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Objekt des Monats September

Totenmaske FZM Ludwig von Benedek (1804–1881), Gips, um 1900

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Totenmaske FZM Ludwig von Benedek (1804–1881), Gips, um 1900

Totenmasken sind meist aus Gips gefertigte Gesichtsabdrücke von Verstorbenen, deren Herstellung seit der Antike belegt ist und in anderen Formen sogar bis in das 8. Jahrtausend v. Chr. zurückgeht. Eine besondere Hochblüte erreichten Totenmasken im Alten Ägypten, wo diese meist aus Gold angefertigt wurden der Seele des Toten helfen sollten, den alten Körper wieder zu erkennen. Auch im antiken Rom erfreuten sie sich besonderer Beliebtheit, um sich an die Verstorbenen besser erinnern zu können. Gemeinsam mit dem im 19. Jahrhundert hervortretenden Geniekult wuchs die Verbreitung der Totenmaske in Europa weiter und erreichte um 1900 ihren Höhepunkt.

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Totenmaske FZM Ludwig von Benedek (1804–1881), Gips, um 1900

Im Jahre 2017 gelangte die Totenmaske des Feldzeugmeisters Ludwig von Benedek (1804-1881) durch Ankauf in einem Wiener Auktionshaus in die Sammlung.

Der seinerzeitige Kommandant der kaiserlichen Nordarmee sollte als der große Verlierer bei der Schlacht von Königgrätz gegen die preußische Armee in die Geschichte eingehen. Nach der Niederlage wurde er unmittelbar seines Kommandos enthoben und der oberste Militärjustizsenat verhängte gegen ihn und einige seiner Offiziere eine kriegsgerichtliche Untersuchung, die aber auf Befehl von Kaiser Franz Joseph (1830-1916) schließlich eingestellt wurde. Es sollte ihm jedoch das Versprechen abverlangt werden, über die Umstände der Niederlage für immer zu schweigen. Benedek lebte danach unter größter Zurückgezogenheit in Graz, wo er am 27. April 1881 in seiner Villa starb.

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FZM Ludwig von Benedek, Lithographie von Eduard Kaiser (1820-1895), 1859 (HGM/MHI)
Walter Kalina

Walter Kalina

OR Dr. Walter Kalina
Ich bin Kunsthistoriker und Historiker sowie Sammlungsleiter Kunst im Heeresgeschichtlichen Museum. Gemeinsam mit meinen sieben Mitarbeitern bin ich für die Verwaltung aller Objekte mit kunsthistorischem Bezug wie Gemälde, Druckgrafiken, Aquarelle und Handzeichnungen, Skulpturen und Plastiken sowie Miniaturen zuständig. Dies umfasst u. a. Ausstellungswesen, Leihverkehr, Akquisition, Konservierung, Restaurierung und Depotwesen. Weiters bin ich referatsübergreifend auch für die Provenienzforschung im Sinne des Bundesgesetzes über die Rückgabe von Kunstgegenständen (BGBl. I, 181/1998) verantwortlich. Darüber hinaus liegen meine Forschungsinteressen in der Kunst- und Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, besonders des Dreißigjährigen Krieges; sowie der Kunst des Ersten Weltkrieges mit dem Schwerpunkt Kriegsmaler im k.u.k. Kriegspressequartier.

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