HGM Wissensblog

Das erste Werk einer Künstlerin im HGM

Melanie Horsetzky von Hornthal – Pionierin unter den Bildhauerinnen

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Admiral Maximilian Daublebsky Freiherr von Sterneck (1829 – 1897), gefertigt von Melanie Horsetzky von Hornthal (1852 – 1931), 1895 im Heeresmuseum aufgestellt (C) HGM

Über weite Teile der Geschichte begegneten Frauen größten Hindernissen und Widerständen dabei als bildende Künstlerinnen Anerkennung zu finden. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war es ihnen in der Hauptstadt der Habsburgermonarchie noch weitgehend verwehrt in institutionelle Kunstausbildungsstätten oder Künstlervereinigungen aufgenommen zu werden und nicht selten wurden Frauen sogar als grundsätzlich weniger für die Kunst talentiert erachtet als Männer. Dies gilt insbesondere für die Bildhauerei. So konnten Frauen erst ab dem Jahr 1900 an der Wiener Kunstgewerbeschule Bildhauerei studieren. Zu den Vorreiterinnen unter den Bildhauerinnen zählte die in der Forschung wenig beachtete Künstlerin Melanie Horsetzky von Hornthal (1852 – 1931), die unter anderem von Auguste Rodin (1840 – 1917) unterrichtet worden war. Sie gilt als jene Bildhauerin, der es als erste gelang ihre Arbeiten in Wien öffentlich auszustellen.

Bekannt ist Horsetzky unter anderem für die Büsten der Universitätsprofessoren Heinrich Siegel (1830 – 1899) und Wilhelm Emil Wahlberg (1824 – 1901), die im Arkadenhof der Universität Wien stehen und für eine den Admiral Alexander Eberan von Eberhorst (1829 – 1914) darstellende Plastik, für die sie auf der „Woman’s Exhibition“ in London im Jahr 1900 mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet wurde.

Schon zuvor, nämlich im Jahr 1898, war allerdings eines ihrer Werke im k. u. k. Heeresmuseum öffentlich ausgestellt worden, womit dieses wahrscheinlich zum ersten Museums Wien wurde, in dem ein Werk einer Bildhauerin dauerhaft aufgestellt wurde.

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Die Büste von Admiral Maximilian Daublebsky Freiherr von Sterneck vor der Ruhmeshalle (C) HGM

Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine insgesamt 61,5 cm hohe, aus weißem Marmor gefertigte Büste des langjährigen Kommandanten der k. u. k. Kriegsmarine, Admiral Maximilian Daublebsky Freiherr von Sterneck zu Ehrenstein (1829 – 1897), die bereits im Jahr 1895 von der Künstlerin geschaffen wurde. Sie befindet sich seit 1898 beim Abschluss des Stiegenhauses des Heeresgeschichtlichen Museums, unmittelbar vor dem Zugang zur „Ruhmeshalle“.

Für die Aufstellung der Büste Sternecks hatte sich Graf Johann Nepomuk (genannt „Hans“) Wilczek, der einer der wichtigsten Förderer des k. u. k. Heeresmuseums war und dessen Kuratorium von 1885 bis 1918 an führender Stelle angehörte, persönlich beim Kriegsminister eingesetzt. Tatsächlich gelang es ihm diesen dazu zu bewegen, den Ankauf des Werkes von Horsetzky und einer weiteren Büste eines anderen Künstlers, die den Vizeadmiral Wilhelm von Tegetthof (1827 – 1871) darstellt, zu finanzieren. Dieser Vorgang ist insofern bemerkenswert, als das k. u. k. Heeresmuseum seit seiner Gründung ausschließlich der Armee gewidmet gewesen war, zumal für die Flotte in Pula [Pola] in Istrien ohnehin ein eigenes Museum der Kriegsmarine existierte. Daher fanden sich unter den 60 Statuen berühmter Feldherren der Babenberger und Habsburger, die bis 1877 in der Feldherrenhalle und dem Stiegenhaus aufgestellt worden waren, auch keinerlei Vertreter der Marine.

Wenngleich sich dies bislang nicht quellenmäßig belegen lässt, so erscheint zumindest hinsichtlich des Engagements Graf Wilczeks für die Aufstellung der Büste Sternecks die Annahme plausibel, dass dabei persönliche Motive mitgewirkt haben dürften. Der damalige Konteradmiral Sterneck hatte nämlich gemeinsam mit Hans Wilczek 1872 die Begleitfahrt für die „Payer-Weyprecht-Expedition“ zum Nordpol unternommen, in deren Rahmen ein Proviantdepot für das Expeditionsschiff „Admiral Tegetthoff“ angelegt worden war. Nachdem die Aufstellung der Büsten kurze Zeit nach dem Tod Sternecks am 5. Dezember 1897 erfolgte, stellte dessen Würdigung sicherlich den Anstoß dafür dar, zumal die Büste Wilhelm von Tegetthoffs sogar aus dem Besitz des Admiral Sterneck stammte.  Zugleich verband Sterneck und Tegetthoff der Sieg in der Seeschlacht bei Lissa am 20. Juli 1866. Sterneck war nämlich der Kapitän des Flaggschiffs „SMS Erzherzog Ferdinand Max“ von dem aus Tegetthoff die österreichische Flotte befehligte und das durch Versenkung des italienischen Flaggschiffs „Re d’Italia“ wesentlichen Anteil am Sieg der k. k. Flotte hatte.

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Detail an der Büste (C) HGM

Im Zusammenhang mit der Entscheidung des Kriegsministeriums, den Ankauf der Büsten zu unterstützen, fällt jedenfalls auf, dass der damals amtierende Kriegsminister Edmund Freiherr von Krieghammer (1832 – 1906) selbst einen persönlichen Bezug zum Kunstschaffen von Frauen hatte. Seine Tochter Olga Brand-Krieghammer (1867 – 1948) nahm nämlich wenige Jahre später als Künstlerin eine wichtige Rolle im Wiener Kunstleben ein. So war sie 1910 Mitbegründerin und Präsidentin der „Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs“ und fungierte im selben Jahr als Co-Kuratorin der kunsthistorisch wichtigen Ausstellung „Die Kunst der Frau“, die in der Wiener Secession gezeigt wurde.

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Signatur mit dem Jahr 1895 als jenes der Fertigstellung der Büste (C) HGM

Auch Melanie Horsetzky verfügte über enge familiäre Verbindungen zum Militär der Habsburgermonarchie. Alle drei ihrer Brüder waren Generäle in der k. u. k. Armee, wobei insbesondere Feldzeugmeister Adolf Horsetzky von Hornthal (1847 – 1929) als Militärschriftsteller große Bedeutung erlangen sollte.

Stefan Kurz

Stefan Kurz

MMag. Stefan Kurz
Ich bin Historiker und Politikwissenschafter. Als wissenschaftlicher Assistent der Direktion ist mein Aufgabengebiet sehr vielfältig und jeweils anlassbezogen mit den verschiedensten musealen Tätigkeiten verbunden. Es erstreckt sich damit u.a. von eigentlichen Assistenzaufgaben, über das Kuratieren von Ausstellungen bis hin zu wissenschaftlichen Arbeiten.
Meine Forschungsinteressen liegen insbesondere in der Militärgeschichte der Habsburgermonarchie des „langen 19. Jahrhunderts“, der Militärdiplomatie und dem Zusammenhang zwischen der Entwicklung des stehenden Heeres und der modernen Staatlichkeit. Aktuelles Forschungsgebiet ist die Geschichte des Heeresgeschichtlichen Museums.

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