HGM Wissensblog

Objekt des Monats Oktober 2017

Rekruten und k.k. Soldaten rasten bei der Spinnerin am Kreuz
Musterung und Fahneneid bei einem k.k. Kürassier-Regiment

Rekruten und k.k. Soldaten rasten bei der Spinnerin am Kreuz: Von der 1809 eingeführten Wehrpflicht gab es viele Ausnahmen, zweit- und drittgeborene Bauernsöhne wurden jedoch von der Armee aufgesammelt und rekrutiert. Ganz links ist eine Szene dargestellt, wo ein noch in Zivil gekleideter Jüngling von seinen Eltern verabschiedet wird. Links im Vordergrund sitzt ein Rekrut am Boden, der bereits Uniform trägt. Weitere junge Rekruten in Zivil folgen nach rechts hin, begleitet von jungen (frisch rekrutierten) und älteren k.k. Soldaten. Von der Uniformierung her sind beide Gemälde in die Zeit von 1830 bis 1848, also in den späten Vormärz, zu datieren.

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Rekruten und k.k. Soldaten rasten bei der Spinnerin am Kreuz. Anonymer Künstler Mitte 19. Jh. Unsigniert, undatiert (1830/48). Öl auf Leinwand, jeweils 59 x 74 cm Kauf von Privatperson

Musterung und Fahneneid bei einem k.k. Kürassier-Regiment: In der Mitte der Darstellung ist ein Fahnenträger dargestellt, links davon ein Offizier, der den Fahneneid vorliest. Die sechs Rekruten erheben mehr oder weniger begeistert die Schwurhand. Das Porträt darüber ist nicht eindeutig zuordenbar, es könnte Kaiser Franz II. oder Kaiser Ferdinand I. gemeint sein, oder aber auch der Regimentskommandant. Rechts im Hintergrund ist eine überaus seltene Musterungsszene dargestellt, in der zwei Rekruten von einem Regimentsarzt untersucht werden.

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Musterung und Fahneneid bei einem k.k. Kürassier-Regiment. Anonymer Künstler Mitte 19. Jh. Unsigniert, undatiert (1830/48). Öl auf Leinwand, jeweils 59 x 74 cm Kauf von Privatperson

Militärische Genreszenen, welche Rekrutierung und Fahneneid darstellen, sind überaus selten und daher nicht nur für den Kunsthistoriker, sondern auch für die militärhistorische Forschung von großem Belang. Die Gemälde sind nicht signiert bzw. datiert; vom Stil und der Art der Genredarstellung her sind sie wohl dem Maler und Fendi-Schüler Carl Schindler (1821-1842, auch bekannt als „Soldaten-Schindler“) zuzuschreiben und demnach um 1840 entstanden. Das gegenständliche Gemäldepaar aus der Biedermeierzeit mit den begehrten zeitgenössischen Darstellungen wurde dem Heeresgeschichtlichen Museum von einer Privatperson zum Kauf angeboten.

Walter Kalina

Walter Kalina

OR Dr. Walter Kalina
Ich bin Kunsthistoriker und Historiker sowie Sammlungsleiter Kunst im Heeresgeschichtlichen Museum. Gemeinsam mit meinen sieben Mitarbeitern bin ich für die Verwaltung aller Objekte mit kunsthistorischem Bezug wie Gemälde, Druckgrafiken, Aquarelle und Handzeichnungen, Skulpturen und Plastiken sowie Miniaturen zuständig. Dies umfasst u. a. Ausstellungswesen, Leihverkehr, Akquisition, Konservierung, Restaurierung und Depotwesen. Weiters bin ich referatsübergreifend auch für die Provenienzforschung im Sinne des Bundesgesetzes über die Rückgabe von Kunstgegenständen (BGBl. I, 181/1998) verantwortlich. Darüber hinaus liegen meine Forschungsinteressen in der Kunst- und Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, besonders des Dreißigjährigen Krieges; sowie der Kunst des Ersten Weltkrieges mit dem Schwerpunkt Kriegsmaler im k.u.k. Kriegspressequartier.

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