HGM Wissensblog

Objekt des Monats März 2022

Schema deren gesambten Kaißer=Königlichen Regimentern u. Corps

Monogrammist „FS“ (auf Titelblatt): Schema deren gesambten Kaißer=Königlichen Regimentern und Corps 1782; Manuskript mit 162 Uniformtafeln; Aquarell- und Deckfarben mit Goldhöhung auf Büttenpapier, je ca. 18 x 10,5 cm; Ankauf aus Auktion.

Für den Sammler von Uniformdarstellungen sind Unikate stets etwas ganz Besonderes, wobei ein solches in einer Auktion des Wiener Dorotheums ersteigert werden konnte. Es handelt sich dabei um eine völlig unbekannte Handschrift aus der josephinischen Zeit, datiert 1782 und hergestellt von einem „FS“, wobei dieses Monogramm ausschließlich auf dem Titelblatt zu sehen ist. Das Manuskript ist gebunden und enthält 162 Uniformdarstellungen, die mehr als bemerkenswert erscheinen. So sind die dargestellten Figuren nicht statisch dargestellt, wie man dies von der rund 20 Jahre vorher zu datierenden Albertina-Handschrift oder von späteren gedruckten Uniformserien des Biedermeier her kennt, sondern auch vielfach in Bewegungen abgebildet, die an die Art der barocken Schlachtenbilder des 17. und 18. Jahrhunderts erinnert. Die Figuren werden oftmals bei einer Attacke oder beim Abfeuern einer Waffe auf den Feind dargestellt, besonders reizvoll sind vor allem auch Szenen des militärischen Alltags, die das Werk beinhaltet. Es sind Offiziersdiener zu sehen, die ihrem Chef den Zopf flechten oder die Stiefel ausziehen; Soldaten, die Pfeife rauchen oder die Flöte spielen; ein Soldat wird vermessen (Musterungsszene); und auch die Reinigung von Waffen u. v. m. wird gezeigt. Auch die „speziellen Truppen“ bzw. technischen Truppen, wie etwa die zu dieser Zeit noch relativ junge Waffengattung der Artillerie; Scharfschützen, Ingenieure und Sappeure, Mineure, Pontoniere, Tschaikisten und Pioniere kommen nicht zu kurz.

Monogrammist FS: Schema deren gesambten Kaißer=Königlichen Regimentern und Corps 1782, Titelblatt (HGM)
Monogrammist FS: k. k. Infanterie-Regiment Nr. 7 (mit Musterungsszene), 1782 (HGM)

Bei der Technik der Zeichnungen war der Verfasser offensichtlich sehr bemüht. Grundsätzlich handelt es sich um eine Mischtechnik, genauer um aquarellierte Federzeichnungen mit Deckfarben und einer sehr subtil eingesetzten Goldhöhung. Die Blätter sind rechts oben durchgehend nummeriert, in einem hochgestellten Rechteck werden die Figuren sowie die Nummer der jeweiligen Einheit abgebildet, darunter die Jahreszahlen mit den jeweiligen Regimentsbenennungen sowie der Garnisonsort. Linksseitig, also auf den Rückseiten der jeweiligen Blätter, werden fallweise die Regimentskommandanten und weiteren Chargen (Oberst, Oberstleutnant, Major) sowie Angaben zu den Werbebezirken genannt. Gebunden ist dieses militärische Panoptikum aus der Zeit Kaiser Josephs II. (1741 – 1790) in einem zeitgenössischen Ledereinband mit goldgeprägtem Rückenschildchen mit der Bezeichnung „Militärschema“.

Walter Albrecht

HR Dr. Walter Albrecht
Kunsthistoriker und Historiker sowie Sammlungsleiter Kunst im Heeresgeschichtlichen Museum/Militärhistorischen Institut. Gemeinsam mit meinen sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin ich für die Verwaltung aller Objekte mit kunsthistorischem Bezug wie Gemälde, Druckgrafiken, Aquarelle und Handzeichnungen, Skulpturen und Plastiken sowie Miniaturen zuständig. Dies umfasst u. a. Ausstellungswesen, Leihverkehr, Akquisition, Konservierung, Restaurierung und Depotwesen. Meine Forschungsinteressen liegen in der Kunst- und Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, besonders des Dreißigjährigen Krieges; sowie der Kunst des Ersten Weltkrieges mit dem Schwerpunkt Kriegsmaler im k.u.k. Kriegspressequartier.

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