HGM Wissensblog

Objekt des Monats Jänner 2021

Konvolut von 15 Skizzenbüchern 1915 bis 1918
Alexander Pock (1871 – 1950)

Bleistift/Feder/Aquarell auf Papier, ca. 16 x 20 cm; Signiert/datiert (Beispiel aus erstem Skizzenbuch): „No 65 | Alexander Pock, Wien I., Stock im Eisenplatz No 3 | Krakau, März 1915“; Ankauf aus Auktion.

Das Heeresgeschichtliche Museum verfügt sicherlich über die größte Sammlung an Werken des bekannten Militärmalers Alexander Pock. Eine sehr wertvolle Bereicherung dieser Sammlung stellt der 2020 erfolgte Erwerb eines Konvoluts von 15 persönlichen Skizzenbüchern dar, die den Künstler von März 1915 bis August 1918 begleitet hatten. Pock war bei Kriegsausbruch 1914 bereits 43 Jahre alt und rechnete eigentlich nicht damit, tatsächlich noch an die Front zu müssen. Angesichts der extrem hohen Verluste der k.u.k. Armee im ersten Kriegsjahr wurde jedoch Anfang 1915 der Landsturm einberufen, wodurch auch Pock seinen Einberufungsbefehl erhielt. Dass der Landsturm hinsichtlich Ausrüstung und Ausbildung ein eher durchwachsenes Bild zeigte, war Pock als Kenner der Armee sicherlich bekannt, weswegen er sich am 31. Jänner 1915 beim Armeeoberkommando (AOK) für die Aufnahme als Kriegsmaler in die Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers (KPQ) bewarb.1 Pock wurde in weiterer Folge in Galizien, Siebenbürgen, auf dem Krn (Isonzofront) und in Südtirol eingesetzt. Dies lässt sich nun anhand der Skizzenbücher sehr gut nachvollziehen, da Pock die Zeichnungen größtenteils auch mit Ortsangaben und Datum versah.

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Alexander Pock: Panzerplatten im Schützengrabensystem Czarkow (März 1915) (HGM)

Die Skizzenbücher sind durchwegs eigenhändig nummeriert (No 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 78, 82, 85 und 87; das letzte Buch des Konvoluts trägt weder eine fortlaufende Nummer noch ist es datiert); No 65 bis 87 sind datiert von März 1915 bis Juni 1918. Die Skizzenbücher No 75 bis 77, 79 bis 81 sowie 83 und 84 fehlen, wobei zu hoffen ist, dass auch diese irgendwann einmal, z. B. nach einer Sammlungsauflösung, auftauchen und für die Sammlung erworben werden können.

Die Skizzenbücher beinhalten die stattliche Anzahl von insgesamt 658 Handzeichnungen – größtenteils Bleistiftskizzen, aber auch Federzeichnungen und Aquarelle. Pock zeigt darin alle möglichen Szenen und Studien aus seiner Zeit als Kriegsmaler des Ersten Weltkriegs: Pferdes- und Soldatenstudien, Kriegsgefangene, Proviantkolonnen, Stellungen, zerstörte Häuser und Kirchen, Porträts seiner Kameraden und Vorgesetzten, Landschaftsstudien, aber auch Kriegsgräber und gefallene Soldaten. Dabei bieten die Darstellungen teilweise furchtbare Einblicke in den schaurigen Kriegsalltag, wie etwa schreckliche Verwundungen und Verstümmelungen von Soldaten, sowohl vom russischen Gegner als auch den eigenen Kameraden, wie das hier angeführte Beispiel zeigt.

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Alexander Pock: Studien Bajonettstich, Verwundungen durch Granaten, datiert: Kalnikow, 13. Juni 1915 (HGM)

1 Heeresgeschichtliches Museum/Militärhistorisches Institut (Hg.), Alexander Pock. Militärmalerei als Beruf, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung. Wien 2012, S. 19.

Walter Albrecht

Walter Albrecht

HR Dr. Walter Albrecht
Kunsthistoriker und Historiker sowie Sammlungsleiter Kunst im Heeresgeschichtlichen Museum/Militärhistorischen Institut. Gemeinsam mit meinen sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin ich für die Verwaltung aller Objekte mit kunsthistorischem Bezug wie Gemälde, Druckgrafiken, Aquarelle und Handzeichnungen, Skulpturen und Plastiken sowie Miniaturen zuständig. Dies umfasst u. a. Ausstellungswesen, Leihverkehr, Akquisition, Konservierung, Restaurierung und Depotwesen. Meine Forschungsinteressen liegen in der Kunst- und Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, besonders des Dreißigjährigen Krieges; sowie der Kunst des Ersten Weltkrieges mit dem Schwerpunkt Kriegsmaler im k.u.k. Kriegspressequartier.

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