Vortreiben von Minen, wobei sie zunächst die Zerstörung der Palisaden in Angriff nahmen. Das dazu nötige Bauholz kam übrigens aus einem Wäldchen in der Nähe von Schönbrunn, das mit Ochsen- und Büffelgespannen zu den Gräben gebracht wurde.58

„Bereits gestern [20. Juli] war im Abschnitt der Janitscharen sowie im Abschnitt des Kara Mehmed Pascha und des Ahmed Pascha mit der Anlage je einer Mine gegen die Palisaden begonnen worden; auf Befehl des erhabenen Großwesirs begab sich der Staatskanzler [Mustafa] zu beiden Minen, maß sie nach und erstattete dann dem Großwesir Bericht.“59

Am 23. Juli kam es zu den ersten Minensprengungen der Osmanen vor dem Abschnitt des Ravelins und der Burgbastei mit dem Ziel, die Palisaden vor dem Gedeckten Weg zu zerstören. Im Folgenden nun zwei Darstellungen der Ereignisse, wie sie kontroversieller nicht sein könnten und ein anschauliches Beispiel für eine weiterführende quellenkritische Forschung böten:

„Den 23. Julij hat zwar der Feind … deß Abends aber zwischen sechs und siben Uhr zwo Minen an beeden Spitzen der Contrascarpen vor dem Löbel: und Burck Pastey springen lassen, durch derer erste von den unsrigen 10. die andere aber 4. biß 5. Mann Tod gebliben und in die Lufft gesprenget; auch in die 20. Pallisaden außgehebet worden: darauff er an beeden Orthen zum drittenmahl scharff sturmete, wurde aber allemahl von den Unsrigen und starcken Stuck=schiessen und Granaten werffen dergestalt dapffer abgetriben, daß er nit allein einige Handbreit Erden nicht bekommen, sondern auch an der Mannschafft ein zimbliches verlohren, von den Unsern aber wenig gebliben, die Nacht hindurch thäte er seine Approschen gegen beeden Bollwercken Löwel: und Burck=Pastey erweittern, mit den aussern Schluß=Linien einbinden und umbfangen …“60

„Eine Stunde vor Sonnenuntergang waren die im rumelischen Abschnitt und im Abschnitt des Kara Mehmed Pascha gegen die Palisaden angelegten Minen zur Sprengung bereit. Zuerst wurde die Mine im rumelischen Abschnitt entzündet; sie sprengte die vor ihr befindlichen Palisaden in die Luft und schickte hundert oder zweihundert Giauren in das ewige Feuer der Hölle. Im Anschluß daran unternahmen die Freiwilligen dort einen Sturmangriff und erlegten eine Anzahl von Feinden, worauf die Giauren in hellen Haufen wie die wildgewordenen Schweine gegen die Streiter des Islam ausfielen. Aber wiederum stürmten die wackeren Freiwilligen in todesmutigem Einsatz vor und warfen die Giauren aus der Stelle, an der die Mine aufgeflogen war. Dort verschanzten sie sich mit Lise [großen Reisigbündeln] und Wollsäcken und besetzten mit Gottes Gunst diesen Platz. Dann wurde auch die Mine im Abschnitt des Kara Mehmed Pascha gesprengt; sie verschüttete zweihundert bis dreihundert Giauren. Da es indessen zu dieser Zeit noch heller Tag war, bestand keine Möglichkeit, vorzugehen und sich zu verschanzen, und so verschob man dieses Vorhaben bis nach Sonnenuntergang. – Es entbrannte bei dieser Gelegenheit ein derartig heftiger Kampf, daß von dem Krachen der Kanonen und Flinten Erde und Himmel erbebten. – Mit der Hilfe Allahs des Allerhabenen wurde dann in der Nacht auch im Abschnitt des Kara Mehmed Pascha die Stelle, an der die Mine aufgeflogen war, eingenommen und besetzt.“61

Mochten auch weit weniger Verteidiger gefallen sein, als vom Zeremonienmeister beschrieben, so bleibt doch die Tatsache bestehen, dass es den Belagerern gelungen war, am Rand der Kontereskarpe Stellung zu beziehen. Erneute Einbrüche gelangen den Osmanen mit einer Flattermine, die sie am 25. Juli im ausspringenden Winkel des Gedeckten Weges vor den beiden angegriffenen Basteien zündeten. Doch im Anschluss gerieten die durch die Bresche vorstürmenden Janitscharen in einen Hinterhalt der Verteidiger und erlitten schwere Verluste.62 Auch einige hohe Offiziere und Befehlshaber der Kaiserlichen waren verwundet oder getötet worden. Ernst Rüdiger von Starhemberg war am rechten Arm verwundet worden, Guido von Starhemberg erlitt eine schwere Verwundung an der rechten Hüfte, und Georg Rimpler wurde durch eine Musketenkugel der linke Arm zerschmettert, eine Verletzung, an deren Folgen er kaum zehn Tage später, am 3. August, starb.

/
Jacobus Peeters nach Romeyn de Hooghe, Beschuss der osmanischen Belagerungsanlagen, Radierung ©HGM

Ein Ersuchen der Osmanen um einen kurzfristigen Waffenstillstand zur Bestattung der Toten im Bereich vor dem Burgtor, die noch immer in den heftig umkämpften Stellungen lagen und aufgrund des Wetters einen beinahe unerträglichen Gestank verbreiteten, lehnte Starhemberg mit den Worten, „er habe lauter gesunde Soldaten und keine Toten zu begraben, man werde weiter kämpfen und sich bis zum letzten Blutstropfen wehren“, ab.63

Während der folgenden Tage versuchten die Osmanen, ihre Arbeiten weiter voranzutreiben und vorbereitende Maßnahmen für einen allgemeinen Sturmangriff zu treffen – laut Aussagen des Zeremonienmeisters sei „die Zeit dafür noch nicht reif gewesen“64, doch wurden ihre Stellungen mit einem unablässigen Sperrfeuer seitens der Kaiserlichen belegt. Mit ihren schweren Geschützen, Mörsern, Musketen und Handgranaten bedrohten diese jegliche Bewegung in den Laufgräben.

Am 29. Juli ließen die Belagerer vor dem Burgravelin eine Mine springen. Die Folgen waren verheerend: Zahlreiche kaiserliche Offiziere und Soldaten dieses Abschnittes fielen der Explosion zum Opfer oder wurden durch die Luft gewirbelt und verschüttet. Die Verbindung zu den Kameraden war unterbrochen. Ein Großteil der Palisaden war umgeworfen bzw. zerstört, die Brustwehr weggefegt, ein breiter Trichter war in die Erdwerke gerissen worden und reichte bis zur Mitte des Grabens hinab. Nur der Entschlossenheit einiger höherer Offiziere unter der Führung des Grafen de Souches war es zu verdanken, dass die Lücke geschlossen und ein drohender Sturmangriff der Osmanen verhindert werden konnte. Die Türken beschränkten ihre Aktivitäten überraschenderweise auf heftiges Musketenfeuer und Handgranatenwerfen. Daher konnten die Verteidiger innerhalb von nur zwei Stunden die Brustwehr wieder in Stand setzen und den Trichter ausfüllen.65

Am folgenden Tag wurde eine Mine vor der Burgbastei zur Explosion gebracht, die die Spitze des Gedeckten Weges, der nur durch Palisaden abgeschlossen war, zum Einsturz brachte. Im Gegensatz zum Vortag stürmten die Janitscharen sofort durch die Bresche und warfen die Verteidiger aus ihren Stellungen. Zwar gelang es rasch herbeigeeilten Offizieren erneut, den osmanischen Angriff nach gnadenlosem Kampf66 zu stoppen und den verlorenen Posten zurückzugewinnen. Doch der Einsatz lohnte sich im Endeffekt nicht: Die vorgeschobene Stellung war zu exponiert, um auf Dauer gehalten zu werden – so wurde beschlossen, sie zu räumen.67

Während der ersten Tage im August ging das Minieren und Gegenminieren im Bereich der Kontereskarpe unvermindert weiter; die Kaiserlichen hielten diesen heftig umkämpften Abschnitt noch immer und verwehrten damit den Einbruch in den Graben. Immer mehr Kaiserliche fielen, die Ausfälle und die Abwehr der Stürme verursachten hohe Verluste. Zudem brach Ende Juli auch noch die „Rote Ruhr“ aus, die zahlreiche weitere Opfer forderte.68 Die Osmanen hatten in der Zwischenzeit mit Stufen versehene Schächte angelegt, mit deren Hilfe sie sicher in den Graben hinabsteigen konnten. Nachdem Großwesir Kara Mustafa den Alaybeyi vom rechten Flügel (Burgbastei) am 3. August wegen mangelnder Erfolge absetzen hatte lassen – er wollte ihn sogar hinrichten lassen, begnadigte ihn dann aber auf 400 Stockschläge –, befahl er einen erneuten Angriff, im Rahmen dessen sich die Janitscharen nach hartem Kampf unverrückbar am Grabenrand festsetzten.69 An den folgenden Tagen sahen sich die Verteidiger schließlich gezwungen, ihre Stellungen in der Kontereskarpe zu räumen.

Am 4. August setzten die Kaiserlichen noch erfolgreich eine Gegenmine:

„Den 4. Augusti haben die unsere durch scharpffes Stuck=Schiessen und Pallisaden abbrennen, den angestern von dem Feind gefasten Posto in der Contrascarpa zu miniren angefangen, daß er disen Tag nit weiter kommen können, und ob er zwar in die Contrascarpa deß Revelins vor dem Burck=Thor angesetzet, an dem Spitz der Contrascarpa vor der Burck=Pastey ein Anfall gethan, und eine neue Batteria auffgeworffen, so ist ihm selbe von den Unsern starck beschossen, und er weiter zu avanciren verhindert worden …“70

Doch schließlich sahen sich die Verteidiger gezwungen, ihre Stellungen in der Kontereskarpe zu räumen.

„Gegen 5. Uhr Nachmittag [des 5. August] ist unser Seits eine Mine in der Contrescarpen vor der Burg=Pastey gesprenget worden, aber mit gar schlechten Effect …“71

Die Folge davon war, dass die Belagerer am 6. August um 9 Uhr abends in den Graben eindrangen. Graf de Souches, der an diesem Tag kommandierte, machte einen Ausfall, um sie von dort zu vertreiben. Die Türken wurden zuerst zurückgeworfen, doch weil die Verteidiger sich wieder zurückziehen mussten, kamen die Janitscharen bald wieder zurück. Der Kampf währte die ganze Nacht, und auf beiden Seiten gab es viele Tote. Starhemberg kam selbst mit 100 Mann, und es gelang endlich, den Graben für diese Nacht freizuhalten, außerdem alle Wollsäcke fortzuschaffen, welche die Türken mitgebracht hatten, um sich zu verschanzen.

Am nächsten Morgen ließen die Belagerer rechts von der Stelle, wo sie ihren Abstieg in den Graben begonnen hatten, eine Mine hochgehen, deren Erdaufwurf dazu diente, Stützpunkte auf der Mauer des Grabens anzulegen. Von dort aus konnten sie die Kaponnieren einsehen und auch ihren Minengang decken, den sie noch in der gleichen Nacht gegen die Spitze des Ravelins vortrieben.72

Am 12. erreichte der Minenkrieg einen neuen Höhepunkt und leitete die zweite Angriffsphase ein. Den Lagumci war es gelungen, eine Mine unter die rechte Flanke des Burgravelins zu treiben, die von den kaiserlichen Mineuren zwar entdeckt wurde, gegen die aber nichts mehr unternommen werden konnte. Um zwei Uhr nachmittags zündeten die Osmanen zwei Minen gleichzeitig. Deren Wirkung war so gewaltig, dass die Spitze des Ravelins zerstört und im Graben eine Rampe aufgeworfen wurde, auf der 50 Mann nebeneinander gegen die Verteidiger anstürmen konnten.

/
Georg Franz Kolschitzky, Druckgrafik ©HGM

Und die stets reich belohnten Freiwilligenabteilungen der Osmanen stürmten sogleich gegen den Ravelin. Zwar gelang es Graf de Souches, den folgenden Sturm nach heftigem zweistündigem Kampf abzuwehren, doch der Feind hatte sich nun endgültig im Graben festgesetzt und sogar die Eskarpemauer des Ravelins erreicht. Ziel der Osmanen musste nun die Einnahme des Ravelins, die Überwindung des dahinter befindlichen Grabens und letztendlich der entscheidende Angriff auf die Kurtine sein. Die Belagerung war damit in eine entscheidende Phase getreten.73

Starhemberg schickte daraufhin Boten aus, die Karl von Lothringen so rasch wie möglich Berichte74 über den Stand der Dinge überbringen sollten, darunter auch Georg Franz Kolschitzky.

Mit unerbittlicher Härte und Entschlossenheit versuchten beide Seiten, einander niederzuringen. Mit zusätzlichen Baumaßnahmen versuchte Starhemberg, die Belagerer aufzuhalten. Im Folgenden ein Bericht von Oberstleutnant Hoffmann:

„Am 13. August hatte eine eigene Mine an der Spitze des Ravelins, wo sich die Türken festgesetzt hatten, guten Erfolg. Mittlerweile hatte Graf Starhemberg auf dem Ravelin einen zweiten Abschnitt, der parallel zum ersten lief, anlegen lassen. Am gleichen Abend war Scherffenberg gezwungen, den einspringenden Winkel der Kontreskarpe zur Rechten des Ravelins aufzugeben. Inzwischen wurden auch auf den Basteien neue Verteidigungsabschnitte errichtet und auf der Burgbastei Gegenminen gegraben. Da sich aber in der Stadt keine geübten Mineure befanden, so konnte uns diese Gegenmaßregel nicht viel helfen. In der Kehle der Burgbastei steht ein kleines turmartiges Werk mit einem Graben, ein Rest der alten Stadtmauer, der Spanier genannt; Starhemberg ließ es in Verteidigungszustand setzen und vor dem Graben eine mit Palisaden gedeckte Kontreskarpe anlegen, die an die Ecken der großen Bastei anschloß. In der Mitte des Abschnittes erhob sich eine zweite Verteidigungslinie. Davor lag der erste, parallel mit beiden Graben laufende Abschnitt, vor dem sich ein tiefer, halbmondförmiger Graben hinzog, und eine innere Palisadenreihe mit Zwischenstellungen. Man teilte außerdem noch den Winkel dieses Abschnittes zu beiden Seiten ab und legte eine kleine Schanze an, dann zog man eine weitere Palisadenreihe mit einer Brustwehr, die parallel mit der kleinen Kontreskarpe lief, die ich bereits erwähnt habe. …

Während wir uns so bemühten, die kommenden Angriffe der Türken zu vereiteln, ließen diese am 14. August an der Kontreskarpe gegenüber der Burgbastei eine Mine auffliegen. Die durch sie verursachten Zerstörungen nötigten endlich unsere Offiziere, die Soldaten in unsere linke Flanke zurückzunehmen, wo sie sich im Anschluß an die Kaponniere verschanzten. So kamen die Türken endlich in den Besitz der angegriffenen Kontreskarpe mit Ausnahme unserer Kaponniere, die sie nie erobern konnten und welche wir erst mit dem Ravelin aufgaben.“75

Die folgenden Tage verliefen nun mit bestürzender Regelmäßigkeit. Minen sprangen auf, pflügten den Graben um, rissen Stück für Stück den Burgravelin in Trümmer, Geschützfeuer, Musketenschüsse, Mörsergranaten und Pfeile schlugen in die Stellungen der Verteidiger ein. Man kämpfte auch unter der Erde. Es kam sogar vor, dass die feindlichen Mineure unter dem umkämpften Ravelin aufeinanderstießen und in grausame Nahkämpfe verwickelt wurden.76

 

Die Härte der Auseinandersetzung blieb auf die Kampfmoral der Belagerer nicht ohne Folgen. Der Angriffswille und der Kampfgeist begannen merklich zu erlahmen, die Truppe war erschöpft, die Lebensbedingungen im osmanischen Lager waren kaum besser als jene in der belagerten Stadt. Krankheiten und zunehmende Probleme mit der Verpflegung77 setzten auch dem osmanischen Heer stark zu. Regen verwandelte die Laufgräben in unpassierbaren Morast. Die Janitscharen meuterten und drohten mit der Einstellung des Kampfes, da ihnen der Koran vorschrieb, eine Belagerung nicht länger als 40 Tage aufrechtzuerhalten. Kara Mustafa streute daraufhin Gerüchte über den angeblichen Tod Kaiser Leopolds, die Niederlage des kaiserlichen Feldheeres und über Meutereien, Hungersnöte78 und Krankheiten in der Stadt selbst aus und versprach hohe Belohnungen.79

Aber auch die Hilfstruppen der Osmanen neigten zur Disziplinlosigkeit, die mit zum Teil drakonischen Maßnahmen geahndet wurden. So wurden etwa christliche Fuhrleute, die etwa 100 Rinder am Abschnitt des Hüseyin Pascha vorbeigetrieben und in der Festung verkauft hatten, mit je 300 Stockhieben bestraft, ebenso drei – vermutlich armenische – Feldbäcker, die den Belagerten in der Festung Brot verkauft hatten. Vier Mann, die bei den Palisaden beim Weintrinken ertappt worden waren, wurden öffentlich mit je 200 Stockhieben bestraft.80

Starhemberg, der, nachdem auch er von der Roten Ruhr heimgesucht worden und gezwungen gewesen war, einige Tage das Bett zu hüten81, die Stellungen in Augenschein nahm und das Ausmaß der Zerstörungen erkundete, ließ als Zeichen der großen Bedrängnis, in der sich die Belagerten befanden, Raketen vom Turm des Stephansdomes abfeuern. Diesen Appell verstanden natürlich auch die Osmanen und verstärkten daraufhin ihre Angriffe auf den Burgravelin und die dahinter liegende Kurtine.

Ende August glich der Ravelin „einem wüsten Schutt- und Trümmerhaufen“, die Kaiserlichen wurden bis an die äußerste Ecke desselben, den sogenannten „Bärenkasten“, zurückgedrängt. Die Hauptleute Heistermann und Müller verteidigten mit etwa 50 Mann diese letzte Stellung vor der Kurtine. Dazu der Tagebucheintrag Huhns vom 29. August:

So machten die Türken dann

„auch des Morgens zwischen 9 und 10 Uhr dem durch die bisherige Untergrabung einem durchwühlten Schwein oder aufgeworffenen grossen Ameis=Haufen ähnlich gemachten Burg=Ravelin vermittelst einer gesprengten Mine vollends den Garaus. Davon nichts mehr dann in der Mitten ein kleiner mit Pallisaden umgebener Platz übrig stehen blieb, welchen doch die Belägerten gleichwohl ehender als auff des Herren Commendanten Ordre und ausdrücklichen Befehl nicht verlassen wolten.“82

Starhemberg ließ auch die Straßen und Häuser rund um den Bereich Burgbastei und Löwelbastei in Verteidigungszustand setzen und richtete dort eine weitere Verteidigungslinie ein. Gegen den Rat seiner Offiziere befahl Starhemberg am 1. September nochmals einen energischen Ausfall, um die Janitscharen aus ihren Stellungen zu werfen – das Unternehmen scheiterte, die Verluste waren hoch. Die Angaben betreffend die Zahl der daran Beteiligten und der Verluste schwanken gewaltig, wie wir den folgenden Schilderungen entnehmen können:

„Gegen 12. Uhr Mittags haben die Unsere … unter der Cortin … mit 600 Mann im Graben vor der Burck=Pastey einen Außfall gethan und deß Feindes Pallisaden an 2. Orthen mit Feuer angesteckt, so bald sie sich aber zurück gewendt, seynd die Türcken wider in Graben geloffen, das Feur gedämpfft und am alten Orth widerumb Posto gefast, von den Unsern seynd 200 Mann … gebliben … der Außfall nicht allerdings glücklich abgangen …“83

„Es unterließ der Feind auch nicht, mit unbeschreiblichem Fleiß und Mühe seine Lauff=Gräben bis an die Cortinen der beyden Burg= und Löbel=Pasteyen fortzusetzen; deshalben und damit der Feind in etwas aufgehalten und gestöret werden möchte, die Unsrigen bey der Burg=Pastey mit 200 Mann einen Ausfall thaten und den Feind bis an die Contrescarpe zurückjagten, viel Lauff=Gräben verschütteten …“84

Bei Huhn ist in der Folge von 20 bis 30 Toten und ebenso vielen Verwundeten unter den Kaiserlichen die Rede.

„Am 1. September sahen wir, daß die Minen im Burggraben fertig waren und der Feind bereits die Mauer anging. Starhemberg ließ am gleichen Tag mit 400 Mann einen Ausfall in den Graben unternehmen, um die Mine zuzuschütten. Die zu Fuß kämpfenden Reiter drangen an der Spitze dieser Schar bis auf die Kontreskarpe vor, aber hier hatten sich die Türken so stark verschanzt, daß der Angriff zum Stehen kam. Wir erlitten starke Verluste und mußten uns schließlich zurückziehen. Die Türken drängten ungestüm nach und töteten alle, die mit der Zerstörung ihrer Gräben beschäftigt waren. Sie wollten uns in die linke Kaponniere folgen, vor der sich Freund und Feind zusammenballten. Hier ging von neuem der Kampf Mann gegen Mann los. Da Serényi und Scherffenberg mit einigen Offizieren eingriffen, gelang es endlich, die Türken zurückzuwerfen und unseren Rückzug in voller Ordnung durchzuführen.“85

In einem Schreiben an Kaiser Leopold ebenfalls vom 1. September berichtete Starhemberg von der gegenwärtigen Lage und forderte nochmals eindringlich den raschen Entsatz der belagerten Stadt:

„Allein bin ich genötigt, Euer kaiserlichen Majestät alleruntertänigst zu berichten, daß wir den Feind, der sich am ersten Tag sechzig Schritte vor der Kontreskarpe unter Favor der so nahe gelegenen Häuser logiert hat, mit großer Mühe sieben Wochen lang von dem Wall abgehalten haben. Er ist endlich unter die beiden Basteien, Löbel und Burg, gekommen, und wir müssen alle Stund erwarten, daß er uns einen Teil davon in die Luft sprengt, weil wir keine erfahrenen Mineure haben (um ihm unter der Erde zu begegnen), auf die ich mich verlassen könnte. Nunmehr ist die Beschleunigung des Sukkurses höchst notwendig,…“86

/
Jacobus Peeters nach Romeyn de Hooghe, Entdeckung und Vereitelung osmanischer Minierarbeiten unter der Burgbastei, Radierung ©HGM

Die Angriffe der Osmanen gingen vehement weiter, denn sie wussten um das Herannahen eines Entsatzheeres, versuchten, nun rasch eine Entscheidung herbeizuführen, und konzentrierten sich auf die Eroberung des Burgravelins. Die kaiserlichen Mineure waren unterhalb der Burgbastei überraschend auf Lagumci gestoßen und in Panik geflüchtet. Der Feind stand also bereits unmittelbar an der letzten Verteidigungslinie, und es war nun jederzeit damit zu rechnen, dass eine hochgehende Mine eine Bresche in die Stadtmauer schlagen konnte. Da die Kaiserlichen bereits so hohe Verluste erlitten hatten, wollte Starhemberg nicht auch noch die Besatzung des Ravelins preisgeben, zumal er diese Soldaten dringend zur letzten Verteidigung benötigte. Nachdem „der Feind eine Mine an der Burgbasteispitze springen [hatte lassen], wodurch etliche Quaderstücke aus der Mauer brachen“, und „in seinen Approschen sowol auß den Stucken als kleinen Geschütz so starck geschossen, daß man vermeinet, er werde ein General-Sturm thun“87, befahl Starhemberg am 2. September, den Ravelin, die Kaponniere der Kontereskarpe und die beiden Kaponnieren im Graben zu räumen.

Somit ging also nun auch der „Zauberhaufen“, wie der Burgravelin von den Osmanen genannt wurde, verloren. Auch die letzten Widerstandsnester an der Eskarpe wurden geräumt, doch erst am Vormittag des 3. September wurden, nachdem sich einige Soldaten geweigert hatten, sich zurückzuziehen, diese wichtigen Stellungen auf nochmaligen Befehl endgültig aufgegeben. Nun standen die Truppen Kara Mustafas tatsächlich vor der Stadt, der Fall der Stadt Wien schien nur mehr eine Frage der Zeit.88

/
Angriffsstellung des osmanischen Heeres mit den Laufgräben zwischen Löwelund Burgbastei. Deutlich zu sehen sind der zerstörte Burgravelin, die Schäden an Burg- und Löwelbastei, aus: Vogelschauplan von Daniel Suttinger, um 1684 (Broucek – Hillbrand – Vesely, Historischer Atlas)

Um zwei Uhr am Nachmittag des 4. September explodierte eine so gewaltige Mine, dass die Stadt erbebte, die rechte Face der Burgbastei in einer Länge von zehn Metern aufgerissen und das Mauerwerk in den Graben geworfen wurde. Noch hatten sich Qualm, Rauch und Staub der Explosion nicht gelegt, als auch schon die Angriffsspitzen der Janitscharen in der Bresche auftauchten. Ein erbitterter Kampf entspann sich nun, der mehr als zwei Stunden dauerte:89

„Darüber mit einer so grossen Furi und Geschrey mit 3. biß 4000. Mann angeloffen und anderthalb Stund lang gesturmet, daß es ein grossen Schrocken und Tumult in der Statt verursachet, sich auch gleich darinnen an dem Fuß logiert, etliche Fändl auffgesteckt, vil Woll=Säck, Schantz=Körb und anderes Holtzwerck angebracht, bey welchem Sturmen von den Unsern vil, von dem Feind aber noch bey weitem mehrer gebliben, neben deme, daß er jedes Mal von dem starcken Kartatschen und Stuck=Schiessen und durch die Unsere dergestalt ritterlich abgetriben und von dannen hinweg geschlagen, daß sich kein einiger mehr in der Höhe erhalten können, sondern alle weichen und sich in die Tieffe darunten am Fuß der Pastey außgewühlten Erden wider salviren müssen; Die Löcher aber mit Vässer und Sand=Säcken eylends vermacht und mit Pallisaden verbauet worden.“90

Der erste Sturm wurde unter hohen Verlusten – um die 200 Mann und viele Offiziere – abgewehrt, nur rund 4.000 kampffähige Soldaten standen noch zur Abwehr bereit91, die Lage war verzweifelt.

Jeder Mann wurde nun gebraucht, und es erfolgten daher Anfang September mehrmals Aufforderungen mit Strafandrohungen, sich zu stellen. Als man am 9. September die Häuser durchsuchte, griff man jedoch noch so viele Männer auf, dass man daraus noch drei Kompanien bilden konnte.

Die Osmanen wollten nun endgültig die Entscheidung erzwingen. Mit unverminderter Wucht griffen sie die Burgbastei an, doch ohne Erfolg:

„Den Abend gegen 6. Uhr thäte der Feind einen starcken Anfall auff die Burck=Pastey in Meinung sich in dem jenigen Orth, von welchem er gestern abgeschlagen worden, in der Höhe der Pastey zu postieren, es haben ihn aber Unsere hinter denen neu=auffgebauten Abschnitten mit Feuer=Röhren, Sensen und Morgenstern mit grossem Verlust der Seinigen tapffer abgetriben …“92

Vom Burgravelin ausgehend hatten die Angreifer bereits gedeckte Galerien durch den Stadtgraben gelegt und ließen sich auch durch Pechkränze und Feuerbrände, die man in den Graben schleuderte, nicht aufhalten. Nach der Besetzung des Niederwalls trieben die Osmanen die Stollen bis an die Mauer heran.

In der Nacht vom 9. auf den 10. September standen sie bereits an der Kurtine, sieben Minen, zwischen Burg- und Löwelbastei, sollten die entscheidende Bresche in die Stadtmauer schlagen – eine ging allerdings verfrüht hoch, eine weitere wurde entdeckt und unschädlich gemacht. Starhemberg ließ daraufhin hinter den Mauern neue Palisaden errichten, die Gassen, Straßen und Häuser mit Traversen verbarrikadieren und mit Eisenketten versperren, um für den Fall eines Generalsturmes die letzte Verteidigungslinie zu errichten.93

4. Entsatzschlacht und Ausblick

Am 6. und 7. September übersetzten die Polen und Kaiserlichen bei Tulln, die Sachsen und sonstigen Reichstruppen bei Mautern die Donau. 36.800 Mann Infanterie und 30.950 Mann Kavallerie sammelten sich bei Tulln, wurden in drei Gruppen geteilt – Kaiserliche und Sachsen mit den Lubomirski-Truppen am linken Flügel, die Reichstruppen
samt den Bayern und kaiserlicher Kavallerie in der Mitte und die Polen gemeinsam mit vier kaiserlichen Infanteriebataillonen rechts.

/
Anonym, Belagerung und Entsatz der Stadt Wien 1683, vor 1689, Öl auf Leinwand ©HGM

Nachdem am 7. September bei einer Zusammenkunft der führenden Militärs und Diplomaten zunächst keine Einigung über das gemeinsame Vorgehen erzielt werden konnte, die Situation der Stadt aber bereits äußerst prekär war, einigte man sich schließlich in einem Kriegsrat auf den Plan des Wienerwald-Durchmarsches, der am 9. September begann, und des Angriffes auf die Osmanen von Norden und Westen her.94

Am Morgen des 11. September beobachteten die Belagerten plötzlich, dass eine Umgruppierung der osmanischen Truppen im Gange war. Bereits am 9. September hatte Kara Mustafa einen Kriegsrat mit den ranghöchsten Paschas und Befehlshabern des osmanischen Heeres einberufen lassen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Den Rat des kriegserfahrenen Ibrahim Pascha, das Lager abzubrechen, die Zugänge zu den Höhen des Wienerwaldes zu sperren und das ganze Heer der christlichen Entsatzarmee entgegenzuwerfen, befolgte Kara Mustafa allerdings nicht. Hingegen wurde laut Tagebucheintrag des Zeremonienmeisters „einstimmig beschlossen, daß bei der Annäherung der Feinde des Glaubens die Leute in den Gräben unbeirrt in ihren Abschnitten bleiben, sämtliche Paschas jedoch mit den berittenen Truppen ihrer Pforten und Provinzen den Giauren entgegenrücken und den Kampf mit ihnen aufnehmen sollen“.95 Diese Aufsplitterung der Truppen sollte sich in der Folge als ein entscheidender Fehler erweisen.

Am Morgen des 11. September erstürmten kaiserliche Einheiten das von osmanischen Vorhuten verteidigte Kamaldulenserkloster auf dem heutigen Kahlenberg (früher: Sauberg). Am Nachmittag fand eine letzte Unterredung zwischen Sobieski und dem Herzog von Lothringen statt.

/
Jacobus Peeters nach Romeyn de Hooghe, Kampf der Kaiserlichen mit den Osmanen zur Aufhebung der Belagerung Wiens, Radierung ©HGM

Die Kampfhandlungen selbst begannen am 12. September um 5 Uhr morgens, als die Osmanen eine Batterie am Südabhang des Kahlenberges angriffen und die Kaiserlichen den Angriffsbefehl erhielten. Vom nicht abgesicherten Kahlenberg stießen die verbündeten deutsch-polnischen Truppen in den Rücken der Osmanen. Herzog Karl zerschlug deren schwachen rechten Flügel, während die polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) nach heftigen Kämpfen in einer Kavallerieattacke die Elitetruppen der Sipahi und Janitscharen bezwang. Am späten Nachmittag war die Schlacht entschieden.96

Die Verteidiger der eingeschlossenen Stadt waren während des ganzen Tages einer fast unerträglichen Spannung und Belastung ausgesetzt:97 Einerseits beobachteten sie sehr wohl den Kampfverlauf der Schlacht, andererseits mussten sie einem überaus heftigen Bombardement der Janitscharen standhalten, die offensichtlich alle Anstrengungen unternahmen, einen letzten entscheidenden Sturm vorzubereiten. Gegen 5 Uhr nachmittags ordnete Graf Starhemberg den letzten Ausfall an: Alle noch einsatzfähigen Männer stürmten über die zertrümmerten Palisadenzäune hinaus auf das von Gräben durchfurchte Glacis. Die Laufgräben waren so tief, dass sich die darin befindlichen Belagerer kaum mehr daraus befreien konnten und viele von den heranstürmenden Befreiten regelrecht niedergemetzelt wurden. Von der Burgseite rollten die Belagerten den Belagerungsring auf. Zwischen zwei Feuer geraten, blieb den Janitscharen nur mehr die Flucht. Wien war nach 62-tägiger Belagerung befreit.

/
Jacobus Peeters nach Romeyn de Hooghe, Triumphaler Einzug Kaiser Leopolds in das Zelt des Großwesirs, Radierung ©HGM

5. Bilanz und Ausblick

Etwa 100.000 feindliche Bomben und Geschützkugeln waren abgeschossen worden, 41 Minen hatten die angegriffenen Werke großteils in Schutt verwandelt. Rund 50 größere Stürme des Gegners waren von den Kaiserlichen zurückgeschlagen und 30 Ausfälle unternommen worden. Die Verluste der 11.200 Mann der Verteidiger beliefen sich auf 5.000 Tote und mehr als 2.000 Kranke oder Verwundete. Nur 53 Offiziere überlebten die Belagerung. Von der bewaffneten Bürgerschaft waren 1.650 gestorben. Die Verluste der Osmanen sind nicht genau eruierbar, doch dürften sie sich laut Schätzungen auf etwa 48.544 Mann (inkl. der Entsatzschlacht) belaufen haben. Der Verbrauch an Munition belief sich seitens der Kaiserlichen auf 7.183 Zentner Pulver, 35.383 Stückkugeln, 48.421 Doppelhaken- und Drahtkugeln, 1.106 Zentner Musketenkugeln, 155 steinerne Kugeln, 6.657 Granaten für Mörser und Haubitzen, 1.998 Kartätschen, 8.052 eiserne und gläserne Handgranaten, 8.442 Pechkränze, 200 eiserne Mordschläge. 78 Geschütze wurden demontiert oder unbrauchbar gemacht, ebenso wurden etwa 100.000 feindliche Bomben und Geschützkugeln sowie 41 Minen entschärft.98

Für Wien selbst waren die Folgen der Belagerung katastrophal: Die Zerstörungen in der und um die Stadt waren enorm, der Wiederaufbau war daher das vordringlichste Problem, zumal man auch eine Rückkehr der Osmanen fürchtete. Die Instandsetzungsarbeiten an der Burgbastei wurden bereits 1684 abgeschlossen, auch die Brücken über die Donau wurden rasch wieder aufgebaut. Osmanische Gefangene säuberten die Straßen der Stadt.

Zu den Verlusten an Menschenleben gibt es leider keine brauchbaren Statistiken. Zeitgenössische Annahmen, wonach eine halbe Million Menschen aufgrund des Feldzuges der Türken ihr Leben lassen mussten, sind vermutlich weit überhöht.99 Die wirtschaftliche Lage war, auch aufgrund der Abwesenheit des Kaisers und des Hofes, der bis August 1684 in Linz blieb, äußerst angespannt; nur mühsam gelang die Rückkehr zum normalen Alltag.100

 

Resümierend lässt sich festhalten, dass die Abwehr des osmanischen Großangriffs auf Wien von epochaler Bedeutung war. Der osmanische Expansionismus hatte seine Kraft verloren, das Osmanische Reich konnte in der Folgezeit nur noch aus der Defensive agieren.

Auf Veranlassung von Papst Innozenz IX. gründeten Österreich, Polen und Venedig 1684 die Heilige Liga, der später auch Russland beitrat. Diese Allianz sollte die Osmanen an unterschiedlichen Fronten bedrängen. In Ungarn und auf dem Balkan zog sich der Krieg zwischen Österreich und der Pforte noch jahrelang hin. Nach anfänglich wechselndem Kriegsglück mündete der weitere Verlauf des Krieges schließlich in einen beispiellosen Siegeszug der Kaiserlichen gegen die Osmanen, der unter anderem in die Eroberung Grans, Neuhäusels, Ofens und Belgrads, das allerdings später wieder verloren ging, mündete. 1697 konnte der junge Prinz Eugen von Savoyen als Oberkommandierender des kaiserlichen Heeres den Osmanen in der Schlacht bei Zenta schließlich eine entscheidende Niederlage zufügen. Im Frieden von Karlowitz 1699 mussten die Osmanen erhebliche Gebietsverluste (im Ausmaß von 400.000 km2) hinnehmen, u. a. Siebenbürgen und Ungarn (mit Ausnahme Belgrads und des Banats), die der Habsburgermonarchie eingegliedert wurden. Mit über zwei Millionen km2 war die Größe des verbliebenen Reichsgebietes aber noch immer beeindruckend.

/
Das Ende Kara Mustafas (Sturminger, Die Türken vor Wien)

1 Nähere Details zur Belagerung finden sich bei: Walter Hummelberger, Wiens erste Belagerung durch die Türken 1529 (= Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 33, Wien 1976), 4 – 6; Bertrand Michael Buchmann, Österreich und das Osmanische Reich. Eine bilaterale Geschichte, Wien 1999, 86 – 92.

2 Jan Paul Niederkorn, Die europäischen Mächte und der „Lange Türkenkrieg“ Kaiser Rudolfs II. (1593 – 1606)
(= Archiv für österreichische Geschichte, Bd. 135, hg. v. d. Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Historische Kommission, Wien 1993); Claudia Reichl- Ham, Der „Lange Türkenkrieg“ Rudolfs II. und seine Rezeption im Heeresgeschichtlichen Museum, in: Viribus Unitis. Jahresbericht 2007 des Heeresgeschichtlichen Museums, Wien 2008, 11 – 34.

3 Siehe dazu v. a. Georg Wagner, Das Türkenjahr 1664. Eine europäische Bewährung. Raimund Montecuccoli, die Schlacht von St. Gotthard- Mogersdorf und der Friede von Eisenburg (Vasvár) (= Burgenländische Forschungen, Nr. 48, Eisenstadt 1964); Kurt Peball, Die Schlacht bei St. Gotthard-Mogersdorf (= Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 1, Wien 1964); Hubert Michael Mader, Raimund Fürst Montecuccoli und die Schlacht von St. Gotthard-Mogersdorf im Jahr 1664: Eine Bewährungsprobe Europas, in: Österreichische Militärische Zeitschrift, Heft 3/2006, 307 – 322; Andreas Thalhammer, Die militärische Revolution und die Schlacht bei Sankt Gotthard am 1. August 1664, Dipl. Arb., Wien 2009; Krieg und Sieg in Ungarn. Die Ungarnfeldzüge des Großwesirs Köprülüzăde Făzil Ahmed Pascha 1663 und 1664 nach den „Kleinodien der Historien“ seines Siegelbewahrers Hasan Ağa, übers. v. Erich Proksch (= Osmanische Geschichtsschreiber, hg. v. Richard F. Kreutel, Bd. 8, Graz – Wien – Köln 1976), 221 –226.

4 In seinem Vortrag über die „Türkenbelagerung 1683“ im Heeresgeschichtlichen Museum Wien am 28. Oktober 2010 nannte Prof. Ilber Ortayli (Direktor Topkapi Museum) Kara Mustafa „einen begabten Wesir, einen erstklassigen Verwalter im Bereich des Finanzwesens und Stadtverwalter, aber einen drittklassigen – nicht einmal einen zweitklassigen – Feldherrn“.

5 Claudia Reichl-Ham, Österreichisch- polnische Militärbündnisse in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: Heeresgeschichtliches Museum (Hg.), Polnisch-österreichische Kontakte sowie Militärbündnisse 1618 – 1918, Symposium und Abendvortrag 11. und 12. September 2008. Acta, Wien 2009, 77 – 120, hier: 101.

6 Das für die Osmanen so wichtige Symbol des „Goldenen Apfels“ geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine byzantinische Prophezeiung aus der Zeit vor der Eroberung Konstantinopels (Istanbuls) durch die Osmanen zurück. Die vergoldete Kugel in der Hand der kolossalen Reiterstatue des Kaisers Justinian vor der Hagia Sophia war für die Bevölkerung von Byzanz in Zeiten des Niedergangs zu einem unfehlbaren Talisman für ihr Reich und dessen Hauptstadt geworden. So lange sich die Kugel eben dort befand, würde das Reich nicht untergehen. Und dieses Symbol der Weltherrschaft, der Reichsapfel, der übrigens auch von den abendländischen Reiseschriftstellern des Mittelalters als „pomum aureum“ – Goldener Apfel – beschrieben wird, galt den Osmanen als das heiß ersehnte Ziel ihres Eroberungsdranges – ein Symbol, das sie nach der Eroberung Konstantinopels 1453 auf neue, fernere Kriegsziele im Westen, wo es viele Städte gab, wo von den Kuppeln der Kirchen und den Türmen goldene Kugeln weithin glänzten – Belgrad, Ofen und schließlich auch Wien –, übertrugen. Siehe Im Reiche des Goldenen Apfels. Des türkischen Weltenbummlers Evliya Celebi denkwürdige Reise in das Giaurenland und in die Stadt und Festung Wien anno 1665, übers. v. Richard F. Kreutel (= Osmanische Geschichtsschreiber, hg. v. Richard F. Kreutel, Bd. 2, Graz – Wien – Köln 1957), 9 – 11.

7 John P. Spielman, Leopold I. Zur Macht nicht geboren, Graz – Wien – Köln 1981, 91 – 95.

8 Zu seiner Biografie siehe Kurt Rumpler, Festungsbaumeister Georg Rimpler und die Zweite Türkenbelagerung von Wien anno 1683,
http://members.kabsi.at/familienforschung/Jänner2010 [16.03.2011].

9 Mirosław Nagielski – Konrad Bobiatyński, Johann III. Sobieski und Karl von Lothringen und ihre Rolle beim Entsatz von Wien 1683, in: Heeresgeschichtliches Museum (Hg.), Polnisch-österreichische Kontakte sowie Militärbündnisse 1618 – 1918. Acta, Wien 2009, 121 – 139, hier 122.

10 Nachwort von Peter Broucek, in: Nikolaus Hocke, Kurtze Beschreibung / Dessen Was in wehrender Türckischen Belägerung der Kayserlichen Residentz Statt WIENN Von 7. Julij biß 12. Septembris deß abgewichenen 1683. Jahres / sowohl in Politicis & Civilibus; als Militaribus passiret. Durch Nicolaum Hocke, der Rechten Doctorn, Syndicum und Stattschreibern allda, Wien 1685; Nachdruck, Wien 1983.

11 Gertrud Gerhartl, Belagerung und Entsatz von Wien 1683 (= Militärhistorische Schriftenreihe, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, Heft 46, Wien 1982), 9; Thomas M. Barker, Doppeladler und Halbmond. Entscheidungsjahr 1683, Graz – Wien – Köln 1982, 228 – 237.

12 John Stoye, Die Türken vor Wien. Schicksalsjahr 1683, Neuauflage, Graz 2010, 139.

13 Düriegl, Wien 1683, 39; Spielman, Leopold I., 96f.

14 Nichts Neues und Nichts Altes Oder umbständliche Beschreibung, Was Anno 1683 Vor, bey und in der Denckwürdigen Türckischen Belagerung Wien vom 7. Julii biß 12. September täglich vorgelauffen, entworffen von einem Teste Oculato Christian Wilhelm Huhn, Geschwornen Königl . Ober=Ambts und der Fürstenthümer Breslau, Brieg und Oelße in Schlesien Königl. und Für s t l . Regierungs=Advocato Ordinario, Breslau 1717, 23.

15 Huhn, Umbständliche Beschreibung, 181 – 198; siehe auch Leszek Podhorodecki, Wiedeń 1683 [Wien 1683], Warszawa [Warschau] 1983, 51 – 64.

16 Claudia Reichl-Ham, Die Schlacht am Weißen Berg. Archiv-Verlag, Militär Edition, 2008; Helmut Kretschmer, Sturmpetition und Blockade Wiens im Jahre 1619 (= Militärhistorische Schriftenreihe, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, H. 38, Wien 1978).

17 Peter Broucek, Die Bedrohung Wiens durch die Schweden im Jahre 1645, in: Jahrbuch des Vereines für Geschichte der Stadt Wien, Bd. 26, Wien 1970, 120 – 165; Peter Broucek, Der Schwedenfeldzug nach Niederösterreich 1645/46 (= Militärhistorische Schriftenreihe, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, H. 7, Wien 21981).

18 Peter Broucek – Erich Hillbrand – Fritz Vesely, Historischer Atlas zur Zweiten Wiener Türkenbelagerung. Wien 1683, Wien 1983, 16; Günter Düriegl, Wien 1683. Die zweite Türkenbelagerung, Wien – Köln – Graz 1981, 29 – 34; Kurt Mörz, Befestigung und Armierung Wiens in der Türkenzeit, in: Österreich in Geschichte und Literatur, 32. Jg., 1988, H. 6, 381 – 384; Walter Hummelberger, Wien in der Verteidigung gegen die Osmanen, in: Österreich und die Osmanen – Prinz Eugen und seine Zeit (= Schriften des Instituts für Österreichkunde, Bd. 51/52, Wien 1988), 42.

19 Walter Hummelberger – Kurt Peball, Die Befestigungen Wiens (= Wiener Geschichtsbücher, Bd. 14, Wien 1974), 114.

20 Ferdinand Stöller (Hg.), Relation du siège de Vienne par un officier de la garnison, in: Neue Quellen zur Geschichte des Türkenjahres 1683 aus dem Lothringischen Hausarchiv (=Mitteilungen des Österreichischen Instituts für Geschichtsforschung, Erg.-Bd. XIII, Heft 1, Innsbruck 1933), 129 – 138 (im Folgenden Hoffmann, Bericht), 128. Die von vielen Historikern zitierte deutsche Übersetzung von Stefan Hofer (Hg.), Oberstleutnant Johann Georg von Hoffmann, Bericht über die Belagerung der Stadt Wien im Jahre 1683 von einem Offizier der Garnison (= Jahresbericht des Realgymnasiums der Theresianischen Akademie, Wien 1937, 3 – 17) war leider trotz intensiver Recherchen unauffindbar.

21 Barker, Doppeladler und Halbmond. 231, 247; Gerhartl, Belagerung und Entsatz von Wien 1683, 8; Mörz, Befestigung und Armierung Wiens in der Türkenzeit, 382.

22 Hocke, Kurtze Beschreibung, 32.

23 Ebd., 32f.

24 Huhn, Umbständliche Beschreibung, 25f.

25 Düriegl, Wien 1683, 50; Johannes Sachslehner, Wien Anno 1683, Wien 2004, 163.

26 Walter Sturminger (Hg.), Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, Düsseldorf 1968, 121.

27 Gerhartl, Belagerung und  Entsatz von Wien 1683, 10f.; Hummelberger – Peball, Befestigungen, 59.

28 Starb durch eine Kanonenkugel und wurde durch Ali Pascha im Kommando ersetzt. Düriegl, Wien 1683, 60.

29 Düriegl, Wien 1683, 46f.; Richard F. Kreutel – Karl Teply, Kara Mustafa vor Wien. 1683 aus der Sicht türkischer Quellen, übersetzt und erläutert v. Richard F. Kreutel (= Osmanische Geschichtsschreiber, N. F., hg. v. Erich Prokosch, Bd. 1, Graz – Wien – Köln 1982), 115f.

30 Barker, Doppeladler und Halbmond, 230.

31 Ebd., 231.

32 Sachslehner, Wien Anno 1683, 147.

33 Georg Christoph Baron von Kunitz, Diarium Welches Der am Türckischen Hoff / und hernach beym Groß-Vezier in der Wienerischen Belägerung gewester Kayserl. Resident Herr Baron Kunitz eigenhändig beschrieben, 1684, s. p.

34 Huhn, Umbständliche Beschreibung, 56.

35 Bei Ersteren handelte es sich um eine zusammenhängende Kette von Verschanzungen bei Belagerungen, bei Zweiteren um eine zusammenhängende Erdumwallung zur Einschließung von Festungen. http://www.peter-hug.ch/lexikon/Zirkumvallationslinien/16_0937 und http://www.peter-hug.ch/lexikon/kontravallationslinien/10_0051.

36 Mörz, Befestigung und Armierung Wiens in der Türkenzeit, 385, 389.

37 1 okka entspricht ca. 1,5 kg. Necati Salim, Die Zweite Belagerung Wiens im Jahre 1683, in: Militärwissenschaftliche Mitteilungen, Bd. LXIV, Wien 1933, 673. Siehe auch Stoye, Die Türken vor Wien, 134.

38 Düriegl, Wien 1683, 39; Mörz, Befestigung und Armierung Wiens in der Türkenzeit, 390f.

39 Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 118.

40 Es dürfte sich bei dem Tagebuchschreiber laut Vermutungen Kreutels um einen Mann namens Ahmed handeln. Siehe Einleitung zu dem Tagebuch bei Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 106.

41 Hoffmann, Bericht, 129f.

42 Der Zeremonienmeister bringt dies mit drastischen Worten in seinem Tagebuch zum Ausdruck: „Entweder Islam oder Tribut – sonst wird die Entscheidung in unserem Streit dem Schwert überlassen …“ Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 114.

43 Düriegl, Wien 1683, 60f.; Mörz, Befestigung und Armierung Wiens in der Türkenzeit, 391.

44 Sturminger (Hg.), Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, 120f.

45 Huhn, Umbständliche Beschreibung, 55.

46 Huhn, Umbständliche Beschreibung, 63.

47 Gerhartl, Belagerung und Entsatz von Wien 1683, 11.

48 Hoffmann, Bericht, 130.

49 Johannes Constantius Feigius, Adlers=Krafft/ Oder Europæischer Heldenkern/Das ist: Warhaffte/ vnd außfuehrliche Beschreibung Der hohen Tapfferkeit/ Welche die Christl. Helden/ Ritter und Soldaten/ wie auch Jeder=maenniglichen in Wehr und Waffen erwisen/ und ihnen hierdurch bey gantzer Welt einen unsterblichen Rahmen erworben haben; Als Wienn von den Tuercken belaegert ward/ und was sich so wol im Tuerckischen Lager/ als innerhalb der Stadt/ von Tage bis zu Tage begab; Wie schimpfflichen der Groß=Vezier von seiner Gemahlin/ nach uebel außgeschlagenen Feld=Zug bewillkommet worden; Und was noch Preißwuerdiges selbiges Jahr in Ungarn von der Christlichen Armee ist verrichtet worden; Wie auch nachmahlen die Ottomannische Port wider das Roemische Adler=Hauß/ eine viel grösser Macht/ als vorige gewesen ist/ auff den Fuß zu bringen/ sich berathschlaget habe. Und was sich ferner wegen der Krieges=Waffen biß zu End deß 1684. Jahrs ereignete; Sambt unterschidlichen denckwuerdigen Geschichten/ und Ehren=Gedaechtnussen hoher Standts=Persohnen/ welche ihr Leben vor dem Erb=Feinde von Anfang deß Krieges bißher Ritterlichen auffgeopfert haben. Zu Trost und Ergoetzlichkeit der Streittenden fuer die Christenheit/ in Teutschen Heroischen Verßen ans Tage Liecht gegeben worden/ Durch Joannem Constantinum Feigium, Silesium Leorinensem, J. U. Studiosum. Mit Roemischer Kaeyserlicher Mayestaet Freyheit. Gedruckt zu Wienn in Oesterreich/ bey Johann Jacob Kuerner/ der Nider=Oesterreichischen Landtschafft Buchdrucker/ 1685, Wien 1694, 31. Siehe dazu auch: Bericht aus der belagerten Stadt. Sturminger (Hg.), Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, 132.

50 „Disen Tag ist auch von denen Hochansehentlichen Herren Geheimben und Deputirten Herren Räthen ein Decret an den Statt Magistrat ergangen, die alsobaldige Verordnung zuthun, alle Tag 1000. Mann zum schantzen zustellen: und einen Rueff ergehen zulassen, daß alle diejenige Mann: und Weibs=Persohnen und Herrn=lose Leuth, so zum Schantzen und Arbeiten tauglich, sich gegen Empfahung Brod und Weins bey der Betrohung gebrauchen lassen, daß im widrigen sie auß der Statt geschafft werden sollen, so beschehen …“ Hocke, Kurtze Beschreibung, 51.

51 Henri Marczali, Il Conte di Frosaco, Francesco Provana: Relation du siège de Vienne, Revue de Hongrie, vol. III, 1909, 60.

52 Hoffmann, Bericht, 131. Die wörtliche Übersetzung letzterer Phrase lautet: „dass wir alle an diesem Ort sterben oder diesen retten“ („de périr tous dans cette place ou de la sauver“), wird aber in der deutschsprachigen Literatur wie etwa Sturminger freier übersetzt. Ich habe daher die geläufige deutsche Übersetzung übernommen.

53 Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 132; Düriegl, Wien 1683, 64.

54 Nach seinem zweiten Botengang wurde er von den misstrauischen Osmanen allerdings gefangen genommen und eingesperrt, konnte aber eine unverschlüsselte Nachricht Starhembergs an Kunitz gerade noch vernichten. Düriegl, Wien 1683, 70.

55 Kunitz, Diarium, s. p.

56 Broucek – Hillbrand – Vesely, Historischer Atlas zur Zweiten Türkenbelagerung, 46.

57 „Der Obrist Rimpler hat’s schwer, findt keine fertigen Minirer, muß erst welche anlernen, hat’s schon mit Brunnarbeitern und Tiroler Bergleut probirt, auch mit einem Belgier, eim Lackl über eine Klafter hoch, dem haben aber die Strapaziermenscher (Weiber für schwere Arbeiten), so er zum Stollenausräumen angeheuert, zu gut gefallen und ist nix weitergegangen; ist auch noch kein recht Minirwerkzeug vorhanden, kein vorgeschnitten Stollenholz.“ Rumpler, Festungsbaumeister Georg Rimpler, 26.

58 Sachslehner, Wien Anno 1683, 180.

59 Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 134.

60 Hocke, Kurtze Beschreibung, 59f.

61 Sturminger (Hg.), Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, 146f.

62 Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 138f.

63 Sachslehner, Wien Anno 1683, 192f.

64 Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 140. Hocke berichtet vonseiten der Belagerer darüber Folgendes: „Den 27. Julij hat der Feind wenig geschossen; sondern gegen 4. Uhr an der Contrascarpen vor der Burck=Pastey, wo man den 23. zuvor die Mine hat springen lassen, mit gröster Furi angeloffen, in die 18. Türcken über die Pallisaden in die Contrascarpen mit blossen Säbeln unter unsere Leuth gesprungen, welche aber alsobalden von der Höhe der Cont ras carpen in den Statt=Graben geworffen und umbgebracht, die übrige aber mit grossen Verlust zurück geschlagen; worbey auch von den Unsern Hohe Officir und zimblich vil gemeine Mannschafft gebliben und Theils blessirt worden …“ Hocke,  Kurtze Beschreibung, 71f.

65 Hocke, Kurtze Beschreibung, 79; Hoffmann, Bericht, 131f.; Marczali, Relation, 63; Johann Georg Wilhelmb Rueß, Von Ihro Excellenz Herrn Herrn Grafen von Stahremberg, GeneralFeld=Marschall und Stadt=Commendanten übersehen und approbirte warhaffte und gründliche RELATION über die den 14. Julii Anno 1683. angefangene, den 14. Septembris
aber glücklich aufgehebte Belägerung der Kays. Haupt= und Residenz=Stadt WIEN, Nürnberg o. J., 15.

66 Siehe dazu die anschauliche Schilderung des Kampfes bei Johann Peter von Vaelckeren, Wienn von Türcken belägert / von Christen entsetzt … Anjetzo Auß dem Lateinischen ins Teutsch übersetzt / vnd in Truck gegeben / von dem Authore selbst …, Linz 1684, 46f.

67 Hoffmann, Bericht, 132.

68 Unter anderem starb auch der damalige Bürgermeister von Wien, Andreas Liebenberg, wenige Tage vor der Befreiung Wiens an der Roten Ruhr, einer – bis Ende des 19. Jahrhunderts – meist epidemisch durch den Dysenteriebazillus auftretenden Infektionskrankheit, die sich besonders in einer Entzündung der Dickdarmschleimhaut äußert. Die Ruhrbazillen ähneln den Typhusbazillen. Die Verbreitung der hauptsächlich bei mangelnder Hygiene in den Sommermonaten auftretenden Erkrankung erfolgt durch Berührung mit den bazillenhaltigen Stuhlentleerungen. Die Übertragung erfolgt durch Hände, Wäsche, Fliegen, infiziertes Wasser oder Nahrungsmittel. Siehe dazu http://www.woiste.de/W-Auf-RR.html [07.01.2011].

69 „Zu Nachts aber stürmte der Feind … auff dem spitzigen Winckel der Contrescarpe, an dem vor der Burg=Pastey gelegenen Ravelin und überfielen die in der niedere hinter den Pallisaden postirte Mannschafft der Belägerten gleichsam mit einem Regen von Janitscharen=Kugeln und vergiffteten Pfeilen und Wurff=Spissen, setzten auch … dergestalt grimmig an, daß endlich die unsern gantz ermüdet, das Weichen geben musten und die Postirung an disem Orte der Contrescarpe zu diesemahl länger nicht zu disputiren vermochten …“ Huhn, Umbständliche Beschreibung, 109. Siehe auch Vaelckeren, Wienn von Türcken belägert, 49.

70 Hocke, Kurtze Beschreibung, 90.

71 Rueß, Relation, 18.

72 Sturminger (Hg.), Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, 188.

73 Sachslehner, Wien Anno 1683, 218; Düriegl, Wien 1683, 76; Hoffmann, Bericht, 133; Huhn, Umbständliche Beschreibung, 130f.; Hocke, Kurtze Beschreibung, 113; Rueß, Relation, 22; Kunitz, Diarium, s. p.; Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 160f.

74 So etwa ein Brief Starhembergs an Karl von Lothringen vom 18. August, wo er auf die prekäre Situation aufmerksam macht und den Herzog beschwört, den Entsatz zu beschleunigen. Sturminger (Hg.), Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, 250 – 254.

75 Hoffmann, Bericht, 133f.

76 Siehe dazu die ausführlichen Schilderungen bei Hocke, Kurtze Beschreibung, 120 – 165; Hoffmann, Bericht, 134f.; Huhn, Umbständliche Beschreibung, 136 – 185; Rueß, Relation, 23 – 36.

77 „… daß sie anfangen, an Lebensmittel und Fourage Mangel zu leiden, welche sie in weiter Ferne suchen müssen“. Brief Starhembergs an Lothringen, 18. August 1683, Sturminger (Hg.), Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, 252.

78 Dieses Gerücht war nicht von der Hand zu weisen, wie Schilderungen der Belagerten zeigen, wo man mangels Frischfleisches nun auch mit Katzenfleisch seinen Hunger stillte: „mit dem Proviant, insonderheit mit dem frischen fleisch sehr knap und theuer zu werden, also, daß die Katzen, an statt der Hasen von den Soldaten aufgesucht und wohl bezahlet worden …“ Huhn, Umbständliche Beschreibung, 173.

79 Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 163, 165, 169 – 177 (naturgemäß ohne Erwähnung der Disziplinlosigkeiten der Janitscharen); Barker, Doppeladler und Halbmond, 261; Düriegl, Wien 1683, 91.

80 Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 164, 165, 170.

81 Buchmann, Österreich und das Osmanische Reich, 143.

82 Huhn, Umbständliche Beschreibung, 178.

83 Hocke, Kurtze Beschreibung, 166.

84 Huhn, Umbständliche Beschreibung, 184.

85 Hoffmann, Bericht, 135.

86 Brief Starhembergs an Kaiser Leopold I., 1. September 1683. Sturminger (Hg.), Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, 294f.

87 Hocke, Kurtze Beschreibung, 168.

88 Düriegl, Wien 1683, 94; Hocke, Kurtze Beschreibung, 172; Hoffmann, Bericht, 136.

89 Hoffmann, Bericht, 13; Sturminger, 300f.

90 Hocke, Kurtze Beschreibung, 174f.

91 Broucek – Hillbrand – Vesely, Historischer Atlas zur Zweiten Türkenbelagerung, 25.

92 Hocke, Kurtze Beschreibung, 177.

93 Huhn, Umbständliche Beschreibung, 200; Düriegl, Wien 1683, 100.

94 Zbigniew Wójcik, Jan Sobieski: 1629 – 1696, Warschau 1994, 184.

95 Kreutel – Teply, Kara Mustafa vor Wien, 184.

96 Eine genauere Darstellung der Schlachtenereignisse würde in diesem Zusammenhang zu weit führen und den Rahmen des Beitrages sprengen. Für nähere Einzelheiten siehe daher Nagielski – Bobiatyński, Johann III. Sobieski und Karl von Lothringen, 121 – 139; Barker, Doppeladler und Halbmond, 292 – 316; Broucek, Der Feldzug von 1683 und der Entsatz Wiens, 65 – 67; Broucek – Hillbrand – Vesely, Historischer Atlas zur Zweiten Türkenbelagerung; Düriegl, Wien 1683, 116 – 141; Die Türken vor Wien. Europa und die Entscheidung an der Donau 1683, Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums Wien, Wien 1983 bzw. Sachslehner, Wien Anno 1683.

97 Hocke, Kurtze Beschreibung, 193f.

98 Das Kriegsjahr 1683 nach Acten und anderen authentischen Quellen, dargestellt in der Abtheilung für Kriegsgeschichte des K. K. Kriegs-Archivs, Wien 1883, 261 – 263.

99 Siehe dazu Stoye, Die Türken vor Wien, 250.

100 Ebd., 250 – 253.

 

Claudia Reichl-Ham

Claudia Reichl-Ham

HR MMag. Dr. Claudia Reichl-Ham, MAS
Studium der Geschichte und Übersetzungswissenschaften und Doktoratsstudium (Geschichte) an der Universität Wien, Ausbildungslehrgang des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung.
Ich bin stv. Abteilungsleiterin der Forschungsabteilung des Heeresgeschichtlichen Museums. Meine Forschungsschwerpunkte sind: Geschichte der Neuzeit (Militär, Politik), österreichisch-osmanische Beziehungen, Geschichte Mittel- und Südosteuropas, Militärseelsorge.

Kommentieren

Blog-Abo

Mit dem Blog-Abo werden Sie immer sofort informiert, wenn ein neuer Artikel in unserem Blog erscheint.