HGM Wissensblog

Camouflage – militärische Notwendigkeit oder „Modetrend“

Die „battle-dress˝ des Österreichischen Bundesheeres im Wandel der Zeit.

Im Krieg sollte sich ein jeder Soldat mit hellen Farben kleiden, karminrot, weiß, blau, gelb oder violett bzw. einfach alle diese Farben mischen, um sich deutlich erkennbar zu machen; gerade fröhliche Farben dienen nämlich dem Soldaten, um sich auf dem Schlachtfeld profilieren zu können. Dunkle Farben wie beispielsweise Grün, die sich kaum von der Farbe des Feldes abheben, werden nur von gewöhnlichen Soldaten getragen.

Autor: Isidoro von Almeido (16..Jahrhundert) - Quelle: Rolf Wirtgen (Hg.), Uniformen in den NATO-Staaten 1900 bis heute, Herford – Bonn 1989, 180.

Der Einsatz fordert die Mittel …

Spezialeinsatzkräfte müssen stets unmittelbar für jeden Einsatzort – ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft – vorbereitet und demzufolge bestmöglich ausgerüstet sein. Oftmals hängt die Entscheidung über den tatsächlichen Erfolg oder Misserfolg ihrer Missionen nicht zuletzt davon ab, wie gut es den Soldaten gelingt, sich unerkannt im jeweiligen Einsatzgebiet zu bewegen – ob im urbanen Gelände, in der Wüste oder in waldreicheren Gegenden. Gerade die Wahl der passenden Kleidung stellt dabei immer wieder einen wesentlichen, wenn nicht sogar entscheidenden Erfolgsfaktor dar.

Der Wunsch des Militärs, das Aussehen seiner Soldatinnen und Soldaten ihrer (Einsatz-)Umgebung besser anzupassen, ist resultiert aus dem – seit Beginn des 20. Jahrhunderts – „neuen“ Verständnis heraus, sich als Soldat nicht mehr nur präsentieren, sondern vielmehr dem militärischen Gegner möglichst wenig Sicht und somit „Angriffs-“Fläche bieten zu wollen. Praktisch bei allen europäischen Armeen kam es daher bereits unmittelbar vor bzw. während des Ersten Weltkrieges zu verschiedenen Neuentwicklungen und in den letzten beiden Kriegsjahren auch verstärkt zur Einführung neuer Uniformfarben und -stile.

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Permanente Ausstellung "Erster Weltkrieg" im HGM: Stahlhelm M.1916 in Tarnfarbe, Deutsches Reich. (HGM/MHI)

Erstmalig sollte es dabei auch zum Einsatz von Tarnstoffen („Camouflage“) nicht nur bei Waffen und Gerät, sondern auch beim sogenannten „Kleid“ des Soldaten selbst kommen. Denn gerade die neuen militärischen Taktiken, vor allem jedoch die fortschreitende Entwicklung und der verstärkte Einsatz moderner Waffentechniken ließen den – „visuellen“ – Schutz für die Soldaten auf den Schlachtfeldern immer wichtiger erscheinen.1

Die Sprache der Uniform …

Die Angewohnheit, seinen Status als Krieger besonders hervorheben zu wollen und damit auch die innerhalb der Gesellschaft gewünschte Sonderstellung des Militärs zu unterstreichen, hatte sich praktisch jahrhundertelang gerade durch die besondere Kleidung der Soldaten ausgedrückt.

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Uniformentwürfe für Dienst-, Kampf- und Ausgehanzug für Mannschaften und Offiziere des Österreichisches Bundesheeres aus dem Jahre 1955, Aquarell auf Papier, 25,4 x 36,4 cm, signiert rechts unten: „Schönplug“. (HGM/MHI)

Unter Verwendung von „Hilfsmitteln“ wie etwa dem Hervorrufen breiterer Schulterpartien durch Schulterstücke/Epauletten bzw. unter Verwendung besonders hoher Kopfbedeckungen wie z. B. der Grenadiermützen usw. versuchten die Soldaten anno dazumal, ihrem Gegenüber verstärkt zu imponieren und sich ihrerseits dadurch auch relativ einfach rein optisch von der zivilen Umgebung abzugrenzen.

Nicht nur das Aussehen der Uniform als charakteristisches Unterscheidungsmerkmal zwischen Soldaten und Zivilisten, sondern auch der Schutz, den die Uniform ihrem Träger gewährt und den die Uniform als Kennzeichen des Soldaten genießt, ist von essentieller Bedeutung. Die Uniform ist nicht unveränderlich und starr, sondern einem steten Wandel unterworfen, denn das Aussehen der Uniform ist Zweckmäßigkeitsüberlegungen, taktischen und operativen Überlegungen, Fortschritten in der Technologie sowie dem Diktat der jeweiligen Mode unterworfen.

Autor: Obstlt IntD Dr. Schimon (1984)

Herrschte zu Beginn der Neuzeit auf den Schlachtfeldern noch eine geradezu irrwitzige Farben- und Formenvielfalt, so sollte sich dies im Laufe der Jahrhunderte – nicht zuletzt aufgrund der hohen ärarischen2 Herstellungskosten – ändern und einer immer einheitlicheren, d. h. „uniformeren“, Kleidung Platz machen. Doch trotz der Verwendung unterschiedlicher Stoffe, Farben und Formen versuchte man stets, einen gewissen „nationalen“ Charakter bei der Uniformierung der Armeen zu entwickeln und diesen – nach Möglichkeit auch langfristig – zu wahren. Die Uniform war somit seit jeher auch ein sichtbares Zeichen für diesen – auch innerhalb der Gesellschaft. Während das Aussehen der Uniform jeweils Auskunft über die vorherrschenden Traditionen gab, vermittelte die Qualität des Materials oftmals – leider sogar nur allzu deutlich –, was der Soldat seinem Land tatsächlich wert war.3

Aller Anfang ist schwer…

Im Unterschied zu dem praktisch jahrhundertlangen Bestand der charakteristischen perlgrauen bzw. „weißen“ Uniformierung der habsburgisch-kaiserlichen4 Armeen kam es seit der Neuaufstellung des Österreichischen Bundesheeres – im Jahre 1955 – zu einer wahren Formen- und Farbenvielfalt, die dem Militär hierzulande bislang in diesem Ausmaß unbekannt geblieben war. In dem vergleichsweise kurzen – historischen – Zeitraum von nur knapp 60 Jahren kam es zur Einführung von insgesamt annähernd einem Dutzend verschiedener neuer militärischer Adjustierungen. Bei Form und Farbe offenbarte sich dabei stets eine Kontroverse zwischen „reaktionären“ und „progressiven“ Kräften, die auf der Auseinandersetzung zwischen den Erfahrungswerten der „Veteranen“ und den „Geschmäckern“ jüngerer Berufsoffiziere beruhte – an sich kein rein österreichisches Phänomen.
Unter dem Titel der immer wieder behaupteten „militärischen Notwendigkeit“ versuchten beide Strömungen gleichermaßen, immer wieder ihren Einfluss geltend zu machen. Während die älteren Generationen eher danach trachteten, Teile ihrer Uniformierung – traditionellerweise – zu halten, waren die jüngeren Jahrgänge immer wieder von den jeweiligen Strömungen der zivilen Mode ihrer Zeit beeinflusst und suchten nach Veränderungen. Letzten Endes konnte und sollte man jedoch immer wieder eine – gerade in Österreich oftmals so typische – Kompromiss-Lösung finden.
Obwohl Österreich zwischen 1945 und 1955 über keine eigenen Streitkräfte verfügen durfte, war bereits lange vor dem Ende der Besatzungszeit damit begonnen worden, mit wohlwollender Unterstützung – besonders – der westlichen Alliierten, die Basis für eine neue militärische (Streit) Macht in Österreich zu schaffen. Diese zunächst geheimen Vorbereitungen gipfelten schließlich 1952 in der Aufstellung der ersten „militärischen“ Gendarmerie-Einheiten („B“-Kräfte) in den westlichen Besatzungszonen, die vor allem auch hinsichtlich der Ausrüstung von den westlichen Alliierten profitieren sollten.5

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Ausbildung von B-Gendarmen am leichten US-amerikanischen Maschinengewehr. (HGM/MHI)

Im Mai 1955 musste man dennoch praktisch bei null beginnen, um nach dem Abzug der Besatzungstruppen die Unabhängigkeit der jungen Republik Österreich auch durch die wiedergewonnene Wehrhoheit erneut nach außen sichtbar manifestieren zu können. In ihrem aufrichtigen Bemühen, dieses Symbol der wiedergewonnenen Souveränität zu installieren und zu präsentieren, versuchten die damaligen Politiker, gerade auch bei der Uniformierung dieser nunmehr wieder föderalen Armee einige alt-österreichische Traditionen zu wahren bzw. wieder aufleben zu lassen.

In jedem Staatswesen lässt kaum etwas anderes so ausgeprägt die Nationalität erkennen, wie die militärische Uniform.

Autor: Herbert Knötel (1956) - Quelle: Herbert Knötel, Politik und Uniform, unveröffentl. Manuskript, 1956

Das größte Problem war dabei von Anfang an, die Frage der Finanzierung zu klären. Ohne die notwendigen Ressourcen blieb die Ausrüstung des eigenständigen Österreichischen Bundesheeres schwierig und beruhte zumeist auf Improvisationen. So sahen sich denn auch die ersten 28.000 österreichischen „Jungmänner“, die im Jahr 1955 erstmalig ihren Weg in die Kasernen antraten, zunächst auch noch mit einem wahren Sammelsurium von Waffen, Uniformen und Ausrüstung der verschiedenen ehemaligen Besatzungsmächte (von Ost und West) konfrontiert, die dem Aussehen des jungen Bundesheeres in weiterer Folge eine unvergleichliche Vielfalt gaben.

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Vorführung verschiedener Uniformen für das Österreichische Bundesheer in der Fasangartenkaserne (heutige Maria-Theresien- Kaserne), Wien im September 1956 (nach einem Original der Firma Votava). Die Soldaten tragen auf dieser Aufnahme mit zwei Ausnahmen die herkömmliche Ü(bungs)-Garnitur aus dem Jahre 1955. Die dritte Person von links und jene ganz rechts tragen zwei verschiedene Muster von einfarbigen Kampfanzügen.

Zivilanzug versus militärisches Selbstbewusstsein

Eine eigene Dienstuniform für die österreichischen Soldaten sollte schließlich im Jahre 1956 erstmalig eingeführt werden. In Schnitt und Form ähnelte ihr Aussehen vielmehr einem zivilen Anzug denn einer militärischen Uniform. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem das seinerzeitige politische Denken und der Wunsch, das Neutralitäts-„Bewusstsein“ der jungen Republik auch unmittelbar bei jenen sichtbar zum Ausdruck zu bringen, die diese wiedergewonnene Wehrhoheit nach außen hin repräsentierten.

Die Uniform ist ein wesentliches Attribut des Soldaten, sie gibt ihm Haltung und kann ihn, überhaupt wenn sie schick, soldatisch – somit männlich – gemacht ist, stolz auf seine „Montur“ sein lassen.

Autor: Helmut Krauhs (1963)

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Die ersten Uniformen des neuen Bundesheeres aus den Jahren 1956/57. (HGM/MHI). Die Tuchuniform M56 bestand aus dem sogenannten Tuchrock, der über einen Fassonkragen mit aufgelegten Dienstgradabzeichen verfügte und jeweils mit zwei aufgesteppten Brustund Seitentaschen versehen war, sowie der dazu passenden eisengrauen Tuchhose, die mit einem feldgrauen Baumwollfutter gefüttert war. Auf dem Bild zu sehen (v.l.n.r.) ein Feldjäger im Dienstanzug (B-Garnitur) mit dem US-amerikanischen Innenhelm zum M1, ein Wachtmeister der Infanterie im Ausgangsanzug (A-Garnitur) sowie ein Panzerschütze mit der im Jahre 1957 eingeführten Panzerjacke und der Feldkappe ohne Schirm im Ausgangsanzug.

Die neue Adjustierung, die sich in einer Art Mischform manifestierte, lehnte sich in ihrem Aussehen sowohl an die Uniformierung der Nachbarländer des Warschauer Paktes als auch an jene der Mitgliedsstaaten der NATO an. Diese Uniform, zunächst Kampfanzug und Ausgangsuniform6 zugleich, war grundsätzlich für alle Angehörigen der österreichischen Armee vorgesehen – außer zunächst für die Soldaten der Panzertruppen7 – und wurde somit unmittelbar zu einer Art Einheitsuniform. Dazu mussten die Soldaten sowohl im Dienst als auch zum Ausgang das feldgraue Uniformhemd mit Krawatte tragen. Eine Vorschrift, die kurioserweise auch für die Gefechtsausbildung vorgesehen war und damit mehr als deutlich den Wunsch nach einem fast zivil anmutenden Uniformstil zum Ausdruck bringen sollte.
Doch auch nach Schaffung dieses einheitlichen Modells bedurfte es nach wie vor großer Teile der Ausrüstung, des Materials und nicht zuletzt auch der Uniformierung, welche von den ehemaligen Besatzungsmächten zurückgelassen worden war.8 Diese bereicherten den seinerzeitigen „Kostümball“ um ein Vielfaches, sodass immer wieder Stimmen laut wurden und vehement eine eigenständige Entwicklung für einen eigenen österreichischen Kampfanzug forderten.

Die Uniform, die man aus Kostengründen schonen
musste …

Relativ rasch, vor allem insbesondere in Folge der Krise an der ungarischen Grenze im Jahre 1956, wurde in Österreich die Notwendigkeit zur Schaffung einer echten eigenen battle-dress erkannt und dementsprechende Initiativen zur Entwicklung eines Kampfanzuges mit dazu passender Ausrüstung gesetzt. Das Ergebnis lag bereits ein Jahr später vor. Es handelte sich dabei um einen Tarnanzug aus wasserdichtem Gewebe, der die bereits während des Zweiten Weltkrieges bewährte Verwendung eines Musters verschiedener Farben aufgriff.9 Dieser sogenannte österreichische „Fleckerlteppich“ aus Baumwollatlas wurde hierfür außen mit einer Fünf-Farben-Tarnung bedruckt, welche zwei verschiedene Schattierungen von Braun sowie grüne und graue Punkte bzw. Flecken auf einem pink-bräunlichen Hintergrund aufwies. Die Innenseite des Kampfanzuges blieb hingegen weiß, um im Wendeverfahren auch für den Winter für eine optimale Tarnung im Gelände zu sorgen.

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Der im Jahr 1957 eingeführte „Fleckerlteppich“ des Österreichischen Bundesheeres. (HGM/MHI) Neben dem Infanteristen im Feldanzug (links), der bereits mit der neuen Ausrüstung (aus dem Jahre 1958) und dem StG 58 ausgestattet ist, steht ein Oberleutnant der Panzertruppe mit Pelzmütze.
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„Wandel im Uniformwesen“ – Modeschau der HBA Brunn, Rathausplatz, 26. Oktober 2005. (HBA Brunn)

Der Kampfanzug selbst bestand aus einer Jacke mit Kapuze sowie der dazu passenden, ebenfalls im Tarnmuster ausgeführten Kampfanzugshose. Je nach Witterung war vorgesehen, im Winter entweder unter dem Kampfanzug die Uniform M56 bzw. bei wärmeren Temperaturen allenfalls nur das Feldhemd als oberstes Kleidungsstück zu tragen.10 Erst 1958 sollte ein besserer Kälteschutz in Form eines abgesteppten, aus grauer Wolle gefertigten „Zwischenanzuges“, bestehend aus Jacke und Hose, eingeführt werden. Dieser sollte jedoch das An- und Ausziehen noch komplizierter gestalten und zu viel Unmut bei der Truppe führen.11 Erwähnenswert erscheint auch der Umstand, dass zunächst keine Rangabzeichen vorgesehen waren.12 Der neue Kampfanzug war an sich kaum geschätzt und es galt, zahlreiche Verbesserungen vorzunehmen. So gerieten die Soldaten beispielsweise gerade bei warmem, feuchtem Wetter sehr leicht ins Schwitzen, da die Montur zunächst über kaum ausreichende Luftdurchlässigkeit verfügte. Auch bei der Ausführung der Jacke traten immer wieder Probleme auf, indem diese oftmals zu kurz oder zu lang bemessen war. Viele Details konnten erst knapp zwei Jahre später mit der Einführung des Nachfolge-Modells M59 „nachgebessert“ werden.

Eine finanzielle „Notlösung“ als Dauerprovisorium …

Neben all den Fragen des „Tragekomforts“ waren dem Bundesminister(ium) für Landesverteidigung bei der Ausstattung des Österreichischen Bundesheeres mit der neuen Adjustierung vor allem die hohen Produktionskosten ein Dorn im Auge. So kam es zu einer der wohl kuriosesten „militärischen“ Entscheidungen: Zur „Schonung“ des teuren Materials durfte der Kampfanzug nur auf besondere Weisung höherer Kommanden getragen werden und auch dann nur im Einsatzfall gemäß § 2a des Wehrgesetzes, d. h. dem Schutz der Grenzen, bzw. in weiterer Folge auch bei den damals noch jährlich stattfindenden größeren Manövern.13

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Der kostengünstigere und schonende Schutzanzug. (HGM/MHI) Im Ausbildungs- und Gefechtsdienst wurden weiterhin vielfach US-amerikanische Ausrüstungsgegenstände getragen.

Um mit der engen finanziellen Situation besser auszukommen und gerade für die Ausbildung sowohl die Errungenschaften der Uniform 56 als auch des Kampfanzuges M57 zu erhalten, suchte man nach einer Art Zwischenlösung, die 1959 in einem eigens hierfür geschaffenen Drillichanzug gefunden wurde. Diese neue strapazierfähige Adjustierung war erneut einfarbig, in Feldgrau gehalten und bestand aus Jacke, Hose und einer dazu passenden leichten Feldkappe. Die Verwendung war für den Ausbildungsdienst sowie bei Übungen vorgesehen und diente speziell dem sorgsamen Umgang mit dem kostbaren und teuren (Uniform-)Material.

Gut gemeint ist meist nur halb gewonnen …

Als ein Jahr später – im Jahre 1960 – österreichische Soldaten erstmalig zu einem UN- Einsatz in den Kongo aufbrechen sollten, stand man seitens der militärischen Führung vor dem Dilemma, über keinerlei entsprechend geeignete Adjustierung für eine solche Auslandsmission zu verfügen. Da der Einsatz unmittelbar bevorstand, musste jedoch rasch gehandelt und eine Lösung gefunden werden.
Das Resultat war schließlich eine in Khaki gehaltene „Tropen-Uniform“ nach englischem Schnitt bzw. vielmehr belgischem Vorbild, die den Anforderungen des afrikanischen Klimas bestens angepasst sein sollte. Allein neben der grundsätzlichen Problematik der optischen Unterscheidung zu den ehemaligen – belgischen – Kolonialkräften im Kongo14 waren das verwendete Material sowie die Stoffqualität für die tropischen Temperaturen überhaupt nicht zweckmäßig und erschwerten den Dienst des eingesetzten österreichischen UN-Sanitätspersonals zusätzlich. Es mussten zahlreiche Adjustierungsänderungen bzw. „Trageerleichterungen“ vorgenommen werden, um diese neue Adjustierung den Gegebenheiten vor Ort besser anpassen zu können.
Beim nachfolgenden Einsatz österreichischer UN-Soldaten auf Zypern im Jahre 1964 erwies sich die khakifarbene „Tropen-Uniform“ jedoch letztlich für die dortigen trockeneren Klimazonen weitaus besser geeignet. Dennoch sollten auch hier österreichischen UN-Kräfte in der Folge mehr und mehr auf das sogenannte UN-green zurückgreifen, welches sich bei den kanadischen Streitkräften bereits seit dem Koreakrieg im Einsatz entsprechend bewährt hatte.

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Die Tropenuniform für die ersten UN-Sanitätskontingente des Österreichischen Bundesheeres. (HGM/MHI)

Gut Ding braucht Weile …

Uniformen wurden und werden nach wie vor in praktisch allen Armeen der Welt immer wieder neu gestaltet bzw. neue Formen und Farbmuster verwendet.

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Briefmarke der österreichischen Post mit Angehörigen des Österreichischen Bundesheeres 1969

Maßgeblich hierfür sind vor allem geänderte Zwecke/Funktionen der Bekleidung selbst, die mit etwaigen neuen Kampfverfahren bzw. der Weiterentwicklung der Kriegstechnik zusammenhängen. Hinzu kommen aber auch immer wieder neue und verbesserte Werkstoffe sowie produktivere Fertigungstechnologien, wie bestimmte Auswirkungen im Bereich der militärischen Bekleidungsindustrie zeigen. Werden Änderungen der ersten oder zweiten Art notwendig, erheben sich zumeist gleichzeitig auch immer wieder kritische Stimmen, die dem äußeren Erscheinungsbild der Soldatinnen bzw. Soldaten gelten.

Ebenso wie in anderen Armeen wird auch in Österreich die militärische Bekleidung zweckbedingt von den jeweils zuständigen Fachleuten begutachtet, vielfach diskutiert und letztlich nach den Maßgaben eine Entscheidung für oder gegen das jeweilige Produkt gefällt. Um den Bedürfnissen der Armee weitestgehend gerecht zu werden, waren bereits im Jahre 1955 eigene Kommissionen geschaffen worden, die sich mit Fragen der Adjustierung, aber auch der (Mannes-)Ausrüstung beschäftigten.15 Diese Arbeitsgruppen setzten sich im Allgemeinen sowohl aus verschiedenen – zivilen – Experten aus dem Bereich Textil bzw. der Mode sowie hochrangigen Offizieren des Österreichischen Bundesheeres zusammen.
Im Jahre 1967 erhielt die Uniformkommission den Auftrag, ein neues Modell für einen österreichischen Kampfanzug zum „universellen“ Einsatz auf Basis der Vorgängermodelle M57 bzw. M59 zu entwickeln. Das neue Outfit, welches nach zweijähriger Entwicklung präsentiert wurde, stellte an sich keine wirkliche „Revolution“ dar. Der neue Kampfanzug M69 unterschied sich tatsächlich nur in einigen wenigen kleineren Details (u. a. Wegfall von Taschen, Reißverschlüssen und Gummizug am Saum, Verstärkungen an den Ellenbogen etc.), die diese Adjustierungen zunehmend funktionaler erscheinen lassen sollten. Das System des fünffärbigen Tarnmusters auf der Außen- und dem schlichtem Weiß auf der Innenseite wurde indes bewusst beibehalten.

Link zu unserem YouTube-Channel: Vizedirektor HR Dr. Christoph Hatschek geht ins Detail – Alles Wissenswerte über den Kampfanzug M69.

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Innenseite des Kampfanzuges. (HGM/MHI)

Allerdings erkannte man offensichtlich schon damals, dass dies keinesfalls der Weisheit letzter Schluss sein konnte, und führte die Entwicklung zu einer moderneren und komfortableren Kampfadjustierung nebenher weiter. Dem internationalen „Trend“ folgend bestand vor allem das seinerzeitige Bemühen darin, die unterschiedlich färbige Tarnkleidung letztlich zu Gunsten einer einfarbigen, jedoch weiterhin optimalen tarnfähigen Adjustierung aufzugeben.

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Die Adjustierung der österreichischen UNTruppen Anfang der 1970er Jahre. (HGM/MHI)

Altbewährt ist halbgewonnen

Anfang der 1970er Jahre plötzlich erlebte – knapp zehn Jahre nach seiner Einführung – der graue Drillichanzug ein unerwartetes Comeback. In Folge der neuen Heeresgliederung und der Aufstellung der sogenannten Bereitschaftstruppe (BT)16 im Jahre 1972 war die Verwendung dieser wiederentdeckten früheren Adjustierung als neuer einheitlicher Kampfanzug verfügt worden – allerdings in einer etwas „modischeren“ Form.
Der graue Arbeitsanzug erfreute sich damals sogar einer besonderen Beliebtheit, da es dadurch auch zu einer sichtbaren Abgrenzung seiner Träger von den Angehörigen der Landwehr(reserven) kam, die den „Fleckerlteppich“ weiterhin – zum Teil bis in die 1990er Jahre – zu tragen hatten.17 Auch bei den Auslandseinsätzen sollte der sogenannte BTDrillich
neben dem „UN-green“ als Dienst- und Wachanzug bei den österreichischen Soldaten Verwendung finden.18

Sich „pellen“ wie eine Zwiebel …

Nach jahrelanger Erprobung wurde am 14. Oktober 1974 ein neu entwickelter Feldanzug des Österreichischen Bundesheeres in der Maria-Theresien-Kaserne in Wien erstmalig der Presse vorgestellt. Dieser sollte die an ihn gestellten Anforderungen, nämlich jene eines Dienst- und Kampfanzuges, der sowohl für Offiziere, Unteroffiziere als auch Mannschaften gleichermaßen als neue Adjustierung diente, optimal repräsentieren. Es war vorgesehen, dass künftig keinerlei Unterschied mehr zwischen der aktiven Truppe und den Reservekräften vorgenommen werden sollte. Zwar sollten alle Truppenteile umgehend mit dem neuen Feldanzug 75 ausgestattet werden, allerdings besaß man noch große Restbestände an alten Uniformen.

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Verschiedene Adjustierungen des Feldanzuges 75. (HGM/MHI) Neben der Uniform selbst war auch eine vollständig neue, besser angepasste und geeignetere Mannesausrüstung mitentwickelt worden, die in den folgenden Jahren nur noch in kleineren Details geändert werden sollte. ( siehe: Urrisk, Uniformen, 102ff.)

Die Grundidee des neuen Feldanzuges M75 war das sogenannte „Zwiebelschalensystem“, welches grundsätzlich den Tragekomfort für die Soldaten verbessern, das An- und Ausziehen erleichtern und beste Voraussetzung für die Nutzung bei unterschiedlichen Temperaturen bieten sollte. Der Feldanzug bestand demzufolge aus mehreren Schichten, die je nach Witterung übereinander getragen bzw. derer man sich in der wärmeren Jahreszeit auch wieder entledigen konnte. Hinsichtlich der Farbgebung entschied man sich für eine einfarbige, graubraune Grundfarbe – RAL 7013 –, die sowohl am Tag als auch bei Nacht sehr gute Tarneigenschaften, insbesondere auch im Infrarotbereich, aufgewiesen hatte.

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„Zwiebelschalensystem“ (HGM/MHI)

Erstmalig waren bei der damaligen Entwicklung auch neue textiltechnische Erkenntnisse berücksichtigt bzw. war auf die physiologischen Bedürfnisse der Truppe geachtet worden. Die Uniform, welche aus 65 % Polyester und 35 % Viskose gefertigt war, bot optimalen Schutz gegen Nässe und Kälte und war nur sehr schwer entflammbar. Aufgrund des eher körperbetonten Schnitts entsprach sie allerdings kaum dem damaligen – zivilen – Modetrend. Der Umstand, dass sich das Material als besonders pflegeleicht erwies, machte diesen „Nachteil“ nach den anstrengenden Strapazen eines Gefechtsdienstes jedoch schnell wieder vergessen, sodass der neue Feldanzug von den Soldaten allgemein sehr geschätzt wurde.

Für mich ist es aber verständlich, dass ein junger Mann eher zu der Uniform in olivbraun tendiert, und bei Übungen, an denen Truppen unterschiedlicher Adjustierung teilnehmen, der Soldat im Tarnanzug, der meist noch dazu Reservist ist, sich etwas zurückgesetzt fühlt.

Autor: LH von Wien Leopold Gratz an BM Rösch, 1982

Neue Einsatzarten erfordern ein Umdenken …

Mehr als 25 Jahre sollte diese Form der Adjustierung den Idealtypus der österreichischen Militäruniform darstellen und praktisch kaum Veränderungen erfahren. Erst ab den frühen 1990er Jahren wurden die Stimmen nach Veränderungen immer lauter. Zum einen hinterfragte man die Funktion des Feldanzuges 75 sowohl als Dienst- als auch als Gefechtsanzug und insbesondere in Hinblick auf die neuen Anforderungen, die sich durch den verstärkten Einsatz österreichischer Soldaten in den weltweiten Krisengebieten ergaben, zum anderen schien die Zeit reif für einen neuerlichen Wandel.
Die ersten Zugeständnisse erfolgten im Jahre 1996/97 mit der Einführung des neuen KEVLAR-Helmes sowie kugelsicherer Westen19, wobei Letztere größtenteils von der französischen Armee übernommen wurden und daher auch deren Tarnmuster trugen. Es wurden jedoch darüber hinaus, gerade im Bereich der Forschung und Entwicklung, weitere Anstrengungen unternommen, mit der Industrie noch enger zusammenzuarbeiten und gleichzeitig den Anforderungen des Militärs nach mehr persönlichem Schutz für die Soldatinnen und Soldaten Rechnung zu tragen. Die größte Herausforderung bei dieser gesamten Entwicklungstätigkeit blieb, die Frage hinsichtlich der Finanzierung einer allfälligen Neuadjustierung zu klären. Gleichzeitig schwelte nach wie vor der „Generationen“-Konflikt: Während hoch- und höherrangige Offiziere sich für eine wirtschaftlich günstigere und letzten Endes „traditionelle“ Beibehaltung einer monochromen, d. h. der RAL-farbenen, Kampfadjustierung einsetzten, folgten jüngere Jahrgänge der Theresianischen Militärakademie vielfach dem – internationalen – Trend hin zu einer mehrfärbig getarnten, camouflageartigen „battle-dress“ – à l‘americaine.
In diese scheinbar nicht enden wollende Diskussion griff schließlich im Jahr 2000 der damalige Verteidigungsminister, Herbert Scheibner, persönlich ein. Er, der selbst Reserveunteroffizier war, unterstützte dabei als zuständiger Ressortleiter vor allem den deutlichen Wunsch „seiner“ im Auslandseinsatz befindlichen Soldaten.

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Angehörige der österreichischen IFOR-Truppen im Einsatzraum. (BMLVS/HBF)
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Verabschiedung/Rückkehr in den/vom Einsatzraum von ATHUM/MOC 2000. (BMLVS/ HBF)

Gemäß ministerieller Weisung sollten rasch Veränderungen im Bereich des Uniform- und Ausrüstungswesens vorgenommen werden, die nicht nur im Hinblick auf den Schutz der Soldaten eine Verbesserung darstellen, sondern auch dem Tragekomfort entgegenkommen sollten. Der durchaus berechtigte Einwand der unmittelbaren Schaffung einer erneuten „Zwei-Klassen-Armee“ fand indes kein Gehör. Ganz im Gegenteil: Der neue Trend, die Einheiten für die Auslandseinsätze zu Lasten der heimischen Truppen verstärkt und besser auszurüsten, sollte fortan Usus werden.
Die Soldaten des humanitären österreichischen Mosambik- Hilfskontingents (ATHUM/MOC) waren die ersten, die mit einer dem lokalen Klima besser angepassten Uniform ausgestattet wurden.20 Während man dabei auf Teile der „alten“ 75er-Adjustierung (u. a. Schuhwerk, Kopfbedeckung etc.) nicht ganz verzichten konnte, wählte man für diese neue „Tropen“-Uniform eine Drei-Farben-Tarnung, die jener des US-amerikanischen Modells entsprach, welche bereits seit den 1990er Jahren im Bereich der Golfregion erfolgreich zum Einsatz gekommen war. Diese Uniform erfreute sich von Beginn an bei den Soldaten besonderer Beliebtheit, da sie als besonders „militärisch“ betrachtet wurde.21 Doch war sie von ihrer Farbgebung völlig atypisch für das Österreichische Bundesheer und sollte in weiterer Folge bei der Kennzeichnung des nationalen Charakters sowie bei der Wahrung der „Neutralität“ seiner Träger zu gröberen Problemen führen.

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Angehöriger des UNDOFKontingents. (HGM/MHI )

Gerade weil der neue Wüstenanzug – ab Juli 2002 – auch für die Soldaten des österreichischen UN-Kontingents am Golan (UNDOF) zur Ausgabe gelangte, entstanden vielfach Irritationen vor allem mit der arabisch-stämmigen Bevölkerung, die man durch kleinere Details (u. a. Anbringung der Namen in arabischer Schrift, Ärmelbadges etc.) auszubessern versuchte. Letzten Endes führte man jedoch diese Entwicklung nicht fort und schied die Uniformbestände in der Folge nach und nach wieder – möglichst sang- und klanglos – aus.

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Verteidigungsminister Platter stellt den neuen Kampfanzug vor, Juli 2003. (BMLVS/HBF)

Mehr Komfort, höhere Funktionalität

Hinzu kam, dass bereits seit dem Jahr 2000 Anstrengungen unternommen wurden, eine für die kommenden (Einsatz-) Aufgaben des Österreichischen Bundesheeres geeignetere Uniformierung zu finden, die den Bedingungen der jeweiligen Missionen/Einsätze vor allem auch im Ausland besser Rechnung tragen sollte. Die hierfür zuständige Entwicklungsabteilung im Bereich der österreichischen Heeresbekleidungsanstalt in Brunn (HBA) arbeitete für dieses Projekt eng mit verschiedenen zivilen Unternehmen zusammen, holte diesbezügliche Informationen bei ausländischen Armeen ein und erprobte die verschiedenen Entwicklungen mit den jeweiligen Einheiten des Österreichischen Bundesheeres. Bereits am 20. Juni 2001 konnten erste Entwürfe der neuen Uniformierung bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert werden.22 Es handelte sich erneut um eine einheitliche Adjustierung, die auf den bisherigen Kriterien („Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit“) beruhte. Jedoch sollte eine besondere Komplexität unter erstmaliger Berücksichtigung zahlreicher neuer physiologischer Aspekte herbeigeführt werden.

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„Wandel im Uniformwesen“ – Modeschau der HBA Brunn, Rathausplatz, 26. Oktober 2005. (HBA Brunn)

In weiterer Folge wurden aber noch bis 2002 fortlaufende Truppenversuche durchgeführt und nachträglich Verbesserungen eingearbeitet.23 Es gelang dadurch primär, dem – durchaus berechtigten – Wunsch der Truppe nach mehr Komfort, besserer Funktionalität sowie optimaler (Be)Nutzerfreundlichkeit nachzukommen.
Obwohl man sich seitens der Mitglieder der Uniformkommission zunächst für die Verwendung eines Tarnstoffmusters ausgesprochen hatte24, wurde dies von Seiten des Ministeriums erneut in Frage gestellt und nicht zuletzt aus Kostenüberlegungen nicht weiterverfolgt. Der neue Kampfanzug blieb in seiner Farbgebung typisch „österreichisch“ – d. h. in RAL 7013. Allein für Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz sollte in weiterer Folge eine weitere Version dieses Uniformtyps vorgesehen sein, die zwar im Schnitt identisch, jedoch für die wärmeren Klimazonen optimiert und sandfarben war – Hot-Weather Clothing (HWC) Modell (20)05.
Aufgrund des Umstandes, dass man aufgrund der Reduktion von Truppenteilen nach wie vor über große Bestände an Feldanzügen 75 verfügte, wurde die neue Uniform – so wie bisher – zunächst nur sehr sporadisch verteilt. Die ersten Truppenteile des Österreichischen Bundesheeres, welche in den Genuss der neuen Kampfadjustierung kommen sollten, waren primär jene für den Auslandseinsatz bestimmten Kaderpräsenzeinheiten (KIOP/KPE-Kräfte), welche ab 2005 sukzessive damit ausgestattet wurden.25 Für die überwiegende Mehrheit der Grundwehrdiener sowie für das Kaderpersonal und die Reservisten bildete der Feldanzug 75 weiterhin das universelle „Alltagskleid“.

Eins zu sein mit seiner Umgebung …

Bereits 2006 erfolgten neuerliche Tests in der Entwicklungsabteilung des HBA, um eine Optimierung der Tarnfunktion zu erzielen. Ein entsprechender Arbeitsausschuss des Heeres arbeitete dabei mit textilen Fachschulen zusammen und initialisierte Projekte wie „Project Chameleon Invisible“ (PIC) bzw. „Project Tarnmuster“ (PCP). Auf Basis der bereits bei den verschiedenen Armeen aktuell eingeführten Uniformen wurden Vergleiche angestellt und Tests durchgeführt, um den künftigen Anforderungen der österreichischen Soldaten (vor allem im Auslandseinsatz) besser entsprechen zu können.
Das Ergebnis dieser Entwicklung ist mit dem bereits seit 1992 eingeführten kanadischen Armeemodell vergleichbar. Es handelt sich dabei um ein digitales (Pixel-)Tarnmuster, das die Konturen vor dem menschlichen Auge unmittelbar verschwimmen lässt und auch in optronischen Aufklärungsmitteln wie etwa Nachtsichtgeräten Störungen hervorruft.26

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Bundespräsident Heinz Fischer bei der Vorstellung der Prototypen des neuen österreichischen Kampfanzuges in der HBA Brunn. (BMLVS/HBF)

Diese neue Einsatzadjustierung, welche zunächst in verschiedenen Ausführungen (urban-area, woodland, desert) getestet wurde, soll insbesondere jenen Soldatinnen und Soldaten eine Hilfestellung sein, die künftig bei speziellen Kommando-Missionen in bewaldeten Gebieten, städtischem Umfeld oder in der Wüste zum Einsatz kommen werden.

Schluss

Man hat im Bereich der Uniformierung des Österreichischen Bundesheeres nie ganz das Prinzip der Verwendung einer „Einheitsuniform“, d. h. einer sowohl für den Garnisons- als auch den Felddienst geeigneten Adjustierung verlassen. Dabei war es sicherlich nie ganz leicht, eine optimale Adjustierung zu finden, die sowohl „repräsentativ“ als auch gefechtsdiensttauglich gleichermaßen war. Letztlich zeichnete sich jedoch in den 1990er Jahren auch in Österreich der – internationale – Trend ab, jeweils gerade für den Auslandseinsatz geeignete und auf die jeweilige Mission besser abgestimmte Uniformen und Rüstteile zu entwickeln und dabei un/bewusst auch mehr und mehr auf nationale und traditionelle Stilelemente zu verzichten. Die technischen Beschränkungen beim Tarneffekt führten schließlich zu einem mehr oder weniger hohen Maß an Standardisierung der militärischen Kleidung bei faktisch allen Armeen. Aus dem Umstand heraus, dass die modernen Militärs darauf bedacht sind, sich optimal dem Gelände des heutigen Schlachtfelds anzupassen, verschwimmen vielfach die Grenzen. Die Zeiten, in denen es daher gelang, durch die Uniform noch recht einfach zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, gehören längst der Vergangenheit an.

Allerdings hat die Uniform damit eine ihrer ursprünglichen und wesentlichen Funktionen, die Unterscheidung von Freund und Feind, weitgehend verloren. Die Entwicklungsgeschichte der Uniform ist somit vorläufig zum Stillstand gekommen. Es bleibt abzuwarten, ob die weltumspannende Uniformität der Kriegstracht als sichtbarer Ausdruck des allgemeinen Wissens um die Zerstörungskraft moderner Waffen den Schlusspunkt für einen jahrhundertelangen Prozeß darstellen wird.

Quelle: E. Kainz – F. Mayer, Kleine Uniformfibel. Die österreichische Uniform im Wandel der Zeiten, Wien 1965.

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Soldaten des Jagdkommandos sind speziell ausgerüstet und „adjustiert“. (BMLVS/HBF, Tatic)

Literatur

Nicolae Baboi, Die Sprache der Uniform. In: Truppendienst 5/1999, 374f.

BMLV, Vorläufige Vorschrift des Militärwirtschaftsdienstes V. Teil, Bekleidung 1957, Neuauflage, Wien 1965

BMLV, Militärwirtschaftsvorschrift Anzug und Rüstung 75 (MWV AR-75), Wien 1975

BMLV, 25 Jahre Bundesheer der Republik, Wien 1980

Martin J. Brayley, Camouflage Uniformen. International Battle Dress 1940 – 2010, Ramsbury 2009

Peter Corrieri, Die Rüstung des Kleinstaates Österreich heute und morgen, Wien 1995

Guy Cramer, Dual Texture – U.S. Army digital camouflage, 2004

Fleischhacker – Seebald – Pawlowski – Rosenbaum, Der Einfluss des modernen Gefechtsbildes auf die Bekleidung und Ausrüstung, unveröffentl. Abschlussarbeit des 9. Intendanzkurses, 1985

Gerhard Forster – Peter Hoch – Reinhold Müller, Uniformen Europäischer Armeen, Berlin 1978

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Rolf M. Urrisk, Das österreichische Bundesheer 2000, Gnas 2000

Rolf M. Urrisk, Die Einsätze des österreichischen Bundesheeres im In- und Ausland von 1955 – 2001, Gnas 2001

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1 Gerade zu Beginn des Ersten Weltkrieges, als es zu einer massiven Steigerung der Feuerkraft auf den Schlachtfeldern kam und die Soldaten verstärkt im Stellungskrieg hohe Verluste hinnehmen mussten, sah man sich zwangsläufig mit dem Umstand konfrontiert, Uniformfarben zu finden und einzusetzen, die der Umgebung besser angepasst sein und somit den Schutz der in den Gräben eingesetzten Soldaten fördern sollten.

2 Mit dem Wandel von den zunächst nur für die Kriegszeiten aufgebrachten Söldnerheeren zu den stehenden Heeren gegen Ende des 16. Jahrhunderts ging gleichzeitig auch die Aufbringung
der Kosten auf den Staat über. Dieser hatte fortan nicht nur die Soldaten zu bezahlen, sondern auch für deren Ausrüstung zu sorgen. Sichtbares Symbol dieser immer wichtiger werdenden
Stütze der herrschaftlichen Macht war naturgemäß die Uniform der Soldaten, die ebenfalls nun vom Staat bereitgestellt werden musste.

3 Nicolae Baboi, Die Sprache der Uniform, in: Truppendienst 5/1999, 374f.

4 Erst nach der Niederlage bei Königgrätz (1866) kam es auch zu einer Neuadjustierung bei der k. (u.) k. Armee, deren Soldaten nach mehr als einem Jahrhundert ihre charakteristischen „weißen“ Uniformen gegen einen an dem preußisch-blauen angelehnten Waffenrock eintauschen und diesen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges führen sollten.

5 Christian Stifter, Die Wiederaufrüstung Österreichs. Die
Geheime Remilitarisierung der Westlichen Besatzungszonen
1945 – 1955, Innsbruck – Wien 1997 und Hermann Hinterstoisser – Fritz Unteregger, Die B-Gendarmerie. Organisation – Uniformierung – Bewaffnung, Wien 2006.

6 Für die Offiziere aller Waffengattungen war für den Ausgang
eine weitere Kammgarnausführung für den
Sommer, für die Unteroffiziere ab dem Jahr 1959 eine
Halbkammgarnuniform vorgesehen. Diese waren jedoch vom Design dem ursprünglichen Uniformmodell M56 sehr ähnlich und dementsprechend angepasst. Rolf M. Urrisk, Die Uniformen
des österreichischen Bundesheeres 1952 – 1995, Gnas 1994, 44.

7 Diese sollten erst ein Jahr später, 1957, die in ihrem Aussehen sehr ähnliche, neu eingeführte Panzerjacke erhalten.

8 Waffen und Geräte, welche die Alliierten in Österreich 1955 zurückgelassen hatten, waren keineswegs einheitlich und selten untereinander „kompatibel“.

9Das Prinzip wurde ab 1935 von Johann Georg Otto Schick im Auftrag der Waffen-SS in verschiedenen Varianten entwickelt. Daran angelehnte Muster sind bis heute praktisch nach wie vor weltweit im Einsatz. Andrew Mollo, Uniformen der Waffen-
SS. Bekleidung, Abzeichen, Ausrüstung, Ausstattung, Friedberg 1993.

10 Urrisk, Uniformen, 74.

11 Insgesamt waren hierzu sieben Schritte notwendig, wodurch sich ein enormer Zeitaufwand ergab.

12 Im Jahre 1959 wurden mit Erl. Zl. 221.905-Org/III/59 für den Kampf- und Drillichanzug sowie für das feldgraue Uniformhemd erstmals einheitliche Schulterklappen-Dienstgradabzeichen eingeführt.

13 Zur Ausbildung und für kleinere Truppenübungen fand hingegen weiterhin die Einheitsuniform M56 Verwendung.

14 Dies führte unmittelbar zur Verhaftung der Angehörigen
des ersten Kontingents nach ihrer Landung, da die lokale Bevölkerung sie fälschlicherweise für belgische Kommandosoldaten hielt. Rolf M. Urrisk, Die Einsätze des österreichischen Bundesheeres im In- und Ausland von 1955 – 2001, Gnas 2001, 112.

15 Neben einer eigenen Uniformkommission wurde auch die Arbeits-Gruppe Truppenausstattung und Mannesausrüstung (kurz
AGTAM) eingerichtet.

16 Von 1972 bis 1978 erfolgte eine als etappenweise einzustufende
Umgliederung des Bundesheeres und eine Trennung zwischen der Bereitschaftstruppe und der Landwehr.

17 Die Beliebtheit des Anzuges erscheint heute kurios. Doch konnte und wollte man sich dadurch deutlich im Erscheinungsbild von den Truppen der Landwehr unterscheiden. Umgekehrt sollte schließlich im Jahre 1989, als die letzten Landwehrbataillone auf den Feldanzug 75 „umgerüstet“ wurden, „aus Motivationsgründen“ um die Beibehaltung der Ausrüstung
ersucht werden (Schreiben des LWB 741 Zl.42.400/14/1989). Zur Ausstattung von „Feinddarstellern“ blieb der Kampfanzug jedoch auch weiterhin in Verwendung. Urrisk, Uniformen, 75 und 95.

18 HGM/MWI (Hg.), Das Heer der zweiten Republik Bundesheer.
Eine Dokumentation (= Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums, Bd. 9, Wien 1980), 173.

19 Der Auftrag zur Entwicklung eines eigenen Splitterschutzsystems, d. h. Kampfhelm und Weste, war bereits 1984 vom damaligen Verteidigungsminister Dr. Friedhelm Frischenlager erteilt worden. Nach umfangreichen Tests, der Fertigstellung des Pflichtenhefts 1988 und der weiteren Entwicklungsvorbereitung durch das Amt für Wehrtechnik und der Heeresbekleidungsanstalt Brunn konnten erst nach Sicherstellung der budgetären Mittel im Jahr 1996 die ersten 20.000 Stück des neuen Kampfhelmes beschafft werden. Truppendienst 4/1996, 350.

20 Ursprünglich war diese Uniform als Sonderbekleidung für den Einsatz österreichischer UN-Militärbeobachter bei MINURSO für Marokko vorgesehen gewesen. Auf Initiative des damaligen
Kontingentskommandanten Oberstleutnant Michael Schuster wurden die Uniformen schließlich jedoch an alle Angehörigen des ATHUM/MOC-Kontingents ausgegeben. Urrisk, Einsätze, 305 und Rolf M. Urrisk, Das österreichische Bundesheer 2000, Gnas 2000, 48; http://www.bmlv.gv.at/archiv/a2000/galerie.php?id = 742 &curr Rubrik = 42.

21 Besonders schwer wogen zahlreiche „Souvenirverluste“, die damals auch disziplinär zu ahnden waren. GZ51.100/0014-4.11/00 WIabteilung.

22 Erste Prototypen waren allerdings schon 1998 gefertigt worden.

23 http://www.bundesheer.at/truppendienst/ausgaben/a r t i k e l. p h p ? i d = 1 0 1

24 Der Tarnstoff („Camouflage“) war damals bereits teilweise angekauft worden. Siehe Anfragebeantwortung des Bundesministers für Landesverteidigung zum Kampfanzug Neu für das Bundesheer vom 30. August 2001 (2636/AB XXI.GP). Nach der Entscheidung für den Kampfanzugstoff RAL7013 wurde die Beschaffung des Camouflage-Stoffes jedoch umgehend storniert.

25 Gemäß Entscheidung des Generaltruppeninspektors wurden bereits ab dem Jahr 2003 das JgB17 und das JgB25 mit dem Kampfanzug Neu ausgerüstet.

26 http://www.bundesheer.at/cms/artikel.php?ID=5711.

Christoph Hatschek

Christoph Hatschek

Vizedirektor HR Mag. Dr. Christoph Hatschek
Ich bin seit 1998 am Heeresgeschichtlichen Museum in Wien tätig, und nehme aktuell als Referats- und Sammlungsleiter „Uniformen, Orden- und Ehrenzeichen, Ausrüstung sowie Insignien“ in weiterer Folge als Leiter der Abteilung für Sammlungen und Ausstellungen des Museums und schließlich als Vize-Direktor (seit 2015) gleichermaßen eine „Dreierfunktion“ wahr.

Gerade für die durchaus immer wieder intensive Vorbereitung von Ausstellungen, gilt es sich stets neuen Themen zu widmen und für diese entsprechend zu recherchieren. Interviews, Vorträge und Präsentationen zu militärhistorischen Themen runden das Arbeitsspektrum ab, wobei mein persönliches Interessensgebiet insbesondere im Bereich der Forschung zur historischen Entwicklung der Soldatinnen bei den Streitkräften sowie aktuell zur Geschichte des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik liegt.

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