HGM Wissensblog

Objekt des Monats Dezember 2023

Uniformrock für weiblichen Wachtmeister der Jägertruppe des Österreichischen Bundesheeres/Zweite Republik (M.1998) (Zuweisung)

Im Rahmen der beim Ressort eingerichteten sogenannten Uniformkommission (UNIFKOM) gab es zunächst längere Diskussionen, wie das künftige Erscheinungsbild der Soldatin aussehen sollte. In der 34. Sitzung am 27. Mai 1997 einigten sich die – ausschließlich männlichen – Entscheidungsträger darauf, beim künftigen Kampf- bzw. Feldanzug für Frauen lediglich „spezifische Änderungen“ und aufgrund physiognomischer Unterschiede „Adaptierungen“ vornehmen zu wollen. Bei der Ausgangsuniformierung der Soldatinnen wollte man einerseits dem bereits eingeführten männlichen Design entsprechen, andererseits sollten auch die Siegerentwürfe eines vorgestaffelten Modellzeichenwettbewerbes berücksichtigt werden.[1] Neben dem Uniformrock sollte es für die zukünftigen Soldatinnen, je nach Präferenz, die Möglichkeit zur Verwendung einer Schoß bzw. einer Hose geben. Nur beim großen Gesellschaftsanzug („Gala“-Kleid) sollten letztlich verstärkt „weibliche Attribute“ auch sichtbar zum Tragen kommen.[2]

Abb. Sieger-Entwurf für die Ausgangsuniform der Soldatinnen [3] sowie tatsächliche Ausführung des Ausgangsanzuges [4]

gleich-berechtigt – 25 Jahre Soldatin-sein beim Österreichischen Bundesheer

Am 1. April 1998 rückten die ersten Soldatinnen offiziell beim Jägerregiment 5 in der südsteirischen Erzherzog Johann-Kaserne in Strass ein, um ihren zwölfmonatigen Ausbildungsdienst beim Österreichischen Bundesheer anzutreten.

Die Öffnung der österreichischen Streitkräfte für Frauen beruhte seinerzeit weniger auf einer militärischen Notwendigkeit, sondern war vielmehr sichtbarer Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Forderung. Neben dem Wunsch nach Gleichberechtigung sowie Gleichbehandlung von Mann und Frau im Beruf war es vor allem der seit Mitte der 1990er-Jahre einsetzende strukturelle Wandel in den Streitkräften, der diese Entwicklungen nachhaltig forcieren und letztlich zur tatsächlichen Öffnung der Armee führen sollte.

Nach einer langwierigen politischen Diskussion, die durch eine Vielzahl von Beschwerden beim österreichischen Verfassungsgerichtshof ausgelöst worden war, fasste man Ende der 1990er-Jahre den politischen Entschluss, auch österreichischen Staatsbürgerinnen vorbehaltlos eine berufliche Perspektive als Soldatinnen des Österreichischen Bundesheeres bieten zu wollen.

Mit dem Gesetz über die Ausbildung von Frauen im Bundesheer (GAFB)[5] vom 1. Jänner 1998 gelang es erstmals, die Möglichkeit einer adäquaten Berufskarriere für Männer und Frauen in den Streitkräften zu schaffen. Denn hinsichtlich des Dienstes der Frauen im Bundesheer galt von Anfang an das Prinzip, dass sämtliche Verwendungen und Waffengattungen zugänglich sein sollten, wobei im Sinne einer größtmöglichen Integration auch eine regional gleichmäßig gestreute Dienstverrichtung über das Bundesgebiet angestrebt war.

Aktuell gibt es 645 Soldatinnen bei der Truppe, der Frauenanteil im Bundesheer liegt somit derzeit bei ca. 4,3 Prozent. Erklärtes Ziel ist es, den Frauenanteil im Bundesheer jedoch weiter zu steigern und das Bundesheer – etwa durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf – für Frauen attraktiver zu machen.

Seit dem 1. April 2023 steht interessierten Frauen in Form des freiwilligen Grundwehrdienstes grundsätzlich auch die Möglichkeit offen, sämtliche Waffengattungen ohne jede weitere Verpflichtung näher kennenzulernen, um sich im/nach dem Zeitraum von sechs Monaten für den Soldatenberuf zu entscheiden.

[1]„Uniform für Soldatinnen: ,Repräsentativ und trotzdem praktisch‘. Herbststraßen-Schülerin gewann Modellzeichenwettbewerb des Verteidigungsministeriums“, in: „APA“, 401 5 CI 0328 II, 06.03.1997.
[2] Die Bestellung der Uniformen selbst erfolgte bei Hersteller-Firma Topas.
[3] © Bundesheer/HBA 1997.
[4] © Bundesheer 2008, http://www.bmlv.gv.at/karriere/frauen/damenmode.shtml, [12.05. 2008].
[5] Insgesamt mussten zwei Bundesverfassungsgesetze und 45 Bundesgesetze abgeändert bzw. ergänzt werden.

 

Christoph Hatschek

Vizedirektor HR Mag. Dr. Christoph Hatschek
Ich bin seit 1998 am Heeresgeschichtlichen Museum in Wien tätig, und nehme aktuell als Referats- und Sammlungsleiter „Uniformen, Orden- und Ehrenzeichen, Ausrüstung sowie Insignien“ in weiterer Folge als Leiter der Abteilung für Sammlungen und Ausstellungen des Museums und schließlich als Vize-Direktor (seit 2015) gleichermaßen eine „Dreierfunktion“ wahr.

Gerade für die durchaus immer wieder intensive Vorbereitung von Ausstellungen, gilt es sich stets neuen Themen zu widmen und für diese entsprechend zu recherchieren. Interviews, Vorträge und Präsentationen zu militärhistorischen Themen runden das Arbeitsspektrum ab, wobei mein persönliches Interessensgebiet insbesondere im Bereich der Forschung zur historischen Entwicklung der Soldatinnen bei den Streitkräften sowie aktuell zur Geschichte des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik liegt.

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