HGM Wissensblog

Die Schlacht um Gallipoli / Canakkale

Gedenken & Erinnerung zum alliierten Landungsunternehmen am 25. April 1915

Der Kampf um die im Ersten Weltkrieg strategisch so wichtige Halbinsel Gallipoli, zwischen der Ägais und dem Marmarameer zählt sicherlich zu den spektakulärsten militärischen Operationen während des gesamten Weltenbrandes von 1914-1918. Bis heute sind die Namen Gallipoli und Canakalle untrennbar mit den damals mit äußerster Härte hier geführten Schlachten und den rund 355.000 dabei verwundeten bzw. getöteten Soldaten verbunden.

Betrachtet man die Weltkarte im August 1914, so erkennt man, dass sich faktisch alle europäischen Großmächte bereits unmittelbar im Krieg bzw. auf dem Weg dorthin befanden. Viele Staaten, wie beispielsweise Spanien, die Niederlande, Schweden, Griechenland, Italien, Bulgarien und Rumänien sollten sich jedoch unmittelbar für neutral erklären.1 Auch das Osmanische Reich, im Südosten Europas gelegen, welches die natürliche Verbindung zwischen den Kontinenten schuf, sollte sich bei Kriegsausbruch zunächst noch auf seine Neutralität berufen.

Die Herrschaft Sultans Mehmed V. (1844-1918) stellte zum damaligen Zeitpunkt allerdings nur mehr eine Vorspiegelung einer trügerischen Realität dar. Längst war die Blütezeit des
Osmanischen Reiches vergangen und das Land durch interne Unruhen, Korruption und Misswirtschaft derart zerrüttet, dass es vielfach bereits zu Auflösungserscheinungen – gerade
in den Grenzregionen – kam.

Vor allem die militärischen Rückschläge am Balkan2 bzw. in Nordafrika3 zur Jahrhundertwende hatten aber auch im Inneren des Landes selbst zu einer weitreichenden politischen Instabilität geführt, die insbesondere von der jungtürkischen Bewegung zunehmend dazu genutzt wurde, letztlich auch faktisch die Macht im Staat zu übernehmen.4

Diese wiederum betrachteten primär Russland als einen der gefährlichsten Gegner und suchten demgemäß eher eine Annäherung an das Deutsche Reich, welches seinerseits daran
Interesse zeigte, das von der Hohen Pforte angebotene strategisch wichtige Hindernis zwischen den Entente-Mächten – Großbritannien und Frankreich einerseits und Russland andererseits – zu erhalten.

Die zunächst ungewisse Haltung des Osmanischen Reiches bei Kriegsausbruch veranlasste Anfang August 1914 die britische Regierung zur unmittelbaren Beschlagnahmung zweier bereits fertiggestellter – und ebenso bereits bezahlter – Kriegsschiffe, die unmittelbar vor ihrer Auslieferung gestanden waren. Ein Affront, den man sich in Folge auf Seiten der Mittelmächte unmittelbar zum Nutzen machte und tags darauf ein deutsch-türkische Schutzund Bundbündnis unterzeichnete, welchem Österreich-Ungarn drei Tage später mittels Notenaustausch ebenfalls beitreten sollte.5

Das Deutsche Reich ging unmittelbar dazu über, dem Bündnispartner die notwendige militärische und wirtschaftliche Unterstützung zukommen zu lassen, die man in Berlin bzw. Konstantinopel6 letztlich für die allgemeine Kriegsvorbereitung des Landes als notwendig erachtete.7 Dieser militärische Beistand8 beinhaltete vor allem auch die dringend erforderlichen Waffen- und Munitionslieferungen, welche zunächst primär auf dem Landweg über das neutrale Rumänien erfolgten, letztlich aufgrund der prorussischen Haltung Bukarest jedoch nur mehr sehr eingeschränkt – schließlich völlig illegal – ins Land geschleust werden konnten. Umso wichtiger schien daher die Bedeutung eines offenen Seewegs. Allein auch diese Transportmöglichkeit war aufgrund der Übermacht der maritimen Kräfte der Entente im Mittelmeer stark eingeschränkt.9

Das Ansinnen der jeweiligen Kriegsparteien nach einem unmittelbar raschen militärischen Erfolg und einem damit eventuell auch verbundenen jähen Ende des Weltkrieges war bereits
in den ersten Wochen jegliche Illusion genommen worden. Während die von den deutschen Armeen angestrengten Offensiven in Frankreich von den Entente-Truppen letztlich unter
hohen Verlusten aufgehalten wurden und sich in den Stellungsgräben festfuhren, gelang es den russischen Streitkräften ihrerseits nicht den erhofften Durchbruch im Osten zu erzwingen. Die österreichisch-ungarischen Verbände wiederum stießen sich am heftigen Widerstand der serbischen Truppen am Balkan. Dieser scheinbaren Pattsituation entgegenwirkend versuchten beide Seiten hartnäckig doch noch die vermeintliche Schwachstelle des Gegners zu entdecken, um das Kriegsglück letzten Endes doch noch zu seinen Gunsten zu erzwingen.

Um speziell den für die Mittelmächte gefährdeten russischen Kriegsschauplatz einigermaßen zu entlasten, drängte vor allem die deutsche Seite10 darauf, mit Hilfe des osmanischen
Kriegspartners neue Fronten gegen das Zarenreich zu schaffen, um die Entente-Kräfte auf diese Weise entscheidend zu schwächen.11 Dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches Ende Oktober 1914 folgte daher auch unmittelbar der Beschuss der russischen Schwarzmeerhäfen von Odessa, Sewastopol und Theodosi – jedoch ohne jeden zwingenden Erfolg.12 In unmittelbarer Konsequenz erfolgten die Kriegserklärungen Russlands sowie Großbritanniens und Frankreichs an die Hohe Pforte sowie der Beschuss der äußeren Dardanellen-Forts von Seddil Bahr und Kum Kale durch britische und französische Kriegsschiffe.

Die Dardanellen, welche das Mittelmeer über das Marmarameer und den Bosporus mit dem Schwarzen Meer verbinden, waren seitjeher von großer strategischer Bedeutung. Im Kriegsjahr 1914 wurden sie aber zu einer der wohl wichtigsten Lebensadern, die es – insbesondere für die Entente – galt unter seiner Kontrolle zu bringen.13

Die wirtschaftliche Lage des Russischen Reiches – welche wie die meisten anderen Länder – nicht auf einen langfristigen Krieg ausgerichtet war, hatte sich in den ersten Kriegsmonaten auf dramatische Weise verschlechtert. Die notwendige Unterstützung durch die westlichen Bündnispartner war allerdings nur bedingt möglich, da auch für sie die meisten Handelsrouten unmittelbar versperrt blieben.14 Hinzu kamen die gegen Ende 1914 – wenn auch nur kurzzeitig – erfolgreichen Offensiven der k.u.k. Armeen am Balkan und am russischen Kriegsschauplatz (Limanowa-Lapanow), die ein rasches Handeln Großbritanniens und Frankreichs zu Gunsten des russischen Zarenreiches zu erfordern schienen.15

Insbesondere der Erste Lord der britischen Admiralität, Winston Churchill (1874-1965), drängte auf eine rasche Öffnung des Seeweges durch die Dardanellen, um dem russischen Bündnispartner einerseits die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen, andererseits über diese vermeintlichen Schwachstelle der Mittelmächte („soft underbelly“) letztlich doch noch den entscheidenden Erfolg zu erlangen und den Krieg frühzeitig zu beenden.16

Auf Seiten der britischen Marine, allen voran dem Befehlshaber der britischen Mittelmeerflotte, Konteradmiral Sir Sackville Carden (1857–1930), sah man sich – nach den ersten Anfangserfolgen bei der Beschießung der türkischen Festungswerke am Eingang zu den Dardanellen – einem solchen Unternehmen prinzipiell gewachsen. Neben dem Durchbruch mit der Flotte sah die Operation auch die Anlandung einzelner Bodentruppe vor – vornehmlich Marineinfanterie, deren primäres Ziel es sein sollte, einzelne Geschützbatterien zu zerstören.17

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rechts oben: Winston Churchill (1874-1965); rechts unten: Sackville Carden (1857-1930)

Auf osmanischer Seite hatte man bereits ab dem Herbst damit begonnen, unter dem Kommando des deutschen Admirals Guido von Usedom (1854-1925) die Verteidigungsstellungen entlang der knapp 66km langen Meeresstraße18 in Stand zu setzen bzw. diese hinreichend zu verstärken.19 Allein von den rund 230 vorhandenen Geschützen, vorwiegend Haubitzen und Mörser, galten die meisten als veraltet. Nur rund 82 Geschütze neuerer Bauart – mit Schussweiten bis zu 17km – sollten den türkischen Verteidigern letzten Endes zur Verfügung stehen.20 Aufgrund der vielfach unzureichenden Mittel trachtete man von türkisch-deutscher Seite daher insbesondere durch die ausgedehnte Verlegung von Netzund Minenspeeren die Durchfahrt feindlicher Schiffseinheiten zu erschweren.

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r.o.: Guido v. Usedom (1854-1925)

Ende Jänner/ Anfang Februar 1915 unternahmen osmanischen Truppen schließlich unter dem Befehl des deutschen General Friedrich Kreß von Kressenstein (1870-1948) sogar ihrerseits den Versuch, die „Lebensader des Empires“, den ägyptischen Suezkanal, zu erobern und damit den wichtigsten Transportweg für die Entente-Mächte zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer zu schließen. Nach einem Gewaltmarsch durch die Wüste Sinai scheiterten die türkischen Verbände jedoch am erbitterten Widerstand der britischen Verteidiger.21

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r.o.: Friedrich Kress v. Kressenstein (1870-1948)

Faktisch zeitgleich sollte im Londoner Kriegsrat die Entscheidung zur Eroberung der Dardanellen fallen. Insgesamt wurden 49 britische und dreizehn französische Kriegsschiffe unterschiedlichen Typs im östlichen Mittelmehr zusammengezogen. Diese führten ab Februar 1915 zunächst vereinzelt, am 13. Februar erstmals im Verband von zwölf Kriegsschiffen unter dem Kommando von Konteradmiral John de Robeck (1862-1928) einen Angriff auf die äußeren Verteidigungswerke der Dardanellen bei Seddil Bahr und Kum Kale durch. Annähernd täglich erfolgten weitere Beschießungen sowie vereinzelte Anlandungen von Marineinfanteristen, die die Zerstörungen einzelner türkischer Geschütze zum Ziel hatten. Am 25. Februar erfolgte ein weiterer Flottenangriff mit einer knapp sieben Stunden andauernden Beschießung der türkischen Verteidigungsanlagen, wobei es gelang einzelne Werke sogar – vermeintlich – niederzukämpfen.22

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r.o.: John de Robeck (1862-1928)

Çanakkale Savasi (Schlacht von Canakkale)

Der umfassendste Durchbruchsversuch23 der Entente-Flotte – bestehend aus insgesamt dreizehn englischen Linienschiffe, einem englischen Schlachtkreuzer, vier französische Linienschiffen und einer große Zahl von Kreuzern, Zerstörern, Minensuchern sowie Seeflugzeugen – erfolgte schließlich am 18. März 2015.24

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Schlacht von Canakkale 18. März 1915

Der Angriff war in zwei Wellen vorgesehen: Um die Mittagszeit nahmen zunächst sechs britische Schlachtschiffe – darunter HMS QUEEN ELISABETH – die Verteidigungsanlagen bei Canakkale und Kap Kephes unter Beschuss, dicht gefolgt von den französischen Kriegsschiffen, die etwas näher an ihre Ziele heranfuhren, damit aber gleichzeitig auch unmittelbar in die Reichweite der türkischen Batterien gelangten. Während die zweite Welle zum Angriff überging und die französischen Kriegsschiffe zum Rückmarsch antraten, eskalierte die Situation.

Die französischen Kreuzer LE SUFFREN und GAULOIS sowie der britische Schlachtkreuzer HMS INFLEXIBLE wurden durch Artilleriebeschuss bzw. Minen derart schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass sie den Kampf unmittelbar abbrechen mussten. Der französische Kreuzer BOUVET sank durch einen Minentreffer25 schwer beschädigt mit samt seinen 600 Mann Besatzung. Drei weitere britische Kriegsschiffe liefen ebenso auf Minen auf. HMS INFLEXIBLE gelang es zwar mit letzter Kraft noch selbst in sichere Gewässer fahren. HMS IRRESTIBLE wurde jedoch so schwer getroffen, dass er zunächst von HMS OCEAN in Schlepptau genommen wurde, bevor diese ebenfalls auf eine Mine auffuhr, sein Vorhaben unverrichteter Dinge abbrechen und schließlich selbst aufgeben werden musste. Die Verluste bei den Angreifern wogen schwer, von achtzehn eingesetzten Schiffen waren sechs versenkt bzw. außer Gefecht gesetzt worden. Bei den Verteidigern beliefen sich die Verluste jedoch „nur“ auf 114 Mann (davon 22 Deutsche) sowie insgesamt neun zerstörte Geschütze.26

Nach diesem offensichtlichen Fehlschlag mussten sich die kommandierenden Offiziere letztlich eingestehen, dass ein Durchbruch allein nur mit Hilfe der Flotte kaum Aussicht auf
hinreichenden Erfolg hatte.27 Man entschloss sich daher zunächst die Küstenstellungen von der meist kaum verteidigten Landseite her anzugreifen, diese unmittelbar zu vernichten, um
so den Weg für die Flotte ins Marmarameer endlich (feind)freizubekommen. Von entscheidender strategischer Bedeutung sollte dabei die bergige, meist sehr kahle Halbinsel Gallipoli werden, die im Nordwesten die Meeresstraße beschützte.

Es blieb jedoch schwierig, eine solch gemeinsame Operationsplanung für sämtliche See- und Landstreitkräfte umzusetzen. Da eine Schwächung der Westfront für die alliierten Generalstäbe grundsätzlich nicht in Frage kam, mussten anderorts Truppen ausgewählt werden, um die Operation wie geplant rasch umsetzen zu können.

Seitens Frankreichs wurden französische Kolonialtruppen – zumeist Zuaven und Fremdenlegionäre – zu einem aus zwei Infanteriedivision bestehenden Expeditionskorps (Corps expéditionnaire d’Orient (CEO)) unter dem Kommando von General Albert Gérard Léo d’Amade (1856-1941) zusammengefasst.28 Dieses erreichte bis zum 27. März 1915 die den Dardanellen vorgelagerten griechischen Insel Limnos, welche als Operationsbasis für sämtliche Entente-Streitkräfte während der Dardanellen-Kampagne fungieren sollte.29

Seitens Großbritanniens bzw. des Commonwealths mobilisierte man überwiegend die aus Australien und Neuseeland über den Suezkanal eingeschifften Soldaten, die zunächst in Ägypten während der ersten Kriegsmonate für ihren künftigen Einsatz auf dem europäischen Kriegsschauplatz vorbereitet worden waren. Diese rund 30.000 Mann wurden im sogenannten Australisch-Neuseeländische Armeekorps (Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC)) unter dem Kommando von General Sir William Birdwood (1865-1951) zusammengefasst.30 Hinzu kamen neben den Marineinfanteristen der Royal Navy (rund 11.000 Mann) auch noch rund 17.000 Mann der 29. britischen Infanteriedivision, welche als einzige Einheit direkt von der englischen Insel den Landungstruppen beigestellt werden sollte.31

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Linke Seite: Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC); Rechte Seite: Corps expéditionnaire d'Orient

Den Angreifern standen rund 80.000 Verteidiger gegenüber, welche im Rahmen der 5. Osmanischen Armee unter dem Kommando des deutschen Generals der Kavallerie Otto
Liman von Sanders (1855-1929)32 zusammengefasst waren.33 Hinsichtlich der Stärkeverhältnisse lag der Vorteil klar auf Seiten der angreifenden Entente-Truppen, die sowohl bezüglich ihrer Bewaffnung, als auch der Ausrüstung um ein Vielfaches besser ausgestattet waren. Auch bei der Artillerie überwog der Vorteil auf Seiten der Angreifer. Allein hinsichtlich der für beiden Seiten so wichtigen Geländekenntnisse verfügte der kommandierende britische General Sir Ian Standish Monteith Hamilton (1853-1947) allein über ein Wissen, welches er sich primär aus Tourismusbroschüren erlesen hatte.

Über das Ausmaß, sprich die Truppenstärke des Gegners zeigte sich der türkische Geheimdienst an sich außerordentlich gut unterrichtet. Hinsichtlich der tatsächlichen Landungszonen tappte man in völliger Dunkelheit. General Liman von Sanders gab daher den Befehl – entgegen dem Widerstand seiner türkischen Offiziere – die von See her gut einsehbaren, küstennahen Verteidigungsstellungen nur äußerst knapp zu besetzen und den Erfolg primär über den dynamischen Einsatz der zunächst im Hinterland stationierten Einheiten zu suchen.

Die Planungen auf Seiten der Entente sahen eine rasche Anlandung der Bodentruppen vor. Das Hauptgewicht des Angriffs lag bei der 29ten britische Infanteriedivision unter dem
Kommando von Generalmajor Aylmer Gould Hunter-Weston (1864-1940), die vom Süden her (Kap Helles) die Halbinsel nach Norden erkämpfen sollte. Unterstützend sollte die Landspitze von Kabatepe, im Westen von Gallipoli gelegen, das Angriffsziel der anlandenden ANZAC-Truppen bilden. Die französischen Einheiten wiederum waren für die Eroberung der auf der kleinasiatischen Seite gelegenen Verteidigungsstellungen von bzw. um Kum Kale vorgesehen und sollten anschließend ebenso auf der Halbinsel unterstützend einwirken.

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r.o.: Monteith Hamilton (1853-1947); r.u.: Liman v. Sanders (1855-1929)

Am Abend des 24. April34 startete das sicherlich gewagteste Landungsunternehmen des gesamten Ersten Weltkrieges. Nach einer faktisch ununterbrochenen, stundenlangen Beschießung der zur Landung vorgesehenen Strandabschnitte35 sowie der küstennahen Verteidigungsstellungen landeten die ersten alliierten Truppen im Morgengrauen des 25. April 1915 an insgesamt sieben Punkten auf Gallipoli. Dadurch kam es bei den Verteidigern betreffend des tatsächlichen Schwerpunkts des Angriffs allerdings zu einer großen Verwirrung.

Die Anlandung der britischen Soldaten beim Kap Helles verlief an sich planmäßig, wobei es aufgrund der starken Strömungen immer wieder zu Behinderungen kam. Beim Versuch letztlich die besetzen Strandabschnitte zu überwinden – insbesondere bei den Landungszonen „V“ und „W“ – stieß man jedoch auf massiven Widerstand der überlebenden Verteidiger, die die britischen Soldaten unter massives Maschinengewehrfeuer nahmen und den anlandenden Truppen empfindliche Verluste beibrachten – allein rund 2.000 Mann. Es gelang der 29ten britischen Infanteriedivision dennoch sich auf Kap Helles festzusetzen. Allein es fehlte teilweise an der Entschlusskraft, den anfänglichen Vorteil für sich zu nutzen und die türkischen Verteidigungslinien zu isolieren.36

Die Landung des ANZAC nördlich von Kabatepe („Z“-Stand) fand zunächst ebenso annähernd ungehindert statt. Das hier zur Verteidigung eingesetzte 27. türkische Infanterieregiment konnte – nachdem es einem ebenso stundenlangen Bombardement ausgesetzt gewesen war – faktisch nur noch hinhaltenden Widerstand leisten. Den australischen und neuseeländischen Truppen gelang es, sich rasch am Stand festzusetzen. Allein die ungünstigen Geländeverhältnisse vor Ort, der schmaler Strand war von hochansteigenden, zerklüfteten Felsen eingefasst, erschwerte den Einheiten jedes weitere Vorwärtskommen. Vor allem ließ man auch hier oftmals wertvolle Zeit ungenützt. Der Kampf um die einnehmenden Höhen endete schließlich – in Folge der rasch zugeführten osmanischen Einheiten der 19. osmanischen Infanteriedivision unter dem Kommando von Oberstleutnant Mustafa Kemal (1881-1938) – mit einem vereitelnden Erfolg der Verteidiger. Der umgekehrte Versuch der türkischen Verbände die Landungstruppen wieder ins Meer zurückzuwerfen, scheiterte jedoch ebenso und ging rasch im Feuer der alliierten Schiffsartillerie buchstäblich unter.

Auch wenn General Hamilton am 27. April noch nach London telegrafieren sollte, dass alles nach Plan verlief37, so sollten sich in weiterer Folge die Dinge an den beiden Kampffronten
auf der Halbinsel keineswegs „günstig“ entwickeln. Trotz ungezählter wechselseitig geführter Angriffe in den nächsten Monaten kam es faktisch zu keinerlei Entscheidung. Es entwickelte
sich vielmehr ein äußerst zermürbender Stellungskrieg, der auf beiden Seiten zu hohen Verluste führte und die Soldaten unmittelbar an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit brachte.

Von Süden her versuchten die britischen Truppen – immer wieder unter Heranziehung neuer Truppen – weiter ins Landesinnere vorzustoßen. Allein die Kämpfe um die nur knapp 6,4km von der Küsten entfernte Kleinstadt Krithia (28. April, 06. bis 08. Mai) endeten mit dramatischen Fehlschlägen und stets sehr hohen Verlusten. Eine kurze, dennoch spürbare Entlastung der dicht bedrängten Verteidiger gelang primär erst durch die Heranführung leichter Seestreitkräfte.38

Am 19. Mai starteten die türkischen Einheiten ihrerseits einen Großangriff gegen die vom ANZAC gehaltenen Landungszonen an der Westküste von Gallipoli („Anzac Cove“). Mit knapp 40.000 Mann eindeutig in der Überzahl versuchte man, die von australischen und neuseeländischen Soldaten (rund 10.000) gehaltenen Stellungen faktisch zu überrennen. Allein trotz aller Entschlossenheit und dem – gerade von den deutschen Offizieren immer wieder anerkannten – ausgeprägten Kampfgeist der türkischen Soldaten ging auch dieser Angriff blutig, aber letztlich erfolglos zu Ende.39 Jeglicher Versuch von Seiten der Entente-Streitkräfte den Grabenkämpfen im Juni bzw. im Juli 1914 ihrerseits ein jähes Ende zu bereiten, scheiterten jedoch genauso. Die Soldaten – beider Seiten – litten indes unter der schwülen, windlosen Hitze, die faktisch den ganzen Sommer über der Halbinsel lag. Hinzu kam – insbesondere bei den Verteidigern – der stete Mangel an ausreichendem Nachschub, die diese jedoch mit einer geradezu stoischen Ruhe und einer faktisch absoluten Bedürfnislosigkeit hinnehmen sollten.40

Nach entsprechenden Vorbereitungen unternahmen schließlich Anfang August fünf britische Divisionen41 unter dem Kommando von Generalleutnant Sir Frederick William Stopford
(1854-1929) eine weitere Anlandung in der Suvla Bucht – rund 8km nördlich der ANZAC Stellungen – mit dem Ziel unter Umgehung der rechten Flanke des Gegners, die wichtigen
Höhen von Sari Bair (Höhe 971, Höhe Q und den Chunuk Bair) zu erobern.42 Allein das erneute Zögern Stopfords nach der geglückten Anlandung der Truppen verschaffte den Verteidigern43 ausreichend Zeit, den Widerstand zu organisieren. Die erst knapp zwei Tage später anrollende Angriffswelle ins Landesinnere wurde von den Türken abermals erfolgreich
abgewehrt und sämtliche Versuche die Höhen zu erobern, scheiterten unter hohen Verlusten. Dieses militärische Fiasko führte auf Seiten der Entente letztlich dazu, auch eine eventuelle
Evakuierung des gesamten Brückenkopfs erstmalig ins Auge zu fassen.

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r.o.: Frederick Stopford (1854-1929); l.i.: Mustafa Kemal (1881-1938)

Einen wesentlichen Faktor spielte dabei sicherlich auch die allgemeine Kriegssituation im Herbst 1915: Nach den Abwehrerfolgen der k.u.k. Armee am Isonzo, brachte die Anfang Oktober gestartete (so genannte „Mackensen-“44) Offensive am Balkan letztlich den erwünschten Erfolg für die Mittelmächte. Sie stellte die für das Osmanische Reich unmittelbar so wichtige Landverbindung mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich her. Neben dem fortan ungehinderten Transport von Munition, Geschützen und weiterem Kriegsmaterial erreichten den Bündnispartner im Südosten nunmehr aber vor allem aber auch weitere Truppenverbände.

Diese sollten jedoch die Front vielfach erst zu einem Zeitpunkt erreichen, als die Entente-Truppen ihrerseits bereits mit dem Abzug von der Halbinsel Gallipoli begonnen hatten.45 Das
Fehlschlagen der bisherigen Operationen sowie die zunehmend gefährlichere Lage auf Gallipoli für die angelandeten Truppen selbst, hatten den britischen Kriegsminister, Lord Horatio Herbert Kitchener (1850-1916) bereits am 19. November dazu veranlasst, letztlich einer Evakuierung zuzustimmen.46

Die Vorbereitungen zur Wiedereinschiffung von nicht weniger als vierzehn Divisionen stellte jedoch keineswegs ein leichtes Unterfangen dar. Hinzu kamen äußerst schlechte Witterungsbedingungen, die den ab 07. Dezember 1915 eingeleiteten Rückzug – zunächst aus der Suvla-Bucht und den ANZAC-Abschnitten – zusätzlich erschwerten. Dennoch stellte die Evakuierung der Entente-Truppen, die wohl am besten organisierte und wohl auch am besten umgesetzte Operation während der gesamten Kampagne dar. Mit Ausnahme von einigen Erfrierungen aufgrund des einsetzenden Schneefall und des Frost kam es praktisch zu keinerlei weiteren Verlusten. Denn gerade dieses schlechte Wetter ermöglichte es, faktisch unbemerkt von den türkischen Verteidigern, jedoch unter Zurücklassung zahlreichen Kriegsmaterials die Strandabschnitte zu verlassen. Mit der ebenso erfolgreich umgesetzten Räumung der Südspitze der Halbinsel (Kap Helles) Anfang Jänner 1916 wurde die Schlacht um Gallipoli endgültig beendet.

Während der letztlich 259 Tage andauernden Kämpfe um die Dardanellen wurden von den rund 548.000 auf Seiten der Ententen eingesetzten Soldaten an die 44.000 getötet und rund
97.000 verwundet (Gesamtverluste knapp 140.000). Auf Seiten der knapp 315.000 türkischen Verteidiger (inkl. deutscher Verbündeter) wog der Verlust von fast 214.000 Soldaten (davon 57.000 Gefallene) jedoch sogar noch schwerer.

In den Stellungsgräben auf Gallipoli, die oftmals nur wenige Meter voneinander entfernt lagen47, sollte sich die besondere Grausamkeit des Krieges in all seiner Deutlichkeit zeigen
und sowohl für die Angreifer, als auch für die Verteidiger zum Synonym eines „heroischen“ Kampfes werden, der sich teilweise bis heute nachhaltig in das Nationalbewusstsein der
beteiligten Länder festschrieb. Umso mehr gilt es uns heute nach über 100 Jahren – über die Gräben von einst hinweg – an das Vergangene zu erinnern, weniger um zu glorifizieren,
sondern vielmehr um den abertausenden von Toten zu gedenken, damit sich solch blutiges Völkerringen nicht mehr wiederholt.


1 Italien, Bulgarien, Rumänien ließen sich schließlich 1915/16 ebenso zum Kriegseintritt bewegen, als sich die Kriegslage jeweils zugunsten der Entente-Mächte bzw. der Mittelmächte unmittelbar zu wenden schien.

2 Bereits 1878 hatten die Aufstände in den Provinzen Bosnien und der Herzegowina zu einem Machtdiktat der europäischen Großmächte und letztlich zur Okkupation bzw. 1908 zur Annexion des Gebiets durch die Habsburgermonarchie geführt. Die Balkankriege von 1912/13 führten schließlich zum völligen Verlust aller europäischen Gebiete mit Ausnahme eines kleinen Territoriums westlich der Hauptstadt von Konstantinopel (heutiges Istanbul). Mustafa AKSAKAL (2008), The Ottoman Road to War in 1914. The Ottoman Empire and the First World War, Cambridge. [In Folge: AKSAKAL (2008), The Ottoman Road toWar]

3 Anfang des 20. Jahrhunderts führte die innenpolitische Situation im Königreich Italien zu einer massiven Auswanderungswelle. Um neue Siedlungsgebiet im eigenen Hoheitsgebiet zu schaffen, forderte Italien die Abtretung der nordafrikanischen Provinzen Tripolitaniens und der Cyrenaika, welche 1911/12 zum Krieg und letztlich zur Niederlage der Truppen des Osmanischen Reiches führte. In weiterer Folge sahen Bulgaren, Serben und Rumänien eine für sie günstige Gelegenheit, ebenso am Balkan ihre Expansionspläne umzusetzen. Catherine HOREL (Hrsg.) (2014), Les guerres balkaniques (1912–1913): Conflits, enjeux, mémoires, Brüssel.

4 Das erklärte Ziel der Jungtürken war es das Land sowohl politisch, militärisch vor allem aber auch wirtschaftlich zu modernisieren. Allein es gab in Form des so genannten Turanismus  auch die Vorstellung eines von allen Turkvölkern bewohnte Länder umfassenden Bundesstaates. Diese überstieg jedoch bei weitem jede realistische Möglichkeit zur Umsetzung. Thierry ZARCONE (2005), La Turquie. De l’Empire ottoman à la République d’Atatürk, Paris.

5 Am 19. August wurde ein weiteres Schutzabkommen bzw. Freundschaftsvertrag zwischen dem Osmanischen Reich und Bulgarien besiegelt. Ein erweitertes deutsch-türkisches Defensivbündnis sollte am 11. Jänner 1915 unterzeichnet werden, welchem Österreich-Ungarn am 21. März 1915 beitrat. Wilhelm SCHRAMEK (1964), Die Bündnisverträge Deutschlands und Österreich-Ungarns mit der Türkei während des Ersten Weltkrieges, Univ.Diss., Wien.

6 Joseph POMIANKOWSKI (1928), Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches. Erinnerungen an die Türkei aus der Zeit des Weltkrieges, Zürich-Leipzig-Wien, S. 76f.

7 Für Österreich-Ungarn standen primär wirtschaftliche Gründe im Vordergrund, da man dringend Rohstoffe für die eigene Kriegsindustrie benötigte. Die Entsendung von Truppen bzw. Kriegsmaterial schloss man daher unmittelbar aus, da man diese zur Erreichung der eigenen Kriegsziele dringend benötigte. Es wurden vielmehr die vom Osmanischen Reich bei Skoda bestellten, bereits in Produktion befindlichen bzw. teilweise auch schon fertig gestellten Geschütze – mit entsprechendem Einverständnis – selbst übernommen. Christian ORTNER
(2013), Die k.u.k. Armee und ihr letzter Krieg, Wien, S.59.

8 Zu diesem Zeitpunkt – seit dem Dezember 1913 – befand sich bereits eine kleinere deutsche Militärmission unter der Leitung von Generalleutnant Otto Liman von Sanders (1855-1929) vor Ort, deren primäre Aufgabe es war, die Ausbildung im Bereich der osmanischen Armee auf Grundlage deutscher Vorschriften weiterzuentwickeln, um diese für den Kriegsfall vorzubereiten. Otto LIMAN v. SANDERS (21922), Fünf Jahr Türkei, Berlin.

9 Anfang August hatten der Schlachtenkreuzer GOEBEN und der Kleine Kreuzer BRESLAU die algerische Küste zunächst erfolgreich unter Beschuss genommen. Schließlich zogen sich die im Mittelmeer operierenden Schiffseinheiten der deutschen Kriegsmarine (so genannte „Mittelmeerdivision“) unter dem Kommando von Konteradmiral Wilhelm Souchon (1864-1946)) jedoch rasch zu den Dardanellen zurück, wurden unmittelbar der türkischen Marine unterstellt und am 12. August 1914 nominell dem Sultan als YAVUZ SULTAN SELIM und MIDILLI übergeben.

10 In geheimen Verhandlungen zwischen dem deutschen Botschafter in Konstantinopel Baron Hans von Wangenheim (1859-1915) und den Vertretern der jungtürkischen Bewegung gelang es – unter Zusicherung hoher Kreditsummen in Form von Anleihen, schließlich das Osmanische Reich als Kriegspartner zu gewinnen (25. Oktober 1914). Joseph POMIANKOWSKI (1928), Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches. Erinnerungen an die Türkei aus der Zeit des Weltkrieges, Zürich-Leipzig-Wien, S.85f.

11 Neben der Errichtung einer Front am Kaukasus gab es auch Planungen – allenfalls im Verbund mit Bulgarien – gemeinsam gegen Russland zu marschieren bzw. auch gegen Griechenland vorzugehen. Am 14. November wurde vom Sultan, gleichzeitig auch der Kalif aller Muslime, schließlich sogar der Heilige Krieg („Dschihad“) gegen die Feinde des Islam ausgerufen. Diese wurden primär in Frankreich, Russland und Großbritannien gesehen. Das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn wurden jedoch davon explizit ausgenommen. Alexander WILL (2014), Der Gegenspieler im Hintergrund: Josef Pomiankowski und die antideutsche Orientpolitik Österreich-Ungarns 1914–1918. In: Wilfried LOTH und Marc HAINISCH (Hrsg.) (2014), Erster Weltkrieg und Dschihad. Die Deutschen und die Revolutionierung des Orients, München.

12 Die türkische Flotte unterstand dabei dem Kommando des deutschen KonteradmiralsWilhelm Souchon.

13 Bereits seit Anfang Oktober waren die Dardanellen für den gesamten Schiffsverkehr geschlossen.

14 Auf dem Landweg war eine Versorgung nicht möglich, aber auch zur See ergaben sich zahlreiche Probleme. Die Ostsee war von der Deutschen Kriegsmarine versperrt und die Häfen im Eismeer (z.B. Archangelsk) praktisch monatelang unbenutzbar.

15 Peter JUNG (1992), Der k.u.k. Wüstenkrieg. Österreich-Ungarn im Vorderen Orient. 1915-1918, Graz-Wien-Köln, S. 31. [in Folge JUNG (1992), Der k.u.k.Wüstenkrieg]

16 Man erhoffte sich durch die Öffnung des Seeweges sowie die Besetzung der Dardanellen in weiterer Folge den Fall Konstantinopels sowie das vollständige Ausscheiden des Osmanischen Reiches aus dem Krieg bzw. ein Einlenken der neutralen Staaten wie Italien bzw. Griechenland. Trumball HIGGINS (1963), Winston Churchill and the Dardanelles, London

17 Die vermeintlich erzielten Erfolge bei Seddil Bahr der britischen-französischen Flotte bei den Beschießungen am 3. November waren jedoch primär auf einen Glückstreffer zurückzuführen gewesen.

18 An der schmalsten Stelle – mit rund 1,4km breite – zwischen Kilid Bahr und Tschanak befanden sich die stärksten Befestigungen. Ulrich TRUMPENER (1968), Germany and the Ottoman Empire 1914-1918, Princeton, S. 36.

19 Insgesamt sollen neben den türkischen Soldaten ab September 1914 auch rund 700 deutsche Seeleute und Marine-Spezialisten vor Ort tätig gewesen sein. Klaus WOLF (2008), Gallipoli 1915. Das deutsch-türkische Militärbündnis im Ersten Weltkrieg, Sulzbach. [In Folge: WOLF (2008), Gallipoli]

20 Diese wurden von sechs mobilen 15cm-Haubitzbatterien unter deutschem Kommando (Oberstleutnant Heinrich Wehrle) unterstützt. Heinrich WEHRLE (1926/27), Aus meinem türkischen Tagebuch, In: Landesverband Die schwere Artillerie (Hrsg.), 3. Jg., S.34ff

21 Ein nicht uninteressantes Kapitel stellt dabei das Unternehmen der beiden österreichisch-ungarischen Kriegsfreiwilligen Georg Gondos and Dr. Paul Michael Simon dar, die die britischen Erdölquellen im ägyptischen Dschemsah erfolgreich zerstörten. Tarek-Fischer. (2006), Österreich im Nahen Osten. Die Großmachtpolitik der Habsburgermonarchie im Arabischen Orient. 1633-1918, Wien-Köln-Weimar, S.254f.

22 Die tatsächliche Wirkung der Bordgeschütze auf die feindlichen Stellungen blieb jedoch eher gering, da die Schiffe im Falle der teilweise sehr heftig ausfallenden Gegenwehr – insbesondere durch die vor Ort eingesetzten deutschen 15cm Haubitzen-Batterien – umgehend beidrehten und ihrerseits versuchten, aus sicherer Entfernung die ausgewählten Ziele zu bekämpfen. Die dabei beobachteten Manöver folgten einer gewissen Regelmäßigkeit. Dies wiederum nutzten die Verteidiger bei der Auslegung ihrer Minenfelder, die schließlich den Schiffseinheiten am 18.März zum schicksalhaften Verhängnis werden sollten.

23 Der Angriff selbst war den Verteidigern bereits früh gemeldet worden, da inzwischen auch Aufklärungsflüge der neuen aufgestellten Fliegerstaffel bei Canakkale durchgeführt werden konnten.

24 Der 18. März gilt in der Türkei auch gemeinhin als der „Tag der Märtyrer“ (Sehitler günü).

25 Die Räumung der Minenfelder wurde den alliierten Minensucher sehr erschwert, da sie ihrerseits unter dem ständigen Beschuss der Küstengeschütze immer wieder Schutz suchen mussten. Auch die Einheiten, die den im Wasser schwimmenden Matrosen zur Rettung eilten, sollten von den deutschen und türkischen Batterien unter Beschuss genommen werden. Heinrich WEHRLE (1926/27), Aus meinem türkischen Tagebuch, In: Landesverband Die schwere Artillerie (Hrsg.), 3. Jg., S.34ff

26 Der Munitionsverbrauch war an diesem Tag derart hoch gewesen, dass den Verteidigern oftmals die Munition ausgegangen war und sie deshalb nicht mehr weiterfeuern konnten. Seitens der Alliierten ging man jedoch davon aus, dass man tatsächlich eine Vielzahl der türkischen Geschütze außer Gefecht gesetzt hatte. JUNG (1992), Der k.u.k.Wüstenkrieg, S.33f undWOLF (2008), Gallipoli.

27 Bereits am 19. Februar übernahm Konteradmiral de Robeck das Kommando von Admrial Carden über sämtliche maritimen Streitkräfte der Entente vor den Dardanellen, da dieser krankheitsbedingt ausfiel. De Robeck sollte in weiterer Folge sämtliche Seeoperationen bei Gallipoli leiten.

28 Das Corps expéditionnaire d’Orient (CEO) war am 22. Februar 1915 unter dem Kommando von General d’Amade aufgestellt und unmittelbar in Marsch gesetzt worden. Anfang Mai belief sich die Mannschaftsstärke auf rund 42.000Mann. General d’Amade wurde jedoch unmittelbar von General Henri Joseph Eugène Gouraud (1867-1946) abgelöst, da es aufgrund der Kampfführung zu Unstimmigkeiten zwischen den alliierten Befehlshaber kam. Ende Juni wurde Gourard durch einen Granattreffer schwer verletzt. Er verlor seinen rechten Arm und musste sein Kommando abgeben. General Maurice Camille Bailloud (1847-1921) übernahm kurzfristig (bis Oktober) den Befehl über sämtliche französischen Truppen, bevor die nunmehr in Dardanellen-Expeditionskorps umbenannten Verbände dem Kommando von Maurice Paul Emmanuel Sarrail (1856-1929) unterstellt wurden. Konkret handelt es sich um die 1re division d’infanterie du Corps Expéditionnaire, welche von der 17. Kolonial-Division unter dem Kommando von Georges Antoine Masnou (1855-1915) gestellt wurde. Letzter fiel am 16. Juli 1915 im Kampf um die Dardanellen. Sein Kommando übernahm General Jean-Marie Brulard (1856-1923). Der zweite Verband wurde von der 156. französischen Infanteriedivision gestellt und stand unter dem Befehl von General Maurice Camille Bailloud. Nach dem Feldzug wurden die Truppen in die französische Orientarmee (l’Armee Francaise d’Orient (AFO)) umbenannt, die letztlich unter anderem an der Saloniki-Front zum Einsatz kommen sollte. Max SCHIAVON (2014), Le front d’Orient. Du désastre des Dardanelles à la victoire finale. 1915-1918, Paris.

29 Die ersten australischen Truppen waren bereits am 23. Februar auf der in der Nord Ägäis gelagerten Insel eingetroffen. Bis zum 15. April 1915 wurden sämtliche Truppen auf Limnos zusammengezogen, welche während der gesamten Operation als Basis für den Nachschub und die Versorgung der Verwundeten fungierte. Der griechischen Premierminister Eleftherios Venizelos (1864-1936) hatte die Insel den Entente-Mächten trotz der Neutralität Griechenlands für die Operation zur Verfügung gestellt.

30 Das Armeekorps umfasste die New Zealand and Australian Division unter dem Kommando von Generalmajor Sir Alexander John Godley (1867-1957) sowie die 1. australische Division unter dem Kommando von Generalmajor William Throsby Bridges (1861-1915), der als erster australischer Divisionskommandeur am 15. Mai von einem türkischen Scharfschützen bei einem Inspektionsgang auf Gallipoli tödlich verwundet wurde.

31 Damien FENTON, Caroline LORD, Gavin McLEAN und Tim SHOEBRIDGE (2013), New Zealand and the First World War 1914-1919 Auckland, S.19. [In Folge: FENTON-LORD-McLEAN-SHOEBRIDGE (2013), New Zealand]

32 Der deutsche Kavallerieoffizier war einer von insgesamt drei deutschen Generälen jüdischen Glaubens, die im Ersten Weltkrieg dienen sollten. Obwohl er selbst kein Türkisch sprach und die militärische Einsatzfähigkeit der Türken zunächst für eher gering schätzte, zeigte er sich um die Ausbildung des türkischen Offizierskorps sehr intensiv bemüht und versuchte, die ihm unterstellten Offiziere zu einer gewissen Selbstständigkeit zu erziehen. Dies sollte ihm viel Kritik vor allem in den eigenen Reihen einbringen. Liman von Sanders trat letztlich aber auch sehr entschieden gegen die Ausschreitungen und brutalen Übergriffe gegen die Armenier ein, wodurch er wiederum mit der osmanischen Führung in ein Spannungsfeld geriet. Otto LIMAN v. SANDERS (21922), Fünf Jahr Türkei, Berlin

33 Es handelt sich dabei um die die 7, 9. und 19. türkische Infanteriedivision (= III. Korps) unter dem Kommando des türkischen Generals Mehmed Esad Pasha (1862-1952), welche auf der Halbinsel operierten, sowie die 3. und 11. Division (= XV. Korps) unter dem Befehl des deutschen Generals Erich Paul Weber (1860-1933), welche auf dem asiatischen Teil der Verteidigungszone zum Einsatz kommen sollten. Die 5. türkische Division sowie eine lose Kavalleriebrigade waren als Reserve am oberen Saros-Golf im Raume von Gallipoli-Kavak zum Schutz der Bucht von Bulair vorgesehen. Hinzu kamen noch rund 13.000 Festungstruppen, die in den entlang der Meeresstraße gelagerten Werken Dienst versahen. Neben türkischen Soldaten sollten auf Gallipoli vor allem auch vielfach Kurden und arabische Soldaten zum Einsatz kommen. Edward J. ERICKSON (2001), Ordered to Die. A History of the Ottoman Army in the First World War, Westport, S.81f. [In Folge: ERICKSON (2001), Ordered to Die]

34 An diesem Tag begannen in Konstantinopel die ersten Verfolgungen gegen die armenische Bevölkerung, die sich letztlich immer mehr ausweiten sollten und schließlich zur Katastrophe führten.

35 Neben Kum Kale wurden dabei die gesamte Südspitze der Halbinsel sowie die Küstenabschnitte bei Kabatepe und Ariburnu unter stundenlangen Beschuss genommen. Aber auch im Bereich des Golfs von Saros täuschten alliierte Flottenabteilungen einen unmittelbaren Angriff vor, um den Gegner in die Irre zu führen.

36 Strandabschnitt „W“ sollte während des gesamten Gallipoli-Feldzugs die britische Hauptbasis bilden.

37 Zu diesem Zeitpunkt hatten die französischen Truppen auf der kleinasiatischen Seite nach ersten Anfangserfolgen ihren Landekopf bei Kum Kale bereits wieder räumen müssen.

38 Neben türkischen Torpedobooten kam auch das deutschen Unterseeboots U21 zum Einsatz. Das U-Boot war unter dem Kommando von Kapitänleutnant Otto Hersing (1885-1960) im April 1915 von Wilhelmshaven aus durch die Straße von Gibraltar zum österreichisch-ungarischen Kriegshafen von Cattaro gefahren und anschließend weiter in die osmanische Hoheitsgewässer erfolgreich vorgestoßen. In der zweiten Maihälfte versenkte U21 die britische Kriegsschiffe HMSMAJESTIC und HMS TRIUMPF.

39 Um die Massen von Toten (auf türkischer Seite allein rund 3000) zu begraben, wurde sogar ein kurzzeitiger Waffenstillstand vereinbart, nicht zuletzt um die Gefahr von Seuchen unmittelbar zu vermeiden. FENTONLORD- McLEAN-SHOEBRIDGE (2013), New Zealand, S.21.

40 Die Essensrationen bei den türkischen Verbänden wurde immer weiter gekürzt und so standen von den ursprünglich als Tagesration vorgesehenen rund 250g Fleisch, bald nur noch 62g letztlich sogar nur 31g pro Mann zur Verfügung. Um kein leicht erkennbares Ziel zu bieten, ernährten sich die Soldaten zumeist nur von Zwickback bzw. aßen Oliven, Nüsse und Rosinen. ERICKSON (2001), Ordered to Die.

41 Es handelte sich dabei um die 10., 11., 13., 53. und 54. Division. JUNG (1992), Der k.u.k.Wüstenkrieg, S.. S36f

42 FENTON-LORD-McLEAN-SHOEBRIDGE (2013), New Zealand, S.22.

43 Das sogenannten „Anfarta Detachement“, benannt nach dem umkämpften Höhengrat, unter der Führung des bayerischen Majors Wilhelm Willmer (1868-1963) bestand aus drei Infanteriebataillonen, einer Kompanie Pioniere, einer kleinen Kavallerieabteilung sowie einem Arbeitsbataillon (gesamt ca. 1.500 Mann). Diesem standen rund 20.000 Angreifer gegenüber. Rolf H. ARNOLD (Hrsg.) (2013), Adolf Horaczek, Als deutscher Soldat 1914/18 von der Westfront an die Osmanische Front. Erlebnisse eines deutschen Pioniers im Grabenkampf des I. Weltkriegs und an der Osmanischen Front, Berlin.

44 Nach den erfolgreichen Verhandlung und dem Kriegseintritt Bulgariens auf Seiten der Mittelmächte, war eine aus der 3. k.u.k., der 11. deutschen und der 1. Bulgarischen Armee geschaffene Heeresgruppe unter dem Kommando von Generalfeldmarschall August von Mackensen (1849-1945) am 7. Oktober 1915 zu einer neuerlichen Offensive gegen Serbien angetreten. Bereits zwei Tage später konnte Belgrad erneut eingenommen werden und die serbische Armee befand sich auf breiter Front auf dem Rückzug.

45 Neben diversen deutschen Einheiten kam auch die k.u.k. 24cm Motor-Mörserbatterie Nr. 9 (Hauptmann Kodar von Thurnwerth) sowie die k.u.k. 15cm Haubitz-Batterie Nr. 36 des k.u.k. Festungsartillerieregiments Nr. 7 (Hauptmann Karl Manouschek) auf Gallipoli zum Einsatz. Diese erreichten ihre Einsatzorte erst Mitte Dezember. JUNG (1992), Der k.u.k. Wüstenkrieg, S.38ff.

46 Bereits im Oktober war General Hamilton, der sich selbst bis zuletzt den Misserfolg nicht eingestehen wollte, abberufen worden und von General Sir Charles Monro (1860-1929) ersetzt worden.

47 Die gesamte Frontlänge war insgesamt nicht länger als 20 Km und hatte eine maximale Tiefe von 4 bis 5km.

Christoph Hatschek

Christoph Hatschek

Vizedirektor HR Mag. Dr. Christoph Hatschek
Ich bin seit 1998 am Heeresgeschichtlichen Museum in Wien tätig, und nehme aktuell als Referats- und Sammlungsleiter „Uniformen, Orden- und Ehrenzeichen, Ausrüstung sowie Insignien“ in weiterer Folge als Leiter der Abteilung für Sammlungen und Ausstellungen des Museums und schließlich als Vize-Direktor (seit 2015) gleichermaßen eine „Dreierfunktion“ wahr.

Gerade für die durchaus immer wieder intensive Vorbereitung von Ausstellungen, gilt es sich stets neuen Themen zu widmen und für diese entsprechend zu recherchieren. Interviews, Vorträge und Präsentationen zu militärhistorischen Themen runden das Arbeitsspektrum ab, wobei mein persönliches Interessensgebiet insbesondere im Bereich der Forschung zur historischen Entwicklung der Soldatinnen bei den Streitkräften sowie aktuell zur Geschichte des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik liegt.

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