HGM Wissensblog

Die österreichische Landwehr 1809

Die Vorgeschichte

Die Idee der Volksbewaffnung, die Basis für den Erfolg der französischen Armeen während der Koalitionskriege, war ab 1792 auch schon in den deutschen Ländern zum Teil vorhanden, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang. 1797 wurden beispielsweise 37.000 Mann aufgeboten, kamen aber nicht mehr zum Einsatz. Einer der Hauptgründe für die Schaffung einer Landwehr war sicherlich der sich anbahnende Staatsbankrott. Man hatte einfach kein Geld mehr, um Krieg zu führen, der Staat war finanziell ausgeblutet, eine Reduzierung der Linientruppen war notwendig. Auch zeigte der Krieg gegen Frankreich, dass organisatorische Änderungen bzw. eine Aufrüstung alleine, zu der aber ohnehin das Geld fehlte, nicht für einen Erfolg ausreichen würden – ein neuer Typ Soldat musste geschaffen werden. Im Unterschied zu Frankreich, wo das Volk die Staatsidee bildete und auch trug, verkörperten in konservativen Staaten die Herrscher dieselbe; nationaler Enthusiasmus bzw. Patriotismus fehlten weitgehend. Wenn es nach Erzherzog Carl ging, sollte die Armee nicht mehr als Strafanstalt für gescheiterte Existenzen und unverbesserliche Elemente angesehen werden, sondern als eine Vereinigung achtbarer, tapferer und rechtschaffener Männer, die nicht aus Angst und Drill, sondern der Ehre wegen bei der Fahne blieben. Voraussetzung dafür war die Abschaffung der lebenslänglichen Dienstzeit, was schließlich 1802 umgesetzt wurde.

Nach dem verlorenen Krieg von 1805 und der Niederlegung der römisch–deutschen Kaiserkrone 1806 sah sich Kaiser Franz – als Franz I. nunmehr Kaiser von Österreich – gezwungen, selbst zum revolutionären Mittel der Volksbewaffnung zu greifen. Neben der regulären Armee sollte eine völlig eigenständige Landwehr errichtet werden. Im Frühjahr 1806 wurde Erzherzog Carl zum »Generalissimus« der gesamten Kriegsmacht ernannt, was ihm die entscheidende Zentralgewalt über die gesamte Armee brachte.1 Obwohl er 1793 als Generalgouverneur der Niederlande die Bewaffnung der flandrischen und wallonischen Bauern angeordnet hatte, war er kein überzeugter Förderer der Volksbewaffnung und blieb dies auch bis 1806.

Eine Idee wird wiederbelebt

Ein großer Förderer der Volksbewaffnung war hingegen sein jüngerer Bruder Johann. Im Dezember 1805 verfasste er in seinem Hauptquartier in Ödenburg (Sopron) eine Gedenkschrift über die Landwehr und ließ diese Erzherzog Carl zur Weiterleitung an den Kaiser zukommen.2 Darin unterstrich er die Wichtigkeit leicht bewaffneter Infanterietruppen, die Notwendigkeit der Unterbringung derselben an der Grenze und auch die Vertrautheit mit dem dortigen Gelände. Diese Milizen sollten aus kampfkräftigen Männern zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr gebildet und jährlich von älteren Offizieren und Unteroffizieren ausgebildet werden. Im Bedarfsfall könnten sie dann das stehende Heer ergänzen. Schlussendlich war es der leitende Minister, Johann Philipp Graf Stadion, der die Volksbewaffnung, sprich die Verstärkung der Wehrkraft der Armee durch die Bevölkerung, nicht nur als rein militärische Maßnahme, sondern auch als politische Kraft anregte. Zu Beginn des Jahres 1807 setzte Kaiser Franz eine Kommission unter dem Vorsitz Erzherzog Johanns zur Beratung über die eventuelle Einführung einer Miliz in den österreichischen Provinzen ein, jedoch konnte diese erst nach ihrer Reorganisation 1808 die bereits 1807 ausgearbeiteten Vorschläge3 umsetzen.

/
Kaiserliches Patent über die Einführung der Landwehr vom 8. Juni 1808, Wien am 9. Juni 1808 (C) HGM

Diesmal gelang es ihr auch, Erzherzog Carl zu überzeugen, der sich daraufhin noch im April mit dem Kaiser über die Möglichkeit eines »Nationalkrieges« unter Einbeziehung der Volksbewaffnung ins Einvernehmen setzte. Die Hauptverantwortung für den Aufbau der Landwehr lag bei Erzherzog Johann, der auch das Kaiserliche Patent über die Einführung der Landwehr vom 8. (9.) Juni 1808 verfasste, für die Kosten sollten die Länder aufkommen.4

Die Landwehr entsteht

»Zu dieser Landwehr, welche in Bataillone und Kompanien abzuteilen ist, gehören mit Ausnahme der Geistlichkeit, der Adeligen, der Beamten und Honoratioren, Bürger, Künstler, Gewerbsinhaber, Bauern, d. i. aller in § 8, 9, 10, 11 und 12 des Konskriptionssystems enthaltenen Leute, und der in den Konskriptionslisten als Anwendbare sowohl zum Feuerwehr als zum Fuhr- und Packwesen vorgemerkten Individuen alle wehrhaften Männer von 18 bis 45 Jahren.«5

Eigentlich könnte man meinen, dass nach diesen Einschränkungen niemand mehr übrig bleiben würde, um die Landwehr zu befüllen. Allerdings gab es in den ländlichen Unterschichten noch genügend waffenfähige Staatsbürger. Über den Eintritt in die Landwehrbataillone entschied unter der klassifizierten Mannschaft das Los – dort, wo es genügend Freiwillige gab, war dies nicht notwendig.

/
Landwehrkarte (C) HGM

Vor allem durch die binnen kurzer Zeit hohen Freiwilligenzahlen aus »allen Volksklassen« bildete sich allmählich der Milizcharakter heraus, der die Landwehr zum militärischen Spiegelbild der zivilen Gesellschaft machen sollte. Jeder Kreis wurde in ein oder mehrere Bataillone eingeteilt, die den Namen des Kreises führten und fortlaufend nummeriert werden sollten. Die Stärke der Bataillone betrug 800 bis 1.200 Mann und war in vier bis maximal acht Kompanien unterteilt. Jede Kompanie unterteilte sich in vier bis sechs Züge, und diese gliederten sich wiederum in so viele Korporalschaften, als sie Pfarreien oder Gemeinden umfassten. Dem Bataillon stand ein Stabsoffizier, der Kompanie und dem Zug ein Subalternoffizier und jeder Korporalschaft ein Unteroffizier als Kommandant vor. Diese hatten auch die Nominallisten zu führen. Die Landwehrangehörigen unterstanden weiter der Zivilobrigkeit. Insgesamt wurden 149 Bataillone mit rund 152.000 Mann aufgestellt.

Abrichtung und Ausrüstung

Geplant war, dass die Landwehrmannschaften alle Sonnund Feiertage ein bis zwei Stunden exerzieren und einmal im Monat im Zugsrahmen üben sollten. Neben dem Exerzieren sollte dabei auch das Laden und Schießen mit der Waffe trainiert werden, wobei jeder Landwehrmann im Jahr wenigstens vier Schüsse abgeben sollte. Die großteils aerarischen Gewehre sollten gemeindeweise von der Ortsobrigkeit verwahrt werden. Die erste Ausbildung erfolgte zumeist durch Personal der k. k. Armee, danach wurde sie nur mehr durch die eigenen Unteroffiziere und Offiziere aus dem Zivilstand durchgeführt (selbstausgebildete Miliz = Minimierung des Kostenfaktors). Unterrichtet wurde auch die Verwendbarkeit als leichte Miliz in der Vereinigung mit Linientruppen sowie die Verwendung des Terrains und des Plänkelns. Interessanterweise wurden die wöchentlichen Exerzierzusammenkünfte bereits damals als Waffenübung bezeichnet. Vorangetrieben wurde auch die Herstellung von Abrichtungsvorschriften, die damals frei im Buchhandel zu erwerben waren.

/
K. K. Landwehr des Herzogtums Salzburg (C) HGM

Von Anfang an stand die Uniformierung der gemeinen Mannschaft zur Diskussion, wurde aber der Kosten wegen hintangestellt. Der Landwehrmann behielt vorerst sein eigenes Gewand, das lediglich mit farbigen Kokarden und Aufschlägen in den Landesfarben gekennzeichnet wurde. Im Juli befahl der Kaiser die Schaffung einer eigenen Uniform für die Landwehr. Um die Kosten möglich gering zu halten, sollte die Uniform den regionalen Trachten der jeweiligen Region angepasst werden, womit nur eine Adaptierung notwendig wäre. Eine einheitliche Uniformierung für die gesamte Landwehr war weder finanzier- noch umsetzbar. In Österreich ob und unter der Enns entschloss man sich für eine einheitliche Zusatzbekleidung. Im Winter konnte der grau melierte, filzartige, aus festem aber relativ elastischem Stoff hergestellte Rock über allem und im Sommer über dem bloßen Hemd getragen werden. Da dieser bis zu den Knien ging, konnten die privaten Beinkleider weiter getragen werden. Auch sollte der private Hut nur durch ein ovales Messingschild mit dem Namen des Landesviertels und der Bataillonsnummer ergänzt werden. Nach der Übung sollten die Landwehrmänner in ihren Privatgewändern heimkehren können, die Röcke und die Rüstung sollten am Aufbewahrungsort verbleiben.

/
Johann Peter Krafft (1780 – 1856): Der Abschied des Landwehrmannes (1809), Öl auf Leinwand, 1813; Die Heimkehr des Landwehrmannes (1809), Öl auf Leinwand, 1820 (Scan aus: Heeresgeschichtliches Museum, Viribus Unitis - Jahresbericht 2009, Wien 2010, 59))

Bereits im Jahre 1813 schuf Johann Peter Krafft unter dem Eindruck der Befreiungskriege den »Abschied des Landwehrmannes«. Nicht dem »heroischen Kampf eines Habsburger-Fürsten aus dem längst versunkenen Mittelalter«, sondern dem »Aufbruch eines nicht weniger heldenhaften, freiwilligen Bürgers zum Kampf gegen Napoleon« galt seine Darstellung. Und sie entbehrte nicht einer gewissen politischen Aktualität. Ihm folgte sieben Jahre später im Auftrag Kaiser Franz I. die »Heimkehr des Landwehrmannes« als Pendant. Der Landwehrmann, der tapfer gekämpft hatte und mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden war, war unversehrt aus dem Krieg heimgekehrt und wird von der Familie stolz begrüßt. Krafft trug mit seinen beiden Bildern wesentlich zur Einleitung der Genremalerei des Biedermeiers bei.6

Jeder Landwehrmann hatte sich weiters selbst mit einem Sack oder einer Tasche zu versorgen, in der er 30 bis 40 Patronen trocken transportieren konnte. Zusätzlich benötigte er noch einen eigenen Brotsack. Bewaffnet war er mit einem Gewehr und einem Bajonett, Unteroffiziere verfügten über ein Seitengewehr und einen Stock.

Die Versorgung der Mannschaften mit Infanteriegewehren und Stutzen funktionierte von Anfang an sehr schlecht. Kleinere Mengen kamen von der Armee, Fehlbestände wurden aus bürgerlichen und ständischen Zeughäusern, privaten Beständen und Sammlungen sowie durch Spenden aufgebracht.

Der neue Nationalkrieger

Schwachstellen der Landwehr waren das Fehlen geeigneter Offiziere, besonders von Kompaniekommandanten, weiters die schleppende Versorgung mit Uniformen, Rüstung und Waffen sowie die nach wie vor existierenden Vorurteile der Armee. Demgegenüber standen die freiwilligen Leistungen, die hohe Motivation sowie ein ungeahntes persönliches Engagement innerhalb der Landwehr. Bemerkenswert dabei war auch der gute Zusammenhalt innerhalb derselben, was vor allem darauf beruhte, dass es ebendort keine Standesunterschiede gab.7 Viele hielten es für eine Ehre dazuzugehören. Noch konnte aber niemand ahnen, dass die politische Führung bereits im Dezember 1808 den Entschluss fällte, im Frühjahr 1809 einen Krieg gegen Frankreich zu beginnen. Der Landwehrmann wurde zusehends zum »Nationalkrieger« stilisiert. Der bevorstehende Nationalkrieg wurde in der Öffentlichkeit zelebriert und auch von der Kirche unterstützt. Ernst Zehetbauer setzt sich in seinem Werk »Landwehr gegen Napoleon« unter anderem auch intensiv mit den Gedichten und dem nationalem Liedgut dieser Zeit auseinander.

/
Österreichische Landwehr 1808 (C) HGM

Besonders in Wien herrschte beinahe grenzenloser Enthusiasmus, sodass nach kurzer Zeit keine Freiwilligen mehr in die sechs gebildeten Landwehrbataillone aufgenommen werden konnten. Durch die Struktur der Landwehr wurden Herrschaften plötzlich zu militärischen Gefolgschaften, das neue Militär wurde zur Miliz der Nation. Bedingt wurde dieser Zusammenhalt durch die Vorstellung der Verteidigung des Heimatbodens, den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Korporalschaften sowie durch die Anhänglichkeit der Mannschaften an die ihnen zumeist gut bekannten Offiziere. Die Landwehr galt nicht als Armeevermehrung für den Krieg, sondern als Instrument der Landesverteidigung. Angenehmer Nebeneffekt für den Staat war, dass sich die Landwehr während des Jahres selbst erhielt.

Kriegsvorbereitungen

Die Armee, die Erzherzog Carl 1809 ins Feld führte, war eine der stärksten, über die Österreich je verfügt hatte, wobei die Landwehr ein völlig neues Element bildete. Im Gegensatz zur Armee konnte die Landwehr auch tatsächlich als Spiegelbild der Bevölkerung angesehen werden, auch wenn deren Aufstellung unter dem Hintergrund des staatlichen Notstandes zu sehen war. Der Zeitpunkt der Kriegseröffnung kam nicht von ungefähr: Die Finanzsituation war zu dieser Zeit bereits so angespannt, dass die Geldreserven nur mehr bis zum Frühjahr ausgereicht hätten. Daher war es dringend notwendig, die Armee auf fremdes Gebiet zu führen, aus dem sie sich dann selbst zu erhalten hätte. Noch im Februar 1809 wurde die Landwehr von einer Friedens- in eine Einsatzorganisation übergeführt, die im Kriegsfall der Armee beigestellt und durch diese versorgt werden sollte. Die Gesamtstreitmacht betrug zu Kriegsbeginn rund 725.000 Mann, wovon rund 25 Prozent auf die Landwehr entfielen. Diese sollte gemäß ihrer Bestimmung allerdings lediglich zur Verteidigung des Vaterlandes herangezogen werden. Erzherzog Carl hatte somit die Armee als Offensivkraft des Staates und die Landwehr als Defensivkraft des Volkes in einem Gesamtkriegsplan zu vereinigen. Erst im Jänner überlegte man sich das dafür notwendige Verteidigungssystem. Erzherzog Johann entwarf seinerseits ein Grundsatzprogramm für eine mögliche Kleinkriegsführung durch die Landwehr, bei der diese zerstreut in kleinen Gruppen unter starker Anlehnung an das Gelände den Kampf gegen eindringende feindliche Truppen aufnehmen sollte, und das nicht statt, sondern gemeinsam mit der Armee. Diese Art der Kampfführung ist durchaus der immer noch zeitgemäßen Guerilla- und Jagdkampftaktik gleichzusetzen.

Erst Ende Februar stand der vollständige Einsatzplan für die Landwehr, der den Kampf an der Grenze und in den inneren Zonen der grenznahen Länder vorsah. Auch kam es zur Abwerbung von Landwehrmannschaften in Freiwilligenverbände, damit diese auch außerhalb des Staatsgebietes eingesetzt werden konnten. Während der vom Kaiser für 1. März festgesetzten Konzentrierung der Landwehr kam es zur Musterung, zu Fahnenweihen, Waffenreparaturen, Ausbildungsvorhaben und auch zu administrativen Tätigkeiten. In einem Befehl vom 3. März beauftragte Erzherzog Carl die Landwehr mit dem Ausbau von Befestigungsarbeiten und Vorpostentätigkeiten. Gleichzeitig wurden jedem Mann 40 Schuss und jedem Unteroffizier 20 Schuss zugeteilt.8 Mitte März war die Landwehr überall aufgeboten. Eigentlich hätte sie nach der 21-tägigen Konzentrierung wieder heimgeschickt werden sollen, was aber nicht geschah. In den frühen Morgenstunden des 10. April überschritten österreichische Truppen die Grenze zu Bayern, der Krieg hatte begonnen.

Die Landwehr im Krieg 1809

Gleich zu Kriegsbeginn wurde die Landwehr auch im nahen Ausland, bei der Besetzung Passaus eingesetzt, obwohl immer noch erheblicher Mangel an Nachschub und Versorgungsgütern, an brauchbaren Gewehren, Geld, Schuhen, kleiner Montur, Kochgeschirr, Munition und ärztlichem Personal herrschte, was auch zu Unmut führte. Bereits zwei Wochen nach Kriegsbeginn musste sich die österreichische Hauptarmee samt ihrer Landwehrverbände wieder zurückziehen, jetzt trat tatsächlich der Verteidigungsfall ein. Die bereits erwähnte schlechte Ausrüstung führte dazu, dass sich die oberösterreichischen, Salzburger und Krainer Landwehrbataillone fast vollständig auflösten. Die gesamte Konzentration richtete sich nun auf die Verteidigung Wiens. Nach kurzer Belagerung durch die Franzosen zogen sich die österreichischen Einheiten allerdings nördlich der Donau zurück, wo es schließlich zu den Schlachten von Aspern (21. und 22. Mai) und Deutsch-Wagram (5. und 6. Juli) kam, bei denen sich vor allem die Wiener Landwehrbataillone auszeichneten. Alleine bei letzterer Schlacht kamen 28 Landwehrbataillone zum Einsatz. Nach dem verlorenen Krieg wurde die Reorganisation der Landwehr zwar weiter betrieben, dennoch kam es zu ersten Auflösungstendenzen. Am 10. Oktober erließ Kaiser Franz einen Generalpardon für jene Landwehrangehörige, die ihren Verband verlassen hatten, um zu desertieren, der Pardon galt noch bis zum 10. Dezember. Anfang 1810 kam es zur Entlassung der Landwehrmänner. Auch wenn es 1813 mit Berufung auf das Patent von 1808 zu einer neuerlichen, aber nunmehr anders strukturierten Neuaufstellung kam, sollte die Einsatzstärke von 1809 und somit auch die damalige Bedeutung der Landwehr niemals mehr erreicht werden.

Schlussfolgerung

Seit ihrer Gründung war die Landwehr keine homogene Truppe. Zu viele unterschiedliche regionale, ethnische, wirtschaftliche und soziale Unterschiede herrschten vor, und auch die Ausrüstung, Bewaffnung, vor allem aber die Anzahl und Qualität der Offiziere waren nicht gleich. Und dennoch hatte Österreich seinen Krieg von 1809 als »Nationalkrieg« definiert. Grundlage dafür war sicherlich die geistige und emotionale Mobilisierung seiner vornehmlich deutschen Bevölkerung und deren Organisation in der Landwehr. Die Landwehr war somit das entscheidende Trägerelement des Nationalkrieges, der »Erhebung Österreichs« gegen Frankreich.


 

1 Manfried Rauchensteiner, Kaiser Franz und Erzherzog Carl. Dynastie und Heerwesen in Österreich 1796 – 1809. (= Österreich Archiv, Wien 1972), 79f.; Johann Christoph Allmayer Beck – Erich Lessing, Das Heer unter dem Doppeladler 1718 – 1848, München 1981, 189

2 Hans Magenschab, Erzherzog Johann. Habsburgs grüner Rebell, Graz – Wien – Köln 1981, 158ff.

3 Marc van Hattem, In the name of a new Austria – Archduke Johann‘s programme for army reform 1805 – 1809. In: Zusammenfassung der Beiträge zum Napoleon Symposium »Feldzug 1809« im Heeresgeschichtlichen Museum Wien, 4. und 5. Juni 2009, Wien 2009, 26f.

4 Siegfried Fiedler, Taktik und Strategie der Revolutionskriege 1792 – 1848, Augsburg 2002, 130f.

5 Ernst Zehetbauer, Landwehr gegen Napoleon, Wien 1999, 33

6 Marianne Frodl-Schneemann, Johann Peter Krafft 1780 – 1856. Monographie und Verzeichnis der Gemälde, Wien – München 1984, 35, 38, 145; Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien, Wien 2000, 43

7 Magenschab, Johann, 161ff.

8 Zehetbauer, Landwehr, 224

Literatur

Johann Christoph Allmayer-Beck – Erich Lessing, Das Heer unter dem Doppeladler 1718 – 1848, München 1981

Siegfried Fiedler, Taktik und Strategie der Revolutionskriege 1792 – 1848, Augsburg 2002

Liliane und Fred Funcken, Historische Uniformen. Napoleonische Zeit – 18. Jahrhundert – 19. Jahrhundert, München 1989

Zur Geschichte der k. k. Landwehr. In: Streuffleurs Österreichische Militärische Zeitschrift, Jg. 37 (1896), Bd. 2, 95f.

Die k. k. österreichische und k. ungarische Landwehr. In: Streuffleurs Österreichische Militärische Zeitschrift, Jg. 35 (1894), Bd. 3, 253 – 294

Hans Magenschab, Erzherzog Johann. Habsburgs grüner Rebell, Graz – Wien – Köln 41995

Georg Ortenburg, Waffen der Revolutionskriege 1792 – 1848, Augsburg 2002

Manfried Rauchensteiner, Kaiser Franz und Erzherzog Carl. Dynastie und Heerwesen in Österreich 1796 – 1809 (= Österreich Archiv, Wien 1972)

Manfried Rauchensteiner, Die Schlacht von Aspern am 21. und 22. Mai 1809 (= Militärhistorische Schriftenreihe, Bd. 11, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 51994)

Manfried Rauchensteiner, Die Schlacht bei Deutsch- Wagram am 5. und 6. Juli 1809 (= Militärhistorische Schriftenreihe, Bd. 36, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 1977)

Ernst Zehetbauer, Landwehr gegen Napoleon. Österreichs erste Miliz und der Nationalkrieg von 1809, Wien 1999

Zusammenfassung der Beiträge zum Napoleon Symposium »Feldzug 1809« im Heeresgeschichtlichen Museum Wien, 4. und 5. Juni 2009, Wien 2009

Thomas Reichl

Thomas Reichl

HR Mag. Dr. Thomas Reichl
Ich bin Historiker und Leite das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit im Heeresgeschichtlichen Museum. Meine Forschungsinteressen und Schwerpunkte sind der Erste Weltkrieg und der Infantriekampf.

Kommentieren

Blog-Abo

Mit dem Blog-Abo werden Sie immer sofort informiert, wenn ein neuer Artikel in unserem Blog erscheint.