HGM Wissensblog

Der Panzerjäger G-13 „Hetzer”

Seine Geschichte und Restaurierung im Heeresgeschichtlichen Museum

Nach Kriegsende bot sich für die Schweizer Armee die Gelegenheit, 150 Panzer des Typs G-13 zu günstigen Bedingungen aus Liquidationsbeständen zu erwerben. 1946 wurden 100 Stück, 1947 50 angekauft. Die Panzer wurden zunächst den leichten Brigaden zugeteilt und waren in drei Panzerjägerabteilungen zu je vier Einheiten gegliedert. Später teilte man sie den Felddivisionen zu und bildete drei Panzerjägerbataillone zu je drei Kompanien.

Als die Panzerjäger G-13 1973 durch Jagdpanzer vom Typ Centurion ersetzt wurden, war das Interesse an den damals 35 Jahre alten Panzern in der Schweiz und im Ausland sehr groß, da es sich um Fahrzeuge handelte, die schon in der Deutschen Wehrmacht eingesetzt worden waren. Das eidgenössische Militärdepartement übergab jeweils einen Panzer an das Landesmuseum in Zürich und an das Technorama in Winterthur, und auch Schweden, Frankreich, die USA, die Bundesrepublik Deutschland und Österreich erhielten einen Panzerjäger G-13 „Hetzer”. Am  wurde dieser dem Heeresgeschichtlichen Museum als Geschenk der Schweizer Armee an das Österreichische Bundesheer übergeben.

Die Geschichte des Panzerjägers G-13 „Hetzer“

Nach der Bombardierung und Vernichtung der Alkett-Werke, die das in der Panzerabwehr so erfolgreiche Sturmgeschütz III produziert hatten, war man auf der Suche nach neuen Produktionsstätten. Unter anderem wurde auch eine Sturmgeschütz-Fertigung in Prag bei der Böhmisch-Mährischen Maschinenfabrik (BMM) erwogen. Da deren Kapazitäten die Fertigung eines 24-Tonnen-Sturmgeschützes nicht zuließen, kam der Vorschlag, ein neues 13-Tonnen-Sturmgeschütz mit niedriger Silhouette, hoher Geschwindigkeit und schwacher Panzerung zu entwickeln.

Bereits am 17. Dezember 1943 wurden die Entwicklungszeichnungen für das 13-Tonnen- Sturmgeschütz vorgelegt, das aus Komponenten des Panzerkraftwagens (PzKW) 38(t), der bereits in hoher Stückzahl in allen möglichen Varianten in der Deutschen Wehrmacht eingesetzt war, und des neu entwickelten Aufklärungspanzers (PzKW) 38(t) n. A. gleicher Herkunft gebaut werden sollte. Auch die erfolgreiche 7,5 cm Panzerabwehrkanone (PAK) 39 (L/48) sollte verwendet werden.

Bereits am 18. Jänner 1944 fiel die Entscheidung, 1.000 leichte Panzerjäger 38(t) in Auftrag zu geben; am 28. Jänner wurde der Bau als „wichtigste Aufgabe der Kriegsindustrie für das Jahr 1944” bezeichnet.

/
Abtransport aus dem Depot des Heeresgeschichtlichen Museums (C) HGM

Die Fertigung begann im April 1944 bei der Böhmisch-Mährischen Maschinenfabrik in Prag. Ab Juli 1944 nahm auch das Škoda-Werk Königgrätz (Hradec Králové) die Produktion auf. Zulieferer waren die Škoda-Werke in Pilsen (Plzeň),Linke-Hoffman-Busch in Breslau (Wrocław) und Poldihütte in Komotau (Chomutov). Die bisher nur in Kleinserie produzierenden Fabriken steigerten nun ihre Produktion um ein Vielfaches. Im Zeitraum von April 1944 bis April 1945 wurden mehr als 2.000 Jagdpanzer 38(t) ausgeliefert! Und das, obwohl die Böhmisch-Mährische Maschinenfabrik und Škoda von Luftangriffen nicht verschont blieben. Die monatliche Höchstproduktionszahl belief sich auf 434 abgenommene Stück im Jänner 1945.

Link zu unserem YouTube Kanal: Der „Hetzer“ in voller Fahrt!

Die Restaurierung

Nach längeren Vorgesprächen wurde am 16. August 2005 der im Depot des Heeresgeschichtlichen Museums befindliche Jagdpanzer G-13 „Hetzer” durch Angehörige der Panzertruppenschule abgeholt. Deren Aufgabe bestand zunächst darin, den Zustand des Fahrzeuges in der Panzerwerkstatt in Zwölfaxing festzustellen, um danach eventuell
die Fahrfähigkeit wiederherzustellen. Bereits während der Bergung wurde der ausgezeichnete Erhaltungszustand des Innenraumes konstatiert. Augenscheinlich befand sich das
gesamte Zubehör bis hin zu den Funkgeräten in ausgezeichnetem Zustand. Da das Fahrzeug rollfähig war, konnte es mittels eines Bergepanzers Greif leicht bewegt und im Heereslogistik-Zentrum Wien-Arsenal auf einen 30 t Schwerlaster verladen werden.

In der Panzerwerkstätte wurde der Jagdpanzer an Vizeleutnant Anton Österreicher übergeben, der über einen großen Erfahrungsschatz im Bereich der Restaurierung historischer Kampffahrzeuge verfügt. Die zukünftige Besatzung, bestehend aus Oberstleutnant Walter Posch, Hauptmann Franz Brödl, Vizeleutnant Österreicher und Vizeleutnant Peter Putz, begann noch am selben Tag nach Dienstschluss, das Fahrzeug genauer zu inspizieren.

Aus den Unterlagen des Texas Military Museum in Austin, das als Besitzer eines Jagdpanzers G-13 mit Dieselmotor die Restauratoren im Bereich der Vorschriften unterstützt hatte, ging deutlich hervor, dass es sich bei dem Jagdpanzer des Heeresgeschichtlichen Museums um ein von der Schweizer Armee zum Teil modifiziertes Fahrzeug handelt. Bei 100 Jagdpanzern waren bereits in den frühen 1950er Jahren mangels Ersatzteilen aus der ČSSR im Bereich der Motoranlage Saurer-Diesel-Triebwerke als Ersatz für den Praga-Benzinmotor eingebaut worden. Die übrigen 50 Jagdpanzer G-13 wurden nicht modifiziert und behielten das von Tatra gebaute Triebwerk epa AC mit 7,5 l Hubraum und 150 PS Leistung. Diese Panzer wurden bis zur Ausscheidung 1972 nur noch als taktische Reserve gehalten und nicht mehr zu Übungs- und Ausbildungszwecken herangezogen.

Nach dem Wechsel aller Öle und Flüssigkeiten konnte nach ca. 20 Arbeitsstunden der erste Anlassversuch durchgeführt werden. Nach zahlreichen weiteren Arbeitsstunden wurde der Versuch unternommen, das Fahrzeug zu bewegen, und es gelang nach anfänglichen Schwierigkeiten tatsächlich, eine erste Kasernenrunde zu fahren. Im Zuge der weiteren Maßnahmen, die vornehmlich den Innenraum und den Triebwerksraum betrafen, wurden Fahrgestellnummer und Kennzahl ermittelt.

/
Wannennummer (C) HGM

An den durch die Schweizer Armee mitgeteilten Stellen waren allerdings keine Kennzeichen zu finden. Nach dem Freilegen der Bugkante durch Abschleifen mehrerer Lackschichten fanden sich die Fahrgestellnummer und eine bis dahin völlig unbekannte Wannennummer. Die unter der Kanonenblende freigelegte Fahrgestellnummer ergab, dass es sich um das Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer 323816 handelt. Die sich unter der Abschleppöse befindliche Wannennummer – dpj 1091 – belegt den Hersteller der gesamten Wanne samt Laufwerk. Dabei handelt es sich um die Firma Linke-Hoffmann-Busch in Breslau, die mit dem Kennzeichen „dpj” im Coderegister eingetragen ist.

Diese eindeutige Identifizierung ließ Rückschlüsse auf die weitere Restaurierung zu. Recherchen ergaben, dass es sich beim Jagdpanzer mit der Fahrgestellnummer 323816 um ein Fahrzeug handelt, das aus Mangel an bestimmten Bauteilen nicht mehr fertig gestellt werden konnte und daher aus Kriegsfertigung nicht mehr zum Einsatz kam. In der Nachkriegszeit wurden einige Panzer vom Typ „Hetzer” schließlich doch fertig gestellt und sowohl an die tschechoslowakische als auch an die Schweizer Armee ausgeliefert. Ein Jagdpanzer mit der Fahrgestellnummer 323812 wurde beispielsweise von US-Truppen bei Škoda in Pilsen erbeutet und zur Erprobung in die USA transportiert. Dieser Panzer befindet sich heute im US Army Ordnance Museum auf dem Gelände des Aberdeen Proving Ground. Fotos dieses Jagdpanzers aus dem Škoda-Werk in Pilsen und aus den USA dienten als Vorlage für die weitere Restaurierung.

Aufgrund der Tatsache, dass Fahrgestellnummer, Codierung und Abnahmestempel fast aller Baugruppen auf Kriegsfertigung schließen lassen, wurde die Rückrüstung in den Auslieferungszustand von Mai 1945 als Ziel ins Auge gefasst. Der Aufbau wurde überarbeitet. Teile wurden entfernt, die im Laufe der Zeit durch die Schweizer Armee hinzugefügt worden waren.

/
Heckansicht (C) HGM

Als Anstrich wurde ein dunkelgelber Grund festgelegt, auf dem zum Schluss dunkelgrüne und braune Flecken aufgebracht wurden. Dabei diente ein Foto aus dem Škoda-Werk in Pilsen als Vorlage. Weiters wurden der Auspuff und der daran befindliche Flammtöter in gerader Ausführung belassen, da der bisherige abgewinkelte Auspuff bei der letzten Serie „Hetzer” aufgrund von Änderungen an den Motordeckeln das Öffnen der rechten Motorabdeckung unmöglich gemacht hätte.

Die Restaurierung des Laufwerks gestaltete sich aufwändiger, da eine komplette Demontage aller Laufrollen, Laufrollenböcke und Antriebsräder erforderlich war. Aufgrund von Beschädigungen musste auch der Wechsel aller Lager erfolgen. Im Zuge der Laufwerkssanierung wurden alle Teile sandgestrahlt. In diesem Zusammenhang gilt unser besonderer Dank der Steyr Spezialfahrzeuge Gmbh, die diese Arbeiten durchführte.

/
Links: Die Restaurierung des Laufwerks; rechts: MG-Lafette nach Restaurierung (C) HGM

Nach dem Zusammenbau und der Lackierung konnte auch das Problem der MG-Lafette für ein von innen bedienbares MG 34 durch Ankauf und Nachfertigung von Teilen gelöst werden. Das Fahrzeug präsentiert sich heute in komplettem, fahrfähigem Zustand, der nur durch eine Unzahl von freiwillig geleisteten Arbeitsstunden erreicht werden konnte. Diese Arbeitsleistung wurde von den am Projekt Beteiligten in ihrer Freizeit erbracht. Daher gilt ihnen und ihren Familien ein besonderer Dank.

/
Endzustand (C) HGM

Für die Unterstützung des Projekts gebührt der Dank dem Kommandanten der Panzertruppenschule, Herrn Brigadier Ewald Angetter, der die Benützung der Panzerwerkstätte außerhalb der Dienstzeit genehmigte.

/
Endzustand (C) HGM
Ing. Franz Brödl und Ing. Mag. Thomas Ilming

Ing. Franz Brödl und Ing. Mag. Thomas Ilming

Ing. Franz Brödl
Nach 22 Jahren in den verschiedensten Verwendungen als Offizier in der österreichischen Panzertruppe, bin ich seit 2015 im Heeresgeschichtlichen Museum tätig. Mein Fachgebiet ist die Betreuung der technischen Sammlung.
Aufgrund meiner beruflichen Erfahrung mit Fahrzeugen und Panzern im speziellen, liegt mein Forschungsschwerpunkt bei der Entwicklung der gepanzerten Kampftruppen in den vergangenen 100 Jahren. Diese besondere Beziehung zur gepanzerten Truppe konnte ich vor allem bei der Gestaltung der Panzerhalle im Museum einbringen.

Ing. Mag. Thomas Ilming
Ich bin Leiter der Sammlung „Waffen & Technik“ und damit verantwortlich für die historische Aufarbeitung, Restaurierung und Archivierung von Objekten historischer Militärtechnik. Darunter fallen alle Arten von Bewaffnungen, Hieb-, Stich- und Feuerwaffen, sowie Fahrzeuge, Flugzeuge, Artillerie und deren Zubehör.

Kommentieren

Blog-Abo

Mit dem Blog-Abo werden Sie immer sofort informiert, wenn ein neuer Artikel in unserem Blog erscheint.