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Legitimationszeichen der k. u. k. Armee und deren Bearbeitung im Ersten Weltkrieg

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Legitimationskapsel, aus Eisenblech, des Landsturm Unterjäger Wilhelm Rasberger der k.u.k. Armee (C) HGM

Gemäß der „Instruktion für die Nachlaßreferate und Verlustgruppen”1 galten als gültige Legitimationszeichen im engeren Sinne das Legitimationsblatt sowie der Identitätsschein, wobei Letzterer nur provisorische Geltung hatte und nur dann galt, wenn die vollständige Übereinstimmung der darin enthaltenen Daten mit den im Personalgrundbuch enthaltenen Daten gegeben war. Ein Legitimationszeichen im weiteren Sinne war auch die Todesfallseingabe2, da sie zur Feststellung der Identität einer Leiche, deren Legitimationsblatt oder Identitätsschein nicht auffindbar war, verwendet werden konnte.

Die bei den Verlustgruppen oder Nachlassreferaten eingelangten Legitimationszeichen der Verstorbenen und Gefallenen wurden nach Überprüfung und Eintragung in die Verzeichnisse weitergeleitet, und zwar:

  • die der Verstorbenen der eigenen Armee an die zugehörigen Ersatzkörper, Anstalten, Stammabteilungen, Landsturmbezirkskommandos und dergleichen; die nicht ordnungsgemäß bestätigten Legitimationsblätter waren eben dort evident zu führen.
  • die der Zivilpersonen im Gefolge der Armee, wenn sie Staatsangestellte waren, an ihre vorgesetzte Zivilbehörde, die aller übrigen Zivilpersonen im Gefolge der Armee an die 9. Kriegsgräberabteilung Abteilung des Kriegsministeriums.
  • die der Angehörigen der verbündeten Armeen an die 10. Verlustabteilung des Kriegsministeriums, die der feindlichen Armeen an die Auskunftsstelle für Kriegsgefangene Abteilung J in Wien VI., Dreihufeisengasse 11; wenn diese jedoch in Ungarn exklusive Kroatien und Slawonien gestorben waren, mit Verzeichnis ebenfalls an die 9.Kriegsgräberabteilung des Kriegsministeriums.
  • die aller Personen, deren Identität oder Zugehörigkeit nicht festgestellt werden konnte, an die 2./St Abteilung3 des Kriegsministeriums.

Das Legitimationsblatt

Oftmals war das Legitimationsblatt der einzige Behelf zur Feststellung der Identität eines im Kampf gefallenen Soldaten. Ohne Legitimationsblatt war eine Identifizierung der Leiche zumeist nicht möglich. Konnte die Identität einer Leiche nicht festgestellt werden, musste sie in der Folge als „unbekannt” beerdigt werden und ging somit für immer verloren. Folglich unterblieb auch die Ausstellung eines Totenscheines4, wodurch das Schicksal dieser Gefallenen für die Hinterbliebenen meist für immer ungewiss blieb. Viele von ihnen finden wir noch heute als „Vermisste” in den Namenslisten der Kriegerdenkmäler. Neben der Ungewissheit waren es aber auch die rechtlichen Folgen, die den Hinterbliebenen zu schaffen machten.

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Legitimationskapsel aus Eisenblech mit Legitimationsblatt des Leutnant Jeza Freiherr von Kövess des Gebirgs-Artillerie-Reg. Nr. 12 (G.A.R.N. 12) (C) HGM

Verlassenschaften, die Bestellung von Vormundschaften, die Auszahlung von Lebensversicherungen, die Flüssigmachung der gesetzlichen Versorgungsansprüche und die Ordnung aller anderen rechtlichen Angelegenheiten des Verstorbenen wurden somit in Frage gestellt und auf lange Zeit, manchmal sogar für immer, unmöglich gemacht. Den Hinterbliebenen erwuchs dadurch neben der persönlichen Tragödie des Verlustes oft auch beträchtlicher Schaden, da sie erst die gesetzliche Todeserklärung abwarten mussten. Um derartige Probleme zu vermeiden, hatten sämtliche Personen des Heeres5 sowie alle Zivilpersonen im Gefolge der Armee im Felde laut Vorschrift vom Beginn der Mobilisierung bis zur Durchführung der Demobilisierung zum Nachweis ihrer Identität und Zugehörigkeit stets das Legitimationsblatt bei sich zu tragen. Ausgefüllt sollte das Legitimationsblatt in deutlicher Lateinschrift werden6, Korrekturen waren verboten.

Auszufüllen waren der grundbuchzuständige Truppenkörper, die Charge, der Name, die Religion, das Assentjahr – bei nicht gedienten Landsturmmännern war das Wort „Assent” zu streichen und durch „Musterungsjahr” zu ersetzen –,die Grundbuch(Vormerk)blatt-Nummer, Impfungsbestätigungen gegen Blattern/Typhus/Cholera, der Geburtsort, das Geburtsland, das Geburtsjahr, bei Offizieren und Aspiranten die Stammanstalt, die heimatberechtigte Zuständigkeitsgemeinde, der Name des vom Ableben zu verständigenden Hinterbliebenen, Datum und Ort des Todes, Datum und Ort der Beerdigung, Eintragung in die Sterbematriken, die Bestätigung des Todes durch zwei Zeugen, Anmerkungen wie Zahnprothese oder Brille sowie Privatvermerke wie beispielsweise die letztwillige Verfügung.

Die Legitimationsblattkapsel

Getragen wurde das Legitimationsblatt in einer Messingkapsel, der Legitimationsblattkapsel. Diese bestand aus zwei Teilen von Messingblech, die mit einem Scharnier verbunden waren.7 Der Stift, der das Scharnier zusammenhielt, hatte gleichzeitig die Funktion, das Legitimationsblatt in der Kapsel zu fixieren. Nach Kriegsbeginn wurden die Legitimationsblattkapseln oft anstatt aus Messing aus Eisenblech erzeugt, wobei auf das aufwendige Scharnier verzichtet wurde, diese also lediglich über einen Bug verfügten. Spätere Kriegsfertigungen zeigen den qualitativen Rückgang auch auf dem Sektor der Legitimationskapseln.

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Legitimationskapsel aus Eisenblech mit Legitimationsblatt des Einjährig Freiwilligen Unterjäger Jakob Baxa des Feldjäger Bataillon 8 der K.u. K. Armee (C) HGM

Offiziere und Gagisten konnten sich ihre Legitimationsblattkapseln auch privat beschaffen. Diese wurden dann zumeist vergoldet und verfügten über verschiedenartige Verzierungen. Häufig waren auf der einen Seite das kleine Wappen des Kaisertums Österreich und auf der anderen die Initialen des Herrschers eingeprägt. Innen verfügten sie über eine starre Spange, die auf beiden Seiten fix mit der Kapsel verbunden war und gleichsam als Bügel für das Legitimationsblatt diente.

Diese Kapseln waren in einem eigens für diesen Zweck im Beinkleid am oberen Teil der rechten Hosentasche angebrachten Täschchen verwahrt, wobei die Kapselschnur in dem darüber befindlichen Knopfloch zu befestigen war. Auf der Innen- oder Außenseite der Kapsel konnte man mit einem scharf gespitzten Stahlstift möglichst tief Truppenkörper, Assentjahr und Grundbuchblattnummer8 des Legitimationsblattinhabers, manchmal auch dessen Namen einritzen, wodurch die Kapsel die Funktion einer Erkennungsmarke übernahm. Um sie in der Kapsel verstauen zu können, mussten die vierseitigen Einlageblätter zweimal zusammengelegt werden, sodass acht kleine Seiten entstanden.9

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Legitimationskapsel aus Messing mit Karl-Emblem für Offiziere und Gagisten der k.u.k. Armee (Privatanfertigung) (C) HGM

Die deutschen Soldaten hingegen erhielten Erkennungsmarken10, die zu Kriegsbeginn lediglich über Nummern, aber keine Namen verfügten. In Unkenntnis dieser Tatsache wurden viele Gefallene daher als „unbekannt” beerdigt. Erst bei Umbettungsarbeiten konnten diese, wenn die Erkennungsmarke noch vorhanden war, durch die Listen des Zentralnachweiseamtes in Berlin identifiziert werden. Ausgestellt wurden die Legitimationsblätter bei Mannschaften bei der Assentierung, bei für Mobilität zugeteilten Landwehrmännern bei deren Einrückung und bei Gagisten bei deren Eintritt der Mobilität. Bei Transferierung zu einem anderen Ersatzkörper wurden die alten Legitimationsblätter mitübersandt und durch neue ersetzt. Bei Verlust oder Unbrauchbarwerdung wurden sowohl eine neue Kapsel als auch ein neues Blatt ausgestellt. Da die Legitimationsblätter ausdrücklich zum Nachweis der Identität bestimmt waren und von der zuständigen militärischen Stelle aufgrund authentischer Daten ausgefertigt wurden, kam ihnen auch die Eigenschaft eines „Legitimationspapiers” zu. Somit konnte anlässlich der Beglaubigung von Unterschriften unter Vorweisung eines Legitimationsblattes von der Beiziehung eines zweiten Identitätszeugen Abstand genommen werden.

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Legitimationsblattkapsel mit eingraviertem Truppenkörper, Namen, Assentjahr und Grundbuchblatt-Nummer (C) HGM

Die Abnahme im Todesfall

Die Legitimationsblätter durften nur im Todesfall abgenommen werden, und auch dann erst unmittelbar vor der Beerdigung der Leiche. Toten, die aus welchen Gründen auch immer auf dem Schlachtfeld unbeerdigt liegen blieben, durfte die Legitimationskapsel samt dem darin befindlichen Legitimationsblatt auf keinen Fall abgenommen werden, ebenso wenig jenen Soldaten, die krank, bewusstlos oder verwundet in eine Sanitätsanstalt gebracht wurden. Nach Feststellung der Identität der Leiche durfte die Legitimationskapsel, allerdings ohne das Legitimationsblatt, das zum Zweck der Identitätsfeststellung entnommen werden musste, für den Fall einer möglichen künftigen Enterdigung wieder zur Leiche gegeben und mit ihr beerdigt werden. Der Tod jeder Militär- oder Zivilperson im Stande oder Gefolge der Armee wurde von zwei Zeugen bestätigt, um die notwendige Grundlage für die Standesbehandlung, die Matrikenführung, die Einleitung der Verlassenschaftsabhandlung und die Ausstellung des Totenscheines zu schaffen.11 Die Bestätigung auf den Legitimationsblättern sollte den Tod, die Beerdigung oder die Enterdigung des Inhabers des Legitimationsblattes außer Zweifel stellen. Die Unterfertiger bestätigten als Augenzeugen die Abnahme des Legitimationsblattes sowie Ort und Datum der Beerdigung bzw. Enterdigung. Nur wenn der Gefallene/Verstorbene dem Truppenkörper angehörte, der ihn beerdigte, oder wenn es sich um eine „nachträgliche” Fertigung des Legitimationsblattes handelte, wurde von den Zeugen auch die Feststellung der Identität der Leiche auf dem Legitimationsblatt bestätigt. Die Bestätigung erfolgte unter Angabe des Vornamens, Zunamens, der Charge und des Truppenkörpers der Augenzeugen des Todes, der Zeugen der Beerdigung, der Zeugen der Enterdigung, der Zeugen der Identität der Leiche sowie durch Unterfertigung der Zeugen. Die Eintragungen wurden auf der Rückseite des Legitimationsblattes in der dafür vorgesehenen Rubrik vorgenommen.

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Rückseite Legitimationsblatt (C) HGM

Augenzeugen des Todes, Ort und Tag des Todes sowie die Todesursache wurden ebenso angeführt wie Tag und Ort der Be- oder Enterdigung bzw.der Wiederbeisetzung. Wenn sich Todesfälle in Sanitätsanstalten ereigneten, konnte die Unterfertigung des Legitimationsblattes auch durch einen Arzt12 erfolgen. Wenn der Tod während des Transportes dorthin erfolgte, geschah dies durch den Transportführer und noch einen Soldaten.13 Erst nachdem die Leiche an die entsprechende Ortsbehörde zur Beerdigung übergeben worden war, erfolgte die Abnahme des Legitimationsblattes durch den Transportführer. Das Blatt wurde dann an das den Transport übernehmende Kommando übergeben, das dieses seinerseits einem Seelsorger zur Weiterleitung an die Militärbehörde überantwortete. Bis zu dem Zeitpunkt blieb das Legitimationsblatt ständig an der Leiche, damit es zu keinen Verwechslungen kommen konnte.

Bei den auf dem Schlachtfeld verbliebenen Gefallenen mussten die Legitimationsblätter durch die für die Beerdigung verantwortlichen Offiziere und Unteroffiziere abgenommen, unterschrieben und nach Feststellung der Identität vom Kommandanten der Einheit auf dem Dienstweg an den zuständigen Seelsorger übermittelt werden. Wenn vor der Beerdigung keine Bestätigung auf dem Legitimationsblatt erfolgte, konnte diese später unter Angabe von zwei Augenzeugen des Todes nachgetragen werden.

Die Weiterbehandlung der Legitimationsblätter

Vom Standeskörper wurden die Legitimationsblätter nach erfolgter Standesbehandlung an die mit der Führung des Hauptgrundbuches betraute Verwaltungskommission weitergeleitet, welche die von den Militärgeistlichen im Feld bereits protokollierten Legitimationsblätter unter Beigabe eines Verzeichnisses dem zuständigen Feldsuperiorat zur Aufnahme in die Sterbematrikel zustellte. Letzteres hatte diese nach vorgenommener Amtshandlung und Beisetzung der Protokollierungsklausel wieder an die zuständige Verwaltungskommission zurückzuleiten. Nach Eintragung in die Sterbematrikel14 hatte der zuständige Seelsorger die erfolgte Protokollierung auf der Rückseite des Legitimationsblattes zu bestätigen. Nur die so bestätigten Legitimationsblätter bildeten eine einwandfreie Grundlage zur Standesbehandlung und Einleitung der Verlassenschaftsabhandlung durch Ausstellung der Todesfallsanzeige. Legitimationsblätter, bei denen die Bestätigung durch die Zeugen oder die Protokollierungsklausel des Seelsorgers nicht ersichtlich war, wurden zur nachträglichen vorschriftsmäßigen Ergänzung dieser Mängel zurückgesandt. Wenn die Legitimationsblätter aus welchen Gründen auch immer nicht gemäß diesen Bestimmungen behandelt und protokolliert werden konnten, wurden sie von den Militärseelsorgern mit dem Nachweis der erfolglos durchgeführten Erhebung der Quartiermeisterabteilung des zuständigen Armeekommandos bzw. dem entsprechendem Militärkommando zugesandt.

Die Legitimationsblätter jener Verstorbenen, deren Tod nur durch einen Zeugen bestätigt wurde oder wo trotz eingehender Nachforschungen kein Zeuge des Todes oder der Beerdigung eruiert werden konnte,15 wurden von den Unterabteilungen unter Anschluss eines Verzeichnisses dem Referat für Nachlasssachen der Verlustgruppe zugesandt. Dieses übermittelte sie nach entsprechender Verwertung den Ersatzkörpern bzw. den Stammanstalten, welche ihre Gefallenen evident zu führen und die betreffenden Daten, sofern es keine militärischen Bedenken gab, auch bekannt zu geben hatten. Dieses Verzeichnis hatte nebst der Charge, dem Namen und dem Truppenkörper des Gefallenen protokollarische Angaben von Zeugen und sonstigen Informationen, die für eventuelle Todeserklärungsverfahren zur Beweisführung des Todes notwendig erschienen, zu enthalten, wie etwa: „Zuletzt gesehen am … in (auf ) … vom Infanteristen N. N.”, „verwundet gesehen am … vom Feldkurat N. N.”, „gesehen am Hilfsplatz am … vom Leutnant N. N.” oder auch „gesehen auf der Tragbahre am … vom Hauptmann N. N.”

Am 30. Oktober 1914 berichtete das Bezirksgericht Wien Innere Stadt dem Landesgericht in Wien, dass die von den Reserve- und Notspitälern einlangenden Todesfallsanzeigen bloß den Namen und den Truppenkörper der Verstorbenen enthielten, und regte daraufhin an, auch das Alter und den letzten Wohnort anzugeben.16 Dieser Bericht wurde dem Oberlandesgerichtspräsidium und von diesem dem Justizministerium vorgelegt, da die Anregung nicht nur für Wien, sondern für die ganze Monarchie aufzugreifen wäre. Das Justizministerium ersuchte das Kriegsministerium, im Einsichtsweg eine entsprechende Verfügung zu treffen. Der Einsichtsakt enthielt auch bereits das Konzept für die Verständigung der Gerichte von der auszugebenden Anordnung des Kriegsministeriums und des k. k. Ministeriums für Landesverteidigung. Im Erlass vom 30. Oktober 1914 Nr. 6.830 wurde schließlich festgehalten, dass die bei den Zivilgerichten einlangenden Todesfallsaufnahmen/anzeigen oft bloß den Namen und den Truppenkörper des Verstorbenen enthielten. Da aber diese Daten zur Einleitung der Verlassenschaftsabhandlung nicht genügten, waren zeitraubende Erhebungen nötig, die leicht vermieden hätten werden können, wenn wenigstens auch das Alter und der letzte Wohnort des Verstorbenen angeführt worden wären. Die Aufnahme dieser Daten sollte es in den meisten Fällen ermöglichen, die weitere Amtshandlung beim Gericht und nicht beim Notar vorzunehmen,wodurch Kosten gespart werden konnten. Sämtliche Sanitätsanstalten und auch Notspitäler wurden daher angewiesen, bereits bei der Aufnahme des Verwundeten oder Kranken neben dem Namen und dem Truppenkörper bzw. der Anstalt unbedingt auch das Alter und den letzten Wohnort vor der Einrückung zum aktiven Dienst festzustellen und im Falle des Ablebens die Daten in die Todesfallsaufnahme/anzeige einzutragen. Wenn möglich, sollten auch die übrigen Daten der Todesfallsaufnahme erhoben und eingesetzt werden. Bei dieser Gelegenheit wurde nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass der richtigen Abfassung der Todesfallsaufnahmen, namentlich der richtigen Namensschreibweise, ein besonderes Augenmerk zu schenken sei.

Feldbücher, Erkennungsmarken, Legitimationsblätter sowie alle Ausweisdokumente von Angehörigen der verbündeten und feindlichen Armeen waren vollkommen gleich zu behandeln wie jene der eigenen Gefallenen. Todesfallseingaben erfolgten nach Protokollierung durch den Bereichsseelsorger auf einem separaten Bogen; diese waren am Monatsende mit den ex offo Totenscheinen an das Referat für Nachlasssachen einzusenden.Die Sterbedokumente Gefallener und Verstorbener wurden stets zur gleichen Zeit mit den Nachlasseffekten, jedoch gesondert an die Nachlassreferate der Verlustgruppen übersandt.Wenn keine Nachlasseffekten vorhanden waren, erfolgte die Versendung der Sterbedokumente an die Verlustgruppen dekadenweise. Die Sterbedokumente wurden vor der Absendung nochmals hinsichtlich ihrer ordnungsgemäßen Ausstellung überprüft, um Rücksendungen wegen notwendiger Ergänzungen zu vermeiden.

Am 12. November 1914 wandte sich das k. u. k. 2. Armeeetappenkommando bezüglich der Legitimationsblätter Verstorbener und Gefangener an das k. u. k. Etappenoberkommando in Teschen (Cieszyn/Česky’ Těšín).17 Beim Armeeetappenkommando liefen damals vielfach Legitimationsblätter Gefallener und Verstorbener ein, auf welchen kein Vermerk bzw. keine Bestätigung der Beerdigung, mitunter auch nicht einmal der Truppenkörper des Verstorbenen angebracht waren. Dieses Abweichen von der Vorschrift war zumeist nicht das Verschulden der Ärzte oder sonstiger Sanitätsorgane. Sehr viele Personen starben außerhalb der Sanitätsanstalten, in irgendeiner Deckung verborgen. Die Leichen dieser Soldaten wurden zumeist von der Zivilbevölkerung aufgefunden und beerdigt. Die Legitimationsblätter wurden den Leuten zwar abgenommen, jedoch mit keinem Vermerk versehen und erreichten das Armeeetappenkommando oft erst sehr spät und meist in einer bereits völlig veränderten Situation. Derartige Legitimationsblätter konnten durch das zuständige Feldsuperiorat nicht ordnungsgemäß behandelt werden, was zur Folge hatte, dass die Angehörigen der Verstorbenen weder in den Genuss der Versorgungsgebühren kamen noch Erbansprüche geltend machen konnten. Um diesem Problem beizukommen, wurde folgender Vorgang bei der Behandlung nicht bestätigter Legitimationsblätter in Vorschlag gebracht: Das Armeeetappenkommando sollte alle einlangenden nicht bestätigten Legitimationsblätter dem Kriegsministerium übersenden. Dieses sollte Verzeichnisse der betreffenden Militärpersonen an die Ergänzungsbehörden übermitteln, welche durch entsprechende Erkundigungen beim Truppenkörper der Verstorbenen und, wenn möglich, bei den politischen oder Ortsbehörden der Begräbnisorte die Bestätigung der tatsächlichen Beerdigung oder wenigstens Daten, die die Möglichkeit einer rechtsgültigen Todeserklärung boten, einzuholen hätten.

Am 19. November 1914 wandte sich die 9. Abteilung an das Apostolische Feldvikariat, die 10. und die 4./II Abteilung und teilte diesen ihre Ablehnung des vom 2. Armeeetappenkommando in Vorschlag gebrachten Vorganges mit. Waren die Legitimationsblätter unvollständig ausgefertigt, wie dies im Bericht erwähnt worden war, und fehlte sogar die Angabe des Truppenkörpers, so war das Kriegsministerium nicht in der Lage, den zuständigen Ergänzungsbezirkskommandos die Legitimationsblätter zur Ergänzung zuzustellen. Die Legitimationsblätter sollten vorerst beim Armeeetappenkommando gesammelt und dann an das Kriegsministerium übermittelt werden. Dieses sollte sie an die Ergänzungsbezirkskommandos weiterleiten, von wo sie zwecks Ergänzung wieder an die Truppenkörper gesandt werden sollten. Dieser Vorgang würde vom Mangel an Arbeitskräften einmal ganz abgesehen derart viel Zeit in Anspruch nehmen, dass die Verhältnisse der Truppen und des Ortes sich seit dem Todestag des Gefallenen oder Verstorbenen so verändert haben könnten, dass eine Ergänzung kaum mehr möglich sei. Dass Soldatenleichen von der Zivilbevölkerung aufgefunden und beerdigt wurden, konnte vorkommen. Diese Fälle standen aber gewiss in keinem Verhältnis zu der großen Zahl von Gefallenen, welche bei Wald- und Rückzugsgefechten unbeerdigt zurückgelassen werden mussten und deren Todeserklärung erst mit dem Ablauf der gesetzlichen Frist erfolgen konnte. Dass bei all den Ereignissen trotzdem Fälle eintreten konnten, die das Einhalten der Vorschriften von Haus aus unmöglich machten, war als gegeben hinzunehmen. Für diesen Fall sorgte das Gesetz durch die später zu erbringende Todeserklärung. Am 24. November meldete das Apostolische Feldvikariat, dass es gleichfalls der Ansicht sei,dass nur die Einhaltung der bestehenden Vorschriften die richtige Behandlung der Legitimationsblätter und Protokollierung der Sterbefälle, soweit es überhaupt tunlich war, gewährleisten würde. Die Durchsicht der eingelangten Matriken und die Meldungen der Feldseelsorger bewiesen jedoch, dass trotz der wiederholten Verlautbarungen Gefallene ohne Legitimationsblätter oder Legitimationsblätter ohne Angabe des Sterbetages bzw. des Truppenkörpers und ohne den zweiten erforderlichen Zeugen damals nicht selten waren. Daher wurde der Ausführung der 9. Abteilung im Allgemeinen zugestimmt. Die 10. Abteilung schloss sich dem vorstehenden Gutachten am 27.November und die 4./II. Abteilung am 2.Dezember an. Am 15. Dezember wurde das 2. Armeeetappenkommando von der Abteilung 9 informiert, dass sich das Kriegsministerium dem gemäß Bericht Res. Nr. 2536 vom 12. November in Antrag gebrachten Vorschlag bezüglich der Behandlung unvollständiger Legitimationsblätter nicht anzuschließen gedachte.

Ablebensmeldungen jeder Art18 durften nur dann erstattet werden, wenn der Tod ohne jeglichen Zweifel festgestellt worden war. Wenn nur im Geringsten die Möglichkeit bestand, dass der Betreffende noch am Leben war, durfte er nur als vermisst gemeldet werden. Da es innerhalb der k. u. k. Armee Ende 1914 verstärkt zu Fällen von Plünderung Verwundeter und Gefallener durch Angehörige der eigenen Streitkräfte gekommen war, erfolgte eine diesbezügliche Meldung an die 11. Abteilung, die diese der 10. Abteilung zur Kenntnis brachte.19 Auch sollte das Etappenoberkommando Maßnahmen gegen den Verkauf oder das Verschenken der Legitimationskapseln ergreifen, da dies eine spätere Identifizierung der Gefallenen unmöglich machte.

Das Fortleben in der Ersten Republik

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die Legitimationskapseln, wenn auch mit anderen Legitimationsblättern versehen, zunächst noch von der Volkswehr und später vom Österreichischen Bundesheer der Ersten Republik weiterverwendet.

In den 1930er Jahren wurden diese auch aus Aluminium gefertigt, aber nicht an alle Einheiten ausgegeben. Weitere Legitimationszeichen des Bundesheeres der Ersten Republik waren die militärischen Widmungskarten20, die ähnlich einem Soldbuch mitgeführt wurden, die Beamtenausweise für Berufssoldaten sowie der provisorische Militärpass.

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Legitimationskapsel aus Weißblech für Angehörigen des Österreichischen Bundesheeres der 1. Republik (C) HGM

Erst nach der Integration des Österreichischen Bundesheeres in die Deutsche Wehrmacht erfolgte die Umstellung auf Erkennungsmarken, die in abgeänderter Form bis heute beim Österreichischen Bundesheer Verwendung finden.

 

 

1 Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv (ÖStA/KA), Wien, Kriegsministerium, 4./G Abt. 2-41/10, Nr. 2.616, Dienstbuch D-15 „Nachlaßwesen”, §14 und §16.

2 Ebd., §17.

3 Standes- und Grundbuchführung im Heer und einschlägige Angelegenheiten.

4 Der Totenschein ist eine öffentliche Urkunde, in der nach gründlicher Untersuchung durch einen Arzt der Tod eines Menschen samt Personalien, Zeitpunkt und Ort des Todes, wenn möglich auch Todesursache amtlich beglaubigt wird.

5 Landwehr, Landsturm und Honvéd waren davon ebenfalls betroffen. Ausgenommen waren Personen der stabilen Ersatzformationen in offenen Orten oder jene in solchen Orten befindlichen Behörden, Kommandos und Anstalten.

6 Dies war bemerkenswert, da damals weitgehened die Kurrentschrift vorherrschte. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass das Legitimationsblatt in vielen Fällen sehr wohl in der gängigen Kurrentschrift ausgefüllt wurden.

7 Stefan Rest – M. Christian Ortner – Thomas Ilming, Des Kaisers Rock im 1.Weltkrieg. Uniformierung und Ausrüstung der österreichisch-ungarischen Armee von 1914 bis 1918,Wien 2002, 486.

8 Eingetragen wurde beispielsweise: IR49 1915/983.

9 ÖStA/KA, Liquidierendes Kriegsministerium 1919, 10./VL Abteilung Gräbergruppe, Nr. 2.695 vom 22.3.1919.

10 Erkennungsmarken wurden erstmalig zu Beginn des Krieges 1870/71 vom deutschen Kaiser Wilhelm I. eingeführt. Die Kennmarken des Ersten Weltkrieges hatten noch keinen Trennschlitz.

11 Instruktionen für die Nachlaßreferate und Verlustgruppen, III. Hauptstück, 1. Abschnitt, § 15, 71.

12 Vorname, Zuname, Charge, Todesart und Sterbetag mussten dabei angegeben werden.

13 „Auf dem Transporte in das Feldspital Nr. … am … gestorben.”

14 Instruktionen für die Nachlaßreferate und Verlustgruppen, III. Hauptstück, 1. Abschnitt, § 15, 79.

15 Dies war bei einer Vielzahl der Betroffenen der Fall.

16 ÖStA/KA, Kriegsministerium 1914, 2./St Abt. 36-144/1-2, Nr. 6.830 von 1914.

17 ÖStA/KA, Kriegsministerium 1914, 9. Abt. 16–2/68, Nr. 14.807 von 1914.

18 Bestätigung des Legitimationsblattes, Identitätsscheines oder durch Errichtung von Todesfallseingaben, -aufnahmen, -anzeigen.

19 ÖStA/KA, Kriegsministerium 1914, 9. Abt. 16–2/89, Nr. 17.669 von 1914.

20 In den Farben schwarz, rot und blau.

Thomas Reichl

Thomas Reichl

HR Mag. Dr. Thomas Reichl
Ich bin Historiker und Leite das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit im Heeresgeschichtlichen Museum. Meine Forschungsinteressen und Schwerpunkte sind der Erste Weltkrieg und der Infantriekampf.

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