HGM Wissensblog

Objekt des Monats Februar 2021

„Alpinabzeichen im 1. Bundesheer“:
Heeresbergführer Abzeichen (Typ Bundesstaat 1934)
Heeresbergführergehilfen Abzeichen (Typ Republik 1931)
(Metall und Email; Ankauf aus Auktion)

Im österreichischen Bundesheer hat die weltweit anerkannte hochqualitative Alpinausbildung eine lange Tradition. Die Ersten Kurse zur Alpinausbildung wurden bereits 1921 durchgeführt, im darauffolgendem Jahr wurden auch die ersten Soldaten zu Heeresbergführern ernannt. Als sichtbares Zeichen wurden im Bundesheer 1931 die Alpinabzeichen in zwei Stufen eingeführt: Heeresbergführer- und Heeresbergführergehilfen-Abzeichen.1

Diese Abzeichen wurden vom weltberühmten und bedeutenden Wiener Bildhauer und Medailleur Prof. Rudolf Marschall (1873-1967) entworfen.2 Er genoss einen internationalen Ruf, hat unter anderem zahlreiche Kunstmedaillen und Auszeichnungen geschaffen und unterrichtete ab 1904 an der Wiener Akademie der bildenden Künste.

Das Abzeichen selbst wird von einer Edelweißblüte gebildet. Diese für den hochalpinen Raum charakteristische Pflanze, ist seit Beginn des Alpinismus ein Symbol der Bergwelt. Als allgemeines Kennzeichen der Gebirgstruppe wurde das Edelweiß als Kragenabzeichen bereits 1907 in der k.u.k. Armee eingeführt.3

Ursprünglich hatten beide Alpinabzeichen das Staatswappen der Republik Österreich, einen einköpfigen Adler. Im Jahre 1934 wurde für den Bundesstaat Österreich ein neues Staatswappen eingeführt, ein nimbierter Doppeladler. In der Folge wurde dieses neue Staatswappen überall gegen das bisherige ausgetauscht. Dies betraf natürlich auch Embleme und Abzeichen auf sämtlichen Uniformen. Wann genau die geänderten Alpinabzeichen mit dem neuen Staatswappen des Bundesstaates eingeführt wurden, ist derzeit leider nicht bekannt.

In der Zeit von 1922 bis 1938 wurden etwa 45 Heeresbergführer und etwa 110 Heeresbergführergehilfen ernannt.4

Im Bundesheer der 2. Republik wurden die bisherigen Alpinabzeichen bereits 1957 eingeführt, allerdings mit dem neuen Staatswappen der 2. Republik.5 Ein bronzenes Abzeichen für Heereshochalpinisten kam neu dazu. Auch diese Entwürfe der Abzeichen stammen von Prof. Marschall. Anlässlich der Einführung eines Abzeichens für Schilehrer 1959, wurde die Form des Wappenschildes der drei Alpinabzeichen leicht geändert.6

Eine Änderung der Alpinabzeichen erfolgte 2016.7 Unverändert blieb dabei nur das Abzeichen für Heeresbergführer, hingegen werden der Heeresbergführergehilfe und der Hochalpinist nicht mehr verliehen. An deren Stelle sind nun die neuen Abzeichen Heeres-Hochgebirgsspezialist und Heeres-Gebirgsausbilder. Wobei letzteres bis auf die Umschrift im Aussehen dem bisherigen Hochalpinisten gleicht. Das Abzeichen für Heeresbergführer wurde nicht nur von einem bedeutenden Künstler entworfen.

Da es seit 1931 – also seit 90 Jahren – praktisch unverändert verliehen wird, ist es auch das älteste Verwendungsabzeichen des Bundesheeres. Die dreimalige Änderung des Staatswappens spiegelt auch die wechselvolle Geschichte der Republik Österreich wieder. Die beiden Abzeichen wurden durch Ankauf in einer Auktion erworben.

Heeresbergführer Abzeichen (2.Typ, Bundesstaat 1934)

Avers: Das Abzeichen ist goldfarben und wird von einer weißen, durchbrochenen Edelweißblüte gebildet. Im Zentrum befindet sich ein goldener geschwungener Schild mit dem 1934 eingeführten Wappen des Bundesstaates Österreich, unterlegt von gekreuzten Skier, Eispickel und Seil. Um das Edelweiß verläuft ein grünes Schriftband mit goldener Schrift „HEERES – BERGFÜHRER“.

Revers: Nadelsystem senkrecht. Erzeugerstempel „F. PETZL – WIEN VI.“.

Das vorliegende Abzeichen hat die Maße 52 x 53 mm, zeigt geringe Tragespuren und das Email ist leicht ausgeschlagen.

Heeresbergführergehilfen Abzeichen (1. Typ, Republik 1931)

Avers: Das Abzeichen ist silberfarben und wird von einer durchbrochenen Edelweißblüte gebildet. Im Zentrum befindet sich ein gerader Schild mit dem Wappen der Republik Österreich, unterlegt von gekreuzten Skier, Eispickel und Seil. Um das Edelweiß verläuft ein Schriftband mit Aufschrift „HEERES – BERGFÜHRER GEHILFE“.

Revers: Nadelsystem senkrecht. Erzeugerstempel „R. MARSCHALL“.

Das vorliegende Abzeichen hat die Maße 54 x 55 mm und ist in einem sehr guten Zustand.


1 Verordnungsblatt des Bundesministeriums für Heereswesen Nr. 7, 2. Juli 1931. Erlass 18.027-2 vom 5. Juni 1931.

2 Georg Mack. Leben und Werk des Medailleurs Rudolf Marschall 1873-1967. Diplomarbeit Univ. Innsbruck, 1992. Die Medaille der Ostmark. Wien, o.J. Seite 30.

3 Verordnungsblatt für die k.k. Landwehr, 1907, Nr. 69, 19. Stück, Seite 146. Zirkularverordnung vom 5.Juni 1907, Präs.Nr. 2589.

4 Kurt Pflügl. 100 Jahre Militärbergführer. 50 Jahre Heeresbergführer. Wien, 2006. Seite 120 f. In diesem Werk findet sich eine namentliche Aufstellung von 42 ernannten Heeresbergführern bis 1938. Laut Angabe des Autors erhebt diese Liste aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nach meiner Überprüfung mit verschiedenen historischen Archivquellen wären vermutlich einige wenige Namen hinzuzufügen. Deshalb wurde die Anzahl der Heeresbergführer von mir aufgerundet und mit 45 festgesetzt. Die Anzahl der Heeresbergführergehilfen ergibt sich nach Auswertung verschiedener Archivquellen und Archiven. Eine Namensliste liegt dem Autor dieser Zeilen vor.

5 BMLV, Erlass Zl.202.903-Ausb.III vom 10. Juli 1957. Dieser Erlass ist nicht in den Verlautbarungsblättern publiziert. Diese sind erstmalig mit 01. Mai 1958 erschienen.

6 Dieser Erlass ist nicht in den Verlautbarungsblättern publiziert.

7 Verordnungsblatt I des BMLVS, 5. Juli 2016, 38. Stück. Erlass GZ S93114/5-MFW/2016 vom 31. Mai 2016.

Peter Steiner

Peter Steiner

OR ObstdhmfD Prof Mag. Peter Steiner
Historiker und Milizoffizier, zuständig für Orden, Ehrenzeichen, Abzeichen, Medaillen, Uniformen und Insignien. Studium der Geschichte, Numismatik und Museumskunde; Ausbildung zum wissenschaftlichen Bibliothekar und Offizier im Bundesheer.
Nach dienstlichen Verwendungen im Pathologisch-anatomischen Bundesmuseum (Narrenturm) und der Österreichischen Nationalbibliothek, bin ich seit Jänner 2016 im Heeresgeschichtlichen Museum tätig. Neben der k.u.k. Armee von 1848-1918, gilt mein persönliches Interesse vor allem der Geschichte des österreichischen Bundesheeres der Ersten und der Zweiten Republik; zahlreiche Publikationen zur Phaleristik (der wissenschaftlichen Ordenskunde) und Militärgeschichte.

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