HGM Wissensblog

Österreichisch-ungarische Propaganda im Ersten Weltkrieg

Das k.u.k. Kriegspressequartier 1914-1918

Erst rund sechs Wochen nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti am 3. November 1918 löste sich das k.u.k. Kriegspressequartier (KPQ) endgültig auf und übergab am 15. Dezember die Kanzleiräume dem Militärkommando Wien. Kurz vor dieser Übergabe verbrannten die Bediensteten des KPQ rund 80 Prozent des Aktenbestandes. Die restlichen 20 Prozent, die heute im Österreichischen Staatsarchiv / Kriegsarchiv lagern, sind der klägliche Rest, der bloß noch aus Verwaltungsakten wie Erlässen des Armeeoberkommandos (AOK), Aufnahmeansuchen in das KPQ, Urlaubsansuchen, Strafverfahren, Berichte der Propagandaoffiziere aus dem Ausland und Berichten von Gruppenführern an der Front besteht. Weiters existieren noch mehrere Namens- bzw. Standeslisten, die jedoch unvollständig sind und stark voneinander divergieren, was ein nicht gerade geringes Forschungsproblem darstellt. Gerade des interessanten Teils, nämlich jener Akten über die Methodik der Propaganda, entledigte man sich bewusst. Angesichts des Zusammenbruchs der Monarchie und der damit einhergehenden Gründung der Ersten Republik fürchtete wohl so mancher hoher Militär den Zorn der Bevölkerung, die man mit Hilfe des Propagandaapparates jahrelang gegängelt hatte – und als Kriegshetzer wollte man hinterher auch nicht dastehen. Dennoch können heute anhand des noch vorhandenen Aktenmaterials sowie weiterer Bestände aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv, der Wiener Stadtbibliothek, der Österreichischen Nationalbibliothek sowie weiterer verstreuter Quellen zumindest die Organisation und der Aufgabenbereich des KPQ sowie dessen Wirkungsweise recht gut nachgezeichnet werden, wobei hier Klaus Mayer und Hildegund Schmölzer mit ihren beiden Dissertationen von 1963 und 1965 eine nicht zu unterschätzende und wertvolle Vorarbeit leisteten.

Planung, Gründung und Aufbau des KPQ

Bereits um die Jahrhundertwende machte man sich im AOK Gedanken, wie die Handhabung der Propaganda im Kriegsfall auszusehen hatte und wie man die Aufnahme sowohl von inländischen als auch von ausländischen Pressevertretern in das Gefolge der k.u.k.-Armee regeln sollte. Das Ergebnis ist im Anhang der „Mobilisierungsinstruktion für das k.u.k. Heer“ von 1909 unter dem Titel „Kriegsattachéquartier und das Kriegspressequartier“ zu finden und sah im Wesentlichen folgendes vor: Die Aufstellung des Kriegspressequartiers sollte ohne weiteren Befehl sowohl bei einer teilweisen als auch allgemeinen Mobilisierung erfolgen. Die Kriegsberichterstatter sollten nicht als Angehörige der Armee gesehen und demnach nur „im Gefolge der Armee im Felde“ zugelassen werden. Die Bezahlung hatte nicht durch die k.u.k.-Armee, sondern durch die eigenen Redaktionen zu erfolgen, Verköstigung und Unterkunft sollten jedoch ab dem 8. Mobilisierungstag von der Heeresverwaltung bereitgestellt werden. Bei der Auswahl der Berichterstatter kämen nur „völlig vertrauenswürdige Personen“ in Frage, welche die deutsche oder ungarische Sprache beherrschen müssten, wäre dies nicht der Fall, so sollten sie wenigstens des Französischen mächtig sein. Als Kleidung war Zivilkleidung mit einer schwarz-gelben Armbinde und dem Aufdruck „Presse“ vorgesehen. Die Berichterstatter wären zwar keine Angehörigen der k.u.k.-Armee, waren aber dennoch deren Militärstrafgerichtsbarkeit und Disziplinarstrafgewalt unterstellt. Wer mit Angehörigen feindlicher Staaten oder deren Alliierten Kontakt unterhält, wird als Spion behandelt, was in der Regel die Todesstrafe nach sich zog.

Die Gesamtanzahl an Kriegsberichterstattern wurde zunächst mit 16 inländischen (8 aus der cisleithanischen, 8 aus der transleithanischen Reichshälfte) und 15 Personen aus dem verbündeten oder neutralen Ausland festgelegt. Dieser Rahmen sollte aber bald nach Kriegsausbruch völlig gesprengt werden, die Zahl der österreichischen Zeitungsberichterstatter wuchs auf 32, der ungarischen auf 24 und der ausländischen auf 48 an. Bedingt durch die Erweiterung des KPQ durch die Kunstgruppe, die Fotografen, die Filmschaffenden und die Theatergruppe wuchs die Mitgliederzahl des KPQ im Lauf des Krieges nahezu ins Unermessliche, alleine in der Kunstgruppe waren rund 350 Kriegsmaler an allen Fronten vertreten. Aus Sicht der kämpfenden Truppe allesamt Drückberger, doch dazu später mehr.

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Oberst Maximilian von Hoen (1867 − 1940), Gründer und Kommandant des KPQ bis 1917 (HGM)

Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn an Serbien den Krieg, noch am selben Tag erfolgte in den Wiener Hotels „Spinne“ und „Tegetthoff“ die offizielle Gründung des KPQ durch Oberst Maximilian von Hoen (1867-1940), seines Zeichens Militärhistoriker im Kriegsarchiv. Das KPQ wurde als eine Untergruppe des AOK konstituiert, unterstand als Dienststelle unmittelbar dem Chef des Generalstabes Franz Conrad von Hötzendorf (1852-1925) und war dem entsprechend weisungsgebunden. Sowohl Befehlskette bzw. Subordination als auch Aufgaben waren genau umrissen: Dem KPQ sollte die Leitung und Durchführung des gesamten militärischen Pressedienstes nach den Weisungen des AOK unterliegen. Der Kommandant des KPQ hatte in „wichtigen und richtungsgebenden Angelegenheiten“ dem Chef des Generalstabes persönlich zu referieren; in weniger wichtigen Angelegenheiten und in Fällen der Zensur hatte er sich der Vermittlung des Pressereferenten der Operationsabteilung (Major im Generalstab Karl Schneller (1878-1942), ab 1915 Hauptmann im Generalstab Edmund Glaise-Horstenau (1882-1946)) zu bedienen. Die Durchführung sämtlicher Aufgaben im KPQ hatte stets im Einvernehmen mit den einzelnen Gruppen des AOK zu erfolgen. Besonders aufschlussreich ist ein Zusatz für die Operationsabteilung des AOK betreffend der Dienstordnung des KPQ, wo zu lesen ist, dass eine möglichst enge Bindung des KPQ an das AOK angezeigt sei, um die Presse in planmäßiger und zielbewusster Weise zu beeinflussen. Schließlich liefen im AOK alle Fäden der Information zusammen. Aber: über vertrauliche Nachrichten betreffend die innere militärische Lage feindlicher Mächte und über eigene Pläne sollte die Öffentlichkeit möglichst lange in Zweifel gehalten werden.

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Bedienstete des KPQ beim Herumalbern vor einem Frontzug (HGM)

Zunächst war der Personalaktivstand des KPQ ein recht geringer, bestehend aus dem Kommandanten Oberst Hoen, fünf Offizieren im Hauptmannsrang, einem Regimentsarzt, einem Kadetten und zwei Sektionsräten. Dazu kam eine nicht genau bekannte Anzahl von Kriegsberichterstattern, die nun langsam ins KPQ eintraten, jeder einzelne wurde von Hoen – gemäß Weisung des AOK – genau unter die Lupe genommen und auf seine Verlässlichkeit geprüft. Zur Unterstützung dieser noch sehr kleinen Gründungsmannschaft wurden ganze zwei Stabskompanien gestellt und bereits zwei Wochen nach der Kriegserklärung an Serbien wurde das KPQ mit zwei Sonderzügen und vier KFZ nach Dukla, ein kleines abgeschiedenes Dorf in Galizien, verlegt. In vollkommener Abgeschiedenheit durften die Journalisten zunächst nicht einmal ihr Quartier verlassen, die Wachmannschaft wurde sogar angewiesen, sie im Widersetzungsfall mit der Waffe zu bedrohen. Dass diese Maßnahme doch ein wenig rigoros war, schien dann auch Hoen einzusehen, so wurde um das Dorf eine imaginäre Grenzlinie gezogen, welche die Kriegsberichterstatter nicht zu überschreiten hatten. Direkt an die Front zu gehen wurde ihnen ohnehin – zumindest vorerst – strengstens verboten. Damit bestand die Aufgabe der Schreiberlinge im Wesentlichen darin, die täglich aus dem AOK einlaufenden Heeresberichte zu kommentieren und auszugestalten, wobei teilweise Gefechte und Schlachten bis in alle Einzelheiten geschildert wurden, ohne dass der Betreffende je dabei gewesen wäre. Die Heeresleitung war damit der eigentliche Berichterstatter, oder wie es Klaus Mayer formuliert: „Aufgabe der Kriegsberichterstatter war es nun, die einlangenden spärlichen Nachrichten aufzuputzen, zurechtzumachen, zu verzieren, zu verbrämen, auszuwalken, zu kneten und möglichst schmackhaft zu machen, als sei der Kriegsberichterstatter weiß Gott wie gut unterrichtet“. Oder der Zeuge Karl Strobl: „Der Grundsatz im KPQ war, die Journalisten erst dann an der Front zuzulassen, wenn irgendwo eine Kriegshandlung zu einem deutlich wahrnehmbaren Erfolg geführt hatte, die erfolglosen Fronten waren tabu.“1 Oder wie Alexander Roda Roda (1872-1945), der seit 11. August 1914 für die „Neue Freie Presse“ als Kriegsberichterstatter im KPQ fungierte, festhielt: „Der Offizier hat´s gut, der darf an die Front. Wir müssen warten […] was wir ahnen, oder über Umwege erfahren, heimberichten dürfen wir es nicht. Der Telegraph dient nur der Armee, unsere Briefe haben die Zensur zu passieren und dann über einen langen Bahnstrang. […] Während draußen die die aufregendsten Dinge geschehen, ist im Kriegspressequartier die Idylle wie am ersten Tag. Noch immer dürfen nur karge Nachrichten von uns ausgehen, damit dem Feind so wenig wie möglich über unser Heer verraten werde. Wir möchten manches gern sagen, weil es auch die Öffentlichkeit erfreute, aber die Zensur zäunt uns scharf.“2

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Kriegsberichterstatter bei einem Vortrag an Bord des Donaumonitors S.M.S. Bodrog (HGM)

Im September wurde das KPQ wiederum verlegt, es sollte keinesfalls am selben Ort wie das AOK noch in der Nähe der Fronten sein, taktische und strategische Abläufe oder gar Geheimnisse sollten den Kriegsberichterstattern verborgen bleiben. In weiterer Folge wurde nach Alt Sandec (Galizien) verlegt. Am 10. November 1914 wurde das KPQ erstmals geteilt: Das Kommando wurde nach Teschen verlegt; das Platzkommando, welchem die Berichterstatter angehörten, verlegte nach Zsolna (Galizien). Nun konnte man also sicher sein, dass die Berichterstatter die unzensurierten Berichte aus der Nachrichtenabteilung des AOK nicht zu sehen bekamen, denn die Zensur erfolgte nunmehr im Kommando des KPQ in Teschen, während die Berichterstatter in Zsolna saßen. Die Gruppe der Berichterstatter wurde nun wiederum aufgeteilt und verlegt, ein Teil verblieb in Zsolna, ein anderer kam nach Nagy Bisce, in weiterer Folge nach Mährisch-Ostrau. Die Kommunikationswege wurden demnach immer länger.

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Oberst im Generalstab Wilhelm Eisner-Bubna (1875 − 1926) Kommandant des KPQ vom 15. März 1917 bis Kriegsende (HGM)

Die Ära Eisner-Bubna

Am 15. März 1917 wurde Maximilian von Hoen, mittlerweile Generaloberst, auf eigene Bitte als Kommandant des KPQ entlassen, er blieb jedoch Direktor (seit Dezember 1916) des Kriegsarchivs. Nun folgte die Ära des Obersten im Generalstab Wilhelm Eisner-Bubna (1875-1926) und der damit verbundene Aufstieg des KPQ was Quantität der Mitglieder, der Mittel und des Einflusses dieser Dienststelle betrifft. Bubna entwarf eine neue Dienstordnung mit Wirkung vom 15. Juli 1917, welche folgende Präambel hatte:

„Pressedienst ist Propagandadienst. Beide gehören zu den wichtigsten Mitteln, das Ansehen der Wehrmacht im In- und Auslande zu heben. Es ist die Pflicht, aller militärischen Stellen, der Tätigkeit des Kriegspressequartiers weitgehende Förderung angedeihen zu lassen. Dies gilt naturgemäß auch für die Frontberichterstattung durch die Kriegsberichterstatter.“

Quelle: Dienstordnung mit Wirkung vom 15. Juli 1917

Nach der neuen Dienstordnung3 gliederte sich das KPQ in folgende Gruppen:

  1. Kommandant, Stellvertreter und Adjutanten
  2. Zensurgruppe
  3. Inlandstelle
  4. Auslandstelle
  5. Propagandagruppe
  6. Pressegruppe
  7. Kunstgruppe
  8. Lichtbildstelle
  9. Filmstelle
  10. I(talien-Propaganda)-Stelle
  11. Kriegsberichterstattergruppe
  12. Administrativer Apparat, bestehend aus Platzkommando, Kanzleidirektion, Archiv und Registratur

Bubna umriss die Aufgaben der einzelnen Gruppen und Körperschaften wie folgt:

Dem Kommandanten oblag die Leitung des gesamten k.u.k. Kriegspressequartieres sowie dessen Vertretung nach außen. Er vertrat den Chef des Generalstabes Arthur Arz von Straußenburg (1857-1935) in Presse- und Propagandaangelegenheiten und war an diesen weisungsgebunden. Der Kommandant-Stellvertreter hatte den Kommandanten in dessen Abwesenheit zu vertreten und zur besonderen Erledigung zugewiesene Agenden zu versehen.

Der Adjutant war mit der Vermittlung des Parteienverkehrs beim Kommandanten betraut, sowie dem direkten Verkehr mit der In- und Auslandspresse über Weisung des Kommandanten.

Weiters oblagen dem Adjutanten über Weisung des Kommandanten sämtliche Personalangelegenheiten mit Ausnahme der Mannschaftsdienstgrade. In der Zensurgruppe wurden – nomen est omen – alle Zensurangelegenheiten insbesondere aller Artikel und Telegramme der Kriegsberichterstatter abgewickelt.

Die Inlandstelle hatte eine Art Pressespiegel für alle höheren Kommandanten aus sämtlichen Inlandszeitungen anzufertigen. Weiters war sie für die Leitung der Fronttheater, der Feldbücherei, des Feldzeitungswesens und dem Vertrieb von Filmen im Inland zuständig. Im April 1917 fiel die Zuständigkeit für die Fronttheater an ein selbstständiges Theater- und Musikreferat.

Die Auslandstelle fertigte Pressespiegel aus der Auslandspresse an und war für den Vertrieb von Filmen in das verbündete und neutrale Ausland zuständig.

Die Propagandagruppe stand in engem Kontakt mit der Pressegruppe, der Lichtbildstelle und der Kunstgruppe und hatte propagandistische Broschüren aller Art herzustellen. Weiters war sie mit der Organisation von Kunstausstellungen betraut und verfasste den monatlichen Bericht über die Propagandatätigkeit des KPQ.

Die Pressegruppe oder auch „redaktionelle Gruppe“ beschäftigte sich mit der Verarbeitung des gesamten militärischen Nachrichtenmaterials zur Einflussnahme auf die in- und ausländische Presse. Der Leiter, Oberst Zaglauer, war nebenher auch Dichter unter dem Namen „Auer Waldborn“ und scharte einen Stab von Literaten um sich, gegen die häufig der Vorwurf erhoben wurde, dass sie sich mehr mit Literatur als mit Politik beschäftigen würden.

Die Kunstgruppe bestand aus teils wehrpflichtigen und teils freiwilligen Künstlern wie Maler und Bildhauer, auf sie wird noch in einem eigenen Abschnitt besonders eingegangen. Der Kunstgruppe war die Bildersammelstelle nachgegliedert, welche für die Registrierung, Deponierung und Verwaltung jener Objekte diente, welche für Ausstellungen gesammelt wurden.

Die Lichtbildstelle hatte zu den redaktionellen Texten der Kriegsberichterstatter entsprechende Fotos zu liefern. Ebenso wurden Fotos an die Presse des verbündeten und neutralen Auslands verschickt, sowie Diapositive für Vorträge bereitgestellt.

Die Filmstelle, die vorher dem Kriegsarchiv unterstellt war, wurde 1917 in das KPQ eingegliedert. Durch Filmvorführungen sowohl im In- als auch im verbündeten bzw. neutralen Ausland sollte die k.u.k.-Armee in ein „rechtes Licht“ gerückt werden. Ferner hatte die Filmstelle die Feldkinos zu überwachen und das Amt der Zensurberatung bei der politischen Behörde für alle Filme ausüben.

Die I-Stelle war für die Redaktion und Gestaltung der Zeitungen in den von Österreich-Ungarn besetzten italienischsprachigen Gebieten zuständig. Darüber hinaus hatte sie die Frontpropaganda mittels Flugschriften, Karikaturen und dergleichen zu unterstützen.

Die Kriegsberichterstattergruppe, also der eigentliche und ursprüngliche Kern des 1909 geplanten und 1914 gegründeten Kriegspressequartiers, gliederte sich in eine österreichische, ungarische, verbündete und neutrale Gruppe. Der Gruppenleiter hatte Reisen an die Front zu organisieren und die redaktionelle Gruppe durch die Sammlung von Meldungen der Kriegsberichterstatter zu unterstützen.

Unter Eisner-Bubna wurde die gesamte Aufgabenauflistung des KPQ in seiner Dienstordnung von 1917 neu definiert. Zu den umfassenden Aufgaben gehörten primär die positive Einflussnahme auf die in- und ausländische Presse in einem der k.u.k. Armee positiven Sinn; die prohibitive Tätigkeit als oberste militärische Zensurstelle, um alles der Kriegsführung und der k.u.k.-Armee Abträgliche hintanzuhalten; die Verbindung zwischen AOK und der Presse herzustellen; die Erhaltung der Fühlung mit den militärischen Pressestellen der verbündeten Staaten; die aktive Propaganda im In- und Ausland für das Heer und die Flotte; die Förderung aller Aktionen, die geeignet waren, das Ansehen der Monarchie zu mehren und in der Abwehr der gegen die Monarchie und ihrer Armee gerichteten feindlichen Propaganda. Dennoch war das KPQ auch nach den Reformen Eisner-Bubnas keineswegs allmächtig, denn es gab noch weitere Pressestellen, die dem KPQ nicht unterstellt waren, allen voran der Pressedienst des Kriegsministeriums; der Allerhöchste Pressedienst Kaiser Karls I. und die Pressedepartements im Außenministerium, im Ministerratspräsidium sowie der Statthaltereien und der Landesregierungen.

War man zu Kriegsbeginn noch bemüht, die Kriegsberichterstatter möglichst weit vom AOK und der Front fernzuhalten, erfolgte – nicht zuletzt auch wegen vieler Proteste derselben – nun unter Eisner-Bubna auch hier ein Paradigmenwechsel. Einzelne Journalisten wurden nunmehr zwar nicht bis an die vorderste Kampflinie geführt, aber wenigstens an die dahinter liegenden Schlachtfelder. Größere Exkursionen von Kriegsberichterstattergruppen wurden stets von Eisner-Bubna selbst oder seines Stellvertreters geleitet. Plante man an einem bestimmten Frontabschnitt einen längeren Aufenthalt, so wurden Exposituren geschaffen, in welche teilweise auch Kriegsmaler und –fotografen eingegliedert wurden. Direkte Interviews von Kommandanten oder Soldaten an der Front durch die Kriegsberichterstatter waren per Befehl vom 28. November 1915 ohnehin verboten. Abgesehen davon waren die militärischen Befehlshaber angewiesen, Journalisten oder sonstigen Besuchern in militärischen Fragen keine Auskunft zu geben. Einerseits wollte man damit verhindern, dass militärische Geheimnisse nach außen drangen, andererseits wollte man ebenso wenig ob des Kampfverlaufes frustrierten Offizieren die Möglichkeit geben, sich über die Öffentlichkeit abfällig über die Kriegsführung zu äußern. Zensur fand also schon im Primärbereich statt. Erst mit fortschreitender Kriegsdauer und angesichts sowohl der Propaganda der Entente-Mächte als auch des verbündeten Deutschen Reiches gewährte man den Kriegsberichterstattern etwas mehr Einblick in das eigentliche Geschehen. So wurde am 29. Mai 1917 seitens des AOK angeordnet, dass dort, wo bedeutende Schlachten bevorstanden, die Journalisten in möglichst großer Zahl (aber auch unter möglichst rigoroser Aufsicht) vereinigt werden sollten und sie dahingehen zu informieren bzw. ihnen soviel zu zeigen sei, dass sie alle Blätter fortwährend mit Nachrichten versorgen könnten. Die Kommandos hatten sie dabei zu unterstützen, ebendiesen Kommandos oblag dann auch die Vorzensur der Berichte, ehe sie an die eigentliche Zensurstelle des KPQ weitergeleitet wurden. Man gab also den Presseleuten nun mehr Einblick, dafür wurde aber doppelt und dreifach zensuriert, auf das nur ja nichts über die gigantischen Verlustzahlen und Gebietsverluste der k.u.k.-Armee bekannt werden konnte. Überhaupt flossen die Meldungen von den Fronten zu Kriegsbeginn nur spärlich, denn erst nach einer Woche kamen die amtlichen Kommuniqués. Wie viel Raum das Kriegsgeschehen in den diversen Zeitungen einnahm, hing stark von den Ereignissen an der Front ab. Als man 1914 kurzfristig Belgrad einnahm, frohlockten die Zeitungen, als man aus der Stadt wieder vertrieben wurde, blieben sie stumm. Wenn sich die militärischen Niederlagen, gerade in den Jahren 1914 und 1915 nicht mehr verschweigen ließen, meldeten die Zeitungen dubiose, verklausulierte und nichtssagende Sätze. Oder man schrieb eine Meldung ganz trocken, kurz und kommentarlos an einer unauffälligen Stelle. Erst mit dem Kriegseintritt Italiens 1915 wurden die Berichterstattungen umfangreich und sehr bewegt, insbesondere betreffend der Isonzoschlachten; so übertraf sich die Wiener Presse in Siegesmeldungen und zeigte unverhohlene Freude über die schweren Verluste Italiens und über den Umstand, dass Italien nun weiter denn je von seinen Kriegszielen entfernt sei. In weiterer Folge konnte man nur noch wenige Siegesmeldungen verbreiten, und die Kriegsberichterstattungen beschränkten sich auf Stimmungsberichten aus dem KPQ und den besetzten Gebieten. Erst nach dem „Wunder bei Karfreit“4 begann wieder eine rege Berichterstattung.

Die Kunstgruppe

Ein genaues Gründungsdatum der Kunstgruppe im KPQ ist nicht bekannt, gesichert ist, dass sie am 14. August 1916 nach Wien verlegt wurde, da sich von der Hauptstadt aus die Entsendung an die Front besser organisieren ließ. Die Kunstgruppe umfasste alle Kriegsmaler, Kriegsbildhauer und Kriegsfotografen, welche beim KPQ eingeteilt waren. Die Fotografen wurden unter Eisner-Bubna später aus der Kunstgruppe herausgelöst und bildeten in weiterer Folge die Lichtbildstelle. Die Kunstgruppe übersiedelte Anfang 1917 in das „Nobelwirtshaus“ nach Rodaun im Wiener Umland (heute XXIII. Wiener Gemeindebezirk), zeitgleich verlegte das gesamte Kommando des KPQ nach Wien. Wie es der Plan vorsah, gelangten vorerst nur ältere, schon bekannte Künstler, die nicht mehr wehrpflichtig waren oder kriegsdienstuntauglich waren, in die Kunstgruppe, wobei man sich von deren bereits vorhandenen Reputation eine gewisse Wirkung versprach. In weiterer Folge wurden aber auch junge, teilweise ganz moderne Künstler aufgenommen, deren verschiedener Stilistik gegenüber man sich relativ tolerant erweisen sollte.

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Zwei Kriegsmaler in einem improvisierten Atelier (HGM)

Der Dienst als Kriegsmaler sah vor, dass der Künstler eine bestimmte Zeit, meist rund zwei Monate, an der Front arbeiten bzw. skizzieren sollte und dann zur Ausführung von größeren Werken bzw. Gemälden einen Arbeitsurlaub in das Hinterland erhielt. Die Verpflichtungen der Künstler waren überschaubar: So sollten sie pro Woche an der Front eine Skizze, pro Monat Heimarbeit ein Gemälde anfertigen. Selbst das galt allerdings, wie es in der Anweisung des Armeeoberkommandos heißt, als „ungefähres Maß“. Auch künstlerisch wurde ihnen erstaunlich wenig vorgeschrieben. So rief man sie bloß auf, „selbst bestrebt zu sein, malerisch wirksame und interessante Motive aus dem Leben des Krieges zu finden“. Darüber hinaus hielt man sie dazu an, „je nach künstlerischer Eigenart militärisch Nützliches zu schaffen“.

Oskar Kokoschka, der sich anfangs noch kriegsbegeistert zum k.u.k. Niederösterreich-Mährischen Dragoner-Regiment „Erzherzog Joseph“ Nr. 15  meldete, änderte seine Einstellung gegenüber dem Krieg in kürzester Zeit radikal. Er wurde 1915 in der Ukraine schwer verwundet und entwickelte sich zum Pazifisten. Um nicht selbst an den weiteren Kämpfen teilnehmen zu müssen, schloss er sich der Kunstgruppe an und malte an der Isonzo-Front rund 30 Blätter – Landschaften, Truppen, Geschütze, zerstörte Dörfer. Seinen Eltern teilte er lapidar mit: „Habe schon 2 Blocks Zeichnungen voll, Pflicht ziemlich erfüllt, ruhiges Gewissen.“5

Im Gegensatz zu den Kriegsberichterstattern war es den Kriegsmalern schon von Kriegsbeginn an gestattet, Exkursionen an die Front zu unternehmen, da sie im Hinterland ja schlecht schneidige Motive vorfanden. Sie standen teilweise in den vordersten Kampflinien, aber doch in relativ sicherer Distanz; und hatten Armbinden mit dem Aufdruck „Kunst“ oder „KPQ“ zu tragen. Die Dienstleistung Wehrpflichtiger als bildliche Berichterstatter galt als Kriegsdienst, jedoch nicht als Felddienst. Daher mussten jene, die als Kriegsmaler zugelassen wurden, ausdrücklich vom Frontdienst enthoben werden. Jene, die z. B. bei einer Landsturmmusterung für den Dienst an der Waffe für tauglich befunden wurden, erhielten erst die Einteilung zur Infanterie und wurden erst danach dem KPQ überstellt. Offiziere, die während des Krieges bereits im aktiven Dienst gestanden waren, trugen die Uniformen ihrer Einheiten und bezogen ihre entsprechenden Gebühren. Alle anderen, egal ob sie wehrpflichtig waren oder nicht, trugen Zivil, dazu die entsprechende Armbinde.

An der Front waren die Einheitskommandanten dazu angehalten, die Künstler weitestgehend aus der Feuerlinie herauszuhalten, damit diese unverletzt blieben und so die an der Front angefertigten Skizzen während der ihnen zustehenden Front- bzw. „Arbeitsurlaube“ in Form von Ölgemälden, Aquarellen etc. auch umsetzen konnten. Man konnte sich als KPQ-Aspirant dennoch relativ sicher sein, den Krieg heil zu überstehen, woraus die hohe Zahl an Bewerbern für die Kunstgruppe des KPQ zu verstehen ist. Unter den rund 350 Kriegsmalern gab es im gesamten Kriegsverlauf nur einen einzigen Toten, nämlich der bei Gorlice gefallenen Grazer Maler Franz Hofer (1885 – 1915).

Gemäß der Vorschrift des AOK vom 1. Jänner 1916, gezeichnet durch den Armeeoberkommandanten Feldmarschall Erzherzog Friedrich6, sollten die Kriegsmaler im Feld von sich selbst aus „malerisch wirksame und interessante Motive aus dem Leben des Krieges“ finden und wiedergeben. Landschaftsmaler waren zur Zeichnung von Stellungen und Gefechtsfeldern anzueifern; figurale Talente hingegen, die sich zu Schlachtenmalern eigneten, sollten möglichst Gelegenheit zur Beobachtung von Kampfszenen erhalten, wobei sich die Zuteilung zur Artillerie empfahl, wo sie persönlich nicht gefährdet waren, was die nicht gerade geringe Anzahl bildlicher Darstellungen von Geschützen aller Art meist in Feuerstellung erklärt, die sich heute in den Depots des Heeresgeschichtlichen Museums befinden.

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Benjamin Strasser (1888-1955): 10 cm Feldhaubitze M1914 in Stellung am Piave 1918, Öl auf Leinwand (HGM)

Neben landschaftlichen und kriegerischen Motiven sollten aber auch die militärischen Befehlshaber, Oberste und Generäle, nicht zu kurz kommen. Kriegsmaler, bei denen Talent für die Porträtmalerei festgestellt werden konnte, waren angehalten, die „höheren Führer“, besonders ausgezeichnete Offiziere, aber auch Mannschaftspersonen in angemessener Ausgestaltung im Porträt festzuhalten. Offiziere, die für ihre besondere Eitelkeit bekannt waren, wie etwa der General und spätere Feldmarschall Svetozar Boroević von Bojna (1856-1920), nutzten diese Direktiven weidlich aus und ließen sich gleich von mehreren Malern in mehreren Ausfertigungen porträtieren.

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Der Kriegsmaler Nikolaus von Schattenstein (1877-1954) porträtiert General Svetozar Boroević von Bojna (HGM)

Das Bildmaterial, das die Künstler abzugeben hatten, durfte nur im Falle der Herstellung im Feld skizzenhaften Charakter haben. Die Werke mussten auf der Rückseite einen gut leserlichen Zettel mit dem Namen des Ausstellers, dem Titel des Werkes und dem Verkaufs- und Versicherungswert angeklebt tragen. Eine der Bildersammelstelle wurde in der Akademie der bildenden Künste am Wiener Schillerplatz eingerichtet. Das in großer Quantität vollendete Material wurde nach Abgabe von Pflichtexemplaren an das k.u.k. Kriegsarchiv und das Heeresmuseum zur Präsentation von Ausstellungen sowohl im Inland als auch im verbündeten oder neutralen Ausland verwendet. Die Kriegsbilderausstellungen waren ein vortreffliches Propagandamittel, die Einnahmen aus solchen Ausstellungen kamen wohltätigen Zwecken zugute. Die Werke gingen in die verschiedensten Kunstrichtungen, vom klassischen Akademikerstil bis zum radikalen Expressionismus war alles vorhanden. Alleine bis Mai 1917 wurden 26 Ausstellungen der KPQ-Kunstgruppe veranstaltet, davon 4 in Wien, 2 in Budapest, 10 in anderen Städten der Monarchie, eine in Stuttgart und jeweils eine in Bern, Basel und Zürich. Dabei wurden insgesamt 7.441 Kunstwerke aller Art ausgestellt. Bis Kriegsende wurden insgesamt 40 Ausstellungen der Kunstgruppe des KPQ organisiert.

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Abbildung 8: Ausstellungsplakat zur Kriegsbilderausstellung des k.u.k. Kriegspressequartiers im Wiener Künstlerhaus, 1918 (HGM)
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Einblick in die Kriegsbilderausstellung im Wiener Künstlerhaus, März 1918

Eine ganz besondere Rolle innerhalb der Vernetzungen zwischen KPQ, Bildersammelstelle, Heeresmuseum und den Künstlern der Kunstgruppe spielte Oberst Wilhelm John (1877-1934), der bereits ab 1903 als Konservator im k.k. Heeresmuseum war und es ab 1909 als Direktor leitete. Mit der Kriegserklärung an Serbien wurde das Heeresmuseum für den öffentlichen Besuch geschlossen und John wurde ins KPQ überstellt, wo er in weiterer Folge die Leitung über die Kunstgruppe übernahm und auch für den „Sammeldienst beim Heeresmuseum“ verantwortlich wurde. In dieser Doppelfunktion als Leiter der Kunstgruppe des KPQ und Direktor des Heeresmuseums begründete John eine große Gemäldesammlung an Werken von Kriegsmalern wie Oskar Laske, Ferdinand Andri, Alexander Pock, Albin Egger-Lienz, Karl Sterrer, Carl Fahringer, Anton Kolig, Wilhelm Thöny u. v. a., wobei er aber nicht bloß darauf wartete, was ihm die Bildersammelstelle in der Akademie der bildenden Künste am Wiener Schillerplatz an Material zuwies, sondern bereits von Kriegsbeginn an auch bei den Künstlern direkt ankaufte. So konnte er die gesammelten Werke in einer Gemäldegalerie, welche 1923 eröffnet wurde, präsentieren. Darüber hinaus wurde er in seiner Doppelfunktion eine Art „Schutzengel“ für Künstler, welche sich in weiterer Folge in der Kunstgeschichte einen Namen machten, darunter Egon Schiele und Anton Faistauer. Diese bewahrte er vor einem Einsatz an der Front, in dem er ihnen eine zumindest vorübergehende Tätigkeit bzw. Verwendung im Heeresmuseum verschaffte.

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Oberst Wilhelm John (1877-1934), Leiter der Kunstgruppe im KPQ (HGM)
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Oskar Laske (1874-1951): Barrikadenkampf in Belgrad 1915, Öl auf Leinwand (HGM)

Aus heutiger Sicht kann geschätzt werden, dass John nach Kriegsende durch Zuweisungen der Sammelstelle, durch eigene Käufe über das Heeresmuseum und andere Wege einen Bestand von etwas mehr als 8.000 Gemälden, grafischen Arbeiten und bildhauerischen Arbeiten aus dem Ersten Weltkrieg zusammengetragen hatte. Bis zu seinem Tod 1934 war er damit beschäftigt, die Unmengen an Material zu sichten, zu registrieren und zu ordnen. Mit dem Einsetzen der alliierten Luftangriffe auf Wien ab Herbst 1943 wurden, wie bei allen Wiener Museen, die wertvollsten Bestände ausgelagert. Diese Maßnahmen erwiesen sich auch als zwingend notwendig, denn am 10. September sowie am 11. Dezember 1944 wurde das Arsenal und der Südbahnhof von alliierten Bomberverbänden derart stark in Mitleidenschaft gezogen, dass nicht nur das Museumsgebäude, sondern auch zahlreiche Depots von Bomben getroffen und stark beschädigt bzw. zerstört wurden. Gegen Ende des Krieges, vor allem im Verlauf der Schlacht um Wien vom 3. bis 23. April 1945 wurde das Arsenalgelände ebenso schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Auslagerungsorte (Schloss Seebarn, Burg Ottenstein, Schloss Stiebar, Bad Aussee) lagen teilweise in der russischen Besatzungszone und wurden sowohl von der Roten Armee als auch von der einheimischen Bevölkerung geplündert. Es dauerte teilweise bis 1949, bis die sowjetischen Entscheidungsträger der Besatzungszeit die Mitarbeiter des Heeresgeschichtlichen Museums überhaupt an die ausgelagerten Objekte, bzw. das, was davon übrigblieb, zur Besichtigung heranließen. So ging der überwiegende Teil der Kriegsbildersammlung, die John zusammengetragen hatte, in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren. Heute ist vom ursprünglichen Bestand höchstens noch ein Viertel vorhanden.

Theater- und Musikreferat

Im April 1917 entwickelte sich aus der Inlandsstelle heraus ein eigenes Theater- und Musikreferat. Die Entsendung von Ensembles hauptsächlich an die Front und in die besetzten Gebiete war von Kriegsbeginn an Usus, unter Eisner-Bubna wurden diese nun auch in das verbündete und neutrale Ausland entsandt. Dort waren die Ensembles aber weitgehend unbeaufsichtigt, und so wurde im Dezember 1917 ein Kunstbeirat gebildet, dem Theaterfachleute und –direktoren angehörten. Vor dem Abgang des Ensembles hatten die Mitglieder dem Kunstbeirat im Rahmen einer Generalprobe das Stück vorzuführen. In einem Gutachten bestätigte der Kunstbeirat dann die Qualität des Ensembles – oder auch nicht. Man stellte den Ensembles nunmehr auch einen Begleitoffizier bei, der vom Kommando des KPQ bestimmt wurde und das Ensemble beaufsichtigen sollte, welches aus nicht mehr als 10 Mitgliedern bestehen durfte. Dieser Bestimmung gegenüber erwies man sich tolerant, teilweise spielten Ensembles mit bis zu 24 Mitgliedern an den Fronten. Bezüglich der Musikensembles galten die gleichen Bestimmungen wie für die Theaterleute.

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Aufführung eines Theaterensembles des KPQ an der Ostfront, 1916

Die Programmgestaltung sah so aus, dass lediglich vorwiegend heitere Stücke gespielt werden durften; wie Operetten, Kabaretts, Sing- und Tanzspiele; ernste Stücke wurden tunlichst vermieden. Diese Vorgehensweise ging bisweilen ins Infantile, so wurden auch Kasperltheater an der Front aufgeführt. Die Fronttheateraufführungen waren bei den Soldaten jedenfalls hochbeliebt, teilweise wurden ganze Sonderzüge eingesetzt, um die Truppen von den vordersten Kampflinien in die Etappenräume zu bringen. Das KPQ hatte im Kriegsverlauf 18 Fronttheaterensembles im „Einsatz“, was dem Bündnispartner nicht wirklich recht war: Die Monarchie solle sich mehr mit Kämpfen als mit Theaterspielen beschäftigen, lautete der Vorwurf aus dem Deutschen Reich.

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Filmaufnahmen im Feld unter Aufsicht von Offizieren des KPQ

Film und Foto

Die Chance, anhand des noch relativ jungen Mediums Film die Massen günstig im Sinne der Monarchie zu beeinflussen, wurde von den Verantwortlichen schon früh erkannt. Schon im August 1914 wurden auf Anregung Hoens mit drei Wiener Firmen (Sascha, Österreich-ungarische Kinoindustriegesellschaft und der Wiener Kunstfilm) Verträge abgeschlossen. Die Kriegsfilmpropaganda war vorerst beim Kriegsarchiv angesiedelt, ab 1. November 1915 wurde sie dem KPQ unterstellt. In der Filmstelle des KPQ wurden so genannte „Film-Trupps“ gebildet, die aus wehrpflichtigen Kinofachleuten bestanden. Sie stellten die Filmaufnahmen an der Front, im Etappenraum und im Hinterland her. Weiters wurde ein so genanntes „kinematographisches Laboratorium“ aufgestellt, welches einerseits die Filme entwickeln und gleichzeitig die militärische Kontrolle über die Aufnahmen zu gewährleisten hatte. Als seitens der Filmstelle herzustellende Propagandafilme wurden definiert: Die wöchentlich erscheinenden Sascha-Kriegswochenschauen (mit dem sperrigen Titel „Österreichischer Kino-Wochenbericht vom nördlichen und südlichen Kriegsschauplatz“, ab 1915 wurden sie „Kinematographische Kriegsberichterstattung“ und danach „Sascha-Kriegswochenbericht“ genannt); monatlich mindestens ein großer künstlerisch gestalteter Kriegsfilm; ein monatlich erscheinender Kriegsfilm, wobei die Länge noch in Meter angegeben wurde (300 bis 400 Meter) der die Tätigkeit in einem Kriegsgefangenenlager oder in einem besetzten Gebiet zeigte sowie Aufnahmen aus der Kriegsindustrie und aus der Landwirtschaft. Die Filmtrupps wurden angehalten, an die vordersten Kampflinien heranzugehen, um an Ort und Stelle ihre Aufnahmen zu machen, sie durften jedoch nur im Bereich der eigenen Truppen und der eigenen Verwaltungsbezirke drehen. Die Aufsicht über die Filmtrupps oblag Offizieren sowie erholungsbedürftigen Fliegeroffizieren, die eine drei- bis vierwöchige Schulung bei der Filmstelle des KPQ zu absolvieren hatten. Die Filmtrupps selbst waren an der Front jedoch offenbar nicht gerne gesehen, so musste in einem Befehl vom 19. Dezember 1917 extra darauf hingewiesen werden, den Angehörigen der Filmstelle jede nötige Unterstützung sowie Unterkunft und Verpflegung zuteil werden zu lassen.

In einer kommissionellen Besprechung zu Angelegenheiten der Kriegsfilmpropaganda wurde der Inhalt der zu produzierenden Filme erörtert. Den Stoff für die Filmpropaganda sollten kriegerische Ereignisse, Gefechtsaktionen, kulturelle Leistungen der Truppen an der Front und im Etappenraum, allgemeine volkswirtschaftliche Motive und die landschaftlichen Schönheiten der Monarchie bilden. Besonders hervorgehoben wurde aber auch, dass die Filmpropaganda auch der dynastischen Propaganda dienen sollte. Alle Mitglieder der Filmstelle sollten von dem Gesichtspunkt ausgehen, das Vertrauen der Bevölkerung in die Wehrkraft der Monarchie zu heben und das Ansehen der k.u.k.-Armee nach Möglichkeit zu erhöhen. In verschiedenen Erlässen wurde festgehalten, dass Kriegsfilme nur gezeigt werden durften, wenn sie nichts enthielten, was der rauen Wirklichkeit allzu nahe kam und geeignet war, herabzustimmen. Daher wurden in manchen Fällen gestellte Szenen von der Zensur bevorzugt, während allzu reale Szenen aus militärischen bzw. ästhetischen Gründen beschlagnahmt wurden.

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Ein Kriegsfotograf im Hochgebirge (HGM)

Eher stiefkindlich wurde zu Kriegsbeginn der Bereich der Fotografie behandelt. So gab es im Juni 1915 gerade einmal 11 Fotografen im gesamten Armeebereich, die zu allem Überfluss auch noch für private Zwecke knipsten und ihre Aufnahmen, die meist aus dem Etappenbereich stammten, für teures Geld an das KPQ verkauften. Um diesen unhaltbaren Umstand zu ändern, wurde im Juni 1915 – spät aber doch – eine Neuregelung beschlossen, die vorsah, dass jedem Armeekommando sowie den im Verband deutscher Armeen stehenden Korpskommandos ein wehrpflichtiger Fotograf oder Illustrator zugeteilt werden sollte. Zentralstelle für die militärische Foto-Propaganda war der Pressedienst des Kriegsministeriums, der allerdings dem KPQ unterstellt war. Die Fotografen im Armeebereich setzten sich aber immer noch aus den Kriegsfotografen der Kunstgruppe des KPQ einerseits sowie Wanderfotografen des k.u.k. militärgeographischen Instituts und Amateurfotografen andererseits zusammen. Die Heranziehung der Aufnahmen von Amateurfotografen war zur Unterstützung der Bilderpropaganda gedacht und oblag ausschließlich dem Pressedienst des Kriegsministeriums. Noch komplizierter ging es eigentlich kaum mehr. In weiterer Folge wurde bei jedem Armeekommando eine Fotostelle eingerichtet. Allen Fotografen wurde die direkte Einsendung von Bildern oder Negativen an illustrierte Zeitungen verboten. Um dem Wildwuchs Herr zu werden, wurde beim Pressedienst des Kriegsministeriums eine zentrale Bilderzensurstelle, unter Zuziehung von Organen des KPQ und des Kriegsarchivs, eingerichtet.

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Waggon der Lichtbildstelle (HGM)

Dann endlich, im August 1917, konnte sich Eisner-Bubna gegen das Kriegsministerium durchsetzen und erreichen, dass sämtliche mit der Bildpropaganda zusammenhängende Tätigkeiten und Personal dem KPQ übergeben wurden. Dadurch wurde die ja bereits vorhandene Lichtbildstelle des KPQ erweitert und ausgebaut, die Produktion von Fotos nahm einen merkbaren Aufschwung. Sie wurde dadurch die einzige mit Fotos arbeitende Propagandastelle für Österreich-Ungarn im In- und Ausland und erwirkte damit einen maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung der illustrierten Presse. Das Material erhielt sie durch die Armeefotostellen, durch Einsendung von Amateurfotografien und durch die Arbeiten der von der Lichtbildstelle entsandten Fotografen. Die Zensur der Aufnahmen erfolgte durch das KPQ, außer von jenen Bildern, die von den Fotostellen der Armeekommanden einlangten. Die wurden nämlich schon dort zensuriert.

Aufnahme und Ansehen der Mitglieder des KPQ

Wie bereits erwähnt, waren 1909 lediglich 31 Kriegsberichterstatter zur Aufnahme in das KPQ vorgesehen. Im weiteren Verlauf des Krieges explodierte diese Zahl jedoch geradezu, vor allem unter Eisner-Bubna; und zwar nicht bloß in der Gruppe der Kriegsberichterstatter, sondern vor allem auch der Kunstgruppe im KPQ. Beispielgebend für das Aufnahmeprozedere in das KPQ und das Ansehen seiner Mitglieder soll an dieser Stelle der Kriegsmaler und Leutnant der Reserve Alexander Pock (1871-1950) sein, der zu Kriegsbeginn bereits 43 Jahre alt war. Pock rechnete wohl kaum damit, mit diesem Alter noch an die Front zu müssen; doch rechnete auch in der ganzen Monarchie niemand damit, dass die k.u.k.-Armee am Ende des Jahres 1914 die schier unglaubliche Zahl von 1.268.696 Verluste an Toten, Verwundeten oder Kriegsgefangenen zu verzeichnen hatte. Angesichts dessen schickte das AOK turnusmäßig als Personalersätze sogenannte Marschformationen und Landsturm im Ausmaß von 863.000 Mann an die Fronten. Der Landsturm musste größtenteils erst einberufen werden und war schlecht bis überhaupt nicht ausgebildet bzw. ausgerüstet. Bestimmt für den Dienst im Hinterland wie etwa für Bewachungsaufgaben, war für den Landsturm lediglich eine Adjustierung mit blauen Friedensuniformen vorgesehen gewesen. Als es jedoch die hohen Personalverluste im Kriegsverlauf notwendig machten, auch Landsturmformationen in die Stellungsgräben zu schicken, fanden sich diese Männer in ihren blauen Uniformen, oder sogar in Zivil mit einer schwarz-gelben Armbinde, an der vordersten Front wieder.

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Alexander Pock (1871-1950): Granattreffer in einer russischen Protzenstellung bei Przemysl im Juni 1915, Öl auf Leinwand (HGM)

So erhielt auch Alexander Pock Anfang 1915 einen Einberufungsbefehl als Landsturmleutnant; und wie es beim Landsturm in Hinblick auf Ausrüstung und Ausbildung bestellt war, wird Pock wohl bekannt gewesen sein. Trotz seines Ausscheidens aus der Armee bereits vor dem Krieg sollte er also nun als Landsturmleutnant an die Front – es wurde demnach für ihn höchste Zeit, sich als Kriegsmaler beim KPQ zu bewerben. So stellte er am 31. Jänner 1915 ein schriftliches und dringendes Gesuch an das Armeeoberkommando mit der Bitte um Aufnahme in das Kriegspressequartier, da, wie er schrieb und doppelt unterstrich, „die Militärmalerei mein Beruf ist“.7 Das Problem an der Sache freilich war, dass die Posten im KPQ bereits längst vergeben waren. Überhaupt wurde das KPQ scheel beäugt, da ja ursprünglich geplant war, dass lediglich kriegsdienstuntaugliche Soldaten im KPQ Dienst versehen sollten. Die diensttauglichen Soldaten sollten, vor allem hinsichtlich des verlustreichen ersten Kriegsjahres, an die Front mit der Waffe in der Hand – nicht ins „sichere“ Kriegspressequartier – und Pock als zwar ehemaliger, aber dennoch ausgebildeter Leutnant der Reserve schien für diesen Dienst an der Waffe doch besonders geeignet. Nur logisch erscheint somit ein Schreiben des Armeeoberkommandos vom 4. Februar 1915, in dem Pock in knappen Worten beschieden wurde, dass die Höchstzahl in der Kunstgruppe des Kriegspressequartiers erreicht sei, und: „Neuaufnahmen finden dermalen nicht statt.“8 Schlechte Aussichten also für den Künstler. Doch Pock hatte, wie viele andere auch, „Beziehungen“ – und wusste seine Kontakte jedenfalls zu nutzen, so aussichtslos seine Situation Anfang 1915 auch war. So ist im Kriegsarchiv ein Dankschreiben Pocks an einen nicht näher genannten General erhalten, in dem er meldet, vom KPQ die Zuteilung als Kriegsmaler erhalten zu haben, und sich „tausendmal“ für das „machtvolle Einschreiten“ des Herrn Generals bedankt. Doch Pock konnte sich auch im weiteren Verlauf des Krieges nicht völlig sicher sein, der Knochenmühle zu entgehen, denn den ursprünglichen Bestimmungen nach kamen als Soldaten für das KPQ ja nur „kriegsdienstuntaugliche Personen“ in Frage. Ausnahmen davon bedurften einer ministerialen Genehmigung, um die sich nicht wenige bemühten.9 Die stetig steigende Zahl an Mitgliedern im KPQ bewog Kaiser Karl I. 1916, einen neuen Musterungsbefehl anzuordnen. Der Publizist Karl Lustig Prean (1892 – 1965) schilderte den Vorgang mit Ironie: „Alle Kriegsberichterstatter wurden gemustert, unbarmherzig, und fast alle Soldaten einrückend gemacht; die Offiziere hatten es noch schwerer. Einen Berichterstatter zog man an der Front in 3000 Meter Höhe aus einer Hütte, einen fing man im tiefsten Ungarn, einen fast achtzigjährigen ungarischen Kriegsmaler machte man einrückend. Der kaiserliche Zorn, unbarmherzig, verlangte Opfer und Rodaun war entvölkert.“10 Die Betroffenen sahen in der ganzen Aktion einen Racheakt jener Kräfte, die in der Kriegsberichterstattung eine Salonangelegenheit sahen, zumal das KPQ in jenem Nobelgasthaus in Rodaun residierte. Das AOK benötigte jedenfalls angesichts des verlustreichen Kriegsverlaufs Soldaten. Es gab permanente Musterungen für den Landsturm; alles, was auch nur halbwegs aufrecht gehen und eine Waffe abfeuern konnte, wurde in den Schützengraben geschickt. Trotzdem entging Pock allen diesen Landsturmmusterungen, egal ob im Herbst 1915 oder im Winter 1916, wo er in beiden Fällen erneut „als zum Dienst mit der Waffe geeignet“ befunden und „beim gemeinsamen Heere“ als Landsturmleutnant eingeteilt wurde.

Nun wurde es selbst Pocks Mentor, dem Herrn General, zu bunt, der nach dem dritten Versuch, Pock aus dem KPQ und damit an die Front zu holen, deutliche Worte an das k. u. k. Landesverteidigungsministerium richtete: „Pock ist 45 Jahre alt und einer der wenigen Künstler, die sich schon im Frieden als Soldatenmaler betätigt haben. Während seiner Dienstleistung im Kriegspressequartier hat er ganz hervorragend gearbeitet und bei der Kriegsbilderausstellung einen großen Erfolg errungen. Ich bitte daher, von seiner Ernennung zum Landsturmleutnant abzusehen und ihn wieder dem Kriegspressequartier behufs Verwendung als Kriegsmaler zur Verfügung stellen zu wollen.“11 Was dann auch geschah. Pock blieb bis Kriegsende im KPQ, die Front als kämpfender Soldat blieb ihm erspart. Geschichten wie jene des Alexander Pock gibt es zuhauf. Oft zählte nicht die Profession des Einzelnen, sondern seine Beziehungen, um im KPQ zu landen, wo man sich doch ziemlich sicher sein konnte, den Krieg heil zu überstehen. Damit haftete den Soldaten des KPQ stets der Schatten eines Drückebergers an, sowohl in der k.u.k. Armee, als auch in der Öffentlichkeit.

Das Ende

Je mehr sich abzuzeichnen begann, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war, desto betriebsamer wurden die Tätigkeiten des KPQ. Dies lag einerseits an der hyperaktiven Persönlichkeit Eisner-Bubnas, andererseits an der zunehmenden Propagandatätigkeit der Entente-Mächte, auf die es jeweils zu reagieren galt. Im Herbst 1918, als sich bereits eine allgemeine Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung und die Auflösung der Monarchie abzeichnete, wurden immer noch propagandistische Großprojekte in Angriff genommen, so sollten noch eine große Menge Broschüren gedruckt und Ausstellungen präsentiert werden, was durch das Kriegsende letztlich verhindert werden sollte. Doch in den letzten Monaten des Krieges setzten langsame, aber stete Auflösungserscheinungen des KPQ ein. Ein Befehl vom 9. Juli 1918 machte den Anfang, die Dienstelle in Rodaun wurde aufgelassen, das Personal teilweise in das AOK und das KPQ-Kommando nach Wien überstellt, welches am 25. September 1918 in das Hotel „Majestic“ in die Canovagasse übersiedelte. Am 29. Oktober wurde eine Neuorientierung beantragt, nach der die Propagandagruppe und die Berichterstattergruppe aufgelöst wurden. Die Arbeiten der Propagandagruppe musste teilweise von der redaktionellen Gruppe übernommen werden, welche vorerst noch bestehen blieb und angewiesen wurde, den feindlichen Nationen gegenüber aus Rücksicht auf hinkünftige Diplomatie nach und nach einen versöhnlicheren Ton anzuschlagen. Die ausländischen Kriegsberichterstatter wurden entlassen, die inländischen wurden dem Platzkommando zugewiesen. Mehrere Zeitschriften des KPQ wurden wegen Papiermangel entweder ganz eingestellt oder auf bloße 4 Seiten reduziert. Die Filmstelle wurde angewiesen, bei der Beruhigung der Bevölkerung in „vorsichtiger und geschmackvoller Form“12 mitzuwirken. Die Lichtbildstelle hatte die sukzessive Umwandlung in eine Privatfirma anzubahnen. Die rein militärisch-bildliche Berichterstattung wurde eingestellt. Die Theatergruppen wurden angewiesen, vor allem bei den tschechischen und südslawischen Truppen für eine Vermehrung der Unterhaltungspropaganda zu sorgen. Der Personalstand der Kunstgruppe wurde im September 1918 abermals stark dezimiert, bevor sie am 29. Oktober ganz aufgelöst wurde. Das KPQ sollte, so der Plan, auch nach Kriegsende weiterbestehen, in einer „spezifisch österreichischen Form“13, wie diese genau aussehen sollte, blieb jedoch nicht näher definiert. Letztendlich wurden Bildstelle und Bildersammelstelle am 1. Dezember 1918 in das Heeresmuseum eingegliedert, vier Tage später stellten die In- und Auslandsstelle des KPQ ihre Tätigkeit ein. Das Kommando und Platzkommando des KPQ stellten wie eingangs erwähnt am 15. Dezember 1918 ihren Dienst ein, wodurch das KPQ aufgehört hatte zu existieren. Der spätere Direktor des Wiener Volkstheaters, Karl Lustig-Prean von Preanfeld (1892–1965), der als Kadett bereits bei der ersten, zehnköpfigen Gründungsmannschaft des KPQ mit von der Partie war und bis Kriegsende bleiben sollte schilderte die Auflösung des KPQ in nostalgischer Weise: „Das Kriegspressequartier trat mit dem alten Österreich-Ungarn ab; unbeweint, dennoch nicht völlig wertlos, keine der schlechtesten Erinnerungen an österreichische Improvisierungskunst. Die Akten wurden zu Rauch und Asche, die Mitarbeiter reisten in alle Welt.“14

An Persönlichkeiten, seien diese bereits zu Kriegszeiten oder erst danach berühmt geworden, mangelte es dem Kriegspressequartier und/oder in dessen Wirkungskreis angesiedelten Dienststellen wie Kriegsarchiv, Kriegsfürsorgeamt, Heeresmuseum etc. nicht. Klingende Namen wie Albert Paris Gütersloh, Alfred Kubin, Egon Erwin Kisch, Robert Musil, Leo Perutz, Alice Schalek, Hugo von Hofmannsthal, Alexander Roda Roda, Ferenc Molnár, Robert Michel, Franz Werfel, Stefan Zweig, Rainer Maria Rilke, Albin Egger-Lienz, Anton Faistauer, Anton Kolig, Ferdinand Andri, Alexander Demetrius Goltz, Oskar Laske, Karl Friedrich Gsur, Ludwig Heinrich Jungnickel, Alexander Pock, Oskar Kokoschka, Alfred Hollitzer, Ludwig Hesshaimer, Fritzi Ulreich, Oswald Roux, Ludwig Heinrich Jungnickel, Egon Schiele und Adolf Helmberger werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt, auch wenn oft nicht gesichert ist, ob sie tatsächlich und belegt Mitglieder des KPQ waren oder bloß in dessen Einflussbereich wirkten. Es existieren heute mehrere Namens- und Präsenzstandlisten des KPQ, die unvollständig sind und sich stark voneinander unterscheiden, eine exakte Anzahl der beim KPQ und seiner Untergruppen beschäftigen Personen war bislang nicht festzumachen. Die zusammengefasste Anzahl wird etwa bei Wikipedia mit 550 Künstlern und Journalisten festgesetzt, Wladimir Aichelburg nennt alleine an Kriegsmalern 451 Namen. Eine dem Autoren vorliegende Auflistung mit dem Titel „Präsenzstand der Mitglieder des Kriegspressequartieres 1914/1918“ beinhaltet 346, eine weitere Liste aus den Beständen des Kriegsarchives 668 Personen; Klaus Mayer kam in seiner Dissertation auf einen Höchststand von 880. Die Untersuchung der genauen biografischen Verhältnisse und Zusammenhänge der einzelnen Personen und dem KPQ ist zukünftiger Forschungsarbeit vorbehalten; auf jedes einzelne Schicksal dieser Menschen einzugehen, würde den Rahmen dieses Essays bei weitem sprengen.


1 Karl Hans Strobl, Geschichten und Bilder aus dem KPQ, Wien 1928, S. 50.

2 Adalbert Stifter Verein, Musen an die Front! Schriftsteller und Künstler im Dienst der k.u.k. Kriegspropaganda 1914-1918, München 2003, Band 1, S. 12 f.

3 Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA), Kriegsarchiv (KA), AOK/KPQ (Armeeoberkommando/Kriegspressequartier), Dienstordnung 1917, zit. bei: Hildegund Schmölzer, Die Propaganda des Kriegspressequartiers im ersten Weltkrieg 1914-1918, phil. Diss, Wien 1965, S. 5.

4 Beim „Wunder von Karfreit“, der Zwölften (und letzten) Isonzoschlacht oder auch Schlacht von Karfreit (dem heutigen Kobarid, Slowenien), italienisch Battaglia di Caporetto; gelang Ende Oktober 1917 der Durchbruch an der Italienfront, wobei die verbündeten österreich-ungarischen und deutschen Truppen bis an die Piave gelangten.

5 Nina Schedlmayer, 1.Weltkrieg: Propagandamalerei im Schützengraben, in: Profil, Ausgabe 7. März 2014, online: http://www.profil.at/gesellschaft/1-weltkrieg-propagandamalerei-schuetzengraben-373278.

6 Vorschrift über die bildliche Berichterstattung im Kriege, k.u.k. Armeeoberkommano E-Nr. 4992, zit. bei: Adalbert Stifter Verein 2003, Band 2, S. 8-12.

7 ÖSta, KA, Armeeoberkommando, Kriegspressequartier, Schachtel 37, Konv. 42, fol. 351, zit. bei: Walter Kalina, Alexander Pock – Militärmalerei als Beruf. Katalog zur Sonderausstellung, Wien 2012, S. 19.8.

8 ÖSta, KA, Armeeoberkommando, Kriegspressequartier, Schachtel 37, Konv. 42, fol. 352, zit. ebenda.

9 Adalbert Stifter Verein (Hg.), Musen an die Front!, a. a. O., Bd. 1, 14.

10 ebenda.

11 ÖSta, KA, Armeeoberkommando, Kriegspressequartier, Schachtel 37, Konv. 42, fol. 355.

12 ÖStA, KA, AOK, KPQ, Fasz. 86 fol. 398, 29. Oktober 1918, zit. bei: Klaus Mayer, Die Organisation des Kriegspressequartiers beim k.u.k. AOK im ersten Weltkrieg 1914-1918, phil. Diss, Wien 1963, S. 19.

13 ÖStA, KA, AOK, KPQ, Fasz. 1-44, Reservatsbefehl Nr. 93, 23. Oktober 1918.

14 Karl Lustig Prean von Preansfeld: Aus den Geheimnissen des Kriegsarchivs, in: Neues Wiener Journal, Nr. 9519 vom 7. Mai 1920, S. 4.

Walter Kalina

Walter Kalina

OR Dr. Walter Kalina
Ich bin Kunsthistoriker und Historiker sowie Sammlungsleiter Kunst im Heeresgeschichtlichen Museum. Gemeinsam mit meinen sieben Mitarbeitern bin ich für die Verwaltung aller Objekte mit kunsthistorischem Bezug wie Gemälde, Druckgrafiken, Aquarelle und Handzeichnungen, Skulpturen und Plastiken sowie Miniaturen zuständig. Dies umfasst u. a. Ausstellungswesen, Leihverkehr, Akquisition, Konservierung, Restaurierung und Depotwesen. Weiters bin ich referatsübergreifend auch für die Provenienzforschung im Sinne des Bundesgesetzes über die Rückgabe von Kunstgegenständen (BGBl. I, 181/1998) verantwortlich. Darüber hinaus liegen meine Forschungsinteressen in der Kunst- und Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, besonders des Dreißigjährigen Krieges; sowie der Kunst des Ersten Weltkrieges mit dem Schwerpunkt Kriegsmaler im k.u.k. Kriegspressequartier.

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