HGM Wissensblog

Objekt des Monats November 2021

Diese Uniform wurde von Brigadier Ernst KONZETT als Kommandant der 6. Gebirgsbrigade getragen und dem Museum geschenkt.

Ernst Konzett, ein gebürtiger Vorarlberger, ist einer der wenigen Soldaten, der seine Ausbildung als Einjährig-Freiwilliger („EF“) bereits beim Jagdkommando absolviert hat. Erst danach besuchte er die Theresianische Militärakademie in Winer Neustadt, von wo er 1978 mit dem Jahrgang „Flitsch-Tolmein“ zum Jägerbataillon 23 nach Lochau in Vorarlberg ausgemustert wurde. Kurz darauf versah er drei Jahre Dienst beim Jagdkommando in Wiener Neustadt und danach durchgehend bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand in den Bundesländern Vorarlberg und Tirol.

Seine internationale Tätigkeit führte ihn unter anderem auch in die USA um dort die Ausbildung bei den Special Forces zu absolvieren. Einem Auslandseinsatz in Zypern 1987/88 folgte ein weiterer 2001 als Bataillonskommandant im Kosovo (AUCON4/KFOR). Bei diesem Einsatz führte er ein gefährliches und erfolgreiches Unternehmen gegen bewaffnete Schmuggler und Rebellen im Gebirge durch. Dieser militärische Einsatz fand auch in der internationalen Presse seinen Niederschlag. In Österreich war er Kommandant der 6. Jägerbrigade von 2003 bis 2010 – im Jahre 2006 erfolgte seine Beförderung zum Brigadier – und danach bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand mit 31. Jänner 2020 Militärkommandant von Vorarlberg.1

Als Kommandant der 6. Jägerbrigade regte er die Einführung der alten österreichischen Gebirgskappe mit Edelweiß an. Auf sein jahrelanges zähes Betreiben – beispielsweise wurde diese damals noch nicht eingeführte Kappe erstmals 2005 anlässlich der Parade 50 Jahre Bundesheer in Wien vom Fahnentrupp der 6.Jägerbrigade getragen2 – wurde diese typische und charakteristische österreichische Kopfbedeckung 2007 wiedereingeführt.3

Typisch für die Gebirgssoldaten der k.u.k. Armee, wurde diese Kappe auch im Bundesheer von 1933 bis 1938 getragen. In Ihrer Grundform wurde die Kappe nach 1945 vor allem von der Gendarmerie und der Zollwache verwendet, aber ohne Edelweiß und mit dem entsprechenden Korpsabzeichen. Im Bundesheer war die sogenannte Bergmütze ab 1956 in Verwendung, wurde aber mit Einführung des Baretts und des olivgrünen Dienstanzugs 75 zurückgedrängt und verschwand endgültig mit dem Ende des in Tarnmuster gehaltenen Kampfanzugs aller Art Mitte der 1980er Jahre.

Heute wird diese Gebirgskappe anstelle des Baretts zum Dienstanzug ebenso wie zum Ausgangsanzug getragen.

Neben einer gelebten Traditionspflege und der Förderung des Korpsgeistes, dient sie vor allem auch einer stilgerechten Repräsentation österreichischer Gebirgssoldaten im In- und Ausland, insbesondere innerhalb multinationaler Streitkräfte.

Der Uniformrock hat am linken Oberarm das Verbandsabzeichen der 6. Gebirgsbrigade. An der linken Brust sind das Fallschirmspringerabzeichen der US-Army, darunter das Fallschirmspringerabzeichen des Bundesheeres in Bronze und darunter eine Bandspange mit mehreren Auszeichnungen angebracht:

  1. Reihe: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich;
  2. Reihe: Einsatzmedaille des Bundesheeres WG §2/lit. 2b ; Wehrdienstzeichen 1. Klasse; Wehrdienstmedaille in Bronze.
  3. Reihe: Friedensnobelpreismedaille der österreichischen Liga der Vereinten Nationen; UN-Medal In the Service of Peace „UNFICYP“; NATO-Medal mit Spange „KOSOVO“.

An der rechten Seite sind oberhalb des Namensschildes das Jagdkommandoabzeichen, an der rechten Brusttasche die Verwendungsabzeichen für Heeresbergführer und Heeresschilehrer. Diese drei Abzeichen werden nur wenigen Soldaten nach Absolvierung der entsprechenden Ausbildung verliehen und stellen für sich alleine eine Besonderheit dar. Die Kombination von allen dreien ist ungewöhnlich und extrem selten.

Das Abzeichen für Heeresbergführer ist das älteste im Bundesheer, es wurde erstmals 1931 gestiftet4 und 1957 wiedereingeführt.5

 

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Konzett [21.01.2021]

2 Kronenzeitung. Ausgabe Vorarlberg. 27. Oktober 2005. Foto am Titelblatt.

3 Der Erlass zur Einführung wurde nicht im Verordnungsblatt publiziert: GZ S94467/9-RD-ARWT/FGP/2007 vom 27.06.2007.

4 Verordnungsblatt des Bundesministeriums für Heereswesen Nr. 7, 2. Juli 1931. Erlass18.027-2 vom 5. Juni 1931.

5 BMLV, Erlass Zl.202.903-Ausb.III vom 10.07.1957. Dieser Erlass ist nicht in den Verlautbarungsblättern publiziert.

Peter Steiner

OR ObstdhmfD Prof Mag. Peter Steiner
Historiker und Milizoffizier, zuständig für Orden, Ehrenzeichen, Abzeichen, Medaillen, Uniformen und Insignien. Studium der Geschichte, Numismatik und Museumskunde; Ausbildung zum wissenschaftlichen Bibliothekar und Offizier im Bundesheer.
Nach dienstlichen Verwendungen im Pathologisch-anatomischen Bundesmuseum (Narrenturm) und der Österreichischen Nationalbibliothek, bin ich seit Jänner 2016 im Heeresgeschichtlichen Museum tätig. Neben der k.u.k. Armee von 1848-1918, gilt mein persönliches Interesse vor allem der Geschichte des österreichischen Bundesheeres der Ersten und der Zweiten Republik; zahlreiche Publikationen zur Phaleristik (der wissenschaftlichen Ordenskunde) und Militärgeschichte.

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