HGM Wissensblog

Objekt des Monats Jänner 2020

Österreichischer Soldat, 1916

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Öl auf Karton, 52 x 48 cm; Signiert: „Egger-Lienz“, undatiert (1916) © HGM

Als sich der bereits zu Lebzeiten renommierte Maler Albin Egger-Lienz Ende April 1915 – also noch vor der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn – freiwillig zu den Tiroler Standschützen meldete, war er bereits 47 Jahre alt. Am 20. Mai 1915 wurde er vereidigt und rückte mit seiner Einheit als Besatzung in die Bergfestung Tombio ein, wo er zu Schanzarbeiten und zum Tarnen von Kasematten eingesetzt wurde. Ein einsichtiger Festungsarzt, Dr. Friedrich Pfahl aus Innsbruck, konstatierte bei Egger-Lienz schließlich akute Herzbeschwerden und so wurde ihm ermöglicht, von der Front heimzukehren.

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Albin Egger-Lienz, 1906 © Wikipedia

In weiterer Folge wurde Egger-Lienz als künstlerischer Beirat zum Kriegsfürsorgeamt nach Bozen abkommandiert. Von Mitte Jänner bis Mitte Februar 1916 arbeitete er als Kriegsmaler in Vielgereuth (Folgaria), bis Mai 1916 in Trient. Er besichtigte dabei hoch-gelegene Gebirgsstellungen und malte bzw. zeichnete mehrere Bilder von diesen Front-bereichen. Ab Mai 1916 beschäftigte ihn der Krieg jedoch nur noch in freien Kompositionen, die er in seinem Atelier malte.

Aus diesem ersten Halbjahr 1916 an der Dolomitenfront sind mehrere Alltagsszenen und auch Porträts erhalten, der unbekannte „österreichische Soldat“ ist eines davon. Der charakteristische Pinselduktus des Malers – breit und abgehakt – fällt dem Betrachter sofort ins Auge.

Uniform und Stahlhelm sind in einem oliv-grauen Farbton gehalten, während ein warmes Licht von der Seite her auf das Gesicht des Soldaten fällt. Dieses wird von kurzen, vom Farbton her abwechselnden Pinselstrichen geformt und spiegelt die Härte des Kriegsalltags wieder. Ebenso zeigt die Physiognomie des Dargestellten gleichsam die Spannung zwischen Handlungsbereitschaft und Todesahnung.

Am unteren Bildrand ist die „Goldene Tapferkeitsmedaille“ zu sehen, mit welcher der Soldat ausgezeichnet wurde. Dies war nicht nur eine hohe militärische Auszeichnung für k.u.k. Soldaten, welche sich im Kampf bewährt hatten, sondern war auch mit einem lebenslangen Ehrensold von monatlich 30 Kronen (ca. 60 Euro) verbunden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Zahlung dieses Ehrensoldes bis 1923 aufrechterhalten, dann aber infolge von Inflation und der Währungsreform von 1924/25 eingestellt. Erst ab dem 26. März 1931 erhielten die Inhaber der oberen Klassen der Tapferkeitsmedaille auf Basis des sogenannten „Tapferkeitsmedaillen-Zulagengesetzes“ wieder einen Ehrensold, für die Goldene Tapferkeitsmedaille waren dies 50,- Schilling jährlich (ca. 180 Euro). Diese Überlegungen erscheinen im Hinblick auf den porträtierten Soldaten jedoch obsolet, zumal nicht bekannt ist, ob dieser den Krieg überhaupt überleben konnte.

Walter Kalina

Walter Kalina

HR Dr. Walter Kalina
Ich bin Kunsthistoriker und Historiker sowie Sammlungsleiter Kunst im Heeresgeschichtlichen Museum. Gemeinsam mit meinen sieben Mitarbeitern bin ich für die Verwaltung aller Objekte mit kunsthistorischem Bezug wie Gemälde, Druckgrafiken, Aquarelle und Handzeichnungen, Skulpturen und Plastiken sowie Miniaturen zuständig. Dies umfasst u. a. Ausstellungswesen, Leihverkehr, Akquisition, Konservierung, Restaurierung und Depotwesen. Weiters bin ich referatsübergreifend auch für die Provenienzforschung im Sinne des Bundesgesetzes über die Rückgabe von Kunstgegenständen (BGBl. I, 181/1998) verantwortlich. Darüber hinaus liegen meine Forschungsinteressen in der Kunst- und Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, besonders des Dreißigjährigen Krieges; sowie der Kunst des Ersten Weltkrieges mit dem Schwerpunkt Kriegsmaler im k.u.k. Kriegspressequartier.

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