HGM Wissensblog

Objekt des Monats Dezember 2021

Zielkontrollbrille
System Albert Reymann

Um die Ausbildung an der Waffe zu verbessern entwickelte der Hauptmann des k .u. k. Infanterie-Regiments Nr. 55 Albert Reymann die „Zielkontrollbrille“, die er schon im Jahre 1901 zum Patent in allen Großstaaten angemeldet hatte.

Diese Brille sollte es dem Ausbildner ermöglichen, Fehler der Rekruten beim Zielen mit der Waffe direkt zu erkennen und somit korrigierend eingreifen zu können. Der Schütze setzt die Brille auf und visiert durch die Glasscheibe, der Instruktor steht rechts neben dem Schützen und kann durch die Spiegelung an der Brille das Zielverhalten des Schützen beobachten.

Diese Hilfseinrichtung, die das Erlernen der richtigen Zielweise ermöglichte, wurde in einem Erlass des k. u. k. Reichskriegsministeriums am 19. Juli 1901 als „vollkommend entsprechend“ beurteilt. Die Brille wurde in zwei verschiedenen Ausführungen angeboten, in Stahl- oder in Messingfassung. Hauptmann Reymann vermarktete die Zielkontrollbrille selbst und bot sie zu einem Preis von drei Kronen zum Verkauf an. Zwar wurden Lieferungen an die russische Armee und nach Deutschland durchgeführt, sie durften aber nicht ohne Probleme verlaufen sein, wie aus den Verkaufsunterlagen hervorgeht.

In einem Schreiben an Major Reymann vom 15. April 1908 heißt es:

Die von Ew. Hochwohlgeboren aufgegebene Idee ist wohl durch die Uni-bifocal Gläser, die seit Jahren auf dem Markt sind, schon gelöst. Aus Russland ist immer noch nichts festes trotzdem mein Vertreter mit heran war. O. bestellt ab und zu 100 Stück und schreibt dann, dass er mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat.“

Aus einem weiteren Schreiben vom 23. März 1908 geht hervor:

„Die Nachbestellungen aus Deutschland werden erst wieder im Herbst einsetzen, da im Frühjahr nur wenige Regimenter rekrutieren“

Ob die Zielkontrollbrille für seinen Erfinder ein Erfolg wurde, ist leider nicht bekannt. Da die im Heeresgeschichtlichen Museum ausgestellten Brillen die einzigen uns bekannten Stücke sind, kann an einer weiten Verbreitung gezweifelt werden.

Thomas Ilming

Ing. Mag. Thomas Ilming
Ich bin Leiter der Sammlung „Waffen & Technik“ und damit verantwortlich für die historische Aufarbeitung, Restaurierung und Archivierung von Objekten historischer Militärtechnik. Darunter fallen alle Arten von Bewaffnungen, Hieb-, Stich- und Feuerwaffen, sowie Fahrzeuge, Flugzeuge, Artillerie und deren Zubehör.

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