HGM Wissensblog

Die Schwerter der Akademischen Legion

/
Blick in die permantente Ausstellung über die Revolution 1848. Im Vordergrund: Schwerter der Akademischen Legion (C) HGM

Die Schwerter der Akademischen Legion gehören wohl zu den interessantesten Blankwaffen innerhalb des österreichischen militärischen Waffenwesens. Sie sind nicht nur durch den mit derartigen Stücken beteilten Personenkreis, sondern noch vielmehr durch ihre Gestaltung und Ausführung zu einem Symbol der Revolution von 1848 geworden.

Die Jahre 1848 und 1849 gelten in ganz Europa als Periode politischer und sozialer Umwälzungen. Im Kaisertum Österreich verschärfte sich die Situation noch weiter, indem zur Forderung nach Errichtung einer allgemeinen Verfassung auch das Bestreben der unter der Herrschaft der Habsburger vereinigten Völker nach Selbstständigkeit trat.

Die Nachricht von der Pariser Februarrevolution des Jahres 18481 traf die österreichische Monarchie zu einem Zeitpunkt, an dem die innenpolitische Situation ohnehin bereits durch zahlreiche Probleme belastet wurde. Neben den durch die Missernte des Vorjahres ausgelösten Hungerunruhen und dem insbesondere in demokratisch-liberal eingestellten Bürgerkreisen verhassten neoabsolutistischen „System Metternich“ traten nun auch vermehrt Erscheinungsformen der nationalen Unzufriedenheit, wie der „Mailänder Zigarrenrummel“- ein Raucherboykott italienischer Nationalisten gegenüber der österreichischen Steuerverwaltung -, zutage. Als die ersten Meldungen von den Ereignissen in Paris Österreich erreichten, fielen sie zuerst in den Ländern der ungarischen Krone auf fruchtbaren Boden, wo neben den sozialen und politischen Forderungen sehr bald auch der Wunsch nach nationaler Selbstständigkeit deutlich zum Ausdruck gebracht wurde.

Aber auch in Wien wurde über die Schaffung einer Verfassung nach westlichem Muster debattiert und die „Konstituante“ in zahlreichen Petitionen an den Hof und die Behörden der öffentlichen Verwaltung verlangt.2 Die Wiener Studenten spielten dabei eine besonders maßgebliche Rolle. Als ihre Petition durch die Regierung nicht zur Kenntnis genommen wurde, suchte die Studentenschaft Unterstützung bei der für 13. März 1848 einberufenen Versammlung der niederösterreichischen Stände.

Eine große Menschenmenge versammelte sich vor dem Landhaus in der Herrengasse, die Petitionen wurden erneut verlesen. Doch die Stände suchten ihrerseits eine eigene, in ihrer Form weitaus gemäßigtere Eingabe an den Hof zu richten. Nachdem bereits zahlreiche Studenten in das Landhaus eingedrungen waren, schien die Situation außer Kontrolle zu geraten, und ein Pionierbataillon erhielt den Auftrag, die Herrengasse zu säubern. Ein heute nicht mehr nachvollziehbarer Schießbefehl forderte zahlreiche Opfer und führte zu einer Eskalation der Situation. Barrikaden wurden errichtet, und das Proletariat der Wiener Vorstädte wollte der bürgerlichen Erhebung in der Inneren Stadt zu Hilfe kommen. Die Stadttore Wiens wurden daraufhin geschlossen. Das Ergebnis waren dennoch chaotische Verhältnisse. Zahlreiche Fabriken und Unternehmerhäuser der Vorstädte gingen in Flammen auf, Polizeiwachstuben wurden gestürmt, einige Beamte gelyncht.

/
Lithographie, koloriert: Erste Verteilung der Waffen an die Studenten der Wiener Universität am 13. März 1848. Unten: "F. Hofbazer lithogr.". (C) HGM

Um die Situation zu beruhigen, entschloss sich die Regierung zu Konzessionen an die Bevölkerung, als deren wichtigste – weil von immenser Symbolkraft – die Entlassung des verhassten Staatskanzlers Fürst Metternich stand. Neben der Aufhebung der bis dahin geltenden Zensur und Gewährung der Pressefreiheit wurde eine weitere Forderung der Aufständischen, die Volksbewaffnung, durch die Aufstellung einer „Nationalgarde“genehmigt.3 Bereits in der Nacht vom 13. auf den 14. März wurde mit der Formierung und Bewaffnung der Nationalgarde begonnen, in der die Akademische Legion der Studenten einen integrierten, jedoch selbstständigen Bestandteil bildete. Als am 15. März auch noch das Versprechen der Gewährung einer konstitutionellen Verfassung gegeben wurde, erreichte die Wiener Revolution ihren ersten Höhepunkt.

Die Wiener Nationalgarde war in territorialer Hinsicht grundsätzlich bezirksmäßig gegliedert. Als oberste Führungsorgane fungierten dabei das „Ober-Commando der niederösterreichischen Nationalgarde“ und der „Große Verwaltungsrath der Wiener Nationalgarde“. Die in den Bezirken zur Aufstellung gelangenden Kompanien wurden wiederum von eigenen Bezirks-Verwaltungsräten geführt. Den Dienst der Gardisten hatten gewählte Offiziere des „Platz-Offiziers-Corps“ zu überwachen. Das „Platz-Commando“ selbst war dem Nationalgarde-Oberkommando beigeordnet und hatte sowohl mit den militärischen als auch den Landes- und Stadtbehörden Verbindung zu halten. Insgesamt waren durch die Nationalgarde über 60 Wachposten innerhalb Wiens mit einer permanenten Gesamtstärke von rund 1560 Mann zu besetzen. Die Posten der k. k. Armee blieben von dieser Maßnahme unberührt und wurden an ihren Aufstellungsorten belassen. Die Anzahl der formierten Nationalgarde-Kompanien in den Bezirken4 war nicht einheitlich, sondern variierte erheblich:5

I. Bezirk Schottenviertel – 6 Kompanien
II. Bezirk Wimmerviertel – 5 Kompanien
III. Bezirk Kärnthnerviertel – 6 Kompanien
IV. Bezirk Stubenviertel – 6 Kompanien
V. Bezirk Leopoldstadt – 14 Kompanien
VI. Bezirk Landstraße – 13 Kompanien
VII. Bezirk Wieden -24 Kompanien
VIII. Bezirk Mariahilf – 18 Kompanien in 3 Bataillonen
IX. Bezirk Neubau – 18 Kompanien
X. Bezirk Josefstadt – 8 Kompanien
XI. Bezirk Alservorstadt – 8 Kompanien
XII. Bezirk Rossau – 6 Kompanien

Nationalgarde-Scharfschützen – 6 Kompanien
Nationalgarde-Kavallerie – 3 Eskadronen in 2 Divisionen
Bürgerkorps I.Regiment – 9 Kompanien
Bürgerkorps 2. Regiment – 8 Kompanien
Bürger-Grenadier-Bataillon – 6 Kompanien in 3 Divisionen
Nationalgarde-Artillerie – 6 Kompanien
Bürgerkorps der bildenden Künstler – 4 Kompanien

Die Akademische Legion formierte:6

Juristen-Korps – 6 Kompanien
Mediziner-Korps – 9 Kompanien
Philosophen-Korps – 4 Kompanien
Techniker-Korps – 8 Kompanien
Künstler-Korps – 4 Kompanien

Die Stände der Kompanien wurden im März/April 1848 mit rund 200 Mann angegeben, sodass sich nach zeitgenössischen Angaben die Gesamtstärke der Nationalgarde anfangs auf rund 44.000 Mann belief. Diese Zahl sank während der folgenden Monate rapid und dürfte im Oktober 1848 nur mehr bei rund einem Drittel gelegen haben.

Eine erste Demonstration ihrer innenpolitischen Macht zeigte die Wiener Nationalgarde, als sie sich Anfang Mai gemeinsam mit dem Stadtproletariat den Studentenprotesten gegen den Verfassungsentwurf des Innenministers Franz Baron Pillersdorf anschloss. Am 15. Mai gelang es, mittels der sogenannten „Sturm-Petition“ nicht nur die Zurücknahme des Verfassungsentwurfs, sondern gleichzeitig die Zusage zur Einführung des Allgemeinen Wahlrechts zu erreichen. Der Kaiser floh am 17. Mai nach Innsbruck. Als die Regierung am 25. Mai die Auflösung der Akademischen Legion, des radikalsten Teils der Nationalgarde, anordnete, entschloss sich das Oberkommando der Nationalgarde, für deren Fortbestand zu kämpfen. Am 26. Mai kam es zur Errichtung von Barrikaden.

/
Lithographie, Errichtung der Barrikaden in den Straßen Wiens am 26. Mai 1848. Signiert und datiert: "Ant. Ziegler comp. 849" (C) HGM

Die Regierung verzichtete jedoch auf eine Konfrontation und zog die militärischen Einheiten der k. k. Armee ab, die Auflösungsverfügung wurde gleichzeitig sistiert. Noch am selben Tag konstituierte sich der „Sicherheitsausschuß von Wiener Bürgern, Nationalgarde und Studenten zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit und zur Wahrung der Volksrechte“, der von der Regierung anerkannt wurde, womit die Revolution vorläufig an ihrem Höhepunkt angelangt war. Die Nationalgarde fungierte damit nicht nur als Instrumentarium der bürgerlichen Revolution, sondern gleichzeitig auch als Machtfaktor der innerpolitischen Stabilität. Diese Ambivalenz sollte im Sommer 1848 sehr deutlich zutage treten, als es am 23. August zwischen Tausenden Arbeitslosen, die zu Instandsetzungsarbeiten herangezogen und deren Löhnungen gekürzt worden waren, und der Nationalgarde zu einer blutigen Auseinandersetzung, der so genannten „Praterschlacht“ kam.

Die Siege Radetzkys in Italien gegen die mit italienischen Revolutionären verbündeten Piemontesen und jene des Fürsten Alfred Windisch-Grätz in Böhmen lösten in Wien eine Zunahme der patriotischen Stimmung aus, die revolutionären Gefühle des Bürgertums begannen abzuflauen, nachdem ein Großteil ihrer politischen Forderungen erfüllt schien. Der Kaiser kehrte wieder nach Wien zurück.

Eine neue Eskalation erfolgte am 6. Oktober, als versucht wurde, das Abgehen eines Grenadierbataillons zur Verstärkung der im Kampf gegen die ungarischen Revolutionstruppen stehenden Kaiserlichen nach Ungarn zu verhindern. Truppenteile meuterten, Nationalgarde und Akademische Legion griffen in die Kämpfe ein, die kaiserlichen Truppen wurden überwältigt. Im Verlauf der Unruhen wurden das kaiserliche Zeughaus und das Kriegsministerium gestürmt, Kriegsminister Graf Latour wurde gelyncht.7 Das Kaiserhaus zeigte sich nunmehr gewillt, die Situation in Wien mit Waffengewalt zu klären. Unter dem Oberbefehl Fürst Windisch-Grätz‘ wurde Wien eingeschlossen und am 26. Oktober mit der Beschießung begonnen. Der Kommandant der Nationalgarde, der Literat Wenzel Messenhauser, und der ihm beigestellte polnische General Joseph Bern waren jedoch nicht in der Lage, Wien nachhaltig zu verteidigen. Die Nationalgarde zeigte sich nicht nur hinsichtlich ihrer Zahl, sondern auch aufgrund der mangelnden militärischen Ausbildung den fast 100.000 Kaiserlichen unterlegen. Nachdem auch ein Entsatzversuch durch die ungarische Honved gescheitert war, kapitulierte die Stadt am 31. Oktober 1848.8

/
Schwert der Akademischen Legion (C) HGM

Die Akademische Legion formierte innerhalb der Nationalgarde einen eigenständigen Körper, was sich auch durch eine unterschiedliche Adjustierung, vor allem aber durch das Führen einer eigenständigen Blankwaffe, des Schwertes, manifestierte. Das im Grunde genommen „mittelalterliche“ Schwert hatte auch im Barock und Rokoko nichts von seiner Bedeutung als Zeremonialwaffe verloren und findet sich, meist überaus prunkvoll ausgeführten, an fast allen Höfen Europas. Obwohl viele dieser Stücke natürlich bereits ältere Fertigungen waren, wurden für spezielle Anlässe wie etwa Krönungen auch neue Stücke in Auftrag gegeben. Interessanterweise erlebte das Schwert aber vor allem durch die Französische Revolution eine Renaissance und erlangte im weiteren Verlauf, vor allem in der Ära Napoleons, geradezu symbolhafte Bedeutung. Die Ursachen dafür liegen in der grundsätzlichen Ablehnung des Degens als typische Waffe der Aristokratie und des feudalen Offiziers. Aus diesem Grund war die Offiziersbewaffnung durchwegs bereits durch den Säbel ersetzt worden, der seit dem Ägyptenfeldzug (1798-1801) und den daraus resultierenden Kontakten mit den Mamelucken am Hof in Paris modern wurde. Nun zeigte sich aber, dass gerade der Säbeltyp des Vorderen Orients für den Gebrauch bei Hof viel zu schwer und damit unpraktisch wurde. Nachdem der Degen jedoch weiterhin abgelehnt wurde, ersetzte man die Offiziersseitenwaffe durch das Schwert, das im Hinblick auf seine bis dahin durchwegs zeremoniale Verwendung genug Raum für individuelle und prachtvolle Gestaltung zuließ. Damit schien der ideale Ersatz für den „aristokratischen“ Galanteriedegen gefunden, wenn dabei auch geflissentlich übersehen wurde, dass das Schwert zu diesem Zeitpunkt keinesfalls als reine Gebrauchswaffe interpretiert werden konnte. Gerade das Schwert galt ja als Hauptwaffe des feudalen Ritters mit all seinen durch die Französische Revolution abgelehnten Tugenden und Charaktereigenschaften. Dass aufgrund der nunmehr einsetzenden Modeerscheinung am französischen Hof gerade das symbolträchtige Schwert als Degenersatz gewählt wurde, erscheint nur allzu symptomatisch für die Koexistenz von feudal anmutender Prachtentfaltung und revolutionären Ansprüchen.9

/
Typische Inschrift auf Plankwaffen der Revolution von 1848/49 (HGM (C) HGM

Trotz dieser Ambivalenz kann das Schwert als charakteristisches Symbol der Französischen Revolution gewertet werden. Es ist daher durchaus als kurios zu bezeichnen, dass es sich auch nach der Restauration des französischen Königreiches noch gehalten hat und in der französischen Armee vor allem bei den technischen Truppen in abgewandelter Form weiter getragen wurde. Dies hatte auch Auswirkungen auf andere Länder, wie etwa Russland, die gleichfalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schwertähnliche Blankwaffen einführten und ganz dem französischen Stil entsprechend offensichtlich keine Bedenken gegen die symbolische Bedeutung dieses Blankwaffentyps hatten. Österreich stellte in dieser Hinsicht eine markante Ausnahme dar, da selbst bei der Dotierung von Pionieren, Sappeuren und Artilleristen mit Blankwaffen keinerlei Ähnlichkeiten zum französischen „glaive“ feststellbar sind.10

/
Schwert der Akademischen Legion - Ausschnitt (C) HGM

Deshalb ist es als überaus interessant zu bewerten, dass gerade im Verlauf der Ereignisse der Österreichischen Revolution von 1848 das Schwert nicht nur als reine Zeremonialwaffe,
sondern gleichfalls als tatsächliches Hieb- und Stichelement zu neuen Ehren gelangte. Die Angehörigen der Akademischen Legion legten offensichtlich sehr starken Wert auf den revolutionären Charakter ihrer Organisation, denn während sich die übrigen Angehörigen der Nationalgarden meist auf die Adaptierung bzw. Abänderung der in großer Zahl vorhandenen kaiserlichen Säbel beschränkten, mussten die Schwerter der Akademischen Legion nicht nur innerhalb kurzer Zeit neu gefertigt, sondern auch grundsätzlich neu gestaltet und konzipiert werden. Im Unterschied zu den klassischen französischen Schwertern der Ära Napoleons, die zwar gleichfalls überaus prachtvoll ausgeführt sein konnten, existieren bei jenen der Akademischen Legion zuzurechnenden Exemplaren auch solche, die eher dem oberitalienischen Kulturkreis der Renaissance nahe stehen. Auf die Verzierung durch Edelmetalle ist aber in der Regel verzichtet worden. Offensichtlich ist es bei jenen vom französischen Vorbild divergierenden Schwertern zu einer Verschmelzung unterschiedlicher Kunstströmungen mit den Modeerscheinungen der Entstehungszeit gekommen. Am augenfälligsten und für fast alle Schwerter der Akademischen Legion zutreffend ist die Fertigung des Griffstücks aus Eisen, obwohl auch solche mit Lederumwicklung zu finden sind.

Die Gefäße wurden teils in einem gotisierenden Stil, teils in Anlehnung an die Verzierungen von Waffen der Renaissance ausgestaltet; darüber hinaus flossen auch noch Formen des Barocks ein. Diese Mischung unterschiedlicher künstlerischer Strömungen verlieh so manchem Stück einen dem spätromantischen Geist der Zeit entsprechenden theatralischen Charakter, erwies sich aber im Gebrauch nicht immer als besonders praktisch. Bei zahlreichen Stücken nimmt die Ausgestaltung des Griffs und der Klinge direkten Bezug auf die Zugehörigkeit des Trägers selbst, indem etwa der juristischen oder medizinischen Fakultät zuzuordnende Symboliken Verwendung fanden. Die Klingen wurden gleichfalls sehr aufwändig verziert und mit zahlreichen Inschriften in Form von Flachätzungen versehen, die meist die wichtigsten Daten der Wiener Revolution, den Namen des Trägers oder patriotisch-revolutionäre Sprüche enthielten.

/
Seltene Inschrift: „Stirb für das Volk, doch nie für einen Fürsten" (C) HGM

Die Scheiden waren in der Regel aus Leder hergestellt und mit einem eisernen Mundstück versehen. Getragen wurden die Schwerter in einer Art Steckkuppel. Inwieweit für die Herstellung konkrete Normen existierten, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Nachdem die Schwerter jedoch definitiv durch die Träger selbst beschafft werden mussten, ist eine gewisse Freizügigkeit in der Ausführung durchaus naheliegend. Die Anzahl der tatsächlich gefertigten Stücke ist verständlicherweise heute nicht mehr exakt nachvollziehbar. Offensichtlich dürfte auch nicht jeder Legionär zwingend mit einem Schwert ausgerüstet gewesen sein. Zahlreiche Darstellungen belegen die Verwendung der auch in der Nationalgarde gebräuchlichen adaptierten Infanteriesäbel M. 1836 und M. 1837.

/
Schwert der akademischen Legion mit Leder-Holzscheide. Klingenätzung: "Erinnerung am 13. 14. 15. März 1848; FÜR GOTT UND VATERLAND"

Die Scheiden waren in der Regel aus Leder hergestellt und mit einem eisernen Mundstück versehen. Getragen wurden die Schwerter in einer Art Steckkuppel. Inwieweit für die Herstellung konkrete Normen existierten, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Nachdem die Schwerter jedoch definitiv durch die Träger selbst beschafft werden mussten, ist eine gewisse Freizügigkeit in der Ausführung durchaus naheliegend. Die Anzahl der tatsächlich gefertigten Stücke ist verständlicherweise heute nicht mehr exakt nachvollziehbar. Offensichtlich dürfte auch nicht jeder Legionär zwingend mit einem Schwert ausgerüstet gewesen sein. Zahlreiche Darstellungen belegen die Verwendung der auch in der Nationalgarde gebräuchlichen adaptierten Infanteriesäbel M. 1836 und M. 1837. Als Hersteller der Schwerter fungierten vor allem Franz Wertheim und vermutlich Jakob Eyb aus Arzberg,deren Namens- und/oder Ortssignaturen sich auf den meisten Schwertklingen finden.11

Die große Anzahl an heute noch erhaltenen Schwertern der Akademischen Legion deutet darauf hin, dass sie einerseits wohl aufgrund ihrer aufwendigen Gestaltung trotz ihres revolutionären Charakters den Übergang zum Neoabsolutismus überstehen konnten. Andererseits dürften derartige Blankwaffen insbesondere ab den letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts gerade wegen ihres unmittelbaren Bezuges zur Revolution von 1848 zu einem wichtigen Identitätsmerkmal des liberalen Bürgertums geworden sein und existieren, von Generation zu Generation weitergegeben, somit bis in die Gegenwart.

1 Vgl- dazu auch Rudolf Kiszling, Die Revolution im Kaisertum Österreich 1848-1849, 2 Bde., Wien 1948.

2 Erich Zöllner, Geschichte Österreichs. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Wien 1984, 355f.

3 Das Wiener Bürgerliche Zeughaus. Rüstungen und Waffen aus fünf Jahrhunderten. Ausstellungskatalog zur 49. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 14. Mai bis 30. Oktober 1977, Wien 1977, 171.

4 Die damalige Bezirkseinteilung ist mit der heutigen nicht ident.

5 Wenzel Georg Dunder, Denkschrift über die Wiener October-Revolution. Ausführliche Darstellung alle Ereignisse nebst einem Rückblick, Wien 1849, 51-55.

6 Ebd., 59ff.

7 Das Wiener Bürgerliche Zeughaus, 172.

8 Zöllner, Geschichte Österreichs, 359f.

9 Heribert Seitz, Blankwaffen. Geschichte und Typenentwicklung im europäischen Kulturbereich vom 16. bis 19. Jahrhundert, 2 Bde.,
Braunschweig 1965, Bd. II, 304ff.

10 Ebd., 311.

11 Das Wiener Bürgerliche Zeughaus, 173.

M. Christian Ortner

M. Christian Ortner

Direktor HR Mag. Dr. M. Christian Ortner, ObstdhmfD

Ich bin seit 1995 am Heeresgeschichtlichen Museum in Wien tätig, vorerst als Referats- und Sammlungsleiter „Militärtechnik“ (zuständig für Marine, Luftfahrt, Waffenwesen, Artillerie, Munitionswesen, Harnische, Festungswesen, Modelle, militärische Optik etc.) sowie in weiterer Folge als Leiter der Museums- und Sammlungsabteilung. Seit 2007 bin ich Direktor des HGM/MHI.

Einer meiner Forschungsschwerpunkte ist "Österreich-Ungarn 1848 bis 1918".

Zusätzlich bin ich Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Ordenskunde (ÖGO), der Österreichischen Gesellschaft für Heereskunde, des International Committee of Museums and Collections of Arms and Military History (ICOMAM), bin Mitglied der Österreichischen Kommission für Militärgeschichte (CAHM) und Stv. Vorsitzender des Militärhistorischen Beirats der Wissenschaftskommission beim BMLV.

Preisträger des Werner-Hahlweg Preises für Militärgeschichte 2008
Verleihung des Civil Servant of the Year 2012

Kommentieren

Blog-Abo

Mit dem Blog-Abo werden Sie immer sofort informiert, wenn ein neuer Artikel in unserem Blog erscheint.