HGM Wissensblog

Alpinismus und Militär bis zum Ersten Weltkrieg

Seit langer Zeit besteigen Menschen die Berge und bewegen sich im alpinen Raum. Als Geburtsstunde des modernen Alpinismus wird oft der 26. April 1336 angesehen, an dem der italienische Dichter Francesco Petrarca „allein vom Drang beseelt, diesen außergewöhnlich hohen Ort zu sehen“ gemeinsam mit seinem Bruder und zwei Dienern den Mont Ventoux bestieg. Diese Besteigung gilt als das erste überlieferte alpinistische Unternehmen, dass um seiner selbst willen ausgeführt wurde und nicht aus praktischen Zwecken erfolgte. Aber erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein auf breiter gesellschaftlicher Basis stehender und sportlich orientierter Alpinismus, der mit steigendem Fremdenverkehr einherging. Gleichzeitig mit dem sportlichen Anspruch und der Suche nach Abenteuern entstand auch eine ästhetische Freude an einsamen Berglandschaften und die Erholung im Gebirge wurde zu einem weiteren Motiv, um die Berge aufzusuchen. Zum Massensport avancierte der Alpinismus ab der späteren zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in diese Zeit fällt auch die Gründung vieler heute noch bestehender alpiner Vereine. Für Bergsteiger charakterisierte der Alpinismus das Erfahren des alpinen Naturempfindens einerseits, andererseits das Aufsuchen und Überwinden von Gefahren im Gebirge.

Seilschaft 1988, CC Wikimedia Commons (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c1/Tony_Grubhofer_Seilschaft_1899.jpg)

Aus der zivilgesellschaftlichen Basis sickerte der Alpinismus auch in den militärischen Kontext ein, und man hat ihn auch bald als eine Art Vorschule des Krieges angesehen. Die Bewältigung alpiner Herausforderungen ging dabei teilweise mit einem Denken einher, dass ein „Kampf“ gegen und ein (sportlicher) Wettstreit mit dem Gebirge zu führen sei.

Kletterkurs für Bergführer der k.u.k. Armee (o.J.) Foto HGM (47_712_063)

Alpin-affine Einzelpersonen der k. (u.) k. Armee erarbeiteten erste Grundlagen und das k. (u.) k. Militärgeographische Institut begann ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Gebirge Mitteleuropas zu kartografieren. Österreich-Ungarn war neben anderen, wie dem Deutschen Reich, Frankreich, der Schweiz und Italien, eines jener europäischen Länder, das bereits vor Beginn des Ersten Weltkrieges organisatorische, normative, materielle und personelle Vorbereitungen für einen Kampf im Gebirge getroffen hatte. Und das obwohl viele Militärs das Gebirge höchstens als bloßen Nebenkriegsschauplatz erachteten.

Übungskurs für Bergführer k.u.k. Armee, Abseilübungen (o.J.) Foto HGM (47_712_52)

Im Ersten Weltkrieg sollte sich jedoch bewahrheiten, was Einzelne – nicht selten subalterne Offiziere gegen erheblichen Widerstand ihrer Vorgesetzten und höherer Kommanden – vorhergesagt hatten: Erstmals in einem Krieg lagen Tausende Kilometer Frontlinie im Gebirge und es fanden in diesem Gelände zu allen Jahreszeiten, in allen Höhenlagen und unter jeglichen Wetterbedingungen Kampfhandlungen statt.

Weiterführende Quellen und Literatur

Austrian Literature Online, Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins 1875-1938, http://www.literature.at/alo?objid=1026764, 30.4.21

Hermann Czant, Alpinismus und Gebirgsfront im Weltkrieg, Berlin 1926

Peter Grupp, Faszination Berg. Die Geschichte des Alpinismus, Köln – Wien 2008

Christina Geyer, Vom Ursprung des Bergsteigens, https://www.bergwelten.com/a/vom-ursprung-des-bergsteigens, 30.4.2021

Historisches Alpenarchiv der Alpenvereine, https://www.historisches-alpenarchiv.org, 30.4.2021

Hermann Hinterstoisser, M. Christian Ortner, Erwin A. Schmidl (Hgg.), Die k. k. Landwehr-Gebirgstruppen, Geschichte, Uniformierung und Ausrüstung der österreichischen Gebirgstruppen von 1906 bis 1918, Wien 2006

Hermann Hinterstoisser, Soldaten im Hochgebirge, Anfänge des militärischen Alpinismus, https://www.bundesheer.at/truppendienst/ausgaben/artikel.php?id=464, 30.4.2021

Martin Krauß, Der Träger war immer schon vorher da. Die Geschichte des Wanderns und Bergsteigens in den Alpen, München 2013

Kurt Pflügl, Die Geschichte des Heeresbergführers, https://www.heeresbergfuehrer.at/ 4Chronik/Text&Fotos/Geschichte_des_HBF.pdf, 30.4.2021

Walter Schaumann, Alpinismus und Armee, in: ÖMZ 4 (1967), S. 323 – 329

Erik Gornik

Erik Gornik

OR Erik Gornik, MA, M.A.LIS
Historiker, Politikwissenschaftler und Bibliothekswissenschaftler. Ich bin Leiter der Museumsbibliothek und verantwortlich für Aufbau, Erschließung, Gestaltung, Vermittlung und langfristigen Erhalt des Bibliotheksbestandes.
Meine Forschungsinteressen enge ich nicht im Vorhinein ein, sondern gehe mit offener Neugier an (militär-)historische Fragestellungen heran. Dabei interessiert mich vor allem der Zeitraum der Neueren Geschichte bis hin zur Zeitgeschichte mit europäischem Schwerpunkt.

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