HGM Wissensblog

Objekt des Monats Juni 2022

Königlich Preußische Armee, 1800

Leihgabe

August Leopold Ramm (1765-?): Abbildungen von allen Uniformen der Königl. Preuß. Armee unter der Regierung Sr. Majestaet Friedrich Wilhelm III. [1770-1840] dargestellt von August Leopold Ramm, Leutnant und Adjutant im Feld-Artillerie-Corps [1800].

130 kolorierte Kupferstich-Uniformtafeln, gebunden in zwei Bänden, 20,7 x 12,2 cm. Leihgabe des Vereins „Viribus Unitis – Verein der Freunde des Heeresgeschichtlichen Museums“.

Etwa ab der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert wurden in der preußischen Armee einheitliche Uniformen eingeführt. Abgesehen von den grundlegenden Vorteilen, wie etwa der Unterscheidung zwischen Freund und Feind, war die Fertigung von Uniformen in Masse kostengünstiger. Von Anfang an dominierte die Grundfarbe Blau in der preußischen Armee, just zu dieser Zeit, im Jahre 1706 wurde das Farbpigment „Preußisch Blau“ von einem Berliner Farbenhersteller erfunden.

Infolge der französischen Revolution und den sich anschließenden Erfolgen der Armeen Napoleon Bonapartes (1769 – 1821) nach 1789 passten sich die auch die preußischen Uniformen ein Stück weit dem neuen französischen Stil an. Trotzdem glichen sie, bis zum Untergang der altpreußischen Armee in der Schlacht von Jena und Auerstedt (14. Oktober 1806), noch weitgehend den Uniformen zu den Zeiten König Friedrichs II. (1712 – 1786). Dessen Großneffe, König Friedrich Wilhelm III. (1770 – 1840) erlaubte dem preußischen Artillerieleutnant August Leopold Ramm die Herausgabe einer Uniformserie, in der die Veränderungen in Montur und Erscheinungsbild der Jahre 1797/1798 dargestellt werden sollten. Im Dezember 1800 wurde diese Serie unter dem Titel „Abbildungen von allen Uniformen der Königl. Preuß. Armee unter der Regierung Sr. Majestät Friedrich Wilhelm III.“ fertiggestellt.

August Leopold Ramm (1765 - ?): Titelblatt, 1800 (HGM)
August Leopold Ramm (1765 - ?): Infanterie der königlich-preußischen Armee: Infanterie-Regiment No 6, neue Interims-Uniform, 1800 (HGM)

Auf insgesamt 130 Tafeln werden für alle Einheiten der Preußischen Armee jeweils ein Offizier und und ein gemeiner Soldat gezeigt; für einige Einheiten auch noch zusätzliche Tafeln mit Interimsuniformen (siehe Abbildung). Den kolorierten Kupferstichen sind neben den Nummern der Regimenter auch die zum Zeitpunkt der Herausgabe führenden Chefs sowie die Garnisonsorte beigefügt. Die Uniformserie des August Leopold Ramm gilt wegen ihrer Liebe zum Detail, aber auch aufgrund der exzellenten Kenntnis des Zeichners von den Truppen, als wichtige Quelle zur Erforschung der Preußischen Armee an der Schwelle zum 19. Jahrhundert.

Walter Albrecht

HR Dr. Walter Albrecht
Kunsthistoriker und Historiker sowie Sammlungsleiter Kunst im Heeresgeschichtlichen Museum/Militärhistorischen Institut. Gemeinsam mit meinen sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin ich für die Verwaltung aller Objekte mit kunsthistorischem Bezug wie Gemälde, Druckgrafiken, Aquarelle und Handzeichnungen, Skulpturen und Plastiken sowie Miniaturen zuständig. Dies umfasst u. a. Ausstellungswesen, Leihverkehr, Akquisition, Konservierung, Restaurierung und Depotwesen. Meine Forschungsinteressen liegen in der Kunst- und Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, besonders des Dreißigjährigen Krieges; sowie der Kunst des Ersten Weltkrieges mit dem Schwerpunkt Kriegsmaler im k.u.k. Kriegspressequartier.

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