HGM Wissensblog

Selbstangefertigte Mäuse- und Rattenfalle

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Der Ausstellungsbereich über den Stellungskrieg in der Saalgruppe "Erster Weltkrieg"

In der Saalgruppe „Erster Weltkrieg“ verbirgt sich im Ausstellungsbereich über den Stellungskrieg eine von Soldaten selbstangefertigte Falle für Mäuse und Ratten. Mit solchen Fallen galt es, die auf Dauer eingerichteten Stellungen bestmöglich von den lästigen Nagetieren zu befreien, denn sie schädigten nicht nur das Material, sondern übertrugen auch Krankheiten. Vor allem Ratten konnten eine Gefahr für die Erhaltung der Kampfkraft werden.

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Selbstgerfertigte Rattenfalle

Die Bekämpfung von Ratten in den Stellungen hatte für Soldaten aber bereits damit zu beginnen, jegliche Nahrungsmittel rattensicher zu machen. Dafür waren Rattenlöcher mit Zement oder Glasscherben zu verstopfen, das Essbare selbst sollte so weit wie möglich mittels Drähten oder Seilen von der Decke hängen. Abfälle mussten sofort in Mülltonnen gegeben sowie folglich verbrannt oder vergraben werden. Katzen, Frettchen und eigens für die Rattenjagd in den Frontstellungen ausgebildete Hunde, vergiftete Köder sowie eben Fallen, wie jene in der Ausstellung des Heeresgeschichtlichen Museums, sollten den Rest erledigen. Für den Bau von Rattenfallen war eigens geschultes Personal verantwortlich. Sie leiteten die Mannschaften in den Stellungen mit dem Bau, der Reinigung und dem Aufstellen der Fallen an.1

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Typen von Rattenfallen, Quelle: Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Wien, Feldakten Armeeoberkommando, Quartiermeisterabteilung, K. 2239, I.Nr. 45.598, k. u. k. QuAbtlg. des 10. Armee-Kommandos, Rattenbekämpfung an der Front. o.D.

Durch die Erfahrungen des Stellungskrieges veränderten sich die Ansprüche an die Truppenhygiene, denn mit dem Ausharren an einem Ort entstand zusehends die Notwendigkeit, langfristige Maßnahmen zu treffen, um Kriegsseuchen dauerhaft zu verhindern. Die Soldaten wurden durch Informationsblätter über die einzuhaltende Hygiene in ihren Unterkünften, an den Koch- und Schlachtplätzen, Waschgelegenheiten, Mistplätzen, Senkgruben und Latrinen unterrichtet.

Damit die Truppen solche Richtlinien auch befolgten, setzte das k. u. k. Armeeoberkommando seit 1916 sogenannte „Hygieniker“ in den Stellungen ein. Ihre exekutiven Organe waren die Assanierungs-Kolonnen. Sie waren wiederum vorgeschobene Einheiten der Salubritätskommissionen. Während diese für die tatsächliche Bekämpfung der ausgebrochenen Seuchen verantwortlich waren, war der Dienst des „Hygienikers“ und seiner Assanierungs-Kolonne ein hygienisch-prophylaktischer, um eben den Ausbruch der Seuchen überhaupt zu verhindern. Dafür kontrollierten sie ohne konkreten Anlass die hygienischen Bedingungen sogar bis in die vordersten Stellungen. Das oberste Ziel dieser Kontrolle war die Sicherstellung der Lagerhygiene, was die „Sorge für die Reinlichkeit jedes einzelnen Mannes und seiner Ubikation“ meinte.2 Mäuse- und Rattenfallen wie jene ausgestellte, halfen dabei.

1 Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Wien, Feldakten Armeeoberkommando, Quartiermeisterabteilung, K. 2239, I.Nr. 45.598, k. u. k. QuAbtlg. des 10. Armee-Kommandos, Rattenbekämpfung an der Front. o.D.

2 Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Wien, Feldakten Armeeoberkommando, Quartiermeisterabteilung, K. 2239, Dienstvorschrift für die Abschnittshygieniker und Kommandanten der Ass.Kol.

Thomas Edelmann

Thomas Edelmann

Mag. Dr. Thomas Edelmann, MAS
Ich bin Historiker mit einer postgradualen museologischen Ausbildung. Im Museum arbeite ich als Referent für das Marketing, das heißt, ich bin u.a. für die digitale Kommunikation sowie für die Planung, Ausrichtung und Umsetzung jeglicher Werbemittel zuständig.
Meine Forschungsinteressen sind die Geschichte der Habsburgermonarchie 1789 - 1918, der Erste Weltkrieg mit dem Schwerpunkt auf das Etappenwesen der österreichisch-ungarischen Armee sowie – um über die Grenzen Europas zu blicken – die mexikanische (Kultur-) Geschichte.

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