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Objekt des Monats 2022

Geistliches Verdienstkreuz „Piis Meritis“
1. Klasse mit Schwerter
Ankauf Auktion

Das Geistliche Verdienstkreuz „Piis Meritis“ ist weltweit einzigartig und gehört sicherlich zu den interessantesten und ungewöhnlichsten Auszeichnungen.

Es wurde bereits während der Napoleonischen Kriege durch Kaiser Franz II. (1768 – 1835) am 23. November 1801 in zwei Stufen – Gold und Silber – als eine militärische Auszeichnung in Kriegszeiten ausschließlich für Militärgeistliche gestiftet. Es war für jene Militärgeistliche vorgesehen, die durch eine vorzügliche und mit Gefahr verbundene Pflichterfüllung in der Militärseelsorge auf dem Schlachtfeld oder an anderer Stelle in Feindesgefahr hervorgetreten waren.

Österreich hatte bis zum Zeitpunkt der Stiftung neben dem extrem selten verliehenen Militär-Maria Theresien-Orden für Offiziere, nur die Tapferkeitsmedaille für Unteroffiziere und Mannschaften als Kriegsauszeichnung für seine Soldaten. Es verwundert sehr, dass als niedere und daher leichter zu erwerbende Auszeichnung für Offiziere erst 1849 das Militärverdienstkreuz gestiftet wurde.

Die Stiftung des Geistlichen Verdienstkreuzes „Piis Meritis“ zeigt aber auch die Bedeutung, die der Religion als ein Teil der psychologischen Kriegsführung gerade in den napoleonischen Kriegen beigemessen wurde.

Das „Piis Meritis“ konnte nur an Militärgeistliche christlicher Konfessionen verliehen werden. Ursprünglich war es ausschließlich eine Kriegsauszeichnung. Eine Verleihung im Frieden war nicht vorgesehen. Erst nach der Statutenänderung von 1911, war eine solche auch in Friedenszeiten möglich.

Anlässlich dieser Statutenänderung erfolgte in der 1. Klasse auch die Formänderung des ursprünglich blauen in ein weißes Mittelmedaillon.

Die Träger des Geistlichen Verdienstkreuzes „Piis Meritis“ 1. Klasse nach der Statutenänderung von 1911

Das Geistliches Verdienstkreuz „Piis Meritis“ 1. Klasse wurde ab 1911 in geänderter Form mit weißem Mittelmedaillon insgesamt nur zehnmal verliehen. Eine einzige Verleihung erfolgte vor dem Ersten Weltkrieg am weißen Band für Verdienste im Frieden, neun am weiß-roten Band für Verdienste im folgenden Weltkrieg, davon aber nur zwei posthum mit den Schwertern.

Das „Piis Meritis“ 1. Klasse ist die am seltensten verliehene Kriegsauszeichnung der k.u.k. Armee im Ersten Weltkrieg.

1911          1 Verleihung

Dr. Koloman Belopotoczky, Apostolischer Feldvikar (röm. -kath.)

1915          3 Verleihungen

Emmerich Bjelik, Apostolischer Feldvikar und Bischof (röm. -kath.)

Andreas Vágás, Feldsuperior 1. Klasse (röm. -kath.)

Viktor Várady, Feldsuperior 1. Klasse (röm. -kath.)

1916          3 Verleihungen

Paul Boldea, Felderzpriester (griechisch-orientalisch)

Johann Korsic, Marinesuperior (röm. -kath.)

Leonhard Rendl, Feldkonsistorialdirektor (röm. -kath.)

1917          2 Verleihungen

Dr. Max Prinz von Sachsen, Feldkurat i.d.R (röm. -kath.)

Stephan Proskurnicki, Feldkurat i.d.R. (griechisch-kath.), posthum

1918          1 Verleihung

Franz Joseph Hämmerle, Feldkurat i.d.R. (röm.-kath.), posthum

 

Gruppe von fünf Militärgeistlichen, 1895.

Repro nach einem Ölgemälde von Oskar Brüch (1869 – 1943)

Erster von rechts: Sabbas Poppoviciu, griechisch-orientalischer Militär-Kaplan 1. Klasse;

Träger des Goldenen Geistlichen Verdienstkreuzes „Piis meritis“, erhalten im Feldzug 1859 als gr.-or.- Feldkaplan des IR 31.

Neben dieser Dekoration trägt er die Kriegsmedaille.

Ab der Stiftung 1801 wurde die Auszeichnung als Goldenes und Silbernes Geistliches Verdienstkreuz bezeichnet, erst mit der Reorganisation der Statuten 1911 wurde die Bezeichnung stattdessen in Geistliches Verdienstkreuz 1. und 2. Klasse geändert.

Peter Steiner

OR ObstdhmfD Prof Mag. Peter Steiner
Historiker und Milizoffizier, zuständig für Orden, Ehrenzeichen, Abzeichen, Medaillen, Uniformen und Insignien. Studium der Geschichte, Numismatik und Museumskunde; Ausbildung zum wissenschaftlichen Bibliothekar und Offizier im Bundesheer.
Nach dienstlichen Verwendungen im Pathologisch-anatomischen Bundesmuseum (Narrenturm) und der Österreichischen Nationalbibliothek, bin ich seit Jänner 2016 im Heeresgeschichtlichen Museum tätig. Neben der k.u.k. Armee von 1848-1918, gilt mein persönliches Interesse vor allem der Geschichte des österreichischen Bundesheeres der Ersten und der Zweiten Republik; zahlreiche Publikationen zur Phaleristik (der wissenschaftlichen Ordenskunde) und Militärgeschichte.

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