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150 Jahre Schlacht von Königgrätz – Betrachtungen zum Forschungsstand

Der unerwartete Verlauf des 1866 zwischen dem Habsburgerreich und Preußen ausgebrochenen Krieges löste bereits unmittelbar nach dessen Ende eine auch publizistisch geführte, militärfachliche Auseinandersetzung um die militärischen Ereignisse und den mit ihnen verbundenen Lehren aus.

In den seither vergangenen 150 Jahren entstand vor diesem Hintergrund eine Fülle an kaum noch zu überblickender Literatur. Doch trotz der großen Zahl an Arbeiten existiert bis heute keine militärhistorische Gesamtdarstellung über den am böhmischen Kriegsschauplatz ausgetragenen Teil des Krieges von 1866, welche für sich zu Recht in Anspruch nehmen könnte, neben Literatur auch die archivalische Überlieferung umfassend, seriös und zuverlässig ausgewertet und damit ein auch nach heutigen Kriterien unumstrittenes Standardwerk geschaffen zu haben. Da in Ermangelung eines solchen für eine ernsthafte Befassung mit den Leistungen der k. k. Nordarmee auf verschiedene und vielfach ältere Literatur zurückgegriffen werden muss, soll hier anlässlich des 150. Jahrestages der Schlacht eine kurze Grundorientierung über einige der wichtigsten Werke gegeben werden. Anschließend wird eine umfangreichere, kritische Auseinandersetzung mit jener Arbeit erfolgen, welche unter der jüngeren Literatur am ambitioniertesten den Anspruch formuliert hat, die fundierteste Darstellung der Tätigkeit der k. k. Armee im Krieg von 1866 zu bieten.1

Die Geschichtsschreibung über die k. k. Nordarmee des Jahres 1866

Nicht zufällig begann bereits ein Jahr nach dem Krieg die Publikation der amtlichen Generalstabswerke Preußens und der Habsburgermonarchie, welche die offizielle militärhistorische Darstellung repräsentieren sollten.2 Mit Letzterem wurde die militärhistoriografisch bedeutsame Reihe umfassender operationsgeschichtlicher Aufarbeitungen wichtiger Kriege der k. (u.) k. Armee durch den Generalstab und das Kriegsarchiv erst eigentlich begründet.3 Schon zeitgenössisch stieß insbesondere die offizielle österreichische Darstellung auf eine kontroversielle Aufnahme. Der Vorwurf von Auslassungen und Beschönigung oder gar Unterdrückung wichtiger Aspekte und Informationen war Anstoß für nicht immer sachliche, mitunter sogar schlicht polemische Publikationen, die sich vorrangig gegen das militärische bzw. politische „System“ richteten.4 Von spezieller Bedeutung sind hier die Arbeiten des früheren k. k. Generalstabsoffiziers Eduard Bartels, die sogar juristische Konsequenzen nach sich zogen und für einige Aufregung in militärischen Kreisen der Habsburgermonarchie sorgten.5 Dies ist wenig verwunderlich, kamen doch nicht nur diese, sondern auch spätere Historiker zu dem Schluss, es seien „die Darstellungen Bartels’ oftmals ungerecht und gehässig, polemisch übertreibend und unsachlich“.6 Wenngleich Bartels ein sicherlich sehr sachkundiger, mit den Verhältnissen der damaligen k. k. Armee aus eigener Erfahrung vertrauter Autor war, ist bei Beurteilung seiner Arbeit jedenfalls zu bedenken, dass er schon im Jänner 1866 pensioniert worden war. Damit konnte er weder Eindrücke vom Feldzug des Jahres 1866 aus eigener Anschauung gewinnen noch Zugang zu den offiziellen Dokumenten oder Schriftstücken von Kriegsteilnehmern haben.

Eine besondere Ausprägung dieser Art von Veröffentlichungen stellte jene Literatur dar, die durch Konstruktion dramatischer Verschwörungen die sogenannten „Benedek-Legenden“ rund um die Person des unglücklichen Feldherrn der k. k. Nordarmee fortspann und diesen so von jeglicher Verantwortung für die militärischen Ereignisse entlasten wollte. Dazu zählen im Anschluss an den Roman „Königsglauben“ von Edith Krieg von Hochfelden (= Edith Salburg), der Gattin von Benedeks Neffen, insbesondere die Werke Wilhelm Alters und Carl Graf Lónyays.7

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Ludwig Ritter von Benedek

Ein dem Ersteren vorangegangener Aufsatz Wilhelm Alters8 wurde schon 1911 vom Leiter des k. u. k. Kriegsarchivs, General Emil Woinovich, weitgehend als unglaubwürdig widerlegt,9 während das Buch selbst 1913 von Heinrich Friedjung als auf Erfindungen und bewussten Verfälschungen beruhend überführt wurde.10 Das Buch Lónyays wiederum wurde zur Zeit seines Erscheinens von Eduard Heller eingehend besprochen und sowohl in seinen Interpretationen widerlegt als auch im Umgang mit den Quellen kritisiert. Manche Passagen wurden so als auf unwahren Behauptungen basierend aufgedeckt, andere wiederum als Ergebnis unzulänglicher Quelleninterpretation identifiziert.11 Wie Heller zutreffend feststellt, zeigt Lónyays Arbeit, dass die wissenschaftliche Form einen Text zwar zuverlässig erscheinen lassen kann, dass aber nicht allein der Umfang und die Art verwendeter Quellen und das Vorhandensein einer bestimmten Form, sondern auch Sorgfalt und Sachkundigkeit der Quelleninterpretation dafür entscheidend sind, ob dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Pointiert drückt dies Heller aus, indem er über das Werk Lónyays urteilt:

„Lónyay hat mit anerkennenswertem Fleiß im Kriegsarchiv alle Akten durchgesehen, in denen der Name Benedek vorkommt. Er hat es aber unterlassen, sich über die Armee, ihre Organisation und Entwicklung in der in Betracht kommenden Zeit zu unterrichten und sich dadurch die allgemeinen Kenntnisse zu erwerben, die unerlässlich sind, wenn man die einzelnen Aktenstücke entsprechend verwenden will.“ 12

Mit unterschiedlicher Sachkenntnis wurden die militärischen Vorkommnisse des Krieges von 1866 noch im Kriegsjahr selbst auch in militärischen Kreisen erörtert – und dies in wenigstens anfänglich zum Teil erstaunlich offener und kontroversieller Weise. Berührt wurden dabei sowohl strukturelle, ausbildungsmäßige und strategische als auch taktische Aspekte und es wurden zahlreiche Unzulänglichkeiten der bis dahin bestehenden Praktiken und Auffassungen aufgezeigt.13 Selbst das offizielle Generalstabswerk äußerte sich durchaus kritisch über Organisation, Führung und Führungsabläufe, Operationsführung, Bewaffnung und selbst taktische Aspekte. Allerdings wurde die Verantwortung der Politik betont, gleichzeitig Kritik an der Armee in ihrer Gesamtheit vermieden und verabsäumt, deutlich genug das falsche Kampfverfahren anzusprechen.14 Diese Ambivalenz zwischen scharfsinniger
Analyse von Führungsfehlern und einer Beschönigung von strukturellen und Ausbildungsmängeln tritt in noch prägnanterer Form in einem insgesamt sehr wertvollen Aufsatz des Obersts Friedrich Fischer auf, welcher mit der Leitung der Arbeiten am Generalstabswerk betraut gewesen war.15

Nach der ersten, aus gegenwarts- und zukunftsorientierten Motiven gespeisten „Konjunktur“ publizistischer Beschäftigung mit dem Feldzug der Nordarmee kam es, ungeachtet vereinzelter in der Zwischenzeit erschienener Werke, erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder zu einer erneuten Phase intensiver Auseinandersetzung mit dem Krieg des Jahres 1866.16 Friedjung gelangte 1901 sogar zu der Einschätzung, „daß in den letzten fünf Jahren unendlich mehr und wichtigeres publiziert wurde als in den fünfundzwanzig Jahren, die vorhergingen“.17 Dies hatte wohl auch damit zu tun, dass zu dieser Zeit die meisten der in führender Position an den Geschehnissen beteiligt gewesenen Akteure verstorben waren, was nun eine freiere Diskussion ermöglichte und zum Teil zu Lebzeiten nicht veröffentlichte Schriften zugänglich machte.18 Gleichzeitig wuchs in Anbetracht der beständig geringer werdenden Zahl noch lebender Zeitzeugen offenbar auch das Interesse daran, deren Zeugnisse festzuhalten und auszuwerten.

In besonders konzentrierter Form war dies etwa bei den beiden mehrbändigen Werken von Oscar von Lettow-Vorbeck und Heinrich Friedjung der Fall, die zwischen 1896 und 1902 erstmalig erschienen und die wissenschaftliche Diskussion über Jahrzehnte hinaus wesentlich beeinflussten sollten – und sei es auch nur als Referenz, von der sich nachfolgende Autoren abgrenzen wollten.19 Beide Autoren versuchten, eine genaue Schilderung der militärischen Vorgänge in ihren unterschiedlichen Dimensionen und eingebettet in ihren politischen Kontext zu bieten. Abgesehen von ihrem umfassenden Charakter besteht der besondere Wert der beiden Werke darin, neben archivalischen Quellen und Literatur, auf heute zum Teil nicht mehr zugänglichen Erinnerungen von Zeitzeugen zu beruhen, von denen einige zum Entstehungszeitpunkt noch am Leben und mit den Autoren in Verbindung gestanden
waren.20 Zudem waren beide Autoren sichtlich bemüht, zu einem möglichst ausgewogenen Urteil zu gelangen, was insbesondere die Einschätzungen Lettow-Vorbecks sehr wertvoll macht, welche durch militärische Fachkenntnisse informiert sind, ohne durch Voreingenommenheit zugunsten der k. (u.) k. Armee verzerrt zu sein – war er doch preußischer Offizier. Sowohl er als auch Friedjung haben dieser Haltung entsprechend im Fortschreiten ihrer Arbeiten neue Erkenntnisse einfließen lassen und zeigten sich bereit, ihre Positionen entsprechend zu revidieren – im Falle Friedjungs bei jeder der insgesamt zehn bis 1916 entstandenen Auflagen seines Werkes.21 Dennoch sind die Aussagen der beiden Bücher insofern mit Vorsicht zu behandeln, als sie, zeitgenössischen Standards entsprechend, nur selektiv mit Belegen versehen sind, sodass eine durchgängige Nachvollziehbarkeit nach heutigen geschichtswissenschaftlichen Kriterien nicht gegeben ist. Zudem konnten zwar für beide Werke bereits archivalische Dokumente als Quelle herangezogen werden, jedoch aus dem k. u. k. Kriegsarchiv nur in begrenztem Ausmaß.22

Die um die Jahrhundertwende einsetzende rege Auseinandersetzung mit dem Krieg von 1866 vollzog sich jedenfalls kontroversiell und war dabei so sehr von gegenseitigen Referenzen geprägt, dass für diese Jahre durchaus von einem intensiven einschlägigen wissenschaftlichen und publizistischen Diskurs gesprochen werden kann. Dieser war jedoch trotz nunmehr verminderter Rücksichten noch deutlich von persönlicher Betroffenheit berührt. Zeitzeugen äußerten sich als Autoren wissenschaftlicher Werke, journalistischer Beiträge oder von Memoiren, und nicht nur für diese lässt sich das teilweise konfligierende Bemühen beobachten, die Rolle einzelner Persönlichkeiten und deren Bewertung zu modifizieren und das von ihnen in der Öffentlichkeit bestehende Bild zu beeinflussen.23 Dies zeigt sich etwa exemplarisch an der medialen Debatte, welche im Gefolge der Ausstellung des Gemäldes „Der große Cavalleriekampf bei Střezetic“24 von Václav Sochor hinsichtlich des Verhaltens des Kommandanten der 3. Reservekavalleriedivision, Generalmajor Carl Graf Coudenhove, in der Schlacht bei Königgrätz ausgelöst wurde. Vorausgegangen war dem bereits die Veröffentlichung eines Werkes mit autobiografischen Materialien Coudenhoves.25 

 

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Václav Sochor: Der Reiterkampf bei Střesetic in der Schlacht bei Königgrätz 1866

An der öffentlichen Erörterung des Themas beteiligt gewesen war unter anderem der Zeitzeuge Moritz von Ditfurth. Mit seinem 1911 erschienenen dreibändigen Werk „Benedek und die Taten und Schicksale der k. k. Nordarmee 1866“26 sollte er dann vordergründig die Person des Feldherrn in den Vordergrund rücken. Dies wiederum ist bezeichnend für den bemerkenswerten Umstand, dass der publizistische Diskurs jener Phase insbesondere der Person Benedeks und seinem Anteil an der Niederlage besondere Aufmerksamkeit widmete und dabei zu mitunter sehr polarisierten Auffassungen gelangte.

Besonders wichtige, auch heute noch für die Forschung wertvolle Beiträge lieferten dabei Friedjungs „Benedeks nachgelassene Papiere“27, als erster ernsthafter Versuch einer Biografie Benedeks, und die von den k. u. k. Generalstabsoffizieren Alfred Krauß und Edmund Woinovich in den Jahren 190128 und 191129 verfassten Analysen der Kommandoführung Benedeks. Friedjungs Werk bleibt wichtig, weil es aufschlussreiche Briefe Benedeks, unter anderem an seine Gattin oder auch Generalstabschef Alfred von Henikstein neben einzelnen weiteren Dokumenten – etwa Benedeks Testament – enthält. Die Arbeiten von Krauß und Woinovich wiederum stellen sehr scharfsinnige und gleichzeitig ausgewogene Analysen der Führung Benedeks dar und zeichnen sich dadurch aus, auf Basis militärischer Fachkenntnis die Fehler Benedeks und seines Stabes klar zu benennen, ohne ihm aber seine persönlichen und militärischen Qualitäten abzusprechen. In dieser Hinsicht sind die beiden Autoren bis heute im Wesentlichen unwiderlegt.30 Dabei sind ihre Werke bereits als Entgegnung auf – zeitgenössisch große Aufmerksamkeit erregende – Benedek verteidigende Publikationen entstanden.31 Alfred Krauß’ Studie zielte darauf ab, ein vom preußischen General Sigismund von Schlichting verfasstes und vielbeachtetes Buch zu entkräften, welches die Operationsführung Benedeks entschieden verteidigte.32

Woinovich reagierte mit seinem Elaborat auf die bereits erwähnten, später von Friedjung endgültig entlarvten Veröffentlichungen Wilhelm Alters.33 Nicht als Beitrag zur sogenannten „Benedek-Frage“, sondern als vertiefende Ergänzung des österreichischen Generalstabswerkes sind hingegen die hier noch zu nennenden, vom k. u. k. Generalstabsoffizier Eduard Steinitz verfassten und zwischen 1903 und 1907 publizierten Bände zu betrachten, welche die Geschehnisse am nördlichen Kriegsschauplatz nach der Schlacht bei Königgrätz untersuchten.34

Da der publizistische Höhepunkt der Befassung mit dem Feldzug von 1866 durch den Ersten Weltkrieg zunächst abbrach, kam es erst in den 1930er Jahren wieder zu einer
intensiveren Auseinandersetzung.35 Aufsehen erregte zunächst eine 1934 erschienene Benedek-Biografie der australisch-britischen Schriftstellerin Gladys Skelton, die jedoch den bisherigen Forschungsstand nicht erweiterte.36 Starke Resonanz rief dann das bereits erwähnte, 1937 erschienene Buch von Carl Graf Lónyay hervor, der dabei im Anschluss an das Werk Wilhelm Alters den Beweis zu führen trachtete, dass Benedek das Opfer einer von höfischen Kreisen ausgehenden Intrige und unfähiger Untergebener geworden sei. Die Schwere der Behauptungen bewirkte bereits im folgenden Jahr, wie schon ausgeführt wurde, eine Entgegnung durch den früheren Generalstabsoffizier Eduard Heller, welcher überzeugend den Nachweis eines mangelhaften Umganges mit den Quellen durch Lónyay erbringen konnte.37 Heller bietet in seiner Studie zudem immer noch beachtenswerte Interpretationen wie auch zum Teil neue Informationen zur Bewertung der Person Benedeks und des gegen ihn geführten militärrechtlichen Verfahrens. Allerdings weist auch Hellers eigene Arbeit methodische Schwächen durch ungenaue Belege auf.38 Deshalb und wegen seines polemischen, von seiner politischen Haltung nicht unbeeinflussten Stils ist gegenüber seiner Studie eine gewisse Vorsicht angebracht. Dies gilt auch für Oskar Regeles 1960 erschienene Biografie, welche, beruhend auf einer umfassenden Auswertung von Literatur und archivalischen Quellen, einen bedeutenden Beitrag zur Forschung über die k. k. Nordarmee im Jahr 1866 darstellt. So macht er etwa darauf aufmerksam, dass die Überlegenheit des Zündnadelgewehrs in der k. k. Armee durchaus schon vor dem Krieg von 1866 erkannt worden war und bereits Maßnahmen zur Umbewaffnung eingeleitet worden waren.39 Leider ist der Wert seiner Arbeit jedoch durch seine apologetische Haltung getrübt, welche beinahe jegliches Fehlverhalten auf Seiten der k. k. Armee und Benedeks in Abrede stellt und die Ursache für die Niederlage ausschließlich in der Bewaffnung und den politischen Versäumnissen sieht. Dies wird durchaus auch durch, wohl bewusste, Auslassungen und selektive Quellenverwertung erreicht. So beschränkt sich Regele bei der Besprechung des operativen Geschehens im Feldzug von 1866 bis Königgrätz auf nur jene Aspekte, welche seinem Bild des kompetenten Feldherrn entsprechen, und schreckt dabei auch nicht vor einem tendenziös verzerrenden Verfahren zurück, welches Aussagen anderer Autoren sinnwidrig und aus dem Kontext gerissen einsetzt, um das eigene Narrativ zu stützen.40

Nur kurze Zeit später veröffentlichte der britische Historiker Gordon A. Craig seine Darstellung des Feldzuges von 1866, welche dann über Jahrzehnte hinweg im angloamerikanischen
Raum als Standardwerk zu diesem Thema gelten konnte. Sachlich und ausgewogen geschrieben, bietet es einen guten, kompakten Überblick und mit Berichten britischer Kriegsberichterstatter auch einzelne neue Quellen. Allerdings ist – wohl wegen des Rahmens, in dem das Buch erschien – insbesondere der Feldzugsverlauf bis Königgrätz nur sehr knapp beschrieben, lassen sich einige Ungenauigkeiten und manche Fehler identifizieren und sind einige wichtige Werke österreichischer Provenienz nicht berücksichtigt.41

Unter den Publikationen, die bald darauf rund um den 100. Jahrestag der Schlacht von Königgrätz erschienen, ist sicherlich die sehr umfangreiche, vom Heeresgeschichtlichen Museum zusammengestellte Bibliografie der zum Krieg von 1866 bis dahin entstandenen Literatur hervorzuheben, ist sie doch nach wie vor von großem Wert für die Forschung. Neue Erkenntnisse über die Vorgeschichte der Operationsplanung und -führung während des Feldzuges brachte im selben Jahr eine Studie von Christoph Allmayer-Beck, der deren Ergebnisse in seiner 30 Jahre später herausgebrachten Erzherzog-Albrecht-Biografie noch vertiefte. Letztere bietet auch für das Verständnis der Geschehnisse am nördlichen Kriegsschauplatz wertvolle Informationen, etwa eine nun quellenmäßig gut abgesicherte Aufklärung der Vorgänge rund um die Ernennung Benedeks zum Kommandanten der Nordarmee.42

Quellenmäßig leider weniger gut abgesichert sind die Ausführungen eines ebenfalls rund um das Gedenkjahr entstandenen Beitrages des äußerst renommierten Militärhistorikers Kurt Peball. Im Anschluss an die Tradition der „Benedek-Apologeten“ stellt er dabei Benedek ausschließlich als Opfer des Hofes und unbotmäßiger oder unfähiger Korpskommandanten dar und behauptet, die reformunwillige Armeeführung hätte ihn nach dem Krieg zum alleinigen Sündenbock gemacht. Dieses Narrativ beruht dabei vor allem auf Auslassungen und nicht belegten Behauptungen, mitunter sogar auf klar falschen Aussagen wie jener, dass der vom Kaiser entsandte Oberstleutnant Beck-Rzikowsky noch vor Benedek und schon am 29. Juni den Zustand der Armee so pessimistisch beurteilt hätte, dass er selbst telegrafisch zum Waffenstillstand aufforderte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Beck allerdings noch in Wien. Seine Fahrt zur Nordarmee begann er erst am 30. Juni. Womöglich war Peball in seiner Schilderung von dem Buch Alters beeinflusst, das in seinem Text als Biografie Benedeks angeführt wird, ohne darauf hinzuweisen, dass bei dessen Zusammenstellung mit gefälschten Quellen und Erfindungen gearbeitet worden war.43

Wesentlich fundierter sind zwei andere Benedek verteidigende Aufsätze von Thorsten Loch und Lars Zacharias, welche wohl zu den interessantesten jüngeren Beiträgen zur Forschung über die Nordarmee im Jahr 1866 gezählt werden können. Sie zeichnen sich durch methodologische Reflexionen zum Stand der „Operationsgeschichte“, einem damit verbundenen Plädoyer für die Beachtung biografischer Faktoren und das Erfordernis eines gewissen Maßes militärischer Sachkenntnis sowie einer unkonventionellen, jedoch recht gut begründeten Interpretation der Perspektiven für einen für die k. k. Nordarmee vorteilhaften Verlauf der Schlacht von Königgrätz aus.44 Allerdings unterlassen sie in Zusammenhang mit den Operationen vor Königgrätz eine Auseinandersetzung mit der fundierten Kritik an der Armeeführung Benedeks und zeichnen so ein überzogen idealisiertes Bild. Mehrmals stützen sich Loch und Zacharias auch auf das Werk Wilhelm Alters, von dem sie anscheinend nicht erkannten, dass es sich zum Teil auf gefälschte beziehungsweise erfundene Quellen stützt, worauf ihre unzutreffende Behauptung bewusst befehlswidrigen Verhaltens Erzherzog Leopolds bei Skalitz und der nie stattgefundenen öffentlichen Enthebung desselben durch Benedek zurückzuführen sein dürfte.45 Kritisch zu sehen sind auch einzelne äußerst spekulative oder auch einfach faktisch falsche Aussagen.46

In konventionelleren Bahnen bewegt sich hingegen die Darstellung des Feldzuges der Nordarmee in dem 2016 erschienenen Buch von Klaus-Jürgen Bremm, welches den Krieg von 1866 an den verschiedenen Kriegsschauplätzen von Westdeutschland bis Norditalien behandelt und dabei neben der militärischen auch die politische Dimension berücksichtigt.47 Es bietet einen guten ersten Überblick über das Geschehen und einige vertiefende Betrachtungen, welche vielfach vertretene, vereinfachende Sichtweisen relativieren.48 Die Erörterung der Vorgänge am böhmischen Kriegsschauplatz ist jedoch mit kaum mehr als 60 Seiten zwangsläufig sehr gedrängt, damit oftmals zu ungenau, mitunter auch fehlerhaft und trägt insgesamt nicht zur Erweiterung des Forschungsstandes bei.49 Eines jener Werke, auf die sich Bremm für die Schilderung der Schlacht bei Königgrätz besonders stützt, ist jenes Geoffrey Wawros, das aufgrund seines auf umfangreiche Archivstudien beruhenden Anspruches besondere Aufmerksamkeit verdient.

Ein Sadowa der Geschichtswissenschaft? Kritische Anmerkungen zu Geoffrey Wawros Buch über den Krieg von 1866 50

Mit „ein Sadowa der Geschichtswissenschaft“51 griff Geoffrey Wawro in seinem 1996 erstmals erschienenen Buch eine Formulierung auf, mit welcher der umstritteneehemalige k. k. Offizier Eduard Bartels von Bartberg das offizielle Generalstabswerk über den Feldzug von 1866 einer vernichtenden Beurteilung unterzogen hatte, und schloss sich dieser mit der Einschätzung an, es wäre einseitig und würde lediglich Sündenböcke ausmachen wollen. Allerdings wurde diese Bewertung implizit gleich (beinahe) auf die gesamte geschichtswissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ausgeweitet, indem Wawro konstatierte, eben diese hätte sich in ihren militärischen Details nur auf die offiziellen Geschichtswerke gestützt und daher wenig oder gar nichts Neues erbracht.52 Diesem von ihm ausgemachten Versäumnis sollte nun Wawros Buch abhelfen, von dem er selbst behauptet, es wäre die allererste Darstellung des Krieges von 1866, die sich auf umfassende Archivrecherchen stützen könne: „It is the first unoffical history of the war to base itself on documentary evidence.“53 Tatsächlich ist sein Buch nach Wissen des Autors die erste Gesamtdarstellung zur k. k. Armee im Krieg von 1866, welche über einen dem heutigen wissenschaftlichen Standard entsprechenden Anmerkungsapparat verfügt und sich nicht nur auf Literatur, sondern ebenso umfangreich auf archivalische Quellen stützt. Dies, das zudem ausgewiesene umfassende Literaturverzeichnis und der Umstand, dass Wawro – Absolvent der „Elite-Universität“ Yale – für seine dem Buch zu Grunde liegende Dissertation von einer breiten Riege äußerst renommierter US-amerikanischer und österreichischer (Militär-)Historiker unterstützt worden ist, verleihen der in Wawros Werk vertretenen Interpretation der Geschehnisse besondere Glaubwürdigkeit und Autorität und – vor allem im anglo-amerikanischen Raum – das Renommee eines Standardwerkes.54

Aber gerade deshalb und wegen des äußerst weitreichenden und selbstbewusst vorgetragenen, die Forschung der vorangegangenen 130 Jahre abqualifizierenden Anspruches ist es – 20 Jahre nach erstmaligem Erscheinen des Buches – erforderlich, auf einige Mängel aufmerksam zu machen. Damit soll dem Buch gleichwohl nicht abgesprochenwerden, ein wertvoller Beitrag zur Forschung zu sein, sondern vielmehr sein überzogener Anspruch „redimensioniert“, zum kritischen Umgang mit dem Werk ermuntert und darauf aufmerksam gemacht werden, dass das eingangs formulierte Desiderat einer aktuellen, auf Archivstudien beruhenden, sachkundigen und ausgewogenen Darstellung der österreichischen „Kriegsanstrengungen“ im Jahr 1866 immer noch besteht. Der an dieser Stelle nur beschränkt zur Verfügung stehende Raum zwingt allerdings dazu, sich auf einige wenige, exemplarische Aspekte zu konzentrieren.

Bereits die Besprechung des Forschungsstandes in der Einleitung zeigt einige Ungenauigkeiten, welche die Argumentation Wawros vermeintlich stützen. So bezeichnet Wawro, wie erwähnt, das österreichische Generalstabswerk als einseitig und wirft ihm vor, nur nach Sündenböcken außerhalb der Armee zu suchen, statt die in den Mängeln bei Organisation, Führungsverfahren, Strategie und Taktik liegenden Ursachen anzuerkennen.55 Zumindest hinsichtlich der Operationsführung und der Führungsabläufe insgesamt wie auch in Bezug auf die taktischen Erscheinungen in der Schlacht bei Königgrätz ist diese Einschätzung gänzlich haltlos.56 Das Urteil Wawros ist umso erstaunlicher, als ihm mit dem Generalstabswerk sogar gemein ist, die Hauptverantwortung für die Niederlage der k. k. Nordarmee bei Königgrätz der schlechten Führung der Armee zuzuschreiben.57

Jedenfalls ist Wawros Bezugnahme auf die Phrase des „Sadowas der Geschichtswissenschaft“ bezeichnend für seinen – weiter unten noch näher zu besprechenden – Umgang mit seinen Quellen. So schreibt Wawro über die entsprechende Bemerkung Eduard Bartels’: „He pronounced it a ‘historiographical Sadova, contrived in the poisonous atmosphere of the [Habsburg] war ministry‘.“58 Dabei bedient er sich nicht nur in freier und nicht gekennzeichneter Übersetzung des direkten Zitates, ohne den Wortlaut zutreffend wiederzugeben, sondern wandelt auch den Sinn der Aussage Bartels’ in maßgeblicher Weise ab. Denn der betreffende Satz lautet bei Bartels in Wirklichkeit:

„In der mephitischen Luft des ‚grauen Hauses‘ gedeiht kein Geschichtsschreiber von der hehren moralischen Kraft, welche eine ‚offene, wahrheitsgetreue, objective Schilderung der Thatsachen‘ erfordert – wir ahnen ein geschichtliches Sadowa.“59

In Verbindung mit dem Kontext dieses Satzes sowie dem Umstand, dass der Text sowohl der zweiten als auch dritten Auflage des Buches als im März 1867 abgeschlossen ausgewiesen ist, wird deutlich, dass dieses Urteil antizipierend auf eine Bartels noch gar nicht bekannte amtliche Darstellung ausgesprochen wurde und nicht, wie Wawro nahelegt, als sachlich begründete, rückschauende Bewertung.60

Besonders unverständlich ist jedoch die Charakterisierung des Werkes von Heinrich Friedjung, welches immer noch als eines der Standardwerke zu diesem Thema gilt. Es wird behauptet, Friedjung hätte nur jene Dokumente im Kriegsarchiv zu sehen bekommen, welche ihm sein „Aufpasser“ Friedrich Fischer, „Chefredakteur“ des offiziellen Generalstabswerkes, zeigen hätte wollen.61 Tatsächlich jedoch schreibt Friedjung in seinem Vorwort zur ersten Auflage seines Buches, dass er zunächst völlig freien Zugang zum Kriegsarchiv gehabt hätte, der erst kurz vor Vollendung seiner Studien von der damals aktuellen Kriegsarchivdirektion unvermittelt beschränkt wurde.62 Da er sein Vorwort im Dezember 1896 verfasste, kann sich Friedjung damit nur auf die Direktion der 1890er Jahre beziehen. Friedrich Fischer aber war bereits 1881 pensioniert worden und hatte nie das Kriegsarchiv, sondern lediglich das bis 1876 parallel zum Kriegsarchiv bestehende k. k. Generalstabsbüro für Kriegsgeschichte geleitet.63 In den von Wawro als Beleg für seine Behauptung zitierten Werken findet sich jedenfalls nichts über den Archivzugang oder die Person Fischers.64 Darüber hinaus beschränkte sich Friedjung für die Beschreibung militärischer „Details“ auch sonst keineswegs auf die offiziellen Generalstabswerke, wie Wawro meint, sondern bezog sowohl Zeitzeugenberichte als auch jeweils aktuelle Literatur in hohem Maße mit ein, wodurch er vielfach zu anderen Schlüssen als das Generalstabswerk kam.65

Unmittelbar auf Archivforschungen statt lediglich auf das Generalstabwerk stützten sich auch spätere Autoren wie Emil Woinovich, Eduard Heller oder selbst der umstrittene Carl Lónyay. Der preußische Kriegsteilnehmer Lettow-Vorbeck zog für sein Buch66 ebenfalls nicht nur Literatur und eine Fülle von Erinnerungen heran, sondern betrieb auch Forschungen in den sächsischen, bayerischen und preußischen Militärarchiven, war allerdings für das k. u. k. Kriegsarchiv auf Anfragen beschränkt, ohne direkten Zugang zu erhalten. Die überraschend unkritische Haltung, welche Wawro gegenüber dem preußischen Generalstabswerk einnimmt, hätte durch stärkere Berücksichtigung dieses Buches womöglich korrigiert werden können.67 Überhaupt ist es bemerkenswert, dass sich Wawro insbesondere für die Schlacht bei Königgrätz sehr stark auf das preußische Generalstabswerk stützt,68 vielfach aber auch wenig wissenschaftliche Werke wie jene Bartels’69 oder Theodor Fontanes70 als Quellen angibt. Allerdings zieht Wawro vor allem Archivalien als Beleg heran. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich hier überwiegend um, meist aus dem Jahr 1866 stammende, rückblickende Berichte von Zeitzeugen handelt. Diese stellen damit bereits retrospektive Repräsentationen der Ereignisse dar, welche von bewussten oder auch unintendierten Verzerrungen und der jeweiligen persönlichen Interessenslage und Betroffenheit womöglich nicht unberührt sind, umso mehr als die Kriegsereignisse erstwenige Monate zurücklagen und somit noch Rechtfertigungsdruck bestand. Damit handelt es sich aber um absichtliche statt unabsichtliche Zeugnisse, welche einen besonders vorsichtigen Umgang erfordern.71

Dieser Umstand war auch bereits verschiedenen Autoren des 19. Jahrhunderts bewusst, die sich, obwohl Offiziere und nicht Fachhistoriker, um eine gründliche Abwägung unterschiedlicher Darstellungen bemühten und sich häufig davor hüteten, kategorische Behauptungen auf der Basis der Aussagen nur eines einzelnen Zeitzeugen zu treffen. So stellte beispielsweise Wilhelm du Nord, 1866 Hauptmann im Hauptquartier Benedeks, seine eigenen Schilderungen unter Vorbehalt,

„denn wie klar auch der einzelne in die Ereignisse geblickt haben mag, und wie tief sich auch das Erlebte eingrub in sein junges Gehirn, er kann zu dem großen Gesamtgemälde doch nur einen Lichtreflex oder einen Schattenstreifen liefern“.72

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Wilhelm Du Nord, (I.R.Nr.65), zuget.d.Gstb., Portrait um 1870.

Deutlich wird die Problematik auch von Lettow-Vorbeck ausgedrückt, der das Beispiel eines hochrangigen Zeugen aus dem Hauptquartier Moltkes nennt, der bereits im Winter 1866 irrigerweise notiert hatte, der Stabschef der 2. Armee sei bei einer wichtigen Besprechung vor der Schlacht bei Königgrätz anwesend gewesen, und dazu zutreffend bemerkt:

„Man sieht, wie sehr die Erinnerungen selbst nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit täuschen. Je näher den Ereignissen, desto mehr wird das aus dem Gedächtnis Niedergeschriebene im Allgemeinen auf Zuverlässigkeit Anspruch machen können. Kommt aber das eigene Interesse mit ins Spiel, wie fast immer bei Gefechtsberichten, so bedarf die Darstellung trotz des kurz vergangenen Zeitraums stets einer sehr sorgfältigen Prüfung. Quellenbeurtheilung [sic!] ist eine der Hauptgrundlagen für die Geschichtsforschung.“73

Wie sehr diese Problematik auch in Bezug auf die Schlacht bei Königgrätz relevant ist, zeigen die Erinnerungen der beiden Ordonnanzoffiziere Franz Graf Falkenhayn und Adolf von Sacken, welche am Schlachttag zwischen 11:00 und 12:30 Uhr beauftragt waren, dem k. k. IV. und II. Korps den Befehl Benedeks zu überbringen, in die zugewiesenen Positionen am rechten Flügel zurückzukehren. Obwohl ihre Berichte noch im Juli bzw. Herbst 1866 aufgezeichnet wurden, widersprechen sich beide deutlich hinsichtlich der Zeitangaben und auch darin, wer seinen Ritt zuerst unternommen hat. Entgegen der in der Literatur vorherrschenden Ansicht, es wäre Falkenhayn gewesen, schließt sich Wawro gänzlich der Version Sackens an, ohne die Darstellung Falkenhayns überhaupt zu erwähnen oder die konträren Positionen zu diskutieren.74

Wie unsicher selbst die Erinnerung unmittelbarer Augenzeugen, noch dazu in Zusammenhang mit Eindrücken in einer Gefechtssituation, ist, illustrieren schließlich auch die Erinnerungen des Rittmeisters Gustav von Wersebe, Ordonanzoffizier in Benedeks Stab. Er schildert eine Begebenheit am Ende der Schlacht, in welcher er zunächst den Kommandanten der dritten Reservekavalleriedivision, Generalmajor Karl Maria Graf von Coudenhove, auf die Präsenz gegnerischer Kavallerie hinweisen und ihn dann zum Angriff anweisen habe müssen, während Benedek später daran gescheitert sei, die österreichische Kavallerie zu einer erneuten Attacke zu bewegen, was ihn zum verzweifelten Ausruf veranlasst habe, seine Kavallerie lasse ihn im Stich.75 Wersebe stellte jedoch 34 Jahre später, nach einer Auseinandersetzung mit abweichenden Berichten fest, dass er sich geirrt hatte und die betreffende Kavalleriedivision zum Zeitpunkt seines Eintreffens nach dem schon selbstständig ausgeführten Angriff im Begriff war, sich zu sammeln, wodurch sich die konstatierte Verwirrung erklären lasse.76 In diesem Sinne äußerte sich als weiterer Zeitzeuge auch Moritz Freiherr von Ditfurth über das Verhalten der Division Coudenhove.77 Wawro beschreibt diese Episode ausschließlich auf Basis eines Berichtes des Generalstabshauptmanns Ilia von Woinowitz, der ähnliche, jedoch abweichende Angaben macht. Nach seinen Ausführungen erscheinen die Vorgänge so, als wäre diese Reservekavalleriedivision überhaupt nie zur Attacke zu bewegen gewesen, was Wersebe selbst in seiner ursprünglichen Version niemals behauptete. Wawro unterlässt auch hier eine Erörterung der voneinander abweichenden Überlieferung oder eine Überprüfung anhand der Forschungsliteratur, stützt sich ausschließlich auf eine Variante und veranlasst so Interpretationen, welche auf breiterer Quellenbasis zweifelhaft erscheinen müssten.

Befremdlich sind jedoch auch verschiedenste, nicht ausgewiesene Widersprüche innerhalb Wawros eigener Darstellung. So sieht er den Kommandanten des k. k. IV. Korps,
Feldmarschallleutnant Anton von Mollinary, an einer Stelle bereits um 11:00 Uhr im Hauptquartier Benedeks, einige Seiten später jedoch erst gegen 12:00 Uhr.78 Die Eroberung Hořiňowes’ setzt Wawro einmal um 13:00 Uhr, vier Seiten später um 12:30 Uhr an – eine Unstimmigkeit, die insofern von Bedeutung ist, als Wawro mit dem Verlust dieses Punktes weitreichende Behauptungen hinsichtlich des preußischen Artilleriebeschusses auf die österreichischen Reserveformationen und die Auswirkungen auf deren Moral verknüpft.79 Auf Seite 262 beschreibt Wawro sehr eindeutig, dass sich um 16:00 Uhr ein Kürassierregiment der 3. Reservekavalleriedivision des Generalmajors Coudenhove geweigert hätte, einen Angriffsbefehl zu befolgen, und auch von Benedek nicht zur Attacke gebracht werden konnte. Sieben Seiten später gibt Wawro jedoch an, dass Coudenhoves Division um 16:00 Uhr angegriffen hätte, genau zu jenem Zeitpunkt also, an dem er zuvor noch die Auseinandersetzung Benedeks mit dem angriffsunwilligen Regiment sehr plastisch beschrieben hatte.80 Angemerkt sei zusätzlich, dass die von Wawro für die erste Passage genannte Quelle, ein Bericht von Hauptmann Woinowitz, ausdrücklich davon spricht, es wären diese Vorgänge nach 16:00 Uhr gewesen.81

Eigentümlich ist zudem – um ein weiteres Beispiel zu nennen –, dass Wawro zwar behauptet, Benedek hätte eine Gegenangriffsabsicht des Kommandanten des III. Korps bei Einbruch der preußischen Garde in Chlum um 14:30 Uhr unterbunden und sich daher nicht auf den „Nebel von Chlum“ und vermeintliche Unkenntnis des preußischen Anmarsches berufen können, nur drei Seiten später jedoch jene von einem anwesend gewesenen Offizier überlieferte und allgemein anerkannte Darstellung wiedergibt, Benedek wäre um 14:45 Uhr von der Besetzung Chlums durch die Preußen völlig überrascht gewesen. Diese Unvereinbarkeit wird von Wawro nicht thematisiert, die Angabe über den angeblich geplant gewesenen Gegenstoß gleichzeitig nicht nachvollziehbar belegt.82

Fragwürdig ist darüber hinaus, wenn Wawro an einer Stelle im Buch suggeriert, der Armeekommandant hätte um 17:00 Uhr das Schlachtfeld verlassen, nur fünf Seiten davor jedoch nahelegt, dies wäre bereits kurze Zeit nach 16:00 Uhr geschehen – freilich ohne dies klar auszudrücken. Eine präzisere Bestimmung des Zeitpunktes, an dem Benedek sich zurückzog, wäre schon deshalb notwendig, da Wawro ihm bei zumindest zwei Textstellen vorwarf, seine noch in Gefechten stehenden Truppen im Stich gelassen zu haben.83 Ist die von einem von Wawros Gewährsmännern, Major Sacken, gemachte Aussage, Benedek und sein Stab hätten zwischen 17:00 und 18:00 Uhr das Schlachtfeld verlassen, zutreffend, so sind daraus andere Schlüsse zu ziehen, als wenn dies bereits kurz nach 16:00 Uhr geschehen wäre. Schließlich gibt ein als Generalstabschef der 3. Division an der Schlacht beteiligt gewesener preußischer Offizier an, aufgrund eines Blickes auf die Uhr am Standort bei Chlum mit Gewissheit bestimmen zu können, dass die Reiterkämpfe um 16:45 Uhr geendet hatten, zu diesem Zeitpunkt aber auch die Gegenstöße des k. k. VI. und I. Korps bereits vorüber waren.84 Zusätzlich sei angemerkt, dass Benedek später von einem k. u. k. Offizier sogar der Vorwurf gemacht wurde, zu spät das Schlachtfeld verlassen zu haben, da er so seinen Verpflichtungen als Armeekommandant nicht hinlänglich nachkommen hätte können.85

Manche anderen Aussagen Wawros sind zumindest irreführend und erwecken so den Eindruck tendenziöser Verkürzung. Etwa wenn er schreibt, der für die Schlachtdisposition auf österreichischer Seite zuständige Generalmajor Krismanič86 hätte die Stellungen, über die er Verfügung traf, nicht einmal persönlich gesehen, dabei jedoch verschweigt, dass Benedek bereits am Nachmittag des 1. Juli mit seinem Adjutanten und zwei Ordonnanzoffizieren von Trotina über Chlum bis Probluz87 jene Örtlichkeiten abritt, an welcher am 3. Juli die Nordarmee aufgestellt wurde.88 Ein anderes Beispiel wäre jenes vom Sturm des k. k. VI. Korps auf das von den Preußen besetzte Rozberitz. Hier suggeriert Wawro, dieser Ort wäre von nur drei preußischen Kompanien gegen die k. k. Brigade Rosenzweig verteidigt worden. Dabei gibt selbst das preußische Generalstabswerk an, dass zwar drei Kompanien am südlichsten Ortsrand eingesetzt waren, sich beim Ort aber noch zwei weitere Bataillone sowie vier gesonderte Kompanien befanden und diese von mehreren preußischen Geschützbatterien unterstützt wurden.89

 

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Königgrätz-Denkmal des k.u.k. Inf-Reg. No 4 in Rozberic

Fragwürdig ist jedenfalls Wawros Erörterung der sogenannten „Reiterschlacht von Střesetitz“, welche, wie er meint, unerklärlicherweise von „österreichischen und preußischen Propagandisten“ nach dem Krieg glorifiziert worden sei. In unorthodoxer Betrachtungsweise kommt Wawro zu dem Schluss, dass es sich bei dieser Episode um „a rather insignificant affair“90 gehandelt hätte, ja er geht so weit zu behaupten, „the great cavalry battle at Stresetice never really materialized“.91 Dass, wie Wawro schreibt, 39 von 350 preußischen Schwadronen daran teilgenommen hätten, ist ihm Bestätigung seines Urteiles statt Anlass für Zweifel. Er geht damit darüber hinweg, dass 39 Schwadronen eine Stärke von etwa 6.000 Reitern bedeuteten, womit alleine auf preußischer Seite eine Dimension gegeben war, welche es gerechtfertigt erscheinen lassen dürfte, von einer „Reiterschlacht“ zu sprechen. Ob sich Wawro selbst dieser Größenordnung bewusst war, ist zweifelhaft, immerhin erwähnt er, dass nur zwei preußische Kavalleriebrigaden an der Schlacht beteiligt gewesen wären. Diese allein hätten die genannte Anzahl an Schwadronen jedoch nicht aufgewiesen. Tatsächlich waren mehr als drei preußische Brigaden beteiligt.92 Der Erzählung Wawros folgend, entsteht dennoch der Eindruck, einen Reiterkampf hätte es nicht gegeben. Möglich ist jedoch nur dadurch, dass er bis auf einen einzigen kleinen Zusammenstoß überhaupt nicht auf das Kavalleriegefecht einging und sich stattdessen auf die überall zu beobachtende abschließende Phase dieser Kämpfe beschränkte, nämlich auf das mit hohen Verlusten verbundene „Zerschellen“ der österreichischen Reiterei an preußischer Infanterie und Artillerie. Da Wawro ignoriert, dass die beteiligten preußischen Reiterverbände, die sonst für die Verfolgung verfügbar gewesen wären, von der österreichischen Kavallerie zuvor zurückgeschlagen worden waren, kann er auch nicht erklären, warum „none of them made any effort to pursue North Army’s panic-stricken infantry after the rout of the Austrian reserve cavalry“.93

Anders gestaltet sich das Fazit des Schlachtteilnehmers und preußischen Offiziers Eduard von Quistorps:

„Nach Entscheidung der Schlacht fiel der preußischen Kavallerie die Aufgabe zu, in die weichenden feindlichen Massen die Auflösung zu tragen; der österreichischen Kavallerie, ihre flüchtige Armee gegen dieses drohende Wetter zu schützen. Letztere hat ihren Zweck erreicht.“94

 

Irreführend erscheinen weiters Wawros Aussagen hinsichtlich des Verhaltens Benedeks nach dem Einbruch der Preußen bei Chlum. Er zeichnet das Bild eines „supremely incompetent general“95, der nicht nur in äußerster emotionaler Aufgebrachtheit die Führung seiner Truppen völlig aus der Hand gab, sondern zudem in größter Pflichtvergessenheit und Verantwortungslosigkeit die ihm anvertrauten Soldaten sich selbst überlassen hätte und frühzeitig vom Schlachtfeld geflohen sei.96 Während jedoch Wawro in abermals ausgesprochen pointierter und entschiedener Weise schreibt, „now he and his rump headquarters admitted defeat and began to ride aimlessly around the field“97, geht er nicht darauf ein, dass gerade zwei jener drei Ordonanzoffiziere, auf die er sich als Beleg für diese Aussage bezieht, das Verhalten Benedeks durchaus konträr charakterisieren. So meinte der damalige Generalstabshauptmann Ilia Woinowitz98,

„es heißt mitunter, Benedek habe um diese Zeit ganz den Kopf verloren gehabt. Das gerade Gegenteil ist wahr. Während alle anderen mehr oder weniger den Kopf verloren hatten, hatte er den seinigen erst gefunden und behielt ihn auch bis ans Ende.“ 99

Major von Sacken wiederum hielt ihm immerhin zu Gute, er wäre auf das Äußerste bemüht gewesen, die im vollen Rückzug begriffenen Truppen zum Stehen zu bringen.100 Ein weiterer Ordonanzoffizier, Rittmeister Wersebe, befand, „Benedek benahm sich während dieser Szenen stets wie gewöhnlich, ganz kaltblütig“.101

Wenngleich es wohl zutreffend ist, dass das Kommando der Nordarmee darin versagt hat, rechtzeitig hinlängliche Befehle für einen allfälligen Rückzug zu erteilen und so die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass dieser zumindest leidlich geordnet verlaufen hätte können, ist Wawros Darstellung, welche beinahe Gleichgültigkeit des Kommandos suggeriert, doch zu vereinfachend. So geben etwa die Ordonanzoffiziere Hauptmann Falkenhayn und Rittmeister Sacken an, es wären noch Rückzugsbefehle oder zumindest Anweisungen an einzelne Korps ausgegeben worden, wenn auch eine geregelte Befehlserteilung durch preußischen Beschuss des Stabes vereitelt worden sei.102 Tatsächlich bestätigt das sächsische Generalstabswerk, dass das sächsische Korps – wenngleich sehr spät – Rückzugsdisposition von Falkenhayn erhalten hat.103

Jedenfalls unrichtig ist es, wenn Wawro meint, es hätte vor der Schlacht überhaupt keine Hinweise des Armeekommandos für die Korpskommandanten gegeben, wie ein Rückzug zu erfolgen hätte, um schließlich zur kategorischen Bemerkung zu gelangen:

„North Army faced an enveloping attack by three Prussian armies with no delineated lines of retreat and no bridges over the river behind it.“104

Tatsächlich war in der Schlachtdisposition angekündigt worden, genauere Anweisungen für einen Rückzug würden später folgen, ohne dass dies in ausreichender Weise je geschah. Dennoch ist Wawros Behauptung schon alleine deshalb unrichtig, weil einerseits eine allgemeine Rückzugsrichtung nach Hohenmauth angegeben wurde, andererseits aber in der am 2. Juli um 16:00 Uhr erfolgten Ausgabe der Befehle für den Folgetag mehrere schon bestehende Übergangsstellen – darunter zwei „Kriegsbrücken“ – angegeben wurden und schließlich in der Disposition für die Schlacht dem II. und IV. Korps das Schlagen von vier weiteren Brücken an bestimmten Stellen befohlen wurde.105 Es bestanden also durchaus sowohl permanente als auch provisorische Brücken über die Elbe, deren zumindest ungefähre Lage auch bekannt sein konnte.

In das Bild eines überforderten und „kopflosen“ Armeekommandos fügt sich eine weitere Episode ein, bei der Stabschef Generalmajor Alois Baumgarten einer Batterie befahl, das Feuer gegen Chlum einzustellen. Wobei nach der Schilderung Wawros der Eindruck entsteht, dies wäre der Fall gewesen, damit der Stab nicht vom Lärm belästigt werde und seine Befehle diktieren könne. Demgegenüber führt die von ihm genannte Quelle als Begründung für diese Maßnahme an, es wäre dies wahrscheinlich geschehen, um einen Beschuss eigener, zwischen der Batterie und Chlum stehender Truppen zu verhindern. Eine Ergänzung, welche für die Interpretation dieser Begebenheitnicht unerheblich ist, und die Folgerungen, die daraus für die Einschätzung des Armeekommandos gezogen werden können, zumindest modifiziert.106

Die Charakterisierung Benedeks als überfordert und kopflos bestärkt Wawro auch durch eine vielleicht bewusste Auslassung an einer anderen Stelle. Er gibt hier recht anschaulich in – ohne Kennzeichnung äußerst frei übersetzter – direkter Rede wieder, dass Benedek befohlen hätte, ein Pferd aufzuhalten, welches einen verwundeten Oberst hinter sich her schliff. Nachdem er noch betont hatte, der Befehl wäre an niemanden konkret adressiert worden, schloss er sogleich mit der Schilderung der Flucht der betreffenden Kürassiere an, die den Armeekommandanten alleine zurückgelassen hätten. Obwohl keine explizite Aussage darüber erfolgt, ob das Pferd nun angehalten wurde, wird dennoch der Eindruck erweckt, Benedek hätte es nicht einmal geschafft, ein Pferd zum Stehen bringen zu lassen, was seine Ohnmacht betont. In der von Wawro genannten Quelle wird jedoch in Wirklichkeit ein anderes Bild der Begebenheit gezeichnet, zumal Benedeks Befehl dort präzise und entschieden wirkt, eine rasche Befolgung nach sich zieht und den Armeekommandanten eben resolut und engagiert statt ohnmächtig wirken lässt.107

Ohnmächtig und hilflos lässt Wawro Benedek auch in Zusammenhang mit einer Episode erscheinen, in der dieser Erzherzog Wilhelm, Feldartilleriedirektor der Nordarmee, um Rat gefragt habe, ob er den Angriff auf die preußische 1. Armee befehlen solle. Schließlich bezeichnet Wawro Wilhelm als „stripling in jodpuhrs“ (Bürschchen in Reithosen), der lediglich formal Kommandant der Artillerie gewesen sei und am wenigsten Erfahrung aller Angehörigen von Benedeks Stab aufzuweisen gehabt habe. Wawro fragt sich daher: „What on earth did the young archduke know?“108 In Wirklichkeit aber war das vermeintliche „Bürschchen in Reithosen“ immerhin bereits 39 Jahre alt, mit Benedek seit langem sehr vertraut und von diesem durchaus geschätzt, was nicht zuletzt dessen Vorschlag zeigt, ihn zu seinem Nachfolger als Armeekommandant zu machen, falls ein solcher erforderlich werden würde.109

 

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Erzherzog Wilhelm

Wenig ausgewogen erscheint auch eine weitere, zum Teil wohl aus mangelhafter Quellenauswertung hervorgegangene Passage, in welcher Wawro behauptet, Benedek hätte am 2. Juli Henikstein als Generalstabschef retten wollen und beide seien zu sehr damit beschäftigt gewesen, alle Schuld auf Krismanič abzuschieben, als dass sie sich um die Schlachtvorbereitungen kümmern hätten können.110 Auf diese Weise wird einerseits eine vermeintliche Erklärung für die Unzulänglichkeiten der Schlachtdisposition behauptet, andererseits Benedek erneut nicht nur massive Pflichtverletzung, sondern auch Unaufrichtigkeit vorgeworfen. Dies obwohl ihm selbst Kritiker zu Gute gehalten hatten, er hätte sich nachträglich keinesfalls gescheut, die Verantwortung für alle vom Armeekommando erteilten Befehle und damit für die Niederlage zu übernehmen.111 In Wirklichkeit jedoch war schon am 1. Juli zwischen dem Abgesandten des Kaisers Oberstleutnant Beck und Benedek besprochen worden, Henikstein und Krismanič zu ersetzen und beiden eine andere Verwendung in der Nordarmee zu geben, wobei Beck selbst die Verantwortlichkeit Krismanič’ betonte und diese daher nicht erst von Benedek intrigierend aufgezeigt werden musste.112 Benedek bemühte sich, wie aus einem seiner Telegramme und seinem diesbezüglichen Brief hervorgeht, auch nicht um ein Halten Heniksteins als Stabschef, sondern lediglich um eine dessen Ansehen schonendere Vorgangsweise durch Belassung bei der Armee in anderer Funktion.113

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Alfred Frhr. v. Henikstein

Bezeichnend ist, dass Wawro behauptet, der Brief Heniksteins an den Generaladjutanten des Kaisers, mit dem dieser sich zu rechtfertigen versuchte, sei erst am 3. Juli um 3:15 Uhr abgeschlossen worden.114 Tatsächlich jedoch war er am Nachmittag des 2. Juli abgeschickt worden und erreichte seinen Adressaten bereits am Morgen des 3. Juli – was bei Absendung nach 3:00 Uhr in der Früh nicht möglich gewesen wäre. Vermutlich missinterpretierte Wawro die im Brief enthaltene Zeitangabe, welche sich auf den Zeitpunkt bezieht, als Henikstein von Benedek über seine Ablösung informiert wurde, und im zeitgenössischen Zwölfstundenformat und unter Beifügung von „U. n. M.“, also als Uhrzeit „nach Mittag“, angegeben ist.115 Dass Henikstein in dem Brief nicht notiert haben konnte, um 3:15 Uhr „vormittags“ von Benedek über seine Enthebung informiert worden zu sein, geht alleine schon daraus hervor, dass er vor der im Juli 1866 eingesetzten Untersuchungskommission zu Protokoll gab, bereits am 2. Juli verständigt worden zu sein.116 Hätte Wawro berücksichtigt, dass Henikstein zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr Stabschef war, hätte er ihm seine Abwesenheit von der Operationskanzlei am Vorabend der Schlacht nicht zum Vorwurf machen können.

Eine Mischung aus mangelhafter Quellenauswertung und fantasiereich pointierter, theatralisch überzogener Schilderung zeigt sich in vielleicht noch stärkerem Maß bei Wawros Erörterung jener Rechtfertigungsschrift, die am 29. Juni im Kommando der Nordarmee in Dubenec abgefasst wurde und zur Vorlage an den Kaiser gedacht war. In süffisantem Tonfall wird hier dargelegt, Benedek habe selbst vor absurdesten Ausflüchten nicht zurückgeschreckt, um sein eigenes Versagen zu entschuldigen und schließlich seine völlige militärische Inkompetenz dadurch demonstriert, sich auf das Argument stützen zu wollen, die preußischen Truppen hätten die innere Linie gehabt. Unfähig, selbst eine militärisch überzeugende Interpretation der Ereignisse zu formulieren, habe Benedek diese Aufgabe schließlich Krismanič übertragen müssen, der dann erst jene Fassung des Berichtes formuliert habe, welche, um die militärisch groteskesten Aspekte bereinigt, abgeschickt wurde.117 Wawro übersah dabei jedenfalls, dass selbst die auf formellen Kanzleibögen abgefasste Reinschrift nie abgeschickt wurde, trägt sie doch den vom Leiter der Detailkanzlei der Nordarmee, Oberst Ferdinand Kriz, unterzeichneten Vermerk: „Durfte auf hohen Befehl nicht expediert werden; 30. Juni“.118 Ein Umstand,auf den bereits in der Literatur verwiesen wurde.119

Wie sich die Hintergründe und Abläufe beim Verfassen dieser Schrift genau gestalteten, lässt sich aus den von Wawro als Beleg genannten Dokumenten nicht ableiten. Unzweifelhaft ist lediglich, dass drei Fassungen überliefert sind, welche aufeinanderfolgende Ausführungsstadien darstellen. Die erste Variante ist auf Notizpapier und lediglich stichwortartig verfasst, eine weitere als Konzept auf Konzeptpapier mit den üblichen Streichungen und Korrekturen, und die letzte lässt sich anhand formaler Kennzeichen eindeutig als Reinschrift identifizieren. Es erscheint naheliegend und durchaus verständlich, dass die ersten, die Umrisse skizzierenden Notizen von Benedek stammten und als Vorgabe für die Ausformulierung des endgültigen Berichtes dienten. Diese Vorgehensweise ist aber nicht ungewöhnlich, und daraus zu schließen, Benedek wäre so hilflos und aufgebracht gewesen, dass er ohne Krismanič nicht in der Lage gewesen wäre, diese Schrift abzuschließen, ist zumindest eine äußerst gewagte Behauptung – sofern sie nicht anhand anderer Quellen gestützt werden kann; doch solche nennt Wawro nicht.120

Ein nicht ausreichend sorgfältiger Umgang mit den Quellen kommt auch darin zum Ausdruck, dass bereits eine auf wenige Stichproben beschränkte Überprüfung an mehreren Stellen mangelhafte Zitate offenbarte.121 Besonders augenscheinlich ist dies in Bezug auf die von Wawro zweimal gemachte Angabe, bis zum Eintreffen der preußischen 2. Armee seien 240.000 Österreicher 135.000 Preußen gegenübergestanden.122 Während das österreichische Generalstabswerk ca. 215.000 österreichische und sächsische Kombattanten angibt,123 spricht das preußische Generalstabswerk gar nur von 206.000 Kombattanten der Nordarmee.124 Unter diesen Umständen wäre zu erwarten, dass die Quelle, von der die Zahlenangabe Wawros stammt, offengelegt würde. Die in den betreffenden Fußnoten angeführten Referenzen, darunter das preußische Generalstabswerk, geben darüber freilich keine Auskunft.125 Ein weiteres, eklatantes Beispiel für fehlerhafte Belege ist jene Stelle, in welcher der berühmte Ausspruch Generalleutnant Mansteins über Moltke „Das ist Alles sehr richtig, wer ist aber der General Moltke?“ wiedergegeben, dabei jedoch unzutreffend belegt wird.126 Unzureichend belegt wird auch die sehr bedeutungsvolle Aussage: „North Army’s regiments panicked at 3:00 P.M. and begann running the ten kilometers south to the Elbe.“127

An anderer Stelle legt Wawro äußerst plastisch dar, wie Benedek, Zigarre rauchend und „Elliöre [sic!]!“ rufend, ein Bataillon des k. k. Infanterieregiments Nr. 52 zum Angriff auf Chlum vorbrachte. Von den beiden als Beleg genannten Texten stellt einer die Begebenheit genau konträr dar und behauptet, die betreffenden Soldaten hätten den Angriffsbefehl nicht befolgt.128 Der andere betont zwar, wie Wawro, die Tapferkeit und Disziplin der Soldaten des Infanterieregiments Nr. 52, erwähnt jedoch weder die ungarischen Kommandos Benedeks noch dass er mitten im Kugelhagel Zigarre geraucht hätte.129

Ein wohl nicht zufälliger Fehler ist Wawro auch in jener Passage unterlaufen, in welcher er beschreibt, wie der nach seiner Darstellung bereits seit dem Einbruch der 2. Armee bei Chlum plan- und kopflos agierende Benedek vom Tod des vermeintlichen Leutnants und „junior adjutant“ Eugen Müller so sehr erschüttert worden sei, dass er unversehens und gleichgültig gegenüber den noch andauernden Kämpfen das Schlachtfeld verlassen habe.130 Tatsächlich jedoch war Eugen Müller zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ein „junger Leutnant“, sondern ein 37-jähriger Oberstleutnant und Flügeladjutant Benedeks, der beim erwähnten Vorfall auch nicht getötet wurde, sondern erst 1891 im Rang eines Feldmarschallleutnants verstarb. Dies ist insofern bedeutend und hätte von Wawro nicht übersehen werden dürfen, als Müller, der tatsächlich für Benedek „wie ein Sohn“ gewesen war, von diesem zum Vollstrecker seines Testaments bestimmt und damit beauftragt wurde, all seine Papiere nach seinem Tod zu vernichten.131 Der Irrtum Wawros ist wohl dadurch zu erklären, dass in Erinnerungen von Zeitzeugen tatsächlich davon gesprochen wird, dass Müller „fiel“, Benedek selbst nachweislich zunächst diesen Eindruck gewann und schließlich auch Wawros Quelle missverständlich formuliert, Müller wäre „anscheinend todt [sic!]“ liegen geblieben.132

 

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Ludwig Ritter v. Benedek und Eugen Müller

Dennoch hätte Wawro keineswegs zu der von ihm vermittelten Fehlinterpretation gelangen können, hätte er das Werk Friedjungs nicht nur mit wenigen Worten beinahe als ideologisches Pamphlet diskreditiert, sondern auch ernsthaft gelesen oder sich mit dem publizierten Briefverkehr Benedeks auseinandergesetzt. Dieses Versäumnis charakterisiert ebenso Wawros Umgang mit Literatur und Quellen wie die Benennung Müllers als „Leutnant“. Schließlich führt Wawros Quelle den Rang zutreffend als Oberstleutnant an. Dass Wawro aber einen Oberstleutnant mit einem „jungen Leutnant“ verwechseln konnte, nährt jedenfalls Zweifel daran, ob seine Kenntnisse über das zeitgenössische Militärwesen ausreichend sind, um auf ihnen so entschiedene, mitunter vernichtende Urteile aufbauen zu können, wie sie Wawro gegenüber den handelnden Personen, der k. k. Armee und der bisherigen Geschichtsschreibung artikuliert. Diese Zweifel erwachsen auch aus anderen Angaben zur Waffenwirkung und zum Schlachtfeld bei Königgrätz.

An einer Stelle seines Buches suggeriert Wawro beispielsweise, die Beurteilung des Schlachtfeldes von Königgrätz sei von Kriterien des 18. Jahrhunderts beeinflusst gewesen, und behauptet dann, dass die Orte Lipa und Nedelischt mit den gezogenen Gewehren der 1860er Jahre in Reichweite des Ortes Maslowěd gelegen wären.133

Tatsächlich befindet sich selbst der Ortsrand von Chlum bereits 1,5 km von jenem Maslowěd entfernt, die beiden anderen Orte noch weit jenseits dieser Distanz. Selbst die Maximalschussweiten sowohl des österreichischen Lorenzgewehres als auch des preußischen Zündnadelgewehres waren jedoch weitaus geringer. Ersteres war in der Ausführung als Infanteriegewehr nur für Schussweiten von 900 Schritt (= ca. 668 m) vorgesehen und Letzteres verfügte in der 1866 noch in Verwendung befindlichen Ausführung als M. 1841 sogar nur über ein Visier von bis zu 700 Schritt (= ca. 518 m) und in der Version M. 1862 über ein Visier von bis zu 800 Schritt (= ca. 592 m). Bei zeitgenössischen Schussversuchen wurde jedoch festgestellt, dass bei 700 Schritt die Grenzen der Treffergenauigkeit der Munition des Zündnadelgewehres (in beiden Varianten) erreicht war. So wurden selbst bei Salvenfeuer in vier Gliedern auf 190 cm hohe und 750 cm breite Schreiben in 700 Schritt Entfernung lediglich 43 Prozent Treffer erzielt. Dabei erfolgte diese Messung unter optimalen Schießplatzbedingungen und mit besten Schützen.134 Dass selbst auf der Flucht befindliche Infanteriemassen kein gleich gutes Ziel bieten würden wie eine durchgängige 750 cm breite Tafel erscheint offensichtlich. Umso unverständlicher ist die Aussage Wawros, die von Chlum aus auf flüchtende Österreicher schießenden Preußen hätten ihre Ziele gar nicht verfehlen können, denn Chlum sei „barely 600 meters from the Königgrätz post road, well within the range of even the worst shots in the Prussian army“.135 Das Vorstehende zeigt, dass – ganz im Gegenteil – selbst die besten Schützen auf 600 Meter (= ca. 820 Schritt) nur noch schwer treffen konnten. Es verwundert daher auch nicht, dass er sich in Zusammenhang mit dem Angriff des k. k. I. Korps auf Chlum zur pointierten Aussage hinreißen ließ: „In this formation, every Prussian bullet would not only hit, it might drop two men at once.“ 136

Zweifel an einer, in Anbetracht der Ausrichtung und des Anspruches seiner Arbeit, ausreichend ernsthaften Befassung mit den militärischen Aspekten seines Gegenstandes wecken auch Wawros Aussagen hinsichtlich der Schussweiten zeitgenössischer Geschütze. So behauptet er entschieden: „With field guns devastatingly accurate to five kilometers, it was self-defeating to cede Horenoves, Masloved and Sendrasice to the Prussians.“137

In Wirklichkeit jedoch gingen selbst die Maximalschussweiten der preußischen gezogenen Geschütze nicht über 3.800 m hinaus, die preußischen Vorschriften sahen eine Feuereröffnung nur bis 1.880 m vor.138 Auf diese Unkenntnis sind womöglich mehrere Aussagen Wawros zurückzuführen, die suggerieren, noch vor der Erstürmung Chlums durch die preußische Garde wäre die österreichische Nordarmee bereits durch den Artilleriebeschuss in Panik versetzt worden, welcher durch die Preisgabe der Orte Hořiňowes und Sendražitz ermöglicht worden sei. Schon ab Mittag hätten sich 48 preußische Geschütze bei Hořiňowes und damit in Reichweite Chlums befunden.139 Weder ist in dem als Beleg genannten preußischen Generalstabswerk davon die Rede, dass 48 preußische Geschütze zu Mittag in Hořiňowes gestanden wären, noch kann bei einer Entfernung selbst der „Lindenhöhe“ bei Hořiňowes zu den Ortsrändern von Chlum von drei Kilometern von einer erfolgversprechenden Geschützentfernung ausgegangen werden.140 Ähnlich zu bewerten ist die entschiedene Behauptung:

„As shells from the sixty Prussian guns deployed at Horenoves, Masloved, and Sendrasice burst among the Feldzeugmeister’s reserve formation, he was forced to begin moving them backward, fuelling the panic and disappointment that now began to course through every Austrian regiment.“141

Weder die Wirkungsmöglichkeiten der Geschütze noch die Beschaffenheit des Terrains lassen diese – nicht belegte – Aussage plausibel erscheinen. Die Reserven – das k. k. I. und k. k. VI. Korps – standen im Raum Wšestar, Langenhof und Chlum und damit von Hořiňowes und Sendražitz mehr als fünf und von Maslowěd immerhin noch etwa 3,5 km entfernt. Zudem ist die Höhe von Chlum höher als jener Hügel, auf dem Maslowěd sich befindet. Hořiňowes liegt in einer Senke, von der aus, aufgrund der Höhe von Maslowěd, überhaupt nicht in den unmittelbaren Raum hinter Chlum gewirkt werden konnte. Die dort befindlichen Reserven konnten wohl selbst von der berühmten „Lindenhöhe“ bei Hořiňowes, die ebenfalls tiefer als Chlum liegt, kaum wirkungsvoll unter Feuer genommen werden. Das auch in einer Niederung liegende Sendražitz bot aufgrund des sich zwischen Maslowěd und Trotina erstreckenden Höhenrückens keine Möglichkeit, die österreichischen Reserven zu beschießen.

Selbst von Maslowěd aus musste zumindest ein Teil des Aufstellungsraumes von der Stellung bei Chlum verdeckt gewesen sein. Dass von den genannten Orten ein so wirkungsvolles Feuer entwickelt worden wäre, dass die Reserven deshalb in Panik verfallen wären und bereits zurückgezogen werden mussten, ist daher zumindest unwahrscheinlich und würde damit umso notwendiger einen entsprechenden Beleg erfordern. Einen solchen bietet auch nicht eine vier Seiten später folgende Passage, in der neuerlich festgestellt wird, die österreichischen Reserven hätten um 14:00 Uhr schon schwer unter dem von Maslowěd ausgehenden Artilleriebeschuss gelitten.142 Zwar werden Quellen genannt, diese beziehen sich aber auf das III. Korps. Dessen Truppen standen zum Teil in Chlum und waren dort natürlich durchaus dem Beschuss aus Maslowěd ausgesetzt. Sie zählten jedoch nicht zu den Reserven.

Die skizzierten Terrainverhältnisse erschließen sich aus der Karte, werden aber insbesondere bei einer Besichtigung des Schlachtfeldes offenkundig. Da Wawro im Vorwort seines Buches die Bereisung der Schauplätze des Feldzuges in Böhmen schildert, ist schwer nachvollziehbar, wie er zu den zitierten Behauptungen gelangen konnte. Daher ist auch Wawros Meinung erstaunlich, die Nordarmee hätte aufgrund des preußischen Artilleriebeschusses um 14:00 Uhr nur noch die Möglichkeit gehabt, sich zurückzuziehen oder anzugreifen, denn „if they remainded in their positions around Chlum, they would be blown to pieces like sitting ducks“.143

Fazit

Zweifellos wird Wawros Buch auch weiterhin ein wichtiger Beitrag zur geschichtswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Feldzug der k. k. Nordarmee im Jahr 1866 bleiben, und es ist vor allem sein Bemühen zu würdigen, die in der Literatur schon lange diskutierten Sachverhalte einer Überprüfung anhand archivalischer Dokumente zu unterziehen. Wie die hier nur sehr schlaglichtartig beleuchteten Mängel seiner Arbeitsweise gezeigt haben dürften, kann sein Werk dem eigenen, äußerst ambitionierten Anspruch, unter Marginalisierung der bis dahin bereits 130-jährigen Forschungstradition, ein neues Standardwerk geschaffen zu haben, als gescheitert betrachtet werden. Zu groß ist die Diskrepanz zwischen seinen äußerst pointiert, mitunter sogar sensationsheischend und theatralisch formulierten Aussagen einerseits und dem methodischen Fundament, auf dem sie beruhten andererseits. Schließlich schreckt Wawro nicht davor zurück, die tatsächlich vorhandenen Schwächen der k. k. Armee und ihrer Führer soweit zu überzeichnen, dass sie geradezu operettenhafte Züge annehmen. Jene Quellen, welche das eigene Narrativ stützen, werden unkritisch und dabei zum Teil selektiv herangezogen, ohne die spezifische Problematik retrospektiver Rekonstruktionen, gerade von betroffenen Offizieren, die nicht frei von Eigeninteressen sein konnten, zu würdigen und die vorhandenen Widersprüche in den Quellen, insbesondere in den Aussagen der Zeitzeugen, offenzulegen. Widersprüche zeigen sich jedoch auch innerhalb der Darstellung Wawros und nähren damit ebenso wie die unzureichenden und mitunter falschen Belege und militärfachlich fragwürdigen Aussagen den Eindruck, Wawro hätte selbst den Überblick über sein Narrativ verloren. Zu dessen Konstruktion schien es ihm offenbar verzichtbar, sich intensiv mit der vorhandenen Forschungs- und zeitgenössischen militärfachlichen Literatur auseinanderzusetzen. Gemessen an Wawros eigenem Anspruch und dem von ihm an die ältere Literatur angelegten Maßstab wäre es daher nicht ganz unverständlich, würde das von Wawro gebrauchte Attribut „Sadowa der Geschichtswissenschaft“ auch auf sein eigenes Buch bezogen. Zumindest aber ist ihm viel „Schmäh“ in jenem Sinne zu attestieren, in dem Wawro selbst sich dieses Begriffes bedient.144 Die aufgezeigten eklatanten methodischen Schwächen waren nach Kenntnis des Autors bislang unbeachtet geblieben, hatten doch sogar äußerst fachkundige Leser die Genauigkeit und Gründlichkeit des Buches von Wawros lobend betont.145 Jedenfalls ist somit ein heutigen geschichtswissenschaftlichen Kriterien entsprechendes und auf sachkundig ausgewerteten archivalischen Quellen beruhendes, seriös gearbeitetes, umfassendes Standardwerk zur k. k. Nordarmee im Jahr 1866 auch nach Erscheinen von Wawros Buch immer noch ungeschrieben. Wer sich ernsthaft und tiefgehend mit dieser Thematik auseinandersetzen will, ohne auf vereinfachend, schablonenhafte Urteile zu verfallen, wird daher selbst zu Beginn des Jahres 2017 nicht umhinkönnen, sich mit der älteren Literatur, bis hin zu den Werken des 19. Jahrhunderts, auseinanderzusetzen.

1 Erwähnung finden vor allem deutschsprachige Werke sowie einige wenige, besonders wichtige englischsprachige Publikationen. Das Augenmerk liegt auf der k. k. Nordarmee, weshalb lediglich Publikationen miteinbezogen werden, in denen die militärischen Vorgänge auf österreichischer Seite im Vordergrund stehen. Auf die preußische Perspektive konzentrierte Werke, etwa die umfangreiche Literatur zum preußischen Generalstabschef Helmut von Moltke, mussten, obwohl für ein ausgewogenes Verständnis des Feldzuges nicht minder wichtig, in diesem Rahmen unberücksichtigt bleiben. Ein in Vorbereitung befindlicher Band einer von 29. Juni bis 1. Juli 2016 vom Ostböhmischen Museum in Hradec Králové veranstalteten Konferenz, welcher wichtige Impulse verspricht, lag bei Redaktionsschluss für diesen Beitrag noch nicht vor.

2 Ohne Autor (= O. A.), Österreichs Kämpfe im Jahre 1866. Nach Feldacten bearbeitet durch das k. k. Generalstabs-Bureau für Kriegsgeschichte, Bde. 1 – 5, Wien 1867 – 1869; O. A., Der Feldzug von 1866 in Deutschland. Redigiert von der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes, Berlin 1867; O. A., Der Antheil des Königlich sächsischen Armeecorps am Feldzuge 1866 in Oesterreich. Bearbeitet nach den Feldacten des Generalstabes, Dresden 1869. Für den westlichen Kriegsschauplatz: O. A., Antheil der Königl. Bayerischen Armee am Kriege des Jahres 1866. Bearb. v. General- Quartiermeister-Stab, München 1868.

3 Zwar waren in den Jahren 1851 und 1852 bereits die ersten derartigen für die Veröffentlichung gedachten, offiziösen Feldzugsdarstellungen erschienen, doch wurde diese Praxis erst nach 1866 wiederaufgenommen: Karl Zitterhofer, Die literarische Tätigkeit des Kriegsarchivs 1784 – 1909, in: Österreichische Militärische Zeitschrift (= ÖMZ) 2 (1909), S. 1717 – 1726, hier: S. 1722f.; Michael Hochedlinger, Kleine Quellenkunde zur österreichischen Militärgeschichte 1800 – 1914, in: Laurence Cole – Christa Hämmerle – Martin Scheutz (Hg.), Glanz – Gewalt – Gehorsam. Militär und Gesellschaft in der Habsburgermonarchie (1800 bis 1918), Essen 2011, S. 387 – 411, hier: S. 2, S. 15. Für ein Gesamtverzeichnis der „Generalstabswerke“, einschließlich jener älteren, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, siehe: Peter Broucek – Kurt Peball, Geschichte der österreichischen Militärhistoriographie, Köln – Weimar – Wien 2000, S. 260 – 261.

4 [Friedrich Fischer], Die österreichische Feldzugsgeschichte des Jahres 1866 und die Kritik der „Militärischen Blätter“, in: ÖMZ 2 (1869), S. 17 – 40; Hermann Eckardt, Vergleichung der drei Generalstabsberichte über den Böhmischen Feldzug im Jahre 1866, Königsberg1870; Oskar Regele, Feldzeugmeister Benedek. Der Weg nach Königgrätz, Wien – München 1960, S. 8f.; Eduard Heller, Benedek und Benedek-Legenden, Teil 1, in: Militärwissenschaftliche Mitteilungen 4 (1937), S. 247 – 265, hier: S. 247 – 254.

5 Eduard Bartels von Bartberg, Österreich und sein Heer, Leipzig 1866; Eduard Bartels von Bartberg, Der Krieg im Jahr 1866. Kritische Bemerkungen über die Feldzüge in Böhmen, Italien, Südtirol und am Main, Leipzig 21867; Eduard Bartels von Bartberg, Kritische Beiträge zur Geschichte des Krieges im Jahre 1866, Zürich 1901. Zur „Affäre Bartels“: Peter Broucek, Der „Fall Bartels“. Zur nichtamtlichen österreichischen Militärhistoriographie über den Feldzug von 1859, in: MÖSTA 32 (1979), S. 198 – 215.

6 Peter Broucek, Der „Fall Bartels“, S. 201. Zur Beurteilung der Veröffentlichungen Bartels auch: Broucek – Peball, Militärhistoriographie, S. 291. Wie sehr insbesondere das erste Kapitel von Bartels Buch „Der Krieg im Jahr 1866“ einem polemischen Rundumschlag gleicht, kommt etwa darin zum Ausdruck, dass er auf Seite 11 der Feststellung, die Heeresorganisation wäre zum Teil noch mittelalterlich gewesen, selbst Zweifel über die „Vorzüglichkeit“ der neuen Feldgeschütze folgen ließ, obwohl diese sogar von einem preußischen Artilleriefachmann als „das anerkannt beste Vorderladersystem“ bewertet wurden: Hermann von Müller, Die Entwicklung der Feldartillerie in Bezug auf Material, Organisation und Taktik. Von 1815 bis 1870 mit besonderer Berücksichtigung der preußischen Artillerie auf Grund officiellen Materials, Berlin 1873, S. 265.

7 Wilhelm Alter, Benedek und der Feldzug der k. k. Nordarmee 1866, Berlin 1912; Carl Graf Lónyay, Ich will Rechenschaft ablegen! Die unbewusste Selbstbiographie d. Generals Benedek, Leipzig – Wien 1936.

8 Wilhelm Alter, Feldzeugmeister Benedek im Feldzuge von 1866, in: Deutsche Rundschau 146 (1911), S. 61 – 86.

9 Emil von Woinovich, Benedek und sein Hauptquartier im Feldzuge 1866, unveröffentlichtes Manuskript, Wien 1911.

10 Heinrich Friedjung, Wilhelm Alter und seine Enthüllungen über den Krieg von 1866, in: Heinrich Friedjung, Der Kampf um dieVorherrschaft in Deutschland, Bd. 2, Stuttgart – Berlin 91913, S. 650 – 689. Mit geringen Veränderungen (z. B. auf Seite 264) neuerlich abgedruckt in: Heinrich Friedjung, Historische Aufsätze, Stuttgart – Berlin 1919, S. 239 – 293. Die Arbeiten Alters und Lónyays hingegen erstaunlich milde beurteilend: Broucek – Peball, Militärhistoriographie, S. 59.

11 Eduard Heller, Benedek, Teil 1, S. 253 – 264.

12 Ebd., S. 259.

13 Eine umfassende Bibliografie der älteren, bis 1966 erschienenen militärhistorischen Literatur zum Krieg im Jahr 1866, welche die rege Publikationstätigkeit unmittelbar nach dem Krieg deutlich werden lässt, bietet: Heeresgeschichtliches Museum (Hg.), Gedenkschrift herausgegeben aus Anlaß einer Sonderausstellung über den Krieg vor hundert Jahren, Wien 1966, S. 122 – 144. Exemplarisch für die Offenheit der Diskussion in der offiziösen ÖsterreichischenMilitärischen Zeitschrift etwa: O. A., Unsere Aufgabe, in: ÖMZ 4 (1866), S. 34 – 46, S. 140 – 155; Carl Morawetz, Rückblicke auf unsere Taktik auf dem nördlichen Kriegsschauplatze 1866 – nebst einigen Andeutungen zu Änderungen unserer taktischen Grundformen, in: ÖMZ 3 (1867), S. 319 – 326; Vincenz Cristofek, Das Regiment Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen Nr. 46 im Feldzuge 1866, in: ÖMZ 4 (1867), S. 215. Letzterer Aufsatz nimmt auf S. 222 beispielsweise in sehr kritischer Weise auf einen anderen, im vorangegangenen Jahr in der ÖMZ erschienenen Artikel über die Leistungen der Pioniere bei Königgrätz Bezug.

14 O. A, Österreichs Kämpfe, Bd. 1, S. 60f., S. 70 – 74, S. 108 – 122; O. A., Österreichs Kämpfe, Bd. 3, S. 17f., S. 20f., S. 33 – 36, S. 67f., S. 198 (Fußnote 1), S. 219f., S. 233 – 235, S. 246 – 249, S. 283, S. 287, S. 292f. S. 304.

15 Fischer, Die österreichische Feldzugsgeschichte. Zur Autorenschaft Fischers: Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 1, S. 250 (Fußnote).

16 Unter den zwischenzeitlich veröffentlichten Arbeiten haben insbesondere jene Kühnes und Jähns in Deutschland große Resonanz hervorgerufen, wobei Erstere bis 1898 vier Auflagen erlebte: Moritz Kühne, Kritische und unkritische Wanderungen über die Gefechtsfelderder preußischen Armeen in Böhmen 1866, Bde. 1 – 5, Berlin 11870 – 1874; Max Jähns, Die Schlacht von Königgrätz zum zehnjährigen Gedenktage des Sieges auf Grund der gesamten einschlägigen Literatur dargestellt, Leipzig 1876.

17 Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 1, S. XI. Siehe auch die neun Jahre später erfolgte Einschätzung Ditfurths, dessen Literaturverzeichnis die „Veröffentlichungswelle“ des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts verdeutlicht: Moritz von Ditfurth, Benedek und die Taten und Schicksale der k. k. Nordarmee 1866, Bd. 1: Vom Ausbruch des Krieges bis zur Schlacht bei Königgrätz, Wien 1911, S. IX – XII, S. 1f. Zur Vielzahl der Publikationen jener Zeit auch: Heeresgeschichtliches Museum, Gedenkschrift, S. 122 – 144.

18 Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 1, S. Xf.; Oscar von Lettow-Vorbeck, Geschichte des Krieges von 1866 in Deutschland, Bd. 1, Berlin 11896, S. IVf.

19 Heinrich Friedjung, Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland 1859 – 1866, Bde. 1 – 2, Berlin 91913; Oscar von Lettow-Vorbeck, Geschichte des Krieges von 1866 in Deutschland, Bde. 1 – 3, Berlin 11896 – 1902. Insbesondere Friedjung wird bis in die Gegenwart in fast allen einschlägigen Publikationen genannt.

20 So etwa die Erinnerungen des Ordonnanzoffiziers Rittmeister Gustav Wersebe oder des Obersts in der Operationsabteilung des Armeekommandos August Neuber: Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 2, S. 628 – 632; Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 2, S. IVf.; Heinrich Friedjung, Geschichte in Gesprächen. Aufzeichnungen 1898 – 1919. Herausgegeben und eingeleitet von Franz Adlgasser und Margret Friedrich, Bd. 1: 1898 – 1903, Wien 1997, S. 229f.; Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 1, S. 261 (Fußnote).

21 Exemplarisch für Friedjung siehe etwa die Korrektur der Charakterisierung des Verhältnisses zwischen Erzherzog Albrecht undBenedek: Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 1, S. 259 (Fußnote). Für Lettow-Vorbeck, der bereits 1904 verstarb, siehe beispielsweise die Berichtigungen und Nachträge im dritten Band: Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 3, S. VIII, S. 488.

22 Zur Nutzung archivalischer Dokumente: Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 1, S. V; Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 1, S. IVf.; Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 2, S. IV. Zum Vorbehalt gegenüber den Feststellungen Friedjungs siehe etwa auch den Disput zwischen Friedrich Fischer und Friedjung über die Wiedergabe offizieller Telegramme in Friedjungs Werk „Benedeks nachgelassene Papiere“: Friedrich Freiherr von Fischer, Zu Friedjungs Werk: „Benedeks nachgelassene Papiere“, in: Danzer’s Armee-Zeitung vom 6. Juni 1901, S. 1 – 5; Heinrich Friedjung, Die Ereignisse vor der Schlacht von Königgrätz, in: Danzers Armee-Zeitung vom 13. Juni 1901, S. 1f.

23 Exemplarisch für Angehörige der Nordarmee etwa: Anton Freiherr von Mollinary, 46 Jahre im österreichisch-ungarischem Heere, Bde. 1 – 2, Zürich 1905; Johann Freiherr von Waldstätten, Die 1. Leichte Kavalleriedivision in der Zeit vom 3. bis 15. Juli 1866, in: ÖMZ 1 (1905), S. 1 – 25, S. 149 – 177, S. 303 – 332; Wilhelm du Nord, Letzter Rückblick auf den Feldzug in Böhmen, in: Deutsche Arbeit 5/10 (1906), S. 313 – 347; Ditfurth, Benedek. Zum Bedürfnis der Gattin von Benedeks Neffen um Benedeks Ehrenrettung: Heinrich Friedjung, Benedeks nachgelassene Papiere, Leipzig 11901, S. XVI – XIX.

24 Der Titel wird hier entsprechend der zeitgenössischen Diktion zum erstmaligen Ausstellungszeitpunkt wiedergegeben, heute wird das Gemälde in der Datenbank des HGM als „Der Reiterkampf bei Střesetic der Schlacht bei Königgrätz 1866“ geführt.

25 Albert Mell, Über den Reiterkampf bei Strezetitz (3. Juli 1866), Sonderabdruck der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen 1937,Wien 1937, S. 68f. – 70; O. A., Der Cavalleriekampf bei Strezetic in der Schlacht von Königgrätz, in: Danzers Armee-Zeitung vom 19. November 1900, S. 10f.; Carl Graf Coudenhove, Feldmarschall- Lieutenant Carl Graf Coudenhove: Commandant der 3. Reserve- Cavalleriedivision im Kriege 1866, Wien 1901.

26 Moritz von Ditfurth, Benedek und die Taten und Schicksale der k. k. Nordarmee 1866, Bde. 1 – 3, Wien 1911.

27 Heinrich Friedjung, Benedeks nachgelassene Papiere, Leipzig 11901.

28 Alfred Krauß, Moltke, Benedek und Napoleon, Wien 1901.

29 Emil von Woinovich, Benedek und sein Hauptquartier im Feldzuge 1866, unveröffentlichtes Manuskript, Wien 1911.

30 Dies gilt jedoch nicht für alle Teile ihrer Arbeiten, insbesondere jener Woinovichs, die etwa den entscheidenden Faktor der Niederlage beinahe ausschließlich im preußischen Zündnadelgewehr sieht.

31 Keine umfassende Rechtfertigung, aber vom Motiv angestoßen, Benedeks vermeintlich von der offiziösen Geschichtsschreibung bewirkte Rolle als Sündenbock zu hinterfragen, ist ein weiteres erwähnenswertes Werk. Bewusst auf neue Quellen verzichtend bietet es beachtenswerte Interpretationen: Toilow (= Franz Carl Graf Crenneville), Die Oesterreichische Nordarmee und ihr Führer im Jahr 1866, Wien – Leipzig 1906.

32 Sigismund von Schlichting, Moltke und Benedek, Berlin 1900. Schlichting wollte mit der Verteidigung Benedeks gleichzeitig zeigen, dass ein Sieg der Nordarmee gegen die überlegene Strategie Moltkes aussichtlos gewesen wäre. Damit schloss Schlichting letztlich an eine weit zurückreichende preußische Tradition an, welche Benedek gegenüber seinen österreichischen Kritikern in Schutz nahm, um damit zugleich die Überlegenheit der preußischen Armee zu betonen. Siehe etwa: Eckardt, Vergleichung; Fischer, Österreichische Feldzugsgeschichte. Die meisten der in jener Zeit entstandenen Werke enthalten Bezüge zu Schlichting und auch Friedjung, der selbst nach eigenen Angaben um eine Korrektur der Reputation Benedeks bemüht war, schrieb eine Entgegnung auf Schlichting: Friedjung, Nachgelassene Papiere, S. 433 – 451.

33 Siehe dazu Fußnote 10.

34 Eduard Steinitz, Von Königgrätz bis an die Donau. Darstellung der Operationen des österreichisch-preußischen Feldzuges 1866 nach der Schlacht bei Königgrätz, Bde. 1 – 5, Wien 1903 – 1907.

35 Es erschienen jedoch rund um das 40-jährige Gedenken 1926 massenmediale und populärwissenschaftliche Beiträge, daneben aber auch: Eduard Steinitz, Aus den Tagen vor Königgrätz, in: Militärwissenschaftliche und Technische Mitteilungen 57/7 – 8 (1926), S. 392 – 401. Zur verstärkten Aufmerksamkeit Mitte der 1930er vgl. auch: Heeresmuseum in Wien (Hg.), Ausstellung ausgewählter Neuerwerbungen aus dem Zeitalter Kaiser Franz Josefs, Wien 1937, S. 3f.

36 Skelton schrieb unter dem Pseudonym John Presland: John Presland, Vae Victis. The life of Ludwig von Benedek, London 1934. Noch vor Preslands Werk entstanden zwei Arbeiten, die zur Beurteilung anderer für 1866 wichtiger Persönlichkeiten interessante Beiträge liefern. Materialien aus Heniksteins Nachlass bietet: Eugen Frauenholz, Feldmarschalleutnant Alfred Frhr. v. Henikstein im Jahre 1866, in: Münchener historische Abhandlungen, 2. Reihe, 3 (1933), S. 31 – 44. Eine auf dessen Erinnerungen beruhende Biografie Friedrich Graf Becks: Edmund von Glaise-Horstenau, Franz Josephs Weggefährte. Das Leben des Generalstabschefs Grafen Beck, Zürich – Leipzig – Wien 1930. Glaise-Horstenaus Angaben sind jedoch mit Vorbehalt zu behandeln, da er bewusst auf einen Anmerkungsapparat verzichtete. Der Nachlass Becks kann im Österreichischen Staatsarchiv/Kriegsarchiv eingesehen werden.

37 Lónyay, Ich will Rechenschaft ablegen; Eduard Heller, Benedek und Benedek-Legenden, Teile 1 – 3, in: Militärwissenschaftliche Mitteilungen 4 – 6 (1937), S. 247 – 265, S. 247 – 349, S. 405 – 421.

38 Christoph Allmayer-Beck, Der stumme Reiter. Erzherzog Albrecht, der Feldherr „Gesamtösterreichs“, Graz – Wien 1997, S. 337 (Fußnote 843).

39 Oskar Regele, Feldzeugmeister Benedek. Der Weg nach Königgrätz, Wien – München 1960.

40 Besonders eklatant etwa: Regele, Feldzeugmeister Benedek, S. 414 – 423.

41 Beispielsweise wird irrigerweise behauptet, Erzherzog Leopold hätte bei Skalitz befehlswidrig angreifen lassen, wird der Rückzugsbefehl nach Königgrätz nur vage erörtert und wird festgestellt, der vom Kaiser geschickte Oberstleutnant Beck wäre schon am 30. Juni in Königgrätz angelangt. Für die Schlacht bei Königgrätz wird etwa Erzherzog Ernst, Kommandant des III. Korps, als Kommandant des VIII. Korps angegeben: Gordon A. Craig, The Battle of Königgrätz. Prussia’s Victory over Austria, 1866, Philadelphia 2003 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1964), S. 67, S. 79, S. 124.

42 Heeresgeschichtliches Museum, Gedenkschrift, S. 122 – 144; Christoph Allmayer-Beck, Der Feldzug der österreichischen Nord-Armee nach Königgrätz, in: Wolfgang von Groote – Ursula von Gersdorf (Hg.), Entscheidung 1866. Der Krieg zwischen Österreich und Preußen, Stuttgart 1966, S. 105 – 141; Allmayer-Beck, Der stumme Reiter, S. 166 – 168. Ebenfalls 1966 erschienen und im ersten Fall eine gute, knappe Zusammenfassung, im zweiteren Fall wertvolle Betrachtungen bietend: Richard Georg Plaschka, Zwei Niederlagen um Königgrätz, in: MIÖG 74/3 (1966), S. 393 – 420; Eberhard Kaulbach, Königgrätz nach hundert Jahren zur militärischen Führung aus heutiger Sicht, in: Groote – Gersdorf (Hg.), Entscheidung 1866., S. 143 – 195.

43 Kurt Peball, 1866: Der Krieg und seine historische Symptomatik, in: Dermot Bradley – Ulrich Marwedel (Hg.), Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, Osnabrück 1977, S. 325 – 358, hier: S. 345. Peball gibt als Beleg das Telegramm Becks an. Dieses ist jedoch erst am 1. Juli am Rückweg von Königgrätz nach Wien abgeschickt worden. Am 29. Juni hatte die Nordarmee noch nicht einmal den Rückmarsch von Dubenec nach Königgrätz angetreten. Zu Alter siehe die Fußnote 10.

44 Thorsten Loch – Lars Zacharias, Königgrätz 1866. Die Operationen zwischen dem 22. Juni und 3. Juli 1866, in: ÖMZ 6 (2010), S. 707 – 715; Thorsten Loch – Lars Zacharias, Betrachtungen zur Operationsgeschichte einer Schlacht, in: ÖMZ 4 (2011), S. 436 – 444.

45 Loch – Zacharias, Königgrätz 1866, S. 709, S. 713f.

46 So sprechen Loch und Zacharias vom „Expressionsgeschoss“ statt „Expansionsgeschoss“, nennen den Ort „Střesetitz“ mehrmals Streselitz, verlegen den Aufbruch der Nordarmee von Olmütz nach Böhmen auf den 23. Juni und den Waffenstillstandsaufruf Benedeks an den Kaiser auf den 30. Juni und geben unzutreffend das Gefecht von Schweinschädel statt Jicin als ausschlaggebend für den Rückzug nach Königgrätz an: Loch – Zacharias, Königgrätz 1866, S. 709f., S. 712; Loch – Zacharias, Betrachtungen, S. 439. Dass Benedek Gablenz vollauf vertraut hätte und dies für den Einsatz des X. Korps im Zentrum ausschlaggebend gewesen wäre (S. 439), erscheint angesichts Benedeks Urteilen über Gablenz während und nach dem Feldzug zweifelhaft: Glaise-Horstenau, Franz-Josephs Weggefährte, S. 115; Heller, Benedek, Teil 2, S. 419.

47 Klaus Jürgen Bremm, 1866. Bismarcks Krieg gegen die Habsburger, Darmstadt 2016.

48 Etwa in Hinblick auf die Stellung Moltkes in der preußischen Armee oder auch die Nutzung von Telegrafen durch die Preußen während der Operationen in Böhmen: Bremm, 1866, S. 107f., S. 159, S. 164, S. 183 – 185.

49 Irreführend verkürzend ist etwa die Charakterisierung des Verhältnisses zwischen Benedek und Henikstein (S. 118), während die Behauptung, Oberstleutnant Beck-Rzikowsky hätte vom Friedensappell- Telegramm Benedeks am 1. Juli 1866, nichts gewusst, ebenso eindeutig falsch ist (S. 188) wie jene, dass Erzherzog Leopoldm am 28. Juni bei Skalitz schon am Vormittag befehlswidrig angegriffen hätte (S. 172). Bei der Schilderung der Schlacht bei Königgrätz widerspricht sich Bremm selbst, wenn er auf Seite 196 die Aussichtslosigkeit eines Angriffes der Österreicher auf die preußische 1. Armee feststellte und meinte, es hätte kein Österreicher die Bistritz erreicht, auf Seite 198 Benedek aber vorwirft, sich nicht rechtzeitig für einen Angriff oder Rückzug entschieden zu haben. An letzterer Stelle folgt er offenkundig vorbehaltlos Geoffrey Wawros Narrativ.

50 Geoffrey Wawro, The Austro-Prussian War. Austria’s War with Prussia and Italy in 1866, Cambridge 1996. Das Buch Wawros ist 1997 als Taschenbuch erschienen und wurde seitdem mehrfach nachgedruckt. Eine inhaltlich überarbeitete Neuauflage liegt nach Wissen des Autors bislang nicht vor.

51 Ebd., S. 3. Sadowa ist ein Ort am Schlachtfeld von Königgrätz und wurde oft statt „Königgrätz“ zur Bezeichnung der Schlacht gebraucht.

52 Ebd., S. 1 – 4. Gewürdigt wird lediglich die bereits zitierte Studie von Allmayer-Beck „Der Feldzug der Österreichischen Nord-Armee nach Königgrätz“.

53 Wawro, Austro-Prussian War, S. 4.

54 Die betreffenden Historiker werden in der Danksagung des Buches genannt. Zur Bewertung als Standardwerk siehe z. B. Gunther E. Rothenberg, Rezension, in: The Journal of Military History 61/1 (1997), S. 168f.; Ian Reifowitz, Rezension. http://www.h-net.org/reviews/ showrev.php?id=9278 (abgerufen am 10.12.2016).

55 Wawro, Austro-Prussian War, S. 3.

56 Siehe exemplarisch: O. A., Österreichs Kämpfe, Bd. 3, S. 17f., S. 20f., S. 33 – 36, S. 67f., S. 198 (Fußnote 1), S. 219f., S. 233 – 235, S. 246 – 249., S. 283, S. 287, S. 292f., S. 304.

57 Wawro, Austro-Prussian War, S. 5, S. 256f., S. 273; O. A., Österreichs Kämpfe, Bd. 3, S. 248f.

58 Wawro, Austro-Prussian War, S. 3.

59 Bartels, Krieg im Jahr 1866, 3. Aufl., S. 11.

60 Ebd., S. 11, S. 102. In der zweiten Auflage finden sich die entsprechenden Stellen auf den Seiten 10 und 72. Wawro gibt, wie auch bei anderen Literaturangaben, nicht an, auf welche Auflage er sich bezieht. Da sich die Sadowa-Metapher bei der zweiten Auflage auf Seite 10, bei der dritten jedoch auf der auch von Wawro genannten Seite 11 befindet, dürfte es sich um Letztere handeln.

61 Wawro, Austro-Prussian War, S. 3f.

62 Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 1, S. V.

63 Zitterhofer, Literarische Tätigkeit, S. 1724; Oskar Regele, Die Geschichtsschreibung im Wiener Kriegsarchiv von 1779 (Kaiser Joseph II.) bis zum Ende des ersten Weltkrieges (1918), in: MÖSTA, Erg. Bd. 2, Wien 1949, S. 732 – 743, hier: S. 736 (Fußnote 4). Zum Datum der Pensionierung Fischers: Antonio Schmidt Brentano, Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität. 1816 – 1918, S. 47. http://www.oesta.gv.at/DocView.axd?CobId=23130 (abgerufen am 03.11.2016).

64 Lediglich Friedjung selbst führt im Vorwort zu seinem Werk wie auch in einzelnen Kapiteln mehrmals an, dass Friedrich Fischer ihn in militärischen Dingen beraten hätte.

65 Zur Bewertung von Friedjungs Werk siehe die Ausführungen weiter oben. Zur kritischen Diskussion von Angaben im Generalstabswerk auf Basis verschiedener Zeugnisse von Schlachtteilnehmern siehe exemplarisch: Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 2, S. 256 (Fußnote).

66 Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bde. 1 – 3.

67 Beispielsweise hinsichtlich des Reiterkampfes von Střesetitz: Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 2, S. 502 – 506; Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 3, S. 484. Siehe auch vom ebenfalls preußischen Offizier und Kriegsteilnehmer: Barthold von Quistorp, Der grosse Kavallerie-Kampf bei Stresetitz in der Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866, Neisse 1870, S. 4 – 6, S. 86; Wawro, Austro-Prussian War, S. 268 – 270. Der preußische Generalstabschef Helmut Graf Moltke bekannte, dass das preußische Generalstabswerk mehr die eigenen Erfolge als Mängel betonte: Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 3, S. 405; Regele, Feldzeugmeister Benedek, S. 9f. Zur Kritik am österreichischen Generalstabswerk aus österreichischer Sicht: Fischer, Österreichische Feldzugsgeschichte.

68 Von 234 Fußnoten in diesem Abschnitt nennen 51 das preußische Generalstabswerk (21,8 %).

69 Zur Person und den Veröffentlichungen Bartels’, siehe die Fußnoten 5 und 6.

70 Theodor Fontane, Der deutsche Krieg von 1866, Bde. 1 – 2, Berlin 1870 – 1871.

71 Zu dieser „klassischen“ Unterscheidung siehe etwa: Ahasver von Brandt, Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften, Stuttgart 182012, S. 52 – 62.

72 Du Nord, Letzter Rückblick, S. 315. Siehe auch die äußerst reflektierten Aussagen des späteren preußischen Generalleutnants Barthold von Quistorp: Quistorp, Kavallerie-Kampf, S. 3 – 5.

73 Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 2, S. 406.

74 Wawro, Austro-Prussian War, S. 234; Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 2, S. 623 – 626.

75 Friedjung, Geschichte in Gesprächen, Bd. 1, S. 228.

76 Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 3, S. VIII; Mell, Reiterkampf, S. 68 – 70; Krauß, Moltke, S. 80.

77 Ditfurth, Benedek, Bd. 2, S. 215 – 229.

78 Wawro, Austro-Prussian War, S. 227f., S. 237. Erstere, auf S. 227f. nicht belegte Angabe stammt vermutlich aus dem preußischen Generalstabswerk, da dort, wie bei Wawro an dieser Stelle ebenfalls nahegelegt wird, die Ankunftszeit des Telegramms aus Josefstadt für 12:00 Uhr angenommen wird: O. A., Feldzug von 1866, S. 314. Tatsächlich aber traf dieses Telegramm um 11:30 Uhr ein: O. A. Österreichs Kämpfe, Bd. 3, S. 310.

79 Wawro, Austro-Prussian War, S. 241, S. 245f.

80 Ebd., S. 262, S. 269f. Der innere Widerspruch in Wawros Darstellung ließe sich dem Wortlaut nach theoretisch dadurch erklären, dass es ein Kürassierregiment der Division gegeben haben könnte, welches nie in die Kämpfe eingegriffen hatte. Das würde jedoch anderen Darstellungen der Reiterschlacht widersprechen und hätte von Wawro explizit thematisiert und glaubwürdig begründet werden müssen. Der von Wawro beschriebenen Verwundung des betreffenden, nicht namentlich genannten Obersts nach zu urteilen, müsste es sich bei dem von ihm erwähnten Regiment um das Kürassierregiment Nr. 2 gehandelt haben. Dieses war jedoch an den Angriffen gegen Langenhof beteiligt: Quistorp, Kavallerie-Kampf, S. 23f., S. 49, S. 54, S. 75; Ditfurth, Benedek, Bd. 2, S. 221.

81 Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Wien (= ÖStA, KA), Nachlässe (= NL) 572 (B), K. B/572:1-8, Bericht des k. k. Generalstabshauptmann Ilia Woinowitz vom 27.12.1866, pag. 12.

82 Wawro, Austro-Prussian War, S. 249, S. 252. Die in Fußnote 43 auf Seite 249 angegebenen Belege sagen über einen vermeintlichen Gegenstoß nichts aus.

83 Wawro, Austro-Prussian War, S. 262f., S. 268.

84 Quistorp, Kavallerie-Kampf, S. 13 (Fußnote), S. 15. Zur Aussage Sackens: Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 2, S. 627.

85 Eduard Steinitz, Von Königgrätz bis an die Donau. Darstellungen der Operationen des österreichisch-preußischen Feldzuges 1866 nach der Schlacht bei Königgrätz, Bd. 3: Der Rückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld des 3. Juli, Wien 1907, S. 3.

86 Die hier verwendete Schreibweise des Namens entspricht jener des österreichischen Generalstabswerkes. Selbst in zeitgenössischen Dokumenten findet sich jedoch auch: Krismanič.

87 Die hier verwendete Schreibweise der Ortsbezeichnungen entspricht den zeitgenössisch gebräuchlichen, deutschsprachigen Varianten nach: K. k. Statistische Zentralkommission (Hg.), Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900, Bd. 9: Böhmen, Wien 1904.

88 Diese Angabe beruht auf den Erinnerungen des Gustav Freiherr von Wersebe, der einer der beiden beteiligten Ordonnanzoffiziere war: Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 2, S. 394.

89 Wawro, Austro-Prussian War, S. 260; O. A, Feldzug, S. 379 – 381; so auch der britische Militärattaché bei der preußischen 2. Armee: Beauchamp Walker, The Battle of Königgrätz, Solihull 2006, S. 31.

90 Wawro, Austro-Prussian War, S. 269

91 Ebd., S. 271.

92 Quistorp, Kavallerie-Kampf, S. 28f.

93 Wawro, Austro-Prussian War, S. 271. Vgl. zum Ablauf der Reitergefechte im Raum Stresetitz und deren Bedeutung für die Verzögerung der preußischen Verfolgung, die von preußischen Offizieren geschriebenen Werke: Quistorp, Kavallerie-Kampf; Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 2, S. 502 – 506. Für ein weiteres preußisches Urteil: Mell, Reiterkampf, S. 65f. Zudem aus den Erinnerungen des späteren Feldmarschalls und preußischen Generalstabschefs Alfred von Waldersee: Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 3, S. 484f. Eine detaillierte Schilderung eines österreichischen Zeitzeugen: Ditfurth, Benedek, Bd. 2, S. 205 – S. 233.

94 Quistorp, Kavallerie-Kampf, S. 86. Zu Wawros Beurteilung des österreichischen Kavallerieeinsatzes wäre zudem zu ergänzen, dass die Kavallerie auch am linken Flügel maßgeblich zur Verzögerung der gegnerischen Verfolgung beitrug: O. A., Antheil des Königlich Sächsischen Armeecorps, S. 243f.

95 Wawro, Austro-Prussian War, S. 5.

96 Ebd., S. 257 – 259, S. 262f.

97 Ebd., S. 258.

98 Die Schreibweise entspricht jener, die Woinowitz in einem Bericht von 1866 selbst verwendete. Du Nord schreibt seinen Namen im genannten Artikel „Woinowits“, während er in offiziellen Dokumente auch als „Elias Woinovits von Jardol“ geführt wurde. Vgl. Schmidt-Brentano, Generalität, S. 205.

99 Du Nord, Letzter Rückblick, S. 344. Selbst in dem von Wawro angeführten Bericht Woinowitz’ schreibt dieser, der Feldzeugmeister wäre „die Thätigkeit selbst geworden“. ÖStA, KA, NL 572 (B), K. B/572:1-8, Bericht des k. k. Generalstabshauptmannes Ilia Woinowitz vom 27.12.1866, pag. 12.

100 Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 2, S. 626.

101 Friedjung, Geschichte in Gesprächen, Bd. 1, S. 229.

102 Ebd., S. 229; Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 2, S. 626f.

103 O. A., Antheil des königlich sächsischen Armeecorps, S. 248.

104 Wawro, Austro-Prussian War, S. 214.

105 O. A., Österreichs Kämpfe, Bd. 3, S. 235, S. 245.

106 Wawro, Austro-Prussian War, S. 258; ÖStA, KA, NL 572 (B), K. B/572:1-8, Bericht des k. k. Generalstabshauptmannes Ilia Woinowitz vom 27.12.1866, pag. 9.

107 Wawro, Austro-Prussian War, S. 262; ÖStA, KA, NL 572 (B), K. B/572:1-8, Bericht des k. k. Generalstabshauptmannes Ilia Woinowitz vom 27.12.1866, pag. 14. Der Befehl Benedeks ist nicht exaktwiedergegeben und dadurch leicht sinnentstellend. In Wawros Übersetzung ist der Wortlaut beim zweiten Ausruf ein anderer, was suggeriert, Benedek hätte es wegen Wirkungslosigkeit mit anderen Worten versucht. Dies ist nach Woinwoitz aber nicht der Fall gewesen. Auch beachtet Wawro nicht, dass zwar im Englischen in diesem Fall Singular und Plural gleich lauten, nicht aber im Deutschen. Benedek erteilt den Befehl in der Einzahl und in umgangssprachlicher Form: „Halts Pferd auf“. Daraus ergibt sich eindeutig, dass – anders als Wawro behauptet – Benedek eine konkrete Person ansprach.

108 Wawro, Austro-Prussian War, S. 236.

109 Friedjung, Benedeks nachgelassene Papiere, S. 289 – 291; Glaise-Horstenau, Franz-Josephs Weggefährte, S. 115. Im Gegensatz dazu hatte Benedek Wilhelm im Mai jedoch noch als zu „weich“ für die Position des Armeekommandanten bezeichnet: ÖStA, KA, MKSM, HR, Akten, K. 343, No. 1 geheim, Benedek an den Kaiser vom 17.05.1866, pag. 3.

110 Wawro, Austro-Prussian War, S. 213.

111 Krauß, Moltke, S. 128f.; Heller, Benedek, Teil 3, S. 408, S. 420; zur Verantwortungsübernahme: Friedjung, Nachgelassene Papiere, S. 372, S. 386; Woinovich, Benedek, S. 37; Glaise-Horstenau, Franz-Josephs Weggefährte, S. 115f.; Allmayer-Beck, Der stumme Reiter, S. 342 (Fußnote 1002).

112 Woinovich, Benedek, S. 42.

113 ÖStA, KA, AhOB, MKSM, HR, Akten, K. 343, Telegramm Nr. 7 an den Kaiser vom 02.07.1866; Glaise-Horstenau, Franz Josephs Weggefährte, S. 456f.

114 Wawro, Austro-Prussian War, S. 213.

115 ÖStA, KA, AhOB, MKSM, HR, Akten, K. 343, Fasz. 71/62, Schreiben Heniksteins an Crenneville vom 02.07.1866, pag. 3. Zum Zeitpunkt des Eintreffens des Briefes und einen wortgetreuen Abdruck: Glaise-Horstenau, Franz-Josephs Weggefährte, S. 118, S. 455f.

116 Frauenholz, Henikstein, S. 43; Du Nord, Letzter Rückblick, S. 344.

117 Wawro, Austro-Prussian War, S. 196.

118 ÖStA, KA, MKSM, HR, Akten, K. 343, Bericht Nr. 3/geheim an den Kaiser vom 29.06.1866, pag. 4.

119 Heller, Benedek. Teil 1, S. 256; Steinitz, Aus den Tagen vor Königgrätz, S. 394.

120 ÖStA, KA, MKSM, HR, Akten, K. 343, Bericht Nr. 3/geheim an den Kaiser vom 29.06.1866.

121 Die auf den Seiten 228 (Fußnote 70), 251 (Fußnote 49), 265f. (Fußnote 99), 241 (Fußnote 12) als Beleg ausgewiesenen Seiten im preußischen Generalstabswerk enthalten die von Wawro angeführten Informationen nicht oder nur teilweise. Den in Fußnote 49 vermeintlich belegten 400 Gefangenen des IR Nr. 46 widerspricht Wawro sogar in der folgenden Fußnote selbst, indem er für das 2. Bataillon, welches Chlum verteidigt hatte, 546 Gefangene angibt.

122 Wawro, Austro-Prussian War, S. 218, S. 238.

123 O. A., Österreichs Kämpfe, Bd. 3, S. 273.

124 O. A., Feldzug von 1866, S. 279.

125 Auch der Verpflegsstand im Gegensatz zu den Kombattanten kann hier nicht gemeint sein – dieser betrug laut Angaben des österreichischen Generalstabswerkes (S. 272) nämlich ca. 271.000 Mann.

126 Wawro, Austro-Prussian War, S. 232; das Zitat findet sich bei Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 2, S. 469, und nicht auf den Seiten 418 und 419.

127 Wawro, Austro-Prussian War, S. 257. Weder wird für den ebendort in Fußnote 70 unter anderem als Beleg angeführten, 18 Seiten langen ÖMZ-Artikel angegeben, von welcher Seite die Information stammen soll, noch findet sich diese darin.

128 Lettow-Vorbeck, Geschichte, Bd. 2, S. 474.

129 ÖStA, KA, NL 572 (B), K. B/572:1-8, Bericht des k. k. Generalstabshauptmannes
Ilia Woinowitz vom 27.12.1866, pag. 7.

130 Wawro, Austro-Prussian War, S. 263.

131 Friedjung, Kampf um die Vorherrschaft, Bd. 2, S. 563f., S. 608 – 610; Friedjung, Nachgelassene Papiere, S. 415 – 417, S. 427 – 429. Zum
Todesjahr Müllers: Schmidt-Brentano, Generalität, S. 123.

132 Dass Müller „fiel“, schreibt etwa der ebenfalls anwesend gewesene Rittmeister Wersebe: Friedjung, Geschichte in Gesprächen, S. 228. Zur Wahrnehmung Benedeks, die er in einem seiner Briefe an seine Gattin schildert: Friedjung, Nachgelassene Papiere, S. 382. Formulierung in Wawros Quelle: ÖStA, KA, NL 572 (B), K. B/572:1-8, Bericht des k. k. Generalstabshauptmannes Ilia Woinowitz vom 27.12.1866, pag. 15f.

133 Wawro, Austro-Prussian War, S. 208f.

134 Zum preußischen Zündnadelgewehr und dessen ballistischen Eigenschaften: Werner Eckardt – Otto Morawietz, Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640 – 1945, Hamburg 21973, S. 121 – 123, S. 129f., S. 136. Zum Lorenzgewehr: Anton Dolleczek, Monographie der k. u. k. österr.-ung. Blanken und Handfeuer-Waffen, Kriegsmusik, Fahnen und Standarten, Wien 1894, S. 97, S. 101.

135 Wawro, Austro-Prussian War, S. 257.

136 Ebd., S. 262.

137 Ebd., S. 222.

138 Müller, Entwicklung, S. 230f., S. 368.

139 Wawro, Austro-Prussian War, S. 242.

140 Wawro führt die Seiten 313 bis 317 als Beleg an. Das preußische Generalstabswerk nennt auf Seite 318 lediglich 48 Geschütze der 2. Armee, die zu diesem Zeitpunkt bereits insgesamt im Einsatz standen, auf Seite 314 werden zwei Batterien (= zwölf Geschütze) als bereits Hořiňowes beschießend angeführt, die Eroberung des Ortes jedoch erst auf Seite 320 für 13:00 Uhr angegeben.

141 Wawro, Austro-Prussian War, S. 246.

142 Wawro, Austro-Prussian War, S. 248.

143 Ebd.

144 Wawro, Austro-Prussian War, S. 196.

145 Rothenberg, Rezension, S. 169; F. Roy Bridge, Rezension, in: German History 16/2 (1998), S. 261f., hier: S. 262; Lothar F. Höbelt, Rezension, in: Historische Zeitschrift 264 (1997), S. 776f., hier: S. 777. Selbst die Buchbesprechung des Doyens der österreichischen Militärgeschichte Christoph Allmayer-Beck äußert lediglich verhalten und verklausuliert Kritik: Christoph Allmayer-Beck, Rezension, in: Das Historisch-Politische Buch 45/11 – 12 (1997), S. 515f.

Stefan Kurz

Stefan Kurz

MMag. Stefan Kurz
Ich bin Historiker, Politikwissenschafter und Milizoffizier des Bundesheeres. Als wissenschaftlicher Assistent des Direktors ist mein Aufgabengebiet sehr vielfältig und jeweils anlassbezogen mit den verschiedensten musealen Tätigkeiten verbunden. Es erstreckt sich damit u.a. von eigentlichen Assistenzaufgaben, über das Kuratieren von Ausstellungen bis hin zu wissenschaftlichen Arbeiten.
Meine Forschungsinteressen liegen insbesondere in der Militärgeschichte der Habsburgermonarchie des „langen 19. Jahrhunderts“, der Militärdiplomatie und dem Zusammenhang zwischen der Entwicklung des stehenden Heeres und der modernen Staatlichkeit. Aktuelles Forschungsgebiet ist die Geschichte des Heeresgeschichtlichen Museums.

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