HGM Wissensblog

Objekt des Monats Jänner 2017

Fähnchen für Fahrzeuge der in Wien tätigen Interalliierten Militärpolizei (sgn. „Vier im Jeep“) sowie Ärmelschild der „International Patrol“ zur Erinnerung an das US-amerikanische 796te Militärpolizeibataillon „Corps d’Elite“ (1946-1953)

Schenkung aus dem Nachlass von Mr. Bill BILLET, Präsident der Veteranen-Vereinigung der vormaligen US-Streitkräfte in Österreich (USFA)

1946 erfolgte die Vereinigung sämtlicher in Wien stationierter US-amerikanischen Militärpolizeieinheiten im sogenannten 796th Military Police Battalion, dessen Stärke sich in Summe auf 22 Offiziere und 484 Militärpolizisten belief. Organisiert in einer Stabs- sowie weiteren vier Bereitschafts-Kompanien waren diese den verschiedenen von der US-Armee kontrollierten Bezirken in Wien zugeteilt, wobei sich das Hauptquartier des Bataillons bis 1953 in der Wiener Stiftskaserne in Mariahilf befand.
Das Bataillon selbst verfügte über einen umfangreichen Fuhrpark, welcher insbesondere auch der seit Sommer 1945 eingesetzten interalliierten (Militärpolizei-)Patrouille („International Patrol“) zur Verfügung gestellt wurde, wobei stets ein Angehöriger der amerikanischen Militärpolizei als Fahrer fungierte. Dieser versah mit einem französischen, englischen sowie einem russischen Kollegen – als die sogenannten „Vier im Jeep“ – in den von den Alliierten in Wien jeweils beanspruchten Besatzungszonen von 1945 bis in den September 1955 jeweils Dienst.
Wenngleich sich die Verwendung der Jeep-Fahrzeuge selbst relativ rasch als unpraktisch erwies und daher durch andere Fahrzeugtypen, zunächst etwa durch den weitaus geräumigeren Dodge WC 57, ersetzt wurden, behielt sich der Begriff der „Vier im Jeep“ noch lange Zeit bei und stellt im Grunde bis zum heutigen Tag einen Inbegriff der Interalliierten Besatzungszeit von 1945 bis 1955 dar.
Die Soldaten der Patrouille selbst trugen grundsätzlich ihre jeweilige nationale Uniform, wobei am linken Arm (bei britischen Militärpolizisten am rechten Arm) das Ärmelschild der Internationalen Militärpolizei-Patrouille getragen wurde, welches neben der Bezeichnung „International Patrol“ auch die ebenso am Fahrzeug angebrachten Fahnen der Alliierten in der Reihenfolge Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und USA aufwies.
Das in die Dauerausstellung Republik & Diktatur bereits integrierte Erinnerungsstück selbst stammt aus dem umfassenden Nachlass des erst kürzlich verstorbenen Präsidenten der Veteranen-Vereinigung der vormaligen US-Streitkräfte in Österreich (USFA) Mr. Bill Billet. Der passionierte Motorradrennfahrer, Korea-Veteran und erfolgreicher Geschäftsmann hatte stets seinen Militärdienst in Österreich (1950-1954) – wie viele andere seiner Kameraden – in besonders guter Erinnerung behalten.
Bis zuletzt ließ es sich Mr. Billet nicht nehmen, gemeinsam mit seiner Frau Europa jährlich einen Besuch abzustatten, um an Veteranentreffen bzw. Gedenkfeiern (u.a. Normandie) teilzunehmen, aber auch um insbesondere nach Österreich zu kommen, um etwa Veranstaltungen des Heeresgeschichtlichen Museums („Auf Rädern und Ketten“) zu besuchen. Das Museum möchte sich an dieser Stelle insbesondere bei Mrs. Billet für die umfassenden Schenkungen aus dem Nachlass ihres geschätzten Ehemanns bedanken, der selbst dem Museum stets auf besondere Weise verbunden war.
Literatur:
Karl Fischer: Die Vier im Jeep. Die Besatzungszeit in Wien 1945-1955. Wien: Wiener Stadt- und Landesarchiv 1985 (Wiener Geschichtsblätter, Beiheft 1/1985)

https://www.usarmygermany.com/Sont_2.htm?https&&&www.usarmygermany.com/Units/USFA%20Units/USFA_796th%20MP%20Bn.htm

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtleben/294431_Vier-im-Jeep-und-Vier-im-Dodge.html?&em_redirect_url=%2Fthemen_channel%2Fwzwien%2Fstadtleben%2F

http://bluedanubenetwork.at/index.php?option=com_content&view=article&id=83%3Abillbillet&catid=1%3Alatest-news&lang=de

Christoph Hatschek

Christoph Hatschek

Vizedirektor HR Mag. Dr. Christoph Hatschek
Ich bin seit 1998 am Heeresgeschichtlichen Museum in Wien tätig, und nehme aktuell als Referats- und Sammlungsleiter „Uniformen, Orden- und Ehrenzeichen, Ausrüstung sowie Insignien“ in weiterer Folge als Leiter der Abteilung für Sammlungen und Ausstellungen des Museums und schließlich als Vize-Direktor (seit 2015) gleichermaßen eine „Dreierfunktion“ wahr.

Gerade für die durchaus immer wieder intensive Vorbereitung von Ausstellungen, gilt es sich stets neuen Themen zu widmen und für diese entsprechend zu recherchieren. Interviews, Vorträge und Präsentationen zu militärhistorischen Themen runden das Arbeitsspektrum ab, wobei mein persönliches Interessensgebiet insbesondere im Bereich der Forschung zur historischen Entwicklung der Soldatinnen bei den Streitkräften sowie aktuell zur Geschichte des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik liegt.

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