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Erzherzog Karl und das Weihnachtsfest

Eine militärhistorische Weihnachtsgeschichte über den Erzherzog, seine Gemahlin Henriette und die Verbreitung des Weihnachtsbaums in Österreich.

Nun sieht man sie wieder überall, die kleinen grünen beleuchteten Inseln inmitten der Stadt. Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Wenn man durch den verschneiten Wald wandert, die wunderschönen Tannenbäume betrachtet, an die Christbaumkugeln denkt, wird einem warm ums Herz; träumt man vom festlich geschmückten Tannenbaum im häuslichen Weihnachtszimmer. Bräuche gibt es das ganze Jahr hindurch, doch in der kalten, dunklen Jahreszeit werden besonders viele Bräuche gepflegt. Die Entwicklung des Weihnachtsbaumes hat keinen eindeutigen Anfang, vielmehr setzt sie sich aus verschiedenen Bräuchen verschiedener Kulturen zusammen, denen jedoch eines gemeinsam ist: die Winterzeit. Zur Feier der Wintersonnenwende wurden bereits im Altertum grüne Zweige als Schutz und Zaubermittel sowie zur Beschwörung des Sommers geschlagen.

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Weihnachtsbaum vor dem Heeresgeschichtlichen Museum

Unser Wort „Weihnachten“ taucht erst im Jahr 1170 erstmals auf, wo es der bayerische Spielmann und Spruchdichter Spervogel in einem in mittelhochdeutsch verfassten Gedicht verwendete: „ze den wihen nahten“ (in den geweihten Nächten).1 Das Weihnachtsfest, die Feier der Geburt Christi, ist unmittelbar eingebunden in den Weihnachtsfestkreis des kirchlichen (und weltlichen) Brauchtums, welcher mit dem ersten Advent (dem Beginn des Kirchenjahres) beginnt und bis zum 2. Februar (Maria Lichtmeß) dauert. Das Fest selbst erstreckt sich heute auf drei Tage, vom 24.12. bis 26.12. Der eigentliche Tag der Geburt Christi am 25.12. wurde jedoch erst im 4. Jahrhundert festgelegt.2

Der 25. Dezember, der Tag der Sonnenwende, ist seit vielen Jahrhunderten bereits in den verschiedenen Kulturen dieser Erde ein besonders wichtiger Tag. Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert. Bei den Ägyptern wurde mit dem Isiskult die Geburt des Horus auf diesen Tag gelegt. Die Römer begingen ihre feierlichen Sarturnalien zu Ehren des Gottes Saturn, des unbesiegbaren Sonnengottes, an diesem Tag. Die Germanen feierten im norddeutschen Raum bis hinauf nach Skandinavien ihr Mittwinterfest oder Julfest, zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest. Da sowohl in Rom als auch das asiatische, ägyptische und römische Fest mit großem Pomp gefeiert wurde, versuchte Papst Hyppolit bereits um 217 all diese Kulte damit zu beseitigen, dass er das Fest der Geburt Christi auf diesen Tag, den 25. Dezember, verlegte. Durchsetzen konnte es aber erst Papst Liberius 354. Zum Dogma, Glaubenssatz, wurde es schließlich auf dem 2. Konzil von Konstantinopel 381 unter Kaiser Theodosius erklärt. Erst im 7. und 8. Jahrhundert setzte sich der Brauch, das Fest am 25. Dezember zu feiern, auch in unseren Breiten durch.3 Das erste Weihnachtsfest hierzulande wurde erst durch die Synode des Jahres 813 in Mainz legitimiert.

Das Weihnachtsfest blieb bis ins 14. Jahrhundert im Wesentlichen im klerikalen Rahmen verhaftet. Dort bildeten sich spezifische Formen seiner Gestaltung, z. B. das „Kindleinwiegen“ in Klöstern oder die im Mittelalter sehr beliebten Krippenspiele heraus. Daneben begann aber auch sehr früh die Entwicklung von weihnachtlichen Brauchformen im zünftischen Bereich.4 Das heute sicherlich beliebteste Symbol zur Weihnachtszeit bildet unser festlich geschmückter weihnachtlicher Baum. Erstaunlich daran ist jedoch, dass es ihn im Grunde genommen aber noch gar nicht so lange gibt. Die Geschichte des Weihnachtsbaumes ist im Laufe der vergangenen Jahrzehnte schon wiederholt behandelt worden, zahlreiche Bücher und Anekdoten sind darüber geschrieben worden. Der Weihnachtsbaum ist unmittelbar mit unserem Weihnachtsfest5 verbunden und aus den Feiertagen einfachen nicht mehr wegzudenken. Auf den öffentlichen Plätzen, vor den Geschäften in den Vorgärten strahlt er schon Wochen vorher, um das freudige Ereignis, das sinnstiftende Weihnachtsgeschehen anzukünden. In den Wohnungen selbst allerdings setzt er mit seinem Lichterglanz das erste Signal, dass nun der Heilige Abend unmittelbar bevorsteht. Wenn man jedoch zur Winterzeit alljährlich aufs neue die Tannenbäume schmückt, wenn zwischen den grünen Zweigen erstmals die brennenden Kerzen schimmern und man in altvertrauter Weihnachtsträumerei versinkt, so mag schon der eine oder andere von uns vergessen haben, dass die Tradition des Christbaumes bei uns eigentlich eine relativ kurze ist. Viele von uns stellen sich unwillkürlich vor, dass dieser weihnachtliche Lichterbaum gewiss schon seit urlanger Zeit, seit Menschengedenken, den strahlenden Mittelpunkt und gewissermaßen den Hauptschmuck unseres Christfestes bildet.

Jedoch weit gefehlt, das wohl beliebteste Symbol der Weihnachtszeit, unser geschmückter Christbaum, ist nicht einmal 400 Jahre alt und in unseren Breiten nicht einmal seit 200 Jahren bekannt. 1509 zeigt ein Kupferstich den ersten mit Lichtern und Sternen geschmückte Tannenbaum von Lucas Cranach dem Älteren.6

Eine eindeutige Antwort auf die Frage nach den Ursprüngen des Christbaumes gibt es nicht, aber dafür lassen sich eine ganze Reihe interessanter Fährten, die sowohl in heidnische als auch in christliche Richtungen führen, verfolgen.7 Die Wurzeln des Weihnachtsbaums sind also weit verzweigt. Den Brauch, die düstere Winterzeit mit grünen Pflanzen als Hoffnung auf neues Leben und Kerzen als Hoffnung auf neues Licht zu schmücken, den gab es schon in der Antike. Die Römer bekränzten ihre Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeerzweigen, vermutete man doch in den wintergrünen Gewächsen Lebens- und nicht zuletzt entsprechende Heilkraft. So glaubte man sich nicht zuletzt Gesundheit ins Haus holen zu können, wenn man dieses zu Neujahr mit Grünem schmückte.

Der Siegeszug unseres weihnachtlichen Tannenbaums war ein durchaus langsamer. Denn gerade die Kirche, vornehmlich die katholisch, stand diesem Brauch lange Zeit sehr ablehnend gegenüber. Denn beim mittelalterlichen Krippenspiel der Kirche, dem Paradiesspiel, gehörte stets auch ein immergrüner Baum als „Paradiesbaum” (auch Adamsbaum), von dem an der dramaturgisch bestimmten Stelle die „Frucht” gepflückt wurde. Die auf diesem Baum hängenden Äpfel erinnerten so an den Sündenfall und natürlich auch an die Befreiung von der Erbsünde des Menschen durch Jesus Christus.8 Im 16./17. Jahrhundert taucht der Paradiesbaum auch erstmals außerhalb der Kirche auf: bei Gemeinschaftsfeiern von Zünften und Bruderschaften. Er löste sich damit mehr und mehr vom Krippenspiel ab und wurde Symbol der Advent- und Weihnachtszeit.9

Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1419 und zeigt noch immer den für die Allgemeinheit bestimmten Charakter. Die Freiburger Bäckerschaft hatte nämlich einen Baum mit allerlei Naschwerk, Früchten und Nüssen behängt, den die Kinder nach dem Abschütteln an Neujahr plündern durften. Die eigentliche Heimat des Weihnachtsbaumes bildet allerdings das damals noch protestantische Elsass. Die Lichterbäume tauchen zunächst in den Wohnstuben evangelischer Familien auf – als konfessionelles Gegensymbol zur (katholischen) Weihnachtskrippe. Aus dem 16. Jahrhundert wird uns überliefert, dass in Straßburg kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumchen verkauft wurden, die zwar noch ohne Kerzen jedoch schon recht feierlich in den Stuben aufgehängt wurden.10 Für 1605 ist in Straßburg der erste Christbaum belegt, der als Gabenbaum oder Bescherbaum, aber ohne Kerzen, hergerichtet war. In einer Chronik heißt es:

Auf Weihenachten richtett man Dannenbäume zu Strassburg in der Stubben auf, daran henckett man rossen aus vielfarbigem Papier geschnitten, Äpfel, flache kleine Kuchen, Zischgolt, Zucker.

Diese neue Sitte fand aber nicht nur Freunde. Johann Konrad Dannhauer, Pastor am Straßburger Münster, polterte in einem ab 1642 erschienenen Werk dagegen:

Unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begeht, ist auch der Weihnachts- und Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Puppen und Zucker behängt und ihn herinach schütteln und abblümeln lässt. Wo die Gewohnheit herkommt, weiß ich nicht. Es ist ein Kinderspiel.

Dennoch galt der Christbaum sehr bald in evangelischen Familien als weihnachtliches Symbol „rechtgläubiger” Protestanten. 1611 soll in Schlesien der erste kerzengeschmückte Tannenbaum im Schloss der Herzogin Dorothea Sybille von Schlesien gestanden haben. Aber erst im 18. Jahrhundert sollte die Tanne als Weihnachtsbaum häufiger Verwendung finden, wie uns pfälzische Prinzessin und Herzogin von Orleans Lieselotte hinterließ, nunmehr aber bereits mit kleinen Kerzen geschmückt. In einem Brief datiert mit 11. Dezember 1708 schreibt sie:

Ich weiß nicht, ob ihr ein anderes Spiel habt, das jetzt noch in ganz Deutschland üblich ist; man nennt es Christkindel. Da richtet man Tische wie Altäre her und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen aus, wie neue Kleider, Silberzeug, Puppen, Zuckerwerk und alles Mögliche. Auf diese Tische stellt man Buchsbäume und befestigt an jedem Zweig ein Kerzchen; das sieht allerliebst aus und ich möchte es heutzutage noch gern sehen. Ich erinnere mich, wie man mir zu Hannover das Christkindel zum letzten Mal [= 1662] kommen ließ.

Als die Weihnachtsfeiern im 18. Jahrhundert zunehmend zu Familienfesten wurden, wandert der mit brennenden Kerzen bestückte Christbaum konsequenterweise mit in die Wohnstuben auch der einfacheren evangelischen Menschen.

Und wie kam nun der Weihnachtsbaum nach Österreich? Der Lichterbaum hat sich hierzulande eigentlich recht spät eingebürgert, da man ihn zunächst für eine protestantische Unsitte hielt und lieber allein an der lichterumstellten Weihnachtskrippe festhielt.11 Das Brauchtum des Christbaumes in Österreich fand eigentlich erst nach den sogenannten Franzosenkriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine Verbreitung und ist unmittelbar mit einer Person verbunden, von der man es wohl am wenigsten annehmen dürfte, einem Soldaten, dem Soldaten der habsburgischen Armee in den sogenannten „Freiheitskriegen“ gegen Napoleon, Erzherzog Karl von Österreich.

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Portrait Erzherzog Karl von Österreich (1771-1847), Brustbild nach links. Unsigniert, undatiert (um 1815) © HGM

Erzherzog Karl war zweifelsohne der größte Feldherr der habsburgischen Armeen nach Prinz Eugen. Dessen Ruhm und die Wirkung der Siege des Savoyers sollte er jedoch zeitlebens nie wirklich erreichen. Zu vielfältig und oftmals zu beschwerlich waren die Fesseln, die ihm sein Schicksal auferlegt hatten. Der glücklichen Ehe zwischen Peter Leopold Großherzog der Toskana und der Infantin von Spanien Maria Ludovica entsprangen insgesamt 16 Kinder, der älteste Franz, dann Erzherzog Ferdinand und der dritte Erzherzog Karl Ludwig Johann Josef Lorenz als fünftes Kind. Geboren wurde der spätere Held von Aspern am 5. September 1771 um 4 Uhr nachmittags. Aber nicht ihm dem reich begabten war es bestimmt die entscheidende Stelle in der Thronfolge einzunehmen, sondern vielmehr seinem Bruder Franz. Es war ein eher schmächtiger Jüngling von zarter fast schwächlicher Gestalt, der damals in Florenz eine für die damalige Zeit durchaus glückliche Kindheit verbringen konnte. Die Erziehung des jungen Prinzen war jedoch stets sehr autoritär und zielte auf die sprichwörtliche „Unterwerfung“ aufgrund des „raisons“. Ein Umstand der praktisch für das ganze Leben des Erzherzogs bestimmend sein sollte. Viel Liebe gab es auch am so fortschrittlichen toskanischen Hof recht wenig und der junge Karl litt offensichtlich darunter. Er selbst schilderte es später in seiner Autobiographie folgendermaßen:

Wir wurden zur strengen Erfüllung unserer Pflichten angehalten; aber niemand wusste mein Zutrauen oder meine Liebe zu gewinnen, weder Eltern noch Erzieher, und zwischen den Brüdern duldete man keine besondere Verbindung. Mit einer lebhaften Phantasie begabt, bildete ich mir daher einen abstrakten Begriff von Grundsätzen und Pflichten und richtete mein ganzes Streben dahin, diese auf das genaueste nach einem Ideal von Vollkommenheit zu erfüllen, welches für den Menschen unerreichbar ist.12

Allein in den ersten Lebensjahren zeigte sich bereits bei Karl eine schwache gesundheitliche Konstitution, die ihn jedoch nicht daran hindern sollte, mit der ihm eigenen Ausdauer und Zähigkeit eine militärische Laufbahn einzuschlagen. Erste Hinweise auf ein epileptisches Leiden wurden im achten Lebensjahr sichtbar: „Oft zuckte er an allen Gliedern, während der Blick der verglasten Augen einen starren Ausdruck bekam.“ Diese Anfälle sollten in lange Zeit begleiten und brachen immer wieder in Folge ungewöhnlicher Anstrengung und Aufregung auf. Er fühlte sich dann acht, ja auch zum Teil 10 ja sogar 15 Tag ganz wohl, dann überkam ihn aber plötzlich wieder ein epileptischer Anfall, der ihn für 24 Stunden aufs Krankenbett fesselte. Sobald der Anfall jedoch vorüber war, fühlte er sich wiederum so, als wenn nicht geschehen wäre. Diese Anfälle, die im Verlaufe der ersten Koalitionskriege noch sehr akut waren, dürften sich jedoch im Zuge der Zeit durch Pflege und wirksamere Medikamente verbessert haben. Seit 1811 sind keine weiteren Anfälle mehr bekannt wobei die Öffentlichkeit von seinem Leiden tatsächlich nie etwas erfahren sollte. Die Krankheitsgeschichte des berühmten Feldherrn wurde von seinem Leibarzt Dr. Hosers streng geheim gehalten.13

Karls Traum war es von Kindheit an, ein großer Feldherr zu werden und er konnte ihn weiterträumen. Nicht zuletzt um seine weitere Existenz zu sichern, wurde der 20-jährige Erzherzog von seiner kinderlos gebliebenen Tante Maria Christina und deren Mann Albert von Sachsen adoptiert und seinen Neigungen entsprechend „militärisch“ erzogen. Schon als Vierjähriger hatte es der junge Erzherzog Karl der Lieblingstochter Maria Theresias angetan, die ihn als das „liebenswürdigste Kinde“ bezeichnete, welches sie je gesehen hatte. Schon damals schickte sie ihm Spielsachen aus Wien und einmal „angekleidete Soldaten, wie selbe ins Feld zogen“ und traf dabei so unmittelbar den Geschmack des Kleinen. Diese durchaus gegenseitige Zuneigung sollte sich zeitlebens nicht ändern. Am 12. Februar 1790 erlag Kaiser Josef I, kaum fünfzigjährig seinem Lungenleiden, welches sich während des eher unglücklich geführten Türkenfeldzugs zu einer tödlichen Krankheit entwickelt hatte. Für Karl bedeutete dies die Gelegenheit nach Wien zu kommen, wo er jedoch aufgrund der ach so guten Wiener Luft gleich von rheumatischem Fieber und Keuchhusten erfasst wurde. Er sollte jedoch rasch wieder genesen und der Krönung seines Vaters im Oktober 1790 zum römisch-deutschen Kaiser in Frankfurt beiwohnen können. Um die Zukunft des jungen Erzherzogs, dem durch die frühere Geburt seiner Brüder die Thronfolge vorenthalten bleiben sollte, sicherzustellen gab Kaiser Leopold seine förmliche Einwilligung zum langgehegten Wunsch des Statthalterehepaars der österreichischen Niederlande, Albert von Sachsen-Teschen und Maria Christina den jungen Erzherzog unter ihren Schutz zu stellen. Und so übersiedelte der junge Erzherzog knapp 20-jährig zu seinen Adoptiveltern nach Brüssel. Nicht unerheblich für den weiteren Werdegang Karls sollte vor allem seine Einsetzung als Alleinerbe des durchaus beträchtlichen Vermögens sein. Als Feldherr und österreichischer Statthalter in Ungarn und den Niederlanden hatte sich Albert von Teschen mehr oder weniger als Versager erwiesen, doch hatte er finanziell stets äußerst geschickt gehandelt und sich gleichzeitig zu einem wahren Kunstliebhaber gewandelt.

Als Erzherzog Karl 1791 die Hauptstadt der österreichischen Niederlande erreichte, stand Österreich unmittelbar vor dem Abwehrkampf gegen die Armeen des revolutionären Frankreichs. Und auch in Belgien schwelte bereits die Revolution, die nicht zuletzt durch die politischen und kirchlichen Reformen Kaiser Josefs in Belgien entsprechenden Zunder erhalten hatte. Trotzdem noch sollte es vorerst noch zu keinem Ausbruch der Kampfhandlungen kommen. Die französischen Emigranten drängten die Österreicher zu einer Intervention, die jedoch von Kaiser Leopold und Staatskanzler Fürst Kaunitz nicht befürwortet wurde. Mitten in dieser schweren Krise starb zu allem Unglück auch noch der eher besonnene Leopold und machte Platz für seinen erst 24-jährigen Sohn Franz, der stets für eine „aktive“ Politik gegen Frankreich eingetreten war. Die Katastrophe brach unmittelbar ein und am 20. April erklärte Frankreich, König Ludwig XVI. unter dem Druck der Nationalversammlung seinem Neffen den Krieg.

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Einzug des Erzherzog Karl in Brüssel als General-Gouverneur der Niederlande, 1793 © HGM

Zu Beginn der Koalitionskriege sollte sich Erzherzog Karl wiederholt durch hervorragende militärische Fähigkeiten auszeichnen. So gelang es ihm mit der Rheinarmee die französischen Revolutionsgeneräle und bestellte ihn zum Reichsgeneralfeldmarschall auf dem deutschen Kriegsschauplatz. Aufgrund seiner Siege bei Amberg, Würzburg (Der Link führt zu unserem YouTube-Kanal und einem Video über den in Würzburg erbeuteten französischen Kriegsballon), Altenkirchen, Kehl und Hühningen (1796/97) feierte man ihn bereits als „Retter Germaniens“.

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Die Generale Sztaray und Kray zeigen Erzherzog Karl den am 3. September 1796 in der Schlacht bei Würzburg erbeuteten französischen Kriegsballon Intrépide © HGM

Es gelang ihm die französischen Armeen über den Rhein zurückzutreiben, allein in Italien war und blieb es der junge ehemalige Artilleriehauptmann und nunmehrige Revolutionsgeneral Napoleon, der sich als würdiger Gegner auf dem Schlachtfeld behaupten und letztendlich die endgültige Entscheidung des Krieges davon tragen sollte.

Mit Abschluss des Vorfriedens von Leoben und dem Abzug der Franzosen aus den habsburgischen Erbländern wurde Karl für seinen Bruder entbehrlich. Er wurde zunächst wieder zur Rheinarmee entsandt, bevor ihn sein Bruder bitten sollte, vorerst sich freiwillig völlig zurückzuziehen. Den diplomatischen Kampf überließ Franz seinem Minister für Äußeres Thugut, der den massiven Gebietsverlusten im Frieden von Campoformido zustimmte und somit die Basis für die zukünftige Entwicklung des Reiches legte.

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Allegorie auf den Frieden von Campoformio am 17. Oktober 1797 © HGM

Karl hingegen gehorchte seinem Bruder, dem Oberhaupt der Familie und Souverän, und wird zunächst zum Gouverneur und Generalkapitän von Böhmen ernannt. Seine Zeitgenossen beschreiben ihn als bieder, geradezu menschenfreundlich, Zutrauen erweckend, aber gleichzeitig auch Ehrfurcht ausstrahlend. Er selbst war sicherlich kein Kriegshetzer, sondern vielmehr ein Mensch, der danach trachtete, durch entsprechende Reformen die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu erkennen. Hinzu kam sein steter, jedoch zumeist sinnloser Kampf gegen die unmittelbare „Beraterschaft“ durch die Umgebung seines Bruders.

Der Geist der Zeit gleicht einem mächtigen Strome, man darf ihm weder voraneilen, noch hinter ihm zurückbleiben. Die Menschen vermögen weder seinen Lauf umzuwenden noch aufzuhalten. Aber durch Dämme kann man die Uferbefestigungen stärken im nützliche Wendungen geben.

Tapferkeit sah er selbst als die erste unentbehrlichste Eigenschaft eines Soldaten an. Hielt jedoch gerade seine Offiziere an das Gemüt ihrer Soldaten zu bearbeiten. Gehorsam musste Gewohnheit werden. Jedoch sah er ihm Soldaten mehr als bloße Maschinen.

Trotz seiner militärischen Erfolge gegen die französischen Generäle Jourdan und Massena während des zweiten Koalitionskrieges, zerstritt er sich in weiterer Folge immer mehr mit dem stets in „seine“ militärischen Angelegenheiten dreinredenden Wiener Hof. Mit ein Grund mag wohl das stete Gerücht gewesen sein, dass er als eine Art „Wallenstein“, seinen kaiserlichen Bruder stürzen wollte. Eine gewisse Genugtuung für Erzherzog Karl war sicherlich die eher schmachvolle Abberufung seines Hauptgegners bei Franz Thugut noch wenige Tage vor dem eher schmachvollen Frieden von Lunéville. Dieser Frieden zeigte Karl erneut, dass es tatsächlich besser gewesen wäre, seinem wiederholten Rat entsprechend, rechtzeitig Frieden zu schließen. Österreichs Machtstellung im Reich war nicht nur bedroht, sondern war bereits in seinen Grundfesten dermaßen erschüttert, dass das Ende des Reiches unmittelbar bevorzustehen schien.

Noch im Jänner 1801 wurde Karl zum Präsidenten des Hofkriegsrates und zum Feldmarschall befördert. In seiner durchaus verantwortungsvollen Stellung versuchte Karl seine ganze Arbeitskraft und Erfahrung in den Dienst des Wiederaufbaus des Heeres und der Monarchie zu stellen. Sein Ziel war die Schaffung einer zweckmäßigen Armeeverwaltung sowie die Heran- und Ausbildung eines entsprechend leistungsfähigen Offizierskorps. Letztendlich lag ihm auch die Verbesserung der katastrophalen wirtschaftlichen und finanziellen Lage seiner Heimat am Herzen, die Kriegskosten die sich seit 1792/94 angehäuft hatten waren enorm. Zielstrebig nahm er seine Aufgabe in Angriff und schaffte zunächst die lebenslängliche Dienstzeit ab und ersetzte sie durch ein Assentierungssystem, welches für die einzelnen Truppengattung verschiedene Längen aufwies (Infanterie 10, Kavallerie 12, Artillerie 14). Der Bürger in Uniform wurde geboren. Denn der Soldat war nicht mehr ein von der Gesellschaft abgetrenntes Individuum, sondern er kehrte nach Beendigung seiner Dienstzeit wieder zu seinem zivilen Beruf zurück. Die Armee erhielt auf diese Art eine Verjüngungskur verabreicht, die dringend notwendig aber einfach jahrelang vernachlässigt worden war. Als äußere Ehrung fällt ihm in dieser Zeit auch das Hochmeisteramt des Deutschen Ritterordens zu (1801-1804). Karl ist sich der großen und nahen Gefahr für Österreich durchaus bewusst und verfasst entsprechende Denkschriften, die er seinem Bruder zukommen lässt und auf entsprechende Veränderungen beharrt. Allerdings der Hof in Wien hält nichts vom Frieden und drängt auf Entscheidungen am Schlachtfeld.

Den Krieg von 1805 sieht sich Karl primär aus der Ferne – vom italienischen Kriegsschauplatz – an, das Drama um General Mack bei Ulm trifft ihn nicht persönlich, jedoch als vehementer Gegner dieses neuerlichen Versuchs, die Macht Napoleons unvorbereitet zu stürzen, sieht er seine Voraussagen bestätigt. Er nützt jedoch die schmachvolle Niederlage erneut um organisatorische Veränderungen in der Armee durchzusetzen, u.a. durch die Schaffung der österreichischen Landwehr, die ähnlich dem levée en masse Frankreichs nunmehr auch die österreichische Bevölkerung unter Waffen zu stellen sucht.

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"Salzburger Landwehr, 1809", unsigniert. Originale Federzeichnung zum Uniformwerk von Ottenfeld-Teuber, Band II © HGM

Karl schreibt neue Reglements und Grundsätze über die höhere Kriegskunst. Allein es ist im klar, dass die Reform der Heeresverfassung nur im Zusammenhang mit einer gründlichen Umgestaltung der ganzen Staatsverwaltung vor allem der obersten Zentralgewalt und des Finanzwesens einhergehen kann. Erneut stoßen seine Denkschriften auf wenig Gehör.
Karl warnt wiederholt den Kampf gegen Napoleon fortzuführen, denn dies wäre das Grab der Monarchie, gleichzeitig spricht er sich jedoch auch gegen ein Bündnis mit dem Korsen aus, da dies nur der Beginn der Unterjochung sein konnte.

Der Freiheitskampf der Spanier und die Bindung der französischen Truppen auf der iberischen Halbinsel verleiten jedoch den Wiener Hof zum neuerlichen Antritt gegen Napoleon. Erstmals versucht man in einer Art Nationalkrieg den französischen Truppen die Stirn zu bieten. Viel zu früh – ohne jegliche Verbündete – schickt Franz die österreichischen Truppen 1809 erneut in den Kampf. Im „Großen Vaterländischen Krieg des Kaisertums Österreich“ wird Karl zum Generalissimus ernannt und es gelingt ihm nach den ersten Niederlagen in Deutschland einen ersten entscheidenden Sieg über Napoleon zu erringen. In der viel zitierten Schlacht von Aspern (21/22. Mai 1809) ist es seinem Engagement zu verdanken, dass die Reihen der Österreicher halten und Napoleon erstmals das Schlachtfeld räumen und sich über die Donau wieder zurückziehen muss.

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Erzherzog Karl in der Schlacht bei Aspern am 22. Mai 1809 mit der Fahne des Infanterieregiments Zach, Nr. 15. Signiert und datiert: "P Krafft. pinx." | "Wien. 1812" (PK lig.) © HGM

Entscheidendes Detail am Rande wenige Wochen später unterliegt Karl selbst dem Kaiser der Franzosen bei Wagram (am 5./6. Juli 1809) und besiegelt damit das unheilvolle Unterfangen des Kaisers von Österreich. Gegen den Wiener Hof entschließt sich Karl zum Waffenstillstand (bei Znaim) und legt gleichzeitig alle Funktionen nieder. Die Resultate des durchaus ehrenvollen Waffengangs sind selbst für den „Überwinder des Unüberwindlichen“ letztendlich zu viel und werden ihm mehr als nur zur Last. Hinzu kommt die Kritik seines kaiserlichen Bruders, die er als nicht gerechtfertigt betrachtet. Nicht geringen Anteil hatte dabei der neue Berater Franz I. Fürst Metternich, der wie Thugut zu einem entschiedenen Gegner Karls am Wiener Hof werden sollte.

Im Gegensatz zu seiner Umgebung blieb Karl jedoch zeitlebens natürlich. Es zeichnete ihn eine gewisse Nächstenliebe aus, die er bei Freund und Feind durchaus vermisste. Es war dies letztendlich wohl auch ein Produkt seiner tief religiösen Gesinnung Der Erzherzog selbst fühlte sich gerade in dieser Charaktereigenschaft von Napoleon unterschiedlich und so schrieb er selbst.

Napoleon Bonaparte war alles nur kein Mensch.

Der Kaiser der Franzosen jedoch schätzte ihn hingegen offensichtlich über alle Maßen. Und so überbrachte der französische Abgesandte Marschall Berthier, Napoleons Generalstabschef, die Bitte seines Monarchen an Karl, am 11. März 1810 durch Prokuration an der Vermählung in Wien teilzunehmen. Metternich hatte die Hochzeit, die in der Augustinerkirche zwischen Marie Luise mit Napoleon stattfinden sollte, in seinem europäischen Kalkül arrangiert. Da Napoleon nicht selbst daran teilnahm, vertrat ihn Karl14. Interessantes Detail, da man damals
nicht wusste, welche Größe der Ring haben sollte, nahm man gleich 12 verschiedene die allesamt Marie Luise für ihren Gemahl übernahm.

Als sie schließlich 1814 nach Schönbrunn zurückkehren sollte, war es Erzherzog Karl der sich persönlich um den jungen Napoleon, den jungen Herzog von Reichsstadt, annehmen sollte, der auf dem Wiener Hof so ganz ohne Zuneigung bis zu seinem tragischen Ende verbleiben sollte. Er ersetzte ihm den Vater und der kleine König von Rom dankte es seinem Onkel mit seiner ganzen Zuneigung, kein Wunder also das man den einstigen Gegner des Vaters nunmehr als den „Schutzgeist des kleinen Napoleon“ betrachtete.

Erzherzog Karl war an sich ein Familienmensch durch und durch und so mag es doch vielleicht den einen oder anderen unter Ihnen verwundern, dass er selbst erst wenige Tage nach Vollendung seines 44. Lebensjahres sich vor dem Traualtar wiederfinden sollte. Heiratsprojekte gab es durchaus früher15 und auch in entsprechender Zahl, allein all diese Pläne wurden immer wieder aufgrund der Ereignisse, deren Mittelpunkt Erzherzog Karl so oft bildete, wieder zurückgeschoben, erwiesen sich als undurchführbar oder handelten gegen die „Staatsraison“, vor der sich Karl stets zu beugen wusste. 1814 schrieb er durchaus ein wenig verbittert in seiner Autobiographie:

Um meinem Charakter, wie er ist, auch in meinem äußeren Leben zu entwickeln und mich glücklich zu machen, ist es notwendig, meinem unverdorbenen Herzen seine wahren Rechte einzuräumen…Außer meinem Bestreben vermag dies hauptsächlich der Umgang und Rat eines Menschen, der mich genau kennt, der es versteht, mit meinem Herzen zu sprechen… Es ist ein Unglück für mich, dass ich einen solches [Weibe] nicht schon lange gefunden habe.

Ein Jahr darauf fand seine Vermählung mit der damals erst 17-jährigen Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg statt, für die er sich nach Plänen Kornhäusels die Weilburg bei Baden nahe Wien errichten ließ (1820-1823). Es handelte sich dabei aber keineswegs um eine kalte Vernunftehe, denn selten sollte es wohl eine glücklichere Verbindung im Hause Habsburg als zwischen den beiden „Jung“ vermählten geben. Die braunhaarige helläugige Henriette war eine durch und durch freundliche und stets hilfsbereite Frau, die sich auch nur allzu gern unter das „einfache“ Volk mischte.16 Apropos „Mischen“: Es handelte sich um die allererste interkonfessionelle d.h. „Mischehe“ im österreichischen Kaiserhaus: Obwohl die Prinzessin protestantischen Glaubens war und aufgrund der tiefen Religiosität ihrerseits nicht dazu bereit war, zum katholischen Glauben überzutreten17, konnte die Ehe schließlich mit der allerhöchsten Erlaubnis des kaiserlichen Bruders von Karl vollzogen werden.

Lieber Herr Bruder Erzherzog Carl! Ihrer in der Person der Prinzessin Henriette, Tochter des Fürsten Friedrich Wilhelm zu Nassau Weilburg getroffenen Brautwahl, von welcher mich Eure L mittels ihres Schreibens vom 15. Mai 1815 in die Kenntnis setzten, erteile ich mit Vergnügen meinen Beifall usw.18

Und so wurde erstmals eine Protestantin Mitglied des katholischen Herrscherhauses. Aber auch die Wohnfrage stellte sich für das junge Paar, in der Hofburg selber war kein Platz und um die „Verhältnisse“ des Erzherzogs war es auch nicht wirklich gut bestellt. Glücklicherweise hatte ihm sein Oheim und Adoptivvater Herzog Albert aber bereits 1807 das palaisartige Haus in der Annagasse geschenkt, in das nunmehr das frischvermählte Ehepaar einzog. Die finanziellen Verhältnisse verbesserten sollten sich fortan aber nur mehr verbessern, das Ehepaar konnte ziemlich sorglos in seine Zukunft blicken.

Wie bereits oben besprochen war Henriette ein religiöse und in dieser Tradition tief verwurzelte junge Frau. Und es war gerade das alte volkstümliche Brauchtum, welches sie aus ihrer alten protestantischen Heimat nach Wien bringen sollte, welches für uns bis heute am Weihnachtsabend so bestimmend ist.

Lange Zeit blieb der liebe Festzeuge aus dem winterlichen Wald hierzulande ein Unbekannter. Erst für das Jahr 1813 werden die ersten Weihnachtsbäume aus Wien und Graz gemeldet, dies waren jedoch mehr oder weniger noch Unikate. Die Bevölkerung versammelte sich primär noch um die Krippen. Daneben bestand eine durchaus innige Beziehung zwischen dem Nikolo und Weihnachten, der schon damals den Kindern kleine Geschenke brachte und sich gerade bei der Landbevölkerung großer Beliebtheit erfreute.

Der Weihnachtsbaum selbst sollte vorderhand auch ein reines Privileg des Adels und des Großbürgertums bleiben und so wirkte die Einführung des Christbaumes in Wien eigentlich hauptsächlich als „Beispiel von oben“: Unser heutiger Christbaum kam in Österreich erst auf, als die Gemahlin Erzherzogs Karls, Henriette Friederike von Nassau-Weilburg, erstmals für ihre Tochter Erzherzogin Marie-Therese beim Weihnachtsfest 1816 die 12 – für jeden Monat eine – Kerzen ihres geschmückten Weihnachtsbaum im damaligen erzherzoglichen Palais an der Seilerstätte/Ecke Annagassexix entzündete.

Christkind komm’ in unser Haus, leer die vollen Taschen aus!
Stell Dein Eslein an das Tor, gib ihm Heu und Hafer vor!
Da ist Weihnacht eingekehrt und hat Klein-Resi reich beschert;
Da steht ein Baum so hoch und hehr, ist rund herum beladen schwer
Mit goldenem Obst und Zuckerzeug, ein Lichtlein brennt an jedem Zweig.20

Vor dieser Zeit wusste man hierzulande überhaupt noch nichts von diesem Brauch, der langsam bei der gesamten Bevölkerung entsprechend freudige Aufnahme finden sollte. Jahre später sollte sich noch die Erzherzogin Marie, die spätere Gemahlin von Erzherzog Rainer, und jüngste Tochter des Helden von Aspern an die weihnachtliche Stimmung bei ihren Eltern erinnern:

Von allen Kindheitseindrücken war Weihnacht die sonnigste (…) der Christbaum stand im großen Saal, dieser hell erleuchtet und die alle Kinder wurden reich beschenkt.21

Die Wiener und Wienerin die an diesem Weihnachtsabend 1816 vor dem herrschaftlichen Palais auf der Augustinerbastei standen, sahen neugierig zu den erleuchteten Fenstern empor.
„Das ist“, so raunten sie einander zu, „ein Christbaum, wie sie ihn draussen in den deutschen Städten schon seit vielen, vielen Jahren haben. Dort gibt es kaum ein Haus, wo nicht am Heiligen Abend, so ein Christbaum steht, mit vielen Lichtern besteckt und mit süßem Zuckerwerk behangen“ „Ja“, meinte ein anderer, der noch mehr wusste, „mir hat es mein Vater erzählt: Unser guter Erzherzog Karl hat, zusammen mit seiner lieben Frau, diesen Christbaum nach Wien gebracht. Er meint, dass die Wiener an diesem schönen Brauch Gefallen finden werden; sind doch die Wiener für alles, was festliche Freude bereitet, leicht begeistert und schnell entflammt….“.

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Erzherzog Karl im Kreise seiner Kinder auf der Weilburg in Baden bei Wien. Signiert und datiert: "Joh. Ender pinx. | 1832" © HGM

Der durchaus energischen Person der jungen Erzherzogin war es letztendlich auch zu verdanken, dass sie ihren Schwager Kaiser Franz I. zur Übernahme dieses neuen „deutschen“ Brauches bei Hofe animieren konnte, woran sich vor allem die Kinder erfreuen sollten, die aufgeregt die vielen Geschenke unter dem hellerleuchteten Baum erblickten. Weihnachten ohne Bescherung ist heute eigentlich kaum mehr denkbar. Und obwohl dieser Brauch gar nicht so alt ist, so war die Bescherung zum damaligen Zeitpunkt primär mit dem Nikolaustag verbunden, so dass es zu Weihnachten eigentlich auch gar keine Geschenke mehr gab. Erst der Weihnachtsbaum-Brauch sollte dazu beitragen, dass die Bescherung zum Weihnachtsfest abwanderte.22 Der Weihnachtsbaum selbst wurde dadurch alsbald zum ureigensten Symbol für ein Fest des Schenkens und Beschenkt erhoben und verdrängt so auch mehr und mehr den „katholische“ Nikolaus aus seiner Rolle.

Mit zarter Hand entthronte die Erzherzogin den heiligen Nikolaus und setzte das Christkind an seine Stelle.23

So wandelte sich Weihnachten in der Biedermeierzeit, am Anfang des 19. Jahrhunderts, vom religiösen Fest zum Besucher- und Familienfest. Es mag daher auch nicht weiter verwundern, dass Prinzessin Henriette alsbald im Volksmund nur noch als die „Christkindlbringerin“ gefeiert wurde.

„Wir pflegten alle Jahre eine kleine Weihnachtsfeier bei uns zu halten. Ein Baum wurde mit Lichtern, Bändern usw. geschmückt, und der nähere Kreis der Freundinnen und Bekannten meiner Tochter mit kleinen Gaben beschenkt.“24

Dieses zunächst hochherrschaftliche Geschehen fand nach und nach entsprechende Nachahmer. Der Baum wurde alsbald mit allerlei bunten Glaskugeln aus dem Böhmischen geschmückt und Zuckwerk und Naschereien hingen ebenso bereits zwischen den Zweigen. Und ist es zwar unweigerlich den nach Wien eingewanderten protestantischen Familien aus Deutschland zu verdanken, dass sich die Sitte des Christbaumes hierzulande verbreitete, so waren es doch unsere heimischen Künstler, die schließlich den größeren Anteil daran hatten, den hellerleuchteten, geschmückten Weihnachtsbaum als allseits beliebten Träger der Weihnachtsstimmung bei uns zu etablieren. Allerdings sollte es noch lange dauern, bis die Feier des Weihnachtsfests sich auch es in den Häusern der einfachen Familien in den eher ländlichen Gegenden durchsetzen konnte. Es blieb vorderhand ein Privileg des Adels und der gehobenen bürgerlichen Kreise. Außer mit Äpfeln, goldenen Nüssen, Kerzchen und Lebzelten werden die Bäume alsbald auch mit bunten Glaskugeln aus Böhmen behängt, während darunter Geschenke platziert werden.

Aus der Erzählung des Historikers Joseph Alexander von Helfert (1820-1910):

„Mein seliger Vater war im Herbste 1820 nach Prag gekommen, am 3. November war ihm sein erstes Knäblein, meine Wenigkeit, geboren worden und, soweit ich mich zurückerinnere, stand regelmäßig am heiligen Abend ein mit Äpfeln und Nüssen in Flittergold und bescheidenem Naschwerk behangenes Christbäumchen in der Mitte des Zimmers, um das herum die anderen Bescherungen. Mein seliger Vater hat sich oft gerühmt, in keiner Prager Familie habe man vordem von einem Christbaum etwas gewusst, in der seinigen sei zuerst, also gewiss in den Zwanzigerjahren, ein solcher aufgestellt worden und habe dann in anderen Häusern Nachahmung gefunden.“25

Die katholischen Kreise hierzulande schlossen sich nur sehr zögernd dem neuen Brauch an, der die bis dahin übliche Krippe zurückdrängte. Schließlich aber feierten die Wiener und Wienerinnen Weihnachten alsbald allesamt à la reformiert, wie es Erzherzog Karl bereits vorausgesehen hatte. Der Wiener Maler Rudolf von Alt erinnerte sich, wie sein aus Frankfurt am Main stammender Vater im Jahre 1817 in Wien seinen ersten Weihnachtsbaum anzündete.

„Und wenn ich noch so alt erde, ich werde nie an diesen Weihnachtsbaum vergessen… Und dann entsinne ich mich auch der verdutzten Gesichter meiner kleinen winzigen Freundchen und noch kleineren Freundinnen, als ich ihnen erzählte, was Neues mein Vater aus Frankfurt heimbrachte…, und nicht früher als ich sie hinaufgeführte zu dem Baum, beruhigten sie sich. Dieser Weihnachtsbaum, dieser Frankfurter Weihnachtsbaum gehört zu meinen denkwürdigsten Weihnachtserinnerungen.26

Der um 26 Jahren ältere Erzherzog Karl führte mit der protestantischen Prinzessin eine durchaus harmonische, ja geradezu sehr glückliche Ehe.27 Bei der Unmenge der habsburgischen Erzherzöge litten diese zwar immer wieder unter ihren relativ bescheidenen Apanagen. Jedoch besaß Erzherzog Karl in seinem Onkel dem Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen einen wichtigen Mäzen und Förderer. Als Albrecht im Februar 1822 verstarb hinterließ er einen tatsächlich ungeheuren Reichtum und nicht zuletzt eine der schönsten Kunstsammlungen Europas. Erzherzog Karl wurde als sein Adoptivsohn zu dessen Alleinerbe eingesetzt und erhielt u.a. auch Alberts Wiener Palais auf der Bastei, die Albertina.28 Karl ließ sie gänzlich neu herrichten und genau am 24. Dezember 1823 fand die Einweihung des nunmehrigen erzherzoglichen Wohnsitzes im feierlichen Familienrahmen statt. Zu diesem Ereignis, also bereits dem 7. Weihnachtsfest mit Christbaum, wurde auch Karls Bruder, Erzherzog Johann eingeladen. Er, der auf seinem einfachen Brandhof in der Steiermark lebte und mit materiellen Gütern nicht so gesegnet war, konnte sich über den Aufwand und die Pracht, nicht genug wundern. Mit einem durchaus neidvollen Blick schrieb er am nächsten Tag in sein Tagebuch.

24. Dezember 1823 … . Abends ging ich mit Bruder Ludwig zu Bruder Karl. Da es Heiliger Abend ist, so waren alle Kinder vereinigt und was von uns da ist, versammelt. Obgleich ich einige Freude hatte, alle die Kleinen, welche die Hoffnungen des Hauses ausmachen, zu sehen, so verstimmt mich gleich die große Hitze durch die vielen Lichter. In früherer Zeit, als ich klein war, gab es ein Kripperl, welches beleuchtet war, dabei Zuckerwerk – sonst aber nichts. Nun ist kein Kripperl mehr! Wir sahen einen Christbaum mit vielem Zuckerwerk und Lichtein und ein ganzes Zimmer voll Spielereien aller Art und wahrlich manches sehr Schönes und Vieles, welches in wenigen Wochen zerschlagen, zertreten, verschleppt sein wird und welches gewiß tausend Gulden gekostet. So war das Bett für die Puppen allein, welches 400 fl. Münze soll gekostet haben. Dies verstimmt mich noch mehr. Zudem war dies in einem Zimmer, wo ich früher bei meinem Oheim so oft gespeiset, der mein Wohltäter gewesen. Mir kam mehr Lust zum Beten als zur Freude; ich dachte an ihn. Endlich als wir in das Zimmer meiner Schwägerin gingen und ich Zimmer an Zimmer durchging, keinen Fleck im Hause mehr fand, wie ich es gekannt, alles von einer Pracht mit einem solchen Aufwand gemacht sah, da wurde es mir fremd, ich fand mich so einsam und keinen frohen Blick konnte ich mehr machen. Ich dachte, der alte Herr hat so viel verwendet, nichts stehet mehr davon. Jetzt ist alles umgekehrt, verändert und unendliches Geld ausgegeben. So schön, so ausgesucht, dass ich nicht wusste, wo mich hinzustellen, noch hinzusetzen. Es stand vor mir das Elend meiner Kinder im Gebirge, wo manches kaum mehr einen guten Rock hat. Da zog es mir das Herz zusammen. Gott, hätte ich das Geld, was da stecket. Wieviele Tränen getrocknet, wie viele Missmutige wieder aufgerichtet, wie viele wieder meinem guten Kaiser gewonnen! Doch still davon, solche Gefühle sin der Hauptstadt fremd. Ich habe sie in meinen Bergen gefunden, mit diesen bin ich dem hiesigen Leben fremd geworden. Ach, mein Brandhof mit seinen glatten Zimmern und Wänden ist auch warm, ist auch rein, ist auch schön, und wer vorbeigeht siehet ihn dort gerne an. Hätte ich noch so ein großes Einkommen, ich würde diesen doch nicht anders bauen. Es sind gar so viele, die brauchen und jetzt ist es nicht an der Zeit zu solchem großen Aufwand.

Trotzdem ein ganz so armer Mann dürfte auch Johann nicht gewesen sein. Denn von Albert Sachsen-Teschen hatte auch er eine nicht unbeträchtliche Summe in der Höhe von ca. 200.000 Gulden als Erbschaft erhalten und weitere 300.000 stammten aus dem Vermögen seines Vaters Leopold II. Allerdings so reich, wie Alberts Lieblingsneffe Karl, sollte er nie wirklich werden. Doch all das Geld konnte ihn nicht über den tragischen, allzu frühen Verlust seiner geliebten Gemahlin hinwegtrösten.

Im Jahre 1829 übersiedelte die Familie erst sehr spät von der Weilburg in ihr winterliches Wiener Stadtpalais. Man hatte noch draußen im Helental die vorweihnachtliche Stimmung genossen und noch selbst einen Weihnachtsbaum für das heranstehende Fest ausgewählt. Dieser stand bereits festlich geschmückt im Saal, als die Erzherzogin selbst noch einige Einkäufe in der Stadt tätigte. Bei dieser Gelegenheit infizierte sie sich mit dem Scharlachfieber, welchem sie wenige Tag nach dem Weihnachtsfest erliegen sollte. Gegen den Protest des Konvents der Kapuziner, dem Kaiser Franz mit allem Nachdruck entgegentrat, wurde die protestantische „Christkindlbringerin“ mit allen Ehren in der letzten Ruhestätte der Habsburger, der Kapuzinergruft, bestattet. Auf dem Sarge der Erzherzogin steht geschrieben „Morte praematura decessit !“

Obwohl der Tod sie vorzeitig hinwegnehmen sollte, so blieb sie in den österreichischen Ländern weiterhin präsent. Ihrem wichtigen Bespiel folgend gab es aber auch weitere Persönlichkeiten, die sich für das Weihnachtsfest mit dem dazugehörenden Baum engagieren sollten. Und so mag es nicht verwundern, dass eine weitere deutsche Prinzessin, Maria Dorothea von Württemberg, die Gemahlin des Erzherzogs Josef, den Christbaum erstmals nach Ungarn brachte (1819), wo auch dort der neue Brauch rasch Gefallen finden sollte. Allerdings brauchte es noch seine Zeit bis der Brauch auch vom Volk tatsächlich allumfassend übernommen werden sollte. Kurioserweise verdanken wir der österreichischen Geheimpolizei einen ersten Bericht, in dem aktenkundig der erste Wiener Christbaum in einem bürgerlichen Familienhaus bezeugt ist. Ein Geheimpolizist, der sich unter den Gästen des jüdischen Bankiers Arnstein befand, schrieb:

„Bei Arnsteins war vorgestern nach Berliner Sitte ein sehr zahlreiches Weihbaum- oder Christbaumfest. Es waren dort … alle getauften und beschnittenen Anverwandten des Hauses. Alle gebetenen, eingeladenen Personen … erhielten Geschenke oder Souvenirs vom Christbaum. Es wurden nach Berliner Sitte komische Lieder gesungen.“

Von Wien aus verbreitete sich der Weihnachtsbaum praktisch wie ein Lauffeuer. 1830 war die Nachfrage nach Christbäumen in der Residenzstadt bereits schon so groß, dass die Verkaufsmärkte großen, künstlich angelegten Wäldern mitten in der Stadt glichen.29 Der üppig aufgeputzte Baum brachte eine der biedermeierlichen Lebensart durchaus angepasste Familienfeier mit sich, die alsbald nicht nur am Wiener Hof entsprechenden Anklang finden sollte. Dem adeligen Wiener Beispiel folgend wagte sich auch die eine oder andere vornehme Bürgerfamilien in Budapest und Prag daran dieser neuen Sitte zu frönen. Während der Christbaum um 1850 im bürgerlichen Mittelstand fester Bestandteil der weihnachtlichen Familienfeier wurde, war er den unteren Gesellschaftsschichten, zum Teil bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, weitgehend unbekannt. Im ländlichen Raum spielte der Christbaum noch länger keine bedeutende Rolle in der weihnachtlichen Festgestaltung. Oftmals scheute man hier davor diesen heidnischen Brauch zu übernehmen. Es sollten noch an die hundert Jahre vergehen, bis beispielsweise auch im Tiroler Pustertal die ersten Weihnachtsbäume in den Häusern aufgestellt wurden. In die Neue Welt kam der Baum durch deutsche Auswanderer und 1891 wurde erstmals ein Lichterbaum im Weißen Haus aufgestellt. Nach Italien kam er überhaupt erst durch die Soldaten im 2. Weltkrieg und im Vatikan hielt der Christbaum gar 1982 erstmals Einzug.

Kaum zu glauben also, wie jung im Grunde genommen unser weihnachtlicher Lichterbaum ist und wie lange er benötigte sich entsprechende durchzusetzen. Heute allerdings ist der Weihnachtsbaum in fast allen Häusern und Kirchen üblich. Schätzungsweise 22 bis 23 Millionen Weihnachtsbäumen werden für das „Fest der Liebe“ gebraucht. In Österreich begann man in der Zwischenkriegszeit bereits die ersten elektrisch beleuchteten Christbäume vor der Wiener Oper aufzustellen und seit 1959 wird jährlich ein echter Baum als Geschenk eines Bundeslandes an die Bundeshauptstadt vor dem Wiener Rathaus aufgestellt.

Wir hoffen, dass Ihnen der kleine historische Streifzug gefallen hat und sie diese durchaus interessante Historie vielleicht ein wenig im Hinterkopf behalten, wenn sie die grünen Nadelbäume in die Stube holen, sie schmücken und am Heiligen Abend die Kerzen feierlich entzünden. Heute aber will man es kaum glauben, dass es wirklich einmal eine Zeit gegeben hatte, wo das Weihnachtsfest ohne Christbaum, ohne Lichterglanz und ohne den Zauber, den dieses Symbol der Weihnacht ausstrahlt, gefeiert wurde.

Was wurde aus Erzherzog Karl?

Metternichs Feindschaft erwies sich für Erzherzog Karl denkbar ungünstig. Sein kaiserlicher Bruder vertraute mehr seinem Kanzler als dem familiären Blutband und so fiel Karl mehr und mehr in Ungnade am Wiener Hof. Wie jedoch bereits erwähnt war es seine Liebe zu seiner jungen Gemahlin Henriette, die ihm in dieser schwierigen Zeit darüber hinweghelfen sollte. Erzherzog Karl verfasste eine Reihe entsprechender Denkschriften, teilweise auch anonym, sowie entsprechende Darstellungen und Analysen der Koalitionskriege. Henriettes allzu früher Tod allerdings schuf für Karl eine neuerliche denkbar schwere Situation. Nunmehr oblag ihm allein die Versorgung seiner sechs Kinder, Marie-Therese30 (1816-1867), Albrecht Friedrich31 (1817-1895), Karl Ferdinand32 (1818-1874), Friedrich (1821-1847), Rudolf Franz (1822-1822), Marie-Carolin33 (1825-1876), Wilhelm Franz34 (1827-1894) auf deren Erziehung er persönlich die größte Sorgfalt legte. Im Vordergrund seines Lehrplanes standen Sprachen, Geschichte und Geographie. Die hohe Geburt war für ihn weniger ein Vorzug als vielmehr eine Verpflichtung seinem Vaterland in höherem Maß nützlich zu werden.35

Doch die Vertreter dieses Vaterlandes, allen voran Metternich, wollten von Erzherzog Karl nichts mehr wissen und versuchten ihn ein für alle Mal aus dem öffentlichen Leben auszuschalten, ja selbst in Familienangelegenheiten mischte man sich ein: So verhinderte der Kanzler im Juni 1836 die durchaus erwünschte Verbindung zwischen dem ältesten Sohn des Königs, dem Herzog von Orleans mit der ältesten Tochter Karls, Marie-Therese. Doch von alldem erfuhr die Öffentlichkeit recht wenig. Jubiläen wurden beganngen und der Held von Aspern mit manch militärischer Feier geehrt. Besonders freute ihn jedoch, dass seine Söhne in seine Fußstapfen traten. So durfte er noch erleben, dass einer seiner Söhne, die sich alle dem Soldatenberuf verschrieben hatten, Erzherzog Friedrich bei der Erstürmung der syrischen Festung Saida durch österreichisch-türkisch-englische Truppen am 26. September 1840 besonders hervortat und hierfür als erster Marineoffizier den Militär-Maria-Theresien-Orden erhalten sollte. Ende April 1847 zog sich der Erzherzog eine schwere Erkältung zu, die knapp vier Tage später bereits sein Ende herbeiführen sollte.

1 https://kaernten.orf.at/v2/studio/stories/2514462/

2 Die Festlegung auf diesen Termin resultiert aus dem fehlenden Wissen um den genauen Tag und das Jahr von Christi Geburt, welche bis heute trotz intensiver interdisziplinärer Forschung von Historikern und Astronomen nicht genau bestimmt werden können http://www.weihnachtsmuseum.de/d/fest.asp?spr=d&a=8

3 https://www.theology.de/kirche/kirchenjahr/weihnachten.php

4 So geht die älteste Erwähnung eines geschmückten Christbaumes z.B. auf die Bäckerzunft in Freiburg im Jahr 1419 zurück. https://www.ndr.de/geschichte/Tannenbaeume-Wie-die-Tanne-zum-Weihnachtsbaum-wurde,weihnachtsbaum18.html

5 Das Weihnachtsfest wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in Rom im 4. Jahrhundert nach der Geburt Christi auf den 25. Dezember datiert: Um das Christentum erfolgreich zu verbreiten, bestand die Notwendigkeit, festgelegte und einheitliche Termine für die religiösen Festtage zu finden. Da für die Geburt Christi in der Bibel kein genaues Datum angegeben ist, mußte also erst ein passender Termin gefunden werden. Nun gab es im römischen Reich die weit verbreitete vorchristliche Mithrasreligion, in deren Zentrum die Verehrung der „solinvictus“, der unbesiegbaren Sonne, stand: Das Hauptfest dieser „heidnischen“ Religion wurde am 25. Dezember als der Tag der Sonnenwende gefeiert, wobei zu Ehren der neu aufsteigenden „Siegerin Sonne“ große Feuer angezündet wurden. Die Kirchenväter der ersten Stunde ahnten wohl, daß die im Naturgeschehen verwurzelten Bräuche der vorchristlichen Religion nicht so einfach auszurotten gewesen wären und datierten strategisch geschickt das zweitwichtigste Fest des Christentums auf den 25. Dezember, den vom Sonnenkult bestimmten Tag: Da dem Fest der Erscheinung Christi auf Erden vom Neuen Testament her das Symbol des Lichts, das in der Finsternis ausstrahlt, innewohnt, ließ sich Christus- und der Sonnenkult über die beiden gemeinsamen Lichtsymboliken gut miteinander kombinieren. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß sich unser heutiges Wort „Weihnachten“ vom Mittwinterfest und nicht vom Geburtsfest Christi herleitet. Verfolgt man die Wortgeschichte unserer heutigen Bezeichnung „Weihnachten“, so zeigt sich ein direkter Zusammenhang mit der Wintersonnenwende: Etymologisch beruht die Form „Weihnachten“ (mittelhochdeutsch: wihennahten) auf einem alten mittelhochdeutschen Dativ Plural „zu wihen nahten“, was soviel wie „in den heiligen Nächten“ bedeutet. Damit waren ursprünglich die schon in germanischer Zeit gefeierten Mittwinternächte gemeint. Streng genommen verweist also die Bezeichnung „Weihnachtsbaum“ auf die heidnisch-germanische, die Bezeichnung „Christbaum“ hingegen auf die christliche Tradition

6 https://www.jesus.ch/information/feiertage/weihnachten/magazin/history_special/108415-weihnachtsbaumchronik.html

7 https://www.tannenbaum.de/_geschichte.htm

8 Im Bistum Salzburg erließ man sogar 1525 noch ein behördliches Verbot „betreffend das Abhacken des Weihnachtsgrüns. Siehe Lausser, Der Weihnachstbaum, 22

9 Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein schmückte man in Norddeutschland seinen Christbaum mit Adam und Eva, inklusive der Schlange, aus Holz oder gebacken. https://www.jesus.ch/information/feiertage/weihnachten/magazin/history_special/108416-kleine_geschichte_zum_weihnachtsbaum.html

10 Kronenfeld, Weihnachtsbaum, 149

11 Franz von Assisi war es, der am 24. Dezember 1223 in der Nähe von Rom eine Weihnachtsmesse las, bei der er als Symbol für die Geburt Christi wohl erstmals wieder ein Stall mit Holzfiguren aufbaute. Die in vielfachen Varianten bekannte figürliche Darstellung des Weihnachtsgeschehens mit dem in der Krippe liegenden Jesuskind leitet sich ursprünglich vom geistlichen Schauspiel des Mittelalters her. Zitiert bei https://www.theology.de/kirche/kirchenjahr/krippe.php

12 Zitiert bei Viktor Bibl, 11

13 siehe dazu auch die Ausführung bei Bibl, 17f

14 Erzherzog Karl erhielt hierfür das Großkreuz der Ehrenlegion und vom kleinen das persönliche Exemplar des Kaisers der Franzosen überreicht.

15 Um Jahr 1975 wurden beispielsweise gleich zwei Heiratsprojekte erörtert: eine Verbindung mit Antoinette von Parma bzw. Marie-Therese Charlotte, der Tocher Ludwigs XVI, seiner Kusine, die allerdings schon längst heimlich verlobt war. Eine weitere 1811 geplante Verbindung mit der Prinzessin Amalie von Baden wurde durch das Missfallen Napoleons verhindert. Siehe zu all diesen Fällen und entsprechend weiterer Analyse Seibert, Henriette, 17f

16 Bei Weihnachtseinkäufen steckte sie sich im Jahr 1829 mit Scharlach an. Am 29. Dezember starb sie mit nur 32 Jahren.

17 Sie ist die einzige Protestantin, die in der Kaisergruft begraben ist, obwohl sich die Patres zuerst dagegen wehrten. Doch ihr Schwager Kaiser Franz II./I. setzte ihre Bestattung in der Gruft schließlich entsprechend durch.

18 Zitiert bei Seibert, Henriette, 94

19 An seiner Stelle stand im 16. Jahrhundert das kaiserliche Giesshaus, das Kaiser Rudolf II 1603 dem Hofkriegssekretär Heinrich Nickhardt schenkte. 1625 gelangte der Baukomplex an den kaiserlichen Rat und Kämmerer Bernhard von Weltz. Sein Erbe, Ferdinand Karl Graf von Weltz, war führend an den Vorberatungen zur Gründung eines Versatzamtes beteiligt. 1707 verkaufte er das Gebäude an das soeben von Kaiser Josef I gegründete Versatz- und Fragamt. Um der Nachfrage besser entsprechen zu können, wurde es zwischen 1720 und 1730 von einem, Johann Lukas von Hildebrandt nahe stehenden Architekten, unter Verwendung der älteren Bausubstanz umgebaut. Als das Versatzamt nach der Klosterreform Josefs II 1788 in das aufgelassene Dorotheerkloster übersiedelte, erwarb das Haus Erzherzog Karl. Er ließ es in den Jahren 1801 bis 1804 durch Louis von Montoyer zu seinem Palais umgestalten. Nach Unstimmigkeiten mit seinem Bruder Kaiser Franz I zog er sich am Höhepunkt seiner Karriere ins Privatleben zurück, heiratete 1815 Henriette Friederike Prinzessin zu Nassau-Weilburg und bewohnte das Palais bis zu seiner Übersiedlung in die Albertina. Sein Sohn Erzherzog Albrecht, der später wie sein Vater ein berühmter Feldherr werden sollte, wurde 1817 hier geboren. Von 1841 bis 1847 wohnte der Komponist und Hofkapellmeister Otto Nicolai im Palais. Im letzten Viertel des 19. Jh. war Simon Georg Freiherr von Sina Hauseigentümer. Nach seinem Tod fiel das Palais an seinen Erben, den Fürsten Maurocordato. Später war hier die jugoslawische Gesandtschaft untergebracht. 1965 wurde das Gebäude in ein internationales Kulturzentrum und Studentenheim umgebaut. Auch ein kleines Theater wurde eingerichtet. Heute unterhält hier das „Haus der Musik“ einige musikspezifische Organisationen und Ausstellungen. Das Palais ist heute ein mehrfach veränderter vierseitiger und fünfgeschossiger Baukomplex. Die Franz Anton Pilgram zugeschriebene barocke Straßenfassade ist durch die Fenstergruppen rhytmisch gegliedert. Die Obergeschosse sind über einem zweigeschossigen gequaderten Sockel aufgebaut. Die Ecken sind mit einer Ortseinrahmung versehen. Die seitlichen Gitterbalkone in der Seilerstätte wurden erst 1872 angebracht. Das Gebäude hat zwei bemerkenswerte Barockportale in der Seilerstätte und ein Portal mit einem darüber liegenden Balkon in der Annagasse. Hier hat sich auch das klassizistische, mit Wand- und Deckenstuck geschmückte Stiegenhaus erhalten. Seine kannelierten Säulen erinnern an die Art Josef Kornhäusels. Der ehemalige Tanzsaal im ersten Obergeschoss weist eine Wandverkleidung aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts auf. Der Gedenkraum für Otto Nicolai ist mit geschnitzten hölzernen Lambrissagen, einer Balkendecke und einem Renaissancekamin ausgestattet. Auszug aus http://www.burgen-austria.com/Palais.asp?Artikel=Erzh.Carl

20 Dieses Gedicht eines unbekannten Autors ist zitiert bei Seibert, Henriette, 117f

21 Kronfeld 189 Die Tradition, dass Menschen sich gegenseitig beschenken, steht nicht zuletzt in einem Sinnzusammenhang mit dem Geschenk Gottes, das er mit seinem Sohn allen Menschen gemacht hat.

22 Die Weihnachtsgeschenke sind jedoch auch eine Erinnerung an die Gaben, die die Heiligen Drei Könige dem Jesukind darbrachten

23 Müller-Guttenbrunn zitiert bei Seibert, Henriette, 117

24Erzählung der Wiener Schriftstellerin Caroline Pichler aus der Zeit von 1814-1822, Zitiert bei Kronfeld, 192

25 Erzählung des Historikers Freiherr von Helfert, Zitiert bei Kronfeld, 192

26 zitiert bei Lauser, 42, vollständig wiedergegeben bei Kronfeld 188

27 Die Ehe war ausgesprochen glücklich, das Paar hatte insgesamt sieben Kinder

28 Das heute unter dem Namen Albertina wesentlich bekanntere Palais Erzherzog Albrecht liegt auf der Augustinerbastei, einem Überbleibsel des alten Befestigungssystems der Stadt. Aus strategischen Gründen durfte dieses bis zum Ende des 16. Jh. nicht verbaut werden. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. stand hier in unmittelbarer Nähe der Hofburg das Hofbauamt. Dessen Direktor Emanuel Teles Graf Sylva-Tarouca erhielt 1745 von Kaiserin Maria Theresia die Erlaubnis, das Gebäude zu seinem Palais umzubauen. Der Graf war auch Präsident der Niederländischen Hofkanzlei, die ebenfalls – bis zum Verlust der Österreichischen Niederlande 1792 – hier ihren Sitz hatte. Inzwischen hatte die Kaiserin das Palais angekauft und es zum Teil als Gästehaus des Hofes verwendet. 1795 übergab es Kaiser Franz II an Herzog Albert von Sachsen-Teschen und dessen Gattin Erzherzogin Marie Christine, einer Tochter Maria Theresias. Der Herzog, der von 1781 bis 1791 Statthalter der Österreichischen Niederlande war, ließ das Gebäude 1801 bis 1805 von Louis de Montoyer durch Einbeziehung von Teilen des benachbarten Augustinerklosters erweitern und umgestalten. Damals entstand der langgestreckte, dem Burggarten zugewendeten Trakt, der die Repräsentationsräume des Herzogs aufnahm. Seine Erben, die Erzherzöge Karl, Albrecht und Friedrich bewohnten den Palast bis zum Ende der Monarchie. Die Fassaden wurden 1867 im Stil des Historismus verändert. 1919 ging das Palais in den Besitz der Republik über. Seit damals wird es von der Graphischen Sammlung Albertina genutzt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude durch Bombentreffer schwer beschädigt und danach in vereinfachten Formen wieder aufgebaut. So wurde die Auffahrtsrampe stark verkürzt und zur Stiege umgebaut. Der Eingang wurde von der Bastei in die Augustinerstraße verlegt. 2003 wurde eine Generalsanierung abgeschlossen, bei der das Palais seinen alten Glanz – soweit wie möglich – wieder erhielt. Allerdings sind einige Änderungen umstritten. Um den toten Raum der Bastei zu nutzen, wurde in ihr ein Tiefspeicher angelegt, der der Sammlung ihre Raumprobleme für längere Zeit lösen wird. Das Palais ist heute ein Konglomerat aus drei Bauteilen und verschiedenen, noch erkennbaren Baustilen, vom Barock bis zur Moderne. Ältester Teil ist der Verbindungstrakt zwischen dem ursprünglichen Palais und der Augustinerkirche. Er entstand im 16. Jh. durch Aufstockung des Klosterkreuzganges der Augustiner Chorherren aus der 2. Hälfte des 14. Jh. Sehenswert sind die von Josef Kornhäusel nach 1822 für Erzherzog Karl, den Neffen und Adoptivsohn Herzogs Albrecht, entworfenen klassizistischen Interieurs. Sie zählen zu den bedeutendsten Werken dieser Stilrichtung in Österreich. Der ehemalige Festsaal ist mit zweifarbigem Marmor verkleidet und durch Pilaster gegliedert. An den Längsseiten sind Sandsteinfiguren des Apollo und der neun Musen von Joseph Klieber aus den Jahren 1823/24 aufgestellt. In der ovalen Minervahalle steht eine Statue der Pallas Athene vom gleichen Künstler. Die Räume sind mit Stuckdecken, Lustern, Öfen, Supraporten und eingelegten Fußböden versehen. Auch der Säulengang und die Treppe mit den zwei Sphingen und den Kopien antiker Skulpturen sind erwähnenswert. Auf der Bastei, vor der Schmalseite des Gebäudes, steht ein großes Reiterdenkmal Erzherzog Albrechts, des Siegers der Schlacht von Custozza. Es wurde 1899 durch Caspar von Zumbusch geschaffen. Der Danubius-Brunnen am Fuß der Bastei stammt von Johann Meixner (1867). Der 1863 errichtete gedeckte Verbindungsgang vom Palais zum ersten Stock der Güterdirektion des Erzherzogs Albrecht in der Hanuschgasse ist inzwischen wieder abgerissen. Herzog Albert hatte bereits eine große Sammlung graphischer Kunst angelegt. Diese wurde durch Erzherzog Karl und dessen Sohn Erzherzog Albrecht weiter ausgebaut, bis sie 1920 mit dem Kupferstichkabinett der ehem. Kaiserlichen Hofbibliothek vereinigt wurde. Es entstand die größte graphische Sammlung der Welt mit weit über einer Million Druckwerken

29 1851 gab es den ersten Christbaummarkt in Wien

30 Nachdem ihre Heirat mit dem Herzog von Orleans aus „Staatsraison“ von Metternich verhindert worden war, heiratete sie nach kurzem Aufenthalt als Äbtissin im adeligen Damenstift in Prag 1837 den verwitweten König beider Sizilien, Ferdinand II.

31 Er sollte als Offizier die steilste Karriere in der k.k. Armee machen: Schon 1845 war er kommandierender General , 1848 ließ er in Wien auf die Aufständischen das Feuer eröffnen, kämpfte unter Radetzky bei Santa Lucia, Mortara und Novara. 1866 befehligte er die Italienarmee und errang den österreichischen Sieg bei Custozza.

32 Er sollte zunächst ins IR 57 in Brünn eintreten. 1866 schied er als General der Kavallerie aus den Reihen der Armee

33 Nach der Eheschließung ihrer Schwester kümmerte sie sich um ihren Vater und heiratete erst 1852 Erzherzog Rainer Ferdiand.

34 Er wählte als Waffengattung die Artillerie und kämpfte bei Königgrätz, wo er verwundet sich noch beim Rückzug auszeichnen sollte. Im Todesjahr seines Vaters wurde er zum Generalmajor ernannt.

35 Von den vielen Enkelkindern Erzherzog Karls wurden vor allem die beiden Söhne Karl Ferdinands, Friedrich und Eugen im 1. Weltkrieg bekannte und erfolgreiche Heerführer.

 

LITERATUR:
Viktor BIBL, Erzherzog Karl. Der beharrliche Kämpfer für Deutschlands Ehre, Wien, Leipzig, 1942

Oskar CRISTE, Erzherzog Carl von Österreich. Ein Lebensbild. 3. Band, Wien, Leipzig 1912

Oskar CULLMANN, Die Entstehung des Weihnachtsfestes und die Herkunft des Weihnachstsbaumes, Stuttgart 1990

Eugen ERNST, Weihnachten im Wandel der Zeit. Ein Hausbuch für die Zeit vom 1. Advent bis zum Dreikönigstag, Stuttgart 1998

Helmut HERTENBERGER und Franz WILTSCHEK, Erzherzog Karl. Der Sieger von Aspern, Graz, Wien, Köln, 1983

C.M. KRONFELD, Der Weihnachtsbaum. Botanik und Geschichte des Weihnachtsgrüns, Oldenburg, Leipzig o.J

Otto LAUSSER, Der Weihnachtsbaum in Glauben und Brauch, Berlin, Leipzig 1934

Anneliese RATZENBÖCK, Der Christbaum. Geschichte und Geschichten, Linz 1985

F. SEIBERT, Henriette Prinzessin von Nassau-Weilburg und Erzherzog Karl von Österreich, Wiesbaden 1916

Bartel F. SINHUBER (Hrsg.), Weihnachten im alten Österreich, Wien 1996

Christoph Hatschek

Christoph Hatschek

Vizedirektor HR Mag. Dr. Christoph Hatschek
Ich bin seit 1998 am Heeresgeschichtlichen Museum in Wien tätig, und nehme aktuell als Referats- und Sammlungsleiter „Uniformen, Orden- und Ehrenzeichen, Ausrüstung sowie Insignien“ in weiterer Folge als Leiter der Abteilung für Sammlungen und Ausstellungen des Museums und schließlich als Vize-Direktor (seit 2015) gleichermaßen eine „Dreierfunktion“ wahr.

Gerade für die durchaus immer wieder intensive Vorbereitung von Ausstellungen, gilt es sich stets neuen Themen zu widmen und für diese entsprechend zu recherchieren. Interviews, Vorträge und Präsentationen zu militärhistorischen Themen runden das Arbeitsspektrum ab, wobei mein persönliches Interessensgebiet insbesondere im Bereich der Forschung zur historischen Entwicklung der Soldatinnen bei den Streitkräften sowie aktuell zur Geschichte des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik liegt.

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